Kann man einen Sarg selbst bauen?

Kann ich meinen Sarg auch aus Baumarkt-Brettern selbst zusammenbauen?

Ja, selbstverständlich.
Zu berücksichtigen ist, daß der Sarg den Vorschriften der jeweiligen Friedhofsordnung und des zuständigen Landesbestattungsgesetzes entspricht. Manche Friedhofsordnungen sprechen nur von einem verrottbaren Holzsarg, während andere explizit von einem Vollholzsarg sprechen.
Auf der sicheren Seite ist man mit Särgen aus Vollholz.

Sofern man sich an die gängigen Maße (ca. 200 x 80 x 60) hält, sollte es keine Probleme geben. Auf die Verwendung umweltschädlicher Klebstoffe und Lacke sollte man verzichten.
Innen sollte der Sarg so gestaltet sein, daß der Austritt von Flüssigkeiten ausgeschlossen ist und er sollte auf dem Boden eine Schüttung von wenigstens 5 cm saugfähigen Materials haben.
Überdies sollte der Sarg blick- und möglichst geruchsdicht gefertigt sein. Es sollte auch besser auf Elemente verzichtet werden, die das persönliche Empfinden der Trauergäste und des Personals stören könnten.

Weicht man stark von den Maßen oder der üblichen Form ab, ist vorher abzuklären, ob der selbstgebaute Sarg überhaupt bestattet werden kann und ob er in die Grube paßt.
Auf vielen Friedhöfen ist aus technischen Gründen kaum eine andere Grabform, als die herkömmliche möglich.

Soll der Sarg eingeäschert werden, sind weitere Dinge zu berücksichtigen.
Die Griffe müssen demontierbar sein, sofern sie aus Metall bestehen.
Bei der Verbrennung dürfen keine schädlichen Gase entstehen, weshalb oft eine Lackierung mit bestimmten Lacken nicht möglich ist.

Sollte man tatsächlich diesen Wunsch haben, empfiehlt es sich, frühzeitig die Bedingungen zu erfragen und die Beteiligten zu informieren.

Grundsätzlich muß aber gesagt werden, daß die Sarghersteller eine solche Vielzahl von Särgen anbieten, daß eigentlich für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte.

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  • Veröffentlicht am: 25. Juni 2009
  • 9 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

9 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. dazu sollte man schon ein handwerkliches genie ist, das einen sarg entweder ratzfatz zusammengezimmert hat oder ein so tolles design hinkriegt, das normal nicht zu bezahlen wäre. ist man keines, dürfte sich das ganze unterfangen nach aufwand und material eigentlich nicht auszahlen. schließlich kann man ja auch sehr billige verbrennungssärge kaufen.

  2. Aber vielleicht geht es gar nicht um den finanziellen Aspekt.

    Wir haben Zeitgenossen, die vertreiben sich gern die freie Zeit mit Laubsägearbeiten, die verzieren im Akkord Frühstücksbrettchen mit lustigen Sprüchen indem sie sie ankokeln oder schmirgeln sich ganz ambitioniert ein oder zwei Wölfe. Bei denen wäre die Zeit im Hobbykeller dann endlich sinnvoll genutzt.

    Man denke an die vielen Angehörigen, die nach Heilig Abend nicht mehr zum Horrorgeschenkewichteln müssen…

  3. […] Wir meinten, dass es schön sei, wenn Vater in einem Sarg aus der eigenen Werkstatt begraben würde und so bat ich die Gesellen darum. Ich sehe noch Herrn Heuser, die Arbeitskleidung wieder anziehend – schweigend. Er hatte die Bretter aus den Bohlen zuzuschneiden. Auch verabschiedeten die Betriebsangehörigen sich am offenen Sarg von ihrem Chef. Nur Herr Heuser schaffte das nicht. Vater war im Haus im Wohnzimmer aufgebahrt. Als wir abends mit Heta und Walter gesprochen hatten, schlossen wir den Sarg. Ich sehe uns noch dabei, dies zu tun.

    (Aus einer familieninternen Erinnerungsschrift an meinen Großvater)

  4. @emz
    na toll ich hab Tränen gelacht…ich habe mir nun einen Sarg in Wolfsform vorgestellt und von oben bis unten eingekokelte Verzierungen. So Muster wie auf slavischen Ostereiern. So ne Kiste wäre der Knaller…

  5. Mensch eulchen, das wäre ja auch noch ’ne Option, aber da geht nur das Modell „Wolf liegend“, „Wolf stehend“ birgt automatischen Ärger mit der Friedhofsverwaltung… DAS Format passt einfach nicht.

  6. Ich habe vorgestern erfahren, dass eine sehr gute Bekannte eine Frühgeburt hatte und dass das Kind es nicht überlebt hat. Dies ist nunmehr das dritte Mal, dass sie ein Kind verloren hat.
    Ich habe ihnen, als sie und ihr Mann gestern nach Hause zurück gekommen sind angeboten den Sarg für das Sternenkind anzufertigen.
    Denn ich empfinde dies als einen sehr persönlichen Beitrag, mit welchem ich meine Verbundenheit und mein Mitgefühl ausdrücken kann, um diesen Menschen einen Teil der Last abzunehmen und ihnen zu zeigen, dass sie zumindest einen guten Freund haben, der ihnen beisteht.
    Gut, zugegeben, ich bin gelernter Tischler und habe einen gut ausgerüstete kleinen Werkstatt und es ist kein großes Problem einen sehr schönen kleinen Sarg anzufertigen. Zumal ich im Deckel ein von oben zu öffnendes zusätzliches Fach einbaunen werde, in welches die 3 Geschwister, die Eltern, die Tanten und Onkel und deren Kinder, sowie die Großeltern, ihren persönlichen Abschied in Form von selbst gemalten Bildern und kleinen Briefen, dem kleinen Jungen mit auf seine Reise mitgeben und damit ihre Trauer und ihren Anschied ausdrücken können.
    Zudem wird der Deckel innen mit einem roten Samt mit goldenen Sternchen ausgeschlagen und aus dem selben Material wird das Kopfkissen und die Decke angefertigt.
    Für die Beisetzung eines Sternenkindes darf es auch mal etwas besonderes sein. Denn dies trägt auch ein wenig dazu bei, dass die Eltern beruhigt Abschied nehmen können und wissen, dass das Kleine eine schöne Ruhestätte hat. Denn jedes mal wenn sie danach an dieses Grab kommen, so wissen sie, dass das Kindlein da unten gut gebettet ist.
    Ich finde es ist auch wichtig solcherlei Dinge mit einzuplanen und sich nicht darüber lustig zu machen, wenn Menschen einen schweren Schicksalsschlag erleiden und sich Gedanken und Arbeit machen, um anderen beizustehen.
    Natürlich gibt es auch einen finanziellen Aspekt, denn wenn Menschen sehr Arm sind, dann sind sie sicherlich sehr dankbar darüber, wenn ein Anderer etwas sehr persönliches zu ihrem Anschied eines Verstorbenen beiträgt.

    In diesem Sinne wünsche ich mir, dass man hier ind diesem Forum die Beiträge der anderen mit dem gebührenden Respekt kommentiert.

    Ich verbleibe mit besten Grüßen und Wünschen

    Patrick

  7. Hi,
    ich finde das Thema selber spannend, vor allem, was Patrick hier als letztes schrieb.

    Es lief gerade ein Beitrag im Bayrischen Rundfunk, wo Hinterbliebene mit dem Bestatter den Sarg selber gebaut haben: http://goo.gl/3qItQI
    (Ich weiss leider nicht, wie man hier verlinkt).

    Vielleicht kann man da ja auch bei denen direkt bestellen?
    http://www.lebensnah-bestattungen.de/sargbau

    Gruss,
    Jens

  8. Pingback: Sternenkinder | grenzgaenge

  9. Interessanter Beitrag. Findet man denn die Preise für die Herstellung durch einen fremden nicht auch arg teuer?! Ist das auch in dem Interesse der privaten Bestattungsinstitute, dass man selbst einen Sarg bauen kann?

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