Kutsche Mit der historischen Leichenkutsche zum Friedhof

Als Bestatter steht man doch sowieso ständig auf dem Sprung. Jederzeit kann das Telefon gehen und ein Einsatz nötig werden. Heute kommen die meisten Aufträge per Telefon, aber es kommen natürlich auch Kunden direkt in unser Geschäft, um zuerst alles persönlich zu besprechen.

Deshalb haben wir Öffnungszeiten, zu denen man unser Büro aufsuchen kann. Das ist natürlich auch für andere Leute ganz praktisch. Handelsvertreter kommen da ebenso, wie Trauerredner, Musiker, Sänger und Urnen- oder Sargkünstler.

Jetzt ist es doch aber so, daß es unser Unternehmen ja nicht erst seit gestern gibt und wir mit allem versorgt sind und zu den erforderlichen Leute bereits Beziehungen haben. Es ist also höchst unwahrscheinlich, daß wir ausgerechnet das, was derjenige, der heute wieder etwas anbietet, unbedingt benötigen.

Da habe ich schon alles Mögliche erlebt. Eine Sopranistin habe ich sogar mal eigenhändig vor die Tür gesetzt, weil sie gar nicht mehr aufhören wollte, vorzusingen.

Der Mann, der heute aber da war, der hatte etwas sehr Interessantes anzubieten. Er betreibt einen Pferdehof und hat in den letzten zwei Jahren eine Leichenkutsche restauriert. Jetzt bietet er an, für besondere Beerdigungen mit einem LKW anzureisen, in dem er die Pferde und die Kutsche transportieren kann. 1.200 Euro will er haben, um mit seinem historischen Leichenfuhrwerk den Sarg zum Friedhof zu transportieren, inklusive aller Kosten.

Hmmm, teuer ist das ja schon, aber die Kutsche sieht auf den Fotos, die er mir zeigte, so toll aus, daß ich das gewiss ins Programm aufnehmen werde. Nur bleibt fraglich, ob sich dafür Kunden finden lassen.
Auf der anderen Seite ist das angesichts des Aufwands ein Spottpreis.

Wenn das mal einer bestellt, dann kommen gleich weitere, die das dann auch wollen.
Ob ich das mal sponsern soll? Mal überlegen.

Das ist doch sicherlich eine Besonderheit, die den Leuten gut in Erinnerung bleibt.

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  • Veröffentlicht am: 26. Oktober 2007
  • 20 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

20 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. weiß man nich, ob die leute für sowas, so viel geld ausgeben, selbst wenn du das erste mal als Werbefahrt sozusagen selbst bezahlst…

    das geld sitzt heutzutage doch eh schon knapp genug…

  2. […]das geld sitzt heutzutage doch eh schon knapp genug… […]

    Im größten Teil der Bevölkerung dürfte das hinkommen.

    Da aber die Menge des Geldes nicht weniger wird, kann mensch davon ausgehen, das bei den sogenannten "oberen (Zehn-)Zwanzigtausend das Leben viel zu knapp ist, um es auszugeben.

    An solche Kunden kann sich das Angebot gut richten. Und an solche sicherlich Herzergreifende emotionalen Verabschiedungen wie "Röschen und Kali".

    Ich würde es mit aufnehmen. Schließlich wird ja auch immer mehr in Hochzeitskutschen zum Amt/ zur Kirche angefahren.

  3. Wenn Deine einkaufskosten schon bei 1200 liegen wird es ja für den Kunden auch nicht billiger…

    Aber gut fänd ich das schon.

  4. Martin hat vollkommen Recht. Wir bieten Bestattungen für jedermann. Es kommen Leute, die so gut wie nichts haben und es gibt solche, die können 3.800 Euro für eine ganzseitige Traueranzeige oder 1.800 Euro für zwei Musiker bezahlen.

  5. Soll dann einfach nur vor versammelter Trauergemeinde die Kutsche ankommen und der Sarg ausgeladen werden? Oder ist das als staatsbegräbnisartige Prozession gedacht, inklusive hinter der Kutsche hergehender Angehöriger?

    In beiden Versionen wäre jedenfalls eine Anfrage bei der Gemeinde, wie sie es mit den Genehmigungen hält, sinnvoll.

  6. Lohnt sich kaum. Wir, hier in einer deutschen Großstadt, mit gut gehendem Bestattungshaus, haben zwar solch eine Kutsche, aber diese wurde in den letzten 5 Jahren nicht mehr gebucht.

  7. Wenn Röschen DAS gewußt hätte…

    Er hätte auf die Totenmaske verzichtet.

  8. @1

    Das kann man so nicht sagen. Ich weiß zwar auch nicht, wo sie sind, aber Deutschland hat sage und schreibe 770.000 Millionäre. Knapp jeder HUNDERTSTE Bundesbürger hat also mind. 1 Million in bar oder Sachanlagen. Und da eher im Alter gestorben wird und im Alter auch tendenziell mehr Geld angespart ist, dürfte die Millionärsdichte noch ein wenig höher sein.

    Soo weit her ist es mit der Armut also nicht.

  9. Ich verstehe das Wort "sponsern" in diesen Zusammenhang nicht ganz.

    Du hast keine Investitionen und wenig Arbeitsaufwand, aber eine weitere Möglichkeit, deinen Kunden außergewöhnliche Angebote zu machen (im Gegensatz zu z.B. Eichenlaub).

    Und wie war das noch mit den Luxussärgen, die du eigentlich nur als Abrundung des Sortiments nach oben hin im Laden hast? Wenn du die nicht da stehen hättest, würde sie auch wohl keiner kaufen.

  10. Sponsorn wohl in dem Sinne einmal selbst die Kosten zu übernehmen nur "um gesehen" zu werden.

    So kommt man ins Gespräch bei den Leuten. Und, vielleicht kommt darauf doch wer zurück.

    @ Marco, das hab ich ebend auch gedacht.

  11. erfüllt denn so eine kutsche noch alle aktuellen stadt-, landes-, bundes- und eu-verordnungen für bestattungswagen …?

  12. Hi,

    das passt zwar nicht zu diesem Beitrag aber ich wollte dir als erstes einmal ein Lob aussprechen. Dein Blog ist echt interessant und deine Art zu schreiben lässt sich sehr schön lesen.

    Als zweites hätte ich da auch nochmal eine Frage. Ich hoffe dass ich nicht etwas frage was schon 1000 Mal dran war ;)

    Also: Kommt es bei euch auch vor, dass mal Tagelang keiner stirbt und ihr keine Arbeit habt? Oder findest du immer etwas um deine Mitarbeiter auf Trab zu halten? ;)

    gruß Suja

  13. Schau dir die Kutsche in Natura an – wenn sie wirklich so ist wäre es sicherlich eine Bereicherung für dein Sortiment.

    Preiskampf ist eine Sache, ein ausgefallenes Sortiment kann Kunden gewiss auch beglücken.

  14. ich habe in meiner kindheit in kroatien das "vergnügen" gehabt, einige beerdigungen mitzuerleben. dort gab es nur die kutsche und es gab jedesmal eine riesenparade oder wie man das nennt, zum friedhof. das ist schon eine beeindruckende angelegenheit…. 4 schwarze pferde mit schwarzen federn auf dem kopf, dazu die kutsche rundumverglast und der sarg auf einem pult, natürlich auch mit schwarzen samt verhüllt…

    wenn man es sich leisten kann, würde ich es auf jeden fall empfehlen, es ist einmalig. (sind beerdigungen eh *gg*)

  15. —Also: Kommt es bei euch auch vor, dass mal Tagelang keiner stirbt und ihr keine Arbeit habt?—

    Sowas gib´t net.

    —Oder findest du immer etwas um deine Mitarbeiter auf Trab zu halten?—

    Da findet sich immer was.

  16. 1200 Euro ? Völlig abgehoben. Wenn er nur dreihundert verlangen würde, hätte er viermal soviel zu tun oder mehr. Also soll er weiter auf 2400 erhöhen, dann hat er nur noch die Hälfte Arbeit.

    Das ist wie bei den Bänkern. 20 Kredite zu je 50 000 Euro machen viel Arbeit. Einer zu 1 000 000 macht nur einmal Arbeit und gibt die gleiche Provision.

    Anreisekosten? Er wird ja nicht gerade von Buxtehude nach Bad Tölz kommen. Ich verzichte, dann hat er garnix.

  17. ..das wäre doch was für die Sippe von Herrn Fleischer;

    damit jeder sieht, wie teuer der Verblichene ihnen war (wenn die offene Aufbahrung schon mal flach fällt)

  18. Ich finde die Idee gut. Und das mit dem "sponsor" …Vielleicht kann man sich das ja mit dem "Kutscher" teilen. Oder ihm mal stecken, dass für das erste Mal ein Sonderangebot angebracht wäre.

    Ich denke mir dass diese Aktion bestimmt Folgeaufträge mit sich bringt.

    Ich wünsche viel Erfolg dafür!

    Du kannst deine Kunden ja gut einschätzen und da gibt es bestimmt in der nächsten zeit jemanden, der das gerne mal machen würde.

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