In memoriam: Prof. Dr. Heinz Haber

Heute vor 27 Jahren ist der Wissenschaftler und Wissenschaftsjournalist Prof. Dr. Heinz Haber gestorben.

haber

Prof. Dr. Heinz Haber (links), hier mit Wernher von Braun (rechts)(sic!), © NASA

Jetzt wird sich mancher fragen, aus welchem Grund ich hier heute an ihn erinnere.
Nun, Professor Haber ist hier in Mannheim, unserer Nachbarstadt, geboren worden, und ich bin schon oft an seinem Geburtshaus vorbei gefahren.

Das erzeugt schon irgendwie eine gewisse patriotische Verbundenheit, ich lebe ja immerhin seit 33 Jahren hier in der Gegend.

Aber es ist noch ein anderer Grund, weshalb ich mich sehr gut und gerne an Heinz Haber erinnere.
Und daß ich es ausgerechnet heute tue, liegt daran, daß ich neulich in einem Artikel schon einmal seinen Namen erwähnte.

Seit vielen Jahren, ich weiß gar nicht wie lange, bin ich über diverse Kanäle im Netz ganz locker mit Marc ‚Zugschlus‘ Haber verbunden. Und Marc Haber ist der Sohn des Weltraumpioniers.
In dieser Eigenschaft schrieb er neulich zu meinem oben erwähnten Artikel:

Ich habe mich sehr gefreut, den Namen meines Vaters zwischen den von Dir geschriebenen wirklich großer Namen des 20sten Jahrhunderts zu lesen und fühle mich sehr geehrt. In der Kurpfalz hat man Heinz Haber nicht in diesem Maße vergessen wie im Rest Deutschlands. Danke dafür, dass Du ihn noch in Deinem Gedächtnis hast.

Mich hat das fast ein bißchen gewundert. Wie könnte jemand Heinz Haber nicht kennen? Ja gut, ich vergesse manchmal, wie alt ich bin.
Ich antwortete Marc daraufhin hier im Blog in einem Kommentar:

Nun stamme ich ja gar nicht aus der Kurpfalz. Mir ist Dein Vater als sehr eloquenter Erklärer in Erinnerung. Und zwar in sehr guter Erinnerung. Er hat in mir als Kind und Jugendlichem nicht nur Interesse geweckt, sondern mich in meinem Bestreben, schwierige Sachverhalte populär zu beschreiben, sehr geprägt.

Ich habe heute noch den Klang seiner, ganz leicht vom hiesigen Dialekt gefärbten Stimme im Ohr und höre, wie er vom „Weltenraum“ spricht. Interessant fand ich auch immer die Art und Weise, wie der seine Armbanduhr mehr seitlich am Handgelenk getragen hat.

Manchmal hat man ja das Glück, ihn nachts in den „Space Night“-Sendungen des br nochmal zu sehen. Für mich eine beeindruckende Persönlichkeit, die ich gerne mal kennengelernt hätte.

Wer nicht weiß, wer Professor Haber war, der kann sich dieses Video anschauen, oder bei YouTube einfach mal „Heinz Haber“ eingeben, da gibt es Dutzende von tollen Beiträgen.

Aus heutiger Sicht wirkt die Art von Professor Haber sicherlich auf den einen oder anderen etwas abgehoben und unmodern. Wir sind halt die Popstars unter den Wissenschaftserklärern, wie beispielsweise Prof. Harald Lesch gewöhnt, die auch mal herumhampeln und zu humorigen Vergleichen greifen. Das ist bestimmt zeitgemäßer und trifft die Zielgruppe besser.
Aber, zu seiner Zeit war Professor Haber so ein Popstar unter den Wissenschaftsjournalisten. Wir hatten ja alle keine Ahnung, waren noch nicht so durch Science Fiction an alles Mögliche gewöhnt und unsere Vorstellungskraft mußte erst durch Menschen, wie Herrn Haber, mit Ideen und Begrifflichkeiten gefüllt werden. Und genau das konnte Professor Haber. So wie er uns schwierige physikalische Zusammenhänge erklärte, das war prägend für zwei Generationen.

Die Männer, die auf dem Mond waren, die sterben langsam weg. Heutige Astronauten kennt man kaum noch beim Namen. Großtaten werden im All einfach nicht mehr erbracht oder zumindest nicht mehr kommuniziert.
Das war vor 50 Jahren anders.

Da lieferten sich die großen Nationen der Erde ein Wettrennen im All und wirklich alle Menschen verfolgten das mit Atemlosigkeit und großen Interesse.
Doch was ging da eigentlich vor? Wie mußte man sich einen Weltraumflug vorstellen? Wie funktioniert eine Rakete überhaupt?
Auf all diese Fragen lieferte uns Professor Haber die Antworten.

In der Wikipedia heißt es über Prof. Dr. Heinz Haber:

Heinz Haber (* 15. Mai 1913 in Mannheim; † 13. Februar 1990 in Hamburg) war ein deutscher Physiker, Schriftsteller und Fernsehmoderator.

Heinz Haber wurde 1913 als Sohn des deutschen Fabrikdirektors Karl Haber, Süddeutsche Zucker AG, heute Südzucker, geboren und ist der jüngere Bruder des Raumfahrtingenieurs Fritz Haber.

Heinz Haber studierte seit 1932 in Leipzig, Heidelberg und Berlin, wo er 1939 in Physik promovierte.
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges diente er in der Luftwaffe. 1944 habilitierte er. Nach 1945 lehrte er als Dozent in Heidelberg.

Ende des Zweiten Weltkrieges wurden mit der Operation Overcast deutsche Wissenschaftler und Techniker und 1946 im Rahmen der Operation Paperclip in die USA gebracht.
Dort arbeitete Heinz Haber bis 1952 an der Schule für Luftfahrtmedizin auf der Randolph Air Force Base, Texas.
Hier wurde unter Beteiligung vieler deutscher Wissenschaftler, darunter auch sein Bruder Fritz, 1948 die Flug- und Raumfahrtmedizin begründet.
Sie arbeiteten als Berater für Litton Industries, die eine Unterdruckkammer zur Simulation von Weltraumbedingungen und den ersten Weltraumanzug entwickelte.
Die theoretischen Grundlagen für den Parabelflug zur Erzeugung von Schwerelosigkeit stammen ebenfalls aus ihrer Feder.

1950 wurde Heinz Haber Assistenzprofessor an der Air University, wechselte zwei Jahre später als assoziierter Physiker zur University of California, Los Angeles (UCLA) an das Institute of Transportation and Traffic Engineering und 1956 als „Chief Science Consultant“ zu Walt Disney.
Haber moderierte den Fernseh-Dokumentarfilm Our friend the atom (Unser Freund das Atom), der 1956 auf Wunsch der US-Regierung von Disney produziert und in der Fernsehreihe Disneyland ausgestrahlt wurde, um das Image der Atomenergie zu verbessern.
Er schrieb auch das gleichnamige Buch zum Film, das mit Disney-Bildern illustriert wurde.

Habers anschauliche Darstellung des Verlaufs einer nuklearen Kettenreaktion mit Hilfe von Mausefallen und Tischtennisbällen wurde zu einem häufig nachgeahmten „Klassiker“.

Nach 1950 kehrte er nach Europa zurück. Seit 1958 arbeitete Haber als Wissenschaftspublizist für die ARD und produzierte mehr als 350 Fernsehbeiträge.
In den 1960er und 1970er Jahren war Haber für das deutsche Fernsehen tätig und produzierte verschiedene populärwissenschaftliche Fernsehreihen, darunter Professor Haber experimentiert, Das Mathematische Kabinett, Unser blauer Planet, Stirbt unser blauer Planet?, Professor Haber berichtet, Was sucht der Mensch im Weltraum (13 Folgen, 1968) und Was ist was mit Professor Haber.

Neben seiner Tätigkeit als „Fernseh-Professor“ verfasste Haber 30 Sachbücher zu naturwissenschaftlichen Themen, davon etliche Bestseller.

Er war Mitbegründer und Herausgeber der Zeitschrift Bild der Wissenschaft und Herausgeber der Wissenschaftszeitschrift X-Magazin. Zudem hatte er mit Eine Frage, Herr Professor eine regelmäßige Kolumne in der Fernsehzeitschrift Hörzu.

Aus Heinz Habers erster Ehe gingen zwei Kinder hervor, aus der zweiten Ehe ein Sohn. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof Blankenese (Hamburg). Sein Archiv vermachte er dem Stadtarchiv Mannheim.

Bilder:
(Haber/v.Braun) Von NASA – NASA, ID MSFC-9605274 (http://nix.nasa.gov/info?id=MSFC-9605274), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3014058
(Haberhaus) Von Edmund Ritscher – Edmund Ritscher, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9966091

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  • 13. Februar 2017 - 8 Kommentare - Lesezeit ca.: 6 Minuten - Kategorie: Allgemein

Veröffentlicht von

Hier erzählt und informiert der Schriftsteller Peter Wilhelm. Der Sachverständige ist Chefredakteur von "Bestatter heute". Der Satiriker veröffentlicht Satiren und
Produkttests. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor finden Sie u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

8 Kommentare von 137299.

  1. Vielen Dank für diese schöne Erinnerung an einen großartigen Menschen.

  2. Und dann noch Fuchsberger in dem Video… Man, I feel old.

  3. Nein!!!!! Er ist nicht vergessen! Ich musste nur mal wieder an ihn erinnert werden. Da waren sofort meine ganzen Kindheits- und Jugenderinnerungen wieder da.
    Mann, was haben wir Nächte vor dem Fernseher verbracht, als es um die Mondflüge ging.

    Seine Wissenssendungen habe ich auch immer geschaut. Ein wirklich toller Mann.

    • @Rainer: genau diese Einnerungen habe ich auch. Auch ich habe, zusammen mit mener Schwester, immer wieder mit Spannung seine Erklärungen und Experimente verfolgt.
      Danke, lieber Peter, für die Erinnerung.

  4. Das Mausefallenbeispiel hat zu meiner Kinderzeit dann auch die Sendung mit der Maus in ihrem Beitrag zum Thema „Atom“ verwendet.
    Einer der wenigen, an die ich mich noch erinnere. Jetzt weiß ich, wo sie’s herhatten ;-)

  5. *schnüff* ich bin gerührt. Und beeindruckt, wer alles das Bestatterweblog liest. Der Link ist mir in den letzten 28 Stunden aus Ecken zugeflogen, die mich wirklich erstaunt haben. Danke!

  6. Ach Gott, wie alt bin ich schon!??
    Professor Haber war ein ganz toller Mann. Wenn ich an die Mondlandung denke, denke ich an ihn. Er ist für mich untrennbar damit verbunden.

    Es ist ja wirklich eine große Kunst, diese komplizierten Vorgänge anschaulich zu machen.

    Du lieber Peter kannst das auch sehr gut.

    Übrigens finde ich es toll, dass sein Sohn hier mitliest.

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