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Keine Preise beim Bestatter

Heute Mittag im ZDF: Mal wieder war eine getarnte Oma unterwegs, um mit einem Knopf im Ohr (an dessen anderem Ende ein „Verbraucherschützer“ saß) Bestatter heimzusuchen.
Man kennt das ja. Mit versteckter Kamera gehen alte Leute unter dem Vorwand, ein Verwandter sterbe bald oder man wolle eine Vorsorge abschließen, zu verschiedenen Bestattern.
Da werden dann immer sensationelle Unglaublichkeiten aufgedeckt, die bei näherer Betrachtung alltägliche Selbstverständlichkeiten sind. Man lauert auf den Skandal, man wittert die Abzocke – und wenn weder ein Skandal, noch Abzocke feststellbar sind, dann stellt man eben einfach bestimmte Dinge in Frage. Und das tut man so, daß der Zuschauer, der sich die Antwort selbst geben muß, meist die falsche Antwort findet.

Acht- bis zehnmal im Jahr kommt sowas im Fernsehen. Oft laut schreiend von den Privaten und genauso oft auch von den Öffentlich-rechtlichen.

Heute war es wieder so weit. Und so richtig gefunden hat man wieder nix.

Einzig auffällig war ein Bestatter, der eine Tiefpreisgarantie anbietet. Er verspricht jedes Konkurrenzangebot um 30 Euro zu unterbieten. Kam leider für die Testoma nicht in Frage, weil dieses Angebot für Vorsorgen nicht gilt. (Wie auch, denn ein Vorsorgevertrag ist eine in die Zukunft gerichtete Abmachung und keiner kann wissen, wie in etlichen Jahren die Vergleichspreise aussehen würden.) Außerdem enthalten Vorsorgen immer Sicherheitszuschläge für Unwägbarkeiten, die auch nicht vergleichbar sind.)

Was mir aber aufgefallen ist: In ganz vielen besuchten Betrieben waren die ausgestellten Waren nicht ausgezeichnet. Es gab keine Preise.
Und das ist etwas, das mir bei ganz vielen Kollegen auffällt. Weder an Särgen, noch an Urnen gibt es Preisschilder und ein Preis- und Leistungsverzeichnis für die übrigen Dienstleistungen gibt es auch nicht.

Dabei schreibt die Preisauszeichnungsverordnung beides vor. Wer Waren an Endverbraucher verkauft, muß in seinem Ladenlokal oder seiner Warenausstellung die einzelnen Produkte mit Endpreisen (inkl. Mehrwertsteuer) auszeichnen.
Über die sonstigen Lieferungen- und Leistungen ist ein Preisverzeichnis gut sichtbar auszuhängen.

Dem Kunden soll so die Möglichkeit gegeben werden, nötigenfalls unbeeinflußt durch einen Verkäufer, die Produkte anzuschauen und die Preise vergleichen zu können.

Das ist überall im Handel so, bei Gaststätten müssen die Preise sogar draußen hängen, damit man gucken kann, ohne das Etablissement betreten zu müssen.

Warum machen Bestatter das nicht?

Sie sagen: „Weil das pietätlos ist!“ und sie sagen: „Weil die Ware in einem würdevollen Rahmen präsentiert wird, und Preise daran diesen Eindruck zerstören würden“ usw. usw.

Ich sage: Es ist einfach bequem, keine Preise auszuhängen und diese dann (evtl. nach Gutdünken) erst im Beisein des Kunden auf Nachfrage zu nennen. Kaum ein Kunde wird ja den Preis eines jeden einzelnen Sarges erfragen. So hat er bei mündlicher Nennung auch keine wirkliche Vergleichsmöglichkeit.
Und spätesten beim vierten Preis, der ihm mündlich genannt wird, weiß er den ersten schon nicht mehr…

Ich will den ganzen Bestattern, die das so handhaben nun keine Unredlichkeit unterstellen. Sie nutzen das aber dennoch zu ihrem Vorteil aus.
Und der Vorteil des einen kann schnell zum Nachteil für den anderen geraten. Mit anderen Worten: Bestatter, die ihre Waren nicht auszeichnen, benachteiligen ihre Kunden.

Das hat nichts mit Dekoration, Würde, Pietät oder Bequemlichkeit zu tun. Nein, hier wird ganz bewußt mit verdeckten Karten gespielt, um zu einer gezielten Intransparenz zu kommen, die dem Kunden die Orientierung erschwert.
Ein „normaler“ Kunde in einem Elektromarkt, würde vielleicht noch bei nur mündlich genannten Preisen mitkommen, aber ein Mensch in Trauer ist damit überfordert.

Deshalb müßten Bestatter, als Sachwalter der Pietät und als verkörperte Seriosität, ganz besonders darauf achten, daß ihre Produkte alle mit Preisen versehen sind, und daß im Ladenlokal eine Preisliste aushängt.
Im besten Fall gibt man diese und eine Kostenaufstellung dem Kunden nach dem ersten Beratungsgespräch mit.

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Peter Wilhelm31. Januar 2017

3 Kommentare von 140228.

  1. Das wundert mich eigentlich, denn man kann Preisschilder doch gut lesbar und dennoch dezent anbringen. Bei uns jedenfalls ist das so. Und eine Kopie aller vom Kunden im Beratungsgespräch unterzeichneten Formulare inkl. der Kostenaufstellung ist gleichfalls selbstverständlich. Ich möchte doch zufriedene Kunden haben, die wiederkommen.

  2. Zitat
    Heute war es wieder so weit. Und so richtig gefunden hat man wieder nix.
    Zitatende

    Du, Peter hast aber was gefunden.
    Zitat
    In ganz vielen besuchten Betrieben waren die ausgestellten Waren nicht ausgezeichnet. Es gab keine Preise.
    Zitatende
    und noch ein Zitat
    Mit anderen Worten: Bestatter, die ihre Waren nicht auszeichnen, benachteiligen ihre Kunden.
    Zitatende

    ZItat
    Nein, hier wird ganz bewußt mit verdeckten Karten gespielt, um zu einer gezielten Intransparenz zu kommen, die dem Kunden die Orientierung erschwert.
    Zitatende

    Reicht das nicht, um als Skandal zu gelten?

  3. Auch bei uns gab es nur eine Akte mit Preisen. Das führt oft zu Langen Sucherei

    Auch wir hatten so eine Liste, es gibt nur Chaos wenn sie vom Chef nicht gepflegt wird. Auf jedes Produkt gehört ein Preis, das ist vertrauenerweckend gegenüber dem Kunden.

    Alles andere ist Schwachsinn! Bei der Ausgestaltung der Preisauszeichnung lassen sich mit Sicherheit geschmackvolle Lösungen finden.

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