Kreuze am Strassenrand

Wie ist das eigentlich mit diesen Kreuzen am Straßenrand? Müssen die genehmigt werden? Wer stellt denn da die Blumen hin? Springen etwa regelmäßig Angehörige über die Fahrbahn?

Es kommen immer wieder mal Leute zu uns, die solche Holzkreuze kaufen wollen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie das gehandhabt wird und ob es da eine offizielle Regelung gibt.
Ich bitte die Angehörigen immer, sich eine Stelle auszusuchen, die für den fließenden Verkehr keine Gefährdung darstellt und die vom Straßenrand leicht erreichbar ist. Außerdem gebe ich immer den Rat, die Stelle und das Kreuz in Schuss zu halten und möglichst auf frische Blumen zu verzichten.

Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Straßenmeistereien solche privaten Gedenkstätten aus Pietät dulden, sofern die oben genannten Punkte eingehalten werden. Wenn so ein Kreuz irgendwann verfallen oder stark verwittert ist, oder wenn haufenweise verwelkte Blumen herumliegen, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß die Gedenkstelle im Zuge von Pflege- und Reinigungsmaßnhmen irgendwann beseitigt wird.

Daß diese Gedenkkreuze geduldet werden, liegt daran, daß man erkannt hat, daß es sich auch um Mahnmale für eine umsichtigere Teilnahme am Verkehr handelt.

Interessant in diesem Zusammenhang auch der Hinweis von Leser Alex auf diese Seite hier.

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  • Veröffentlicht am: 9. Juli 2008
  • 29 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
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Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

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  1. An sich finde ich es befremdlich und nicht nachvollziehbar, dass der Ort an dem der/die Geliebte tödlich verunglückt ist so „geehrt“ bzw. hervorgehoben wird. Schließlich verbindet man als Angehöriger mit dieser Stelle ja keine guten Erinnerungen. Aber gerade als Mahnmal am Straßenrand taugen sie sehr gut!
    Es gibt aber dennoch Einschränkungen. So ist es zb. verboten (Grab-)Steine in Fahrbahnnähe aufzustellen, damit der nächste Fahrbahnflüchtige nicht genau an so einem Stein „scheitert“.

  2. >>Daß diese Gedenkkreuze geduldet werden liegt daran, daß man erkannt hat, daß es sich auch
    um Mahnmale für eine umsichtigere Teilnahme am Verkehr handelt.>>

    klingt plausibel.
    unweit von meinem Wohnort gibt es eine längere kurvenreiche Landstraße, auch mit vielen Bäumen
    am Straßenrand.
    Hier haben sich im laufe der Jahre 7-8 solcher Kreuze in regelmäßigen Abständen angesammelt,
    die dazu alle einen gepflegten Eindruck machen.
    Doch der letzte schwere Unfall auf diesem Straßenabschnitt liegt schon etwas weiter zurück.

  3. Bei uns hat der Kreis vor einigen Jahten sogar große weiße Kreuze hinter/neben die vorhandenen gestellt, wohl um Raser abzuschreken…gebracht hat es aber denke ich mal nicht viel. Es gibt wieder genug Straßenkreuze ohne weißem vom Kreis dabei.

  4. Entlang der A2 stehen auch in regelmäßigen Abständen große, weiße Kreuze (in Gruppen), zur Mahnung so zu sagen. Ob es was bringt, kann ich nicht beurteilen. Für mich sind die kleinen Kreuze mit Blumen am Wegesrand eine bessere Mahnung, immerhin weiß man beim Vorbeifahren, dass genau dort ein Mensch gestorben ist, und das macht einen traurig und vielleicht auch etwas vorsichtiger, zumindest für die nächsten paar Kilometer, bis zum nächsten Kreuz…

  5. um es mit den Worten eines guten Freundes zu sagen:
    Ich würde mich dafür ‚bedanken‘ wenn mir für mein Versagen auch noch ein Denkmal gesetzt würde..

  6. An einer Fußgängerampel wurde hier vor vielen Jahren ein kleines Mädchen überfahren. Das Kind hatte Grün und verließ sich darauf, dass die Autofahrer an der für sie roten Ampel halten werden. Einer tat es leider nicht…

    Seitdem hängt am Ampelmast auf der Mittelinsel ein kleines Kreuz. Kein Plakat überlebt dort einen Tag, das Kreuz und der ständig erneuerte Blumenschmuck hängen dort aber seit Jahren.

    Dort wird also immer noch Trauer aufgearbeitet und ich finde es gut, dass die Stadt so pietätvoll ist das Ganze solange zu dulden, wie es nötig ist.

  7. Zur A2:

    Das ist mir auch schon aufgefallen, stehen die Kreuze eigentlich „wahllos“ da rum oder sind es in der Tat Unfallstellen und die Zahl der Kreuze hat eine Bedeutung?

  8. @Moni:
    Es wird ja nicht der Ort geehrt, an dem der Mensch gestorben ist. Es wird die Erinnerung an den Menschen geehrt und gleichzeitig andere vor einer gefaehrlichen Stelle gewarnt.

    Ich finde die Kreuze auch wirkungsvoll und fahre aufmerksamer, wenn ich eins sehe. Das schlimmste steht in der Naehe vom Haus meiner Eltern, darauf steht nur „Mama“.

  9. Wieso muss ich da an „Hader muss weg“ denken:
    „Wenn du da die Straße langfährst, siehst du ein Marterl (=kleines Kreuz), da ist der Schorsch mit seinem Moped gestorben. Weißt du wie?“
    „Is er gegens Marterl gfahrn?“
    :D

    Die weißen Kreuze in Österreich kenne ich auch. Faszinierend war voriges Jahr, als ich bei jemanden mitfuhr, der mit 140 km/h über die Landstraße gerast ist und sich dauernd schockiert darüber geäußert hat, das so viele Leute hier gestorben sind und das man (also irgendwer, nur nicht er) was dagegen tun sollte. Nur bei den wenigsten bewirkt es was.
    Man muss sich das mal vor Augen führen, in Österreich sterben am Tag rund 2 Leute auf den Straßen und 145 verletzen sich.

  10. Eine besonders makabre, aber wirkunsvolle Verkehrserziehungskampagne gab es mal in einigen französischen Departements: Da wurden für jeden Verkehrstoten des vorangegangenen Jahres lebensgroße Silhouetten aus Kunststoff am Fahrbahnrand aufgestellt. Man sieht die idyllischen Landstraßen mit ganz anderen Augen, wenn man am zehnten „schwarzen Schatten“ vorbeigerauscht ist…

  11. Entschuldigung, hier der vollständige Text:

    Also mich stören die Kreuze irgendwie. Ich finde es aufdringlich, dass an fast jeder Straße Kreuze stehen. Für die persönliche Trauer gibt es den Friedhof, ich möchte gar nicht wissen, ob an der nächsten Biegung wieder ein pubertärer, sich selbst überschätzender Fahrer noch zwei, drei Freunde mitgenommen hat auf die Reise ohne Wiederkehr. Ich denke, solche Kreuze haben am Straßenrand eigentlich nichts verloren. Wenn das noch weiter einreißt, haben wir in 200 Jahren auf jeder Seite Doppelreihen…..

    • @Andersdenkender:

      Dein Gedankengang zeugt von übelster Intolranz. Anscheinend hast du noch nie richtig trauern müssen.
      Wegen Leuten wie dir wird unsere Gesellschaft immer unsozialer, anonymer und distanzierter im menschlichen Umgang miteinander.
      Wie kannst Du deine persönliche ästhetische Wahrnehmung über die Trauberarbeiter anderer stellen.
      Schäm dich !

      • @RIP:
        Das hat nichts mit Arroganz z utun. An die Straßen gehören keine Kreuze. höchsten Auto und Motorradwracks, damit die Leute sehen, daß dort passieren kann.
        Die Kreuze kann man auf dem friedhof oder im eigenen hau saufstellen. Aber am Straßenrand sind die eher eine gefährdung durch Ablenkung der fahrer.

        • @Lochkartenstanzer: Solange sich das im Rahmen bewegt, stört mich das nicht, sondern regt mich zum Nachdenken an. Ich überdenke jedes Mal meine Fahrweise.

          • @Gundel:

            Die kleine unauffälligen sin dja auch nicht das Problem. Aberich habe schon „Grabkreuze“ an Straßen gesehen, die jedem Friedhof ehre machen würden. das ist dann wirklich übertrieben. Und meiner Ansicht nach ist der Straßenrand für die Trauer nicht wirklich der richtige Ort, insbesondere weil man oft sich und andere gefährdet, wenn man dort Blumen und Grablichter arrangiert.

  12. Hier in Österreich stellt einer der Autofahrerclubs einmal im Jahr (zu Allerheiligen) neutrale weiße Kreuze an jenen Stellen auf, an denen im vergangenen Jahr jemand tödlich verunglückt ist.
    Alte, unansehnliche Kreuze werden anscheinend wieder entsorgt, jedenfalls fallen mir immer nur im November die neuen auf.
    Und bei mir wirkt es: ich passe wirklich besser auf an derart gekennzeichneten Stellen.

  13. Wir verloren im Abstand von 12 Jahren an derselben Stelle zuerst unsere Nichte mit 8 Jahren mit dem Fahrrad, dann vor 5 Jahren meinen Schwiegervater durch einen Überholer im Überholverbot. Wir wollen dort bewußt kein Mahnmal, weil es nur 100m vom Haus von Schwager und Schwägerin entfernt ist, und die mehrmals am Tag dort vorbei müssen.
    Bei Darmsheim steht seit einigen Jahren eine Gedenkstätte 5m vom Strassenrand entfernt, die in engen Abständen vorbildlich gepflegt wird. Vermutlich haben Angehörige vom dortigen Bauer ein Stück gepachtet. Damals starben hier vier junge Fußballer. Nachdenklich macht mich, wenn jemand an einer Schienenstrecke eine Gedenkstätte einrichtet. Hier muß ich an den Lokführer/Triebfahrzeugführer denken, der täglich dort vorbei muß.
    Hinter unserem Haus steht ein Kreuz.
    Wegen eines Unfallschwerpunktes?
    Nein, der Motorradfahrer kam vom Wirtshaus und hatte sich etwas übernommen.

  14. Ach ja, auf der früheren Solituderennstrecke stehen an einem Parkplatz 2 Kreuze von zwei unterschiedlichen Motorradereignissen.
    Letztes Jahr hat es einer fertiggebracht beide Kreuze niederzumähen, und auf den dahinterstehenden Baum zu fahren.

  15. Hier um’s Eck steht ein kleines Kreuz schon seit vielen Jahren. Bin mir nicht mehr ganz sicher, aber ich glaub, es war Auto- gegen Motorradfahrer. Seither ist diese Ampel mit Blitz „abgesichert“. M.W. auch kein Unfall in dieser Richtung mehr passiert. Das Kreuz hat immer Blumen.

  16. @ Mitlesender
    Micht immer ist derjenige, dessen Ableben hier gedacht werden soll, auch derjenige, der Schuld am Unfall hat.

  17. Bei uns gabs die letzten Toten an Ostern
    Ein Kreuz gibt es auf der Strecke auch, wo sehr viele Unfälle passieren
    Wieso? Weil die Idioten keine Lust haben mit 80 hinter den Lastern aus der Kiesgrube etc. herzufahren wo doch 100 erlaubt ist und dann oft sehr fiese Überholmanöver starten
    Mir sind auch schon einige sehr knapp entgegen gekommen

  18. Es wirkt wirklich und ich fahre an solchen Stellen auch vorsichtiger. Etliche Geschichten, die hinter den Kreuzen stehen, fallen mir dann wieder ein.

  19. Aus Griechenland kenne ich diese etwas aufwendigere Version:
    http://www.argolis.de/proskinitaria.htm

    Da stehen manchmal kleine Ferienhäuser neben der Straße…

  20. das ist mir auch auf kreta aufgefallen! bei den strassen und dem fahrstil wimmelt es geradezu von kleine mahnmälern!
    in cania ist mir sogar ein geschäft in baumarktgröße aufgefallen, die sich auf diese dinger konzentriert haben! scheint ein gut florierendes geschäft zu sein!

  21. Vermutlich gibt es nicht nur hier in Köln den bösen Spruch, wie man erkennt, daß man in einem der notorische Landkreise im Umfeld angekommen ist: An den vielen Kreuzen am Wegesrand eben.

    Wobei, ich finde schon, daß grade bei einem ja sehr plötzlichen Unfalltod völlig nachvollziehbar ist, daß die Hinterbliebenen so etwas brauchen, um das verarbeiten zu können. Die Warnfunktion, denke ich mal, war zumindest anfänglich sekundär. Aber schön, wenn es das auch bewirkt.

  22. früher gab es in Bergen halt Marterln für Todesfälle
    (Unfall Überfall etc)
    die Kreuze an der Strasse sehe ich als die moderne Fassung davon.

  23. Die Hinterbliebenen gehen ja nicht zu der Stelle um unbedingt dem Tod zu gedenken, sondern, weil durch geänderte Formen der Spiritualität für viele Menschen der Ort des Unfalls der Ort ist wo die Seele den Körper verlässt o.ä.

    Christine Aka, Volkskundlerin aus Münster hat vor kurzem ihre HAbilitationsschrift zu den Unfallkreuzen am Straßenrand veröffentlicht; da kriegt man nen guten Eindruck was es damit auf sich hat und was für Bedeutungen damit verknüpft sind.

  24. Hallo in die Runde…

    ich habe vor einem halben Jahr meinen Neffen bei einem Verkehrsunfall verloren. Und wir haben lange überlegt, ob wir ein Kreuz aufstellen oder nicht. ob man den Ort „ehren“ sollte oder nicht. Dann haben seine Freunde ein Kreuz gebaut und es dort aufgestellt und wir haben uns sehr gefreut. Es ist ein sehr trauriger Ort, aber immerhin ist es der Ort an dem er von uns gegangen ist und hoffentlich das letzte mal an uns gedacht hat.

    Er hatte sehr viele Freunde und sie stellen regelmässig Kerzen auf. Und von vielen Leuten habe ich gehört, daß sie durch das grosse weisse Kreuz aufmerksam werden.

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