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Leipzig 3

Nach dem kurzen Beineausstrecken und einer schnellen Dusche im großzügigen Bad des Hotelzimmers wurden wir, also die Allerliebste und ich, schon wieder abgeholt, weil die Leseveranstaltung eine nachmittägliche sein sollte, Beginn 15 Uhr.
Das Haus Hoensch, in dem sich die Eventhalle befindet, ist ein ganz modernes Haus. So und nicht anders hätte ich ein neues Haus gebaut; alles auf einer Ebene in sinnvoller Anordnung, großzügige Räumlichkeiten, alles ohne falsche Heimelichkeit.
Die Menschen die dort arbeiten, vom sehr rührigen und beeindruckenden Seniorchef und seiner Frau über die zwei hauseigenen „Eventmanager“ Frau Sommer und Herrn Casus Caspari begegneten uns absolut respektvoll und mit ausgesuchter Höflichkeit und Gastfreundlichkeit.
Man konnte sich richtig wohlfühlen.

Der Musiker hatte abgesagt. Ach, es wäre doch so schön gewesen, wenn zwischen meinen einzelnen Texten immer ein kleines musikalisches Intermezzo stattgefunden hätte.
Aber nein, die Leute von Hoensch hatten sich etwas einfallen lassen. Einer hatte auf die Schnelle ersatzweise einen Pianisten besorgt und ein anderer hatte schnell noch drei Chinesen mit ’nem Kontrabaß besorgt.
Okay, ich gebe es zu, es waren nur zwei Chinesen, die Chinesen waren in Wirklichkeit Japaner und der Kontrabaß ein Cello.
Das ist natürlich eine Herausforderung für die Musikanten, zu einem Event kurzfristig etwas beisteuern zu sollen, mit einem fremden Musiker im Wechsel spielen zu sollen und dann noch die richtigen Stücke auszuwählen.

Das obligatorische Glas Wasser stand bereit, ich brauche es weniger zum Trinken, als mehr zur Abrundung meiner Geschichte aus der Frauenbuchhandlung, ein Mikro und ’nen Kaffee gab es auch. Und: In Leipzig bekommt man guten Kaffee ohne Schaum!
Schon mittags im Lokal hatte man mich ausdrücklich gefragt, ob ich Kaffee Crema oder Filterkaffee möchte.

Leute ich will immer nur Kaffee und kein kaffeeähnliches Schaumgetränk.
So muß ein Kaffee aussehen:

leipzig-kaffee1

Perfekt!

Und so sollte er nicht aussehen:

leipzig-kaffe2

Unter dem an sich geschmacklosen Schaum lauert meist eine brodelnde, bittere Automatenbrühe, die selbst nach einer halben Stunde noch vesuvische Temperaturen entwickeln kann. Aber so wie man den Menschen dreißig Jahre lang eingebläut hat, nur saurer Wein sei ein guter Wein, so hat man sie von herrlichem deutschen Filterkaffee innerhalb weniger Jahre auf italienische Automatenschaumbrühe umerzogen. Mich nicht!

Es ist 15 Uhr, ich lasse noch vier Minuten verstreichen, weil noch nicht alle sitzen und schon schon heißt es mahnend: „Eigentlich lieben wir das pünktliche Anfangen.“
Jau, ich mach ja schon hinne…

Erstaunlicherweise sind sogar richtig viele Leute gekommen, um ausgerechnet mich zu hören, das hat mich sehr gefreut.
Nach einer durchaus launigen und mit einem Hauch landestypischen Akzents gefärbten Einleitung durch Casus sprach dann noch Firmensenior Jürgen Hoensch, der absolut bescheiden und bodenständig seinen Stolz auf das noch echt neue Gebäude zum Ausdruck brachte.
Dann schlug meine große Stunde, genauer gesagt meine gut zwei Stunden Lesung. Wie immer habe ich die einzelnen Texte durch Plaudern etwas aufgelockert und hatte eigentlich durchweg den Eindruck, daß es den Leuten sehr gut gefallen hat.

Nach der Lesung gab es noch eine kurze Fragerunde und dann standen vielen nette Leute in einer Reihe und mochten gerne eine Widmung oder eine Signatur in einem Buch. Das ist oft der schönste Teil der Veranstaltungen für mich, weil ich da meine Leser mal persönlich sehe und sich wenigstens kurz die Gelegenheit zu einem Gespräch ergibt. Ob Sandy nun mehr auf Jungs oder Mädchen steht, wann wieder was von Antonia kommt und wie das denn nun mit den Cliffhangern sei…

In den so genannten Bühnenanweisungen steht, was für Anforderungen erfüllt sein müssen, damit eine Lesung mit mir funktionieren kann.
Das hat nichts mit einem gesteigerten Anspruchsdenken meinerseits zu tun, sondern soll nur Selbstverständlichkeiten sicherstellen. Für mich und erfahrene Veranstalter selbstverständlich, für manchen Veranstalter ein Buch mit sieben Siegeln, weil er noch nie so etwas veranstaltet hat.
Keine Stehplätze in der ersten Reihe, ab einer gewissen Raumgröße ein Mikrofon, keine Film- und Audioaufnahmen, ein Glas Wasser und ein Kaffee… Nix Versponnenes, nur so Kleinigkeiten.

Seit ich mal im Norden der Republik in einem recht unbelebten Kaff nach der Lesung in einer Buchhandlung quasi mutterseelenallein auf der Straße stand und mich nur zwischen der Rotlichtbar „Bei Uschi“ und einem „Herren-Sauna-Tempel (jetzt mit frischen Bulgarinnen)“ ((das stand da wirklich so!)) hätte entscheiden können, steht in der Bühnenanweisung, daß ich nach der Veranstaltung gerne ein Häppchen essen würde.
Man kommt ja oft direkt vom Flughafen, hat vor Aufregung vorher nichts gegessen und steht dann allein im Hotelzimmer vor der Minibar mit den obligatorischen Minitüte „Ültjes“ für 6,95 €.

Bei Hoensch wurde das mit den Häppchen wörtlich genommen und man hatte tatsächlich drei Platten mit herrlich belegten Schnittchen vorbereitet.
„Wir packen Ihnen den Rest ein, vielleicht bekommen Sie später ja noch Hunger“, lautete das nette Angebot.

Aber glücklicherweise hatte das Hotel ein Restaurant und die Allerliebste und ich hatten uns schon darauf eingestellt, dort später noch essen zu gehen.

Doch zuvor mochte eine Reporterin einer Leipziger Zeitung noch ein Interview. Den Namen der Zeitung hatte ich nicht richtig verstanden und ihn dann wiederholt falsch mit „Völkischer Beobachter“ wiedergegeben… Fauxpas!
Auch ein Audio-Interview war noch gefragt, dann war beinahe Feierabend.

Aber ich wollte das Haus Hoensch nicht verlassen, ohne eine kleine Betriebsführung zu bekommen, was mir auch bereitwillig gewährt wurde. Wie oben schon beschrieben: Alles sehr modern, schön und geschmackvoll:

leipzig-haus1

leipzig-haus2

Besonders gelungen fand ich den kleinen Aufbahrungsraum, den ich nicht fotografiert habe, den die Angehörigen durch einen seitlichen Eingang nach Terminabsprache jederzeit mit einem zur Verfügung gestellten Schlüssel selbst öffnen können, um vom Verstorbenen Abschied zu nehmen.

Danach ging’s ins Hotel. Die Allerliebste und ich waren seit frühmorgens auf den Beinen und uns war klar, daß das Leipziger Nachtleben an diesem Tag ohne uns würde auskommen müssen.

Auf der kleinen Anrichte in der Suite lag sie dann, die „Abmahnung“.
Die Kippe im Klo hatte die Hotelleitung dazu veranlaßt, uns einen Brief zu schreiben.

Okay, es war ein Nichtraucherzimmer, da hat jemand zwei Züge gequalmt bevor seine Zigarette im Klo versenkt worden war.
Ich verstehe das. Nichtraucher sind da empfindlich und wenn jemand ein solches Zimmer bucht, dann will er nicht in einer verqualmte Zigarettenbude kommen. Mein vollstes Verständnis!
Jedoch: Die Suite ist mit einer kompletten Küchenzeile, Herd, Mikrowelle und allen möglichen Töpfen und Pfannen ausgestattet.
Was, wenn wir da abends noch ein leckeres Knoblauch-Zwiebelgericht mit viel Räucherspeck zubereitet hätten, so mit fast schwarzen Zwiebeln?
Oder wenn wir Harzer Käse geschmolzen hätten? Oder ein schmackhaftes Spitzkohlgericht?
DAS geht dufttechnisch erst mal richtig in die Gardinen, Auslegeware und Polster!

Die komische Apparatur hinter der Wandverkleidung über dem Fernseher…

leipzig-stasi1

und das seltsame Überwachungsteil über der Zimmertür…

leipzig-stasi2

…sorgten dafür, daß wir nicht einmal unsere Shisha anmachten oder zur Amtseinführung des neuen Papstes mit Weihrauch bembelten.

Übrigens: Nein, ich will das Hotel nicht in despektierlicher Weise beschreiben. Es ist ein sehr schönes Hotel mit sehr zuvorkommenden Leuten gewesen und ich würde gerne bei meinem nächsten Leipzig-Besuch wieder dort absteigen.
Die Apparatur hinter der Wandverkleidung entpuppte sich später als ein Paar Lautsprecher für die zimmereigene CD-Anlage und der Überwachungsdödel über der Tür stellte sich schlicht und ergreifend als Lampe heraus.

Alles in allem: Ein ganz wunderbarer Tag!
Supernette Leute, schöner Veranstaltungsort, eine sehr schöne Stadt und vor allem eine sehr aufmerksame und uns zugewandte Betreuung. Wir haben uns richtig wohl gefühlt.

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Peter Wilhelm19. März 2013

53 Kommentare von 140489.

  1. Ich bin ja auch der Meinung man hat das mit der Chrema nur erfunden, weil man den Bug der ollen Senseo-Maschinen nich wegbekommen hat, schaumfreien Kaffee zu produzieren!! Nun ist aus dem Bug ein Feature geworden! *Seufz*

    • Die Crema gab es natürlich schon vor der Senseo-Maschine.
      Das Problem ist vielmehr, dass vor allem Robusta-Kaffee Schaum produziert, nicht so sehr Arabica. Und Robusta schmeckt muffig.

      Einen guten Espresso zu brauen ist schwer! Deutlich schwerer als Filterkaffee zu kochen. Ist der Espresso gelungen, schmeckt er mir allerdings deutlich besser als Filterkaffee, weil letzterer zwangsläufig saurer ist als Espresso.

  2. Übrigens ist das Problem der Zigarette nicht der Geruch (obwohl der auch stört), sondern die Schad- und Reizstoffe die drin sind. Nicht umsonst darf in manchen Betrieben nicht geraucht werden, weil das dazu führen würde, daß die MAK zum Gesundheitsschutz der Mitarbeiter überschritten würde.

    Übrigens: Guter Wein zeichnet sich dadurch aus, daß er einem schmeckt und kein Kopfweh macht, egal ob da jetzt eine Tüte Zucker oder eine Flasche Essig reingekippt wurde. :-)

  3. Wow, was für ein Aufwand. Rechnet sich das denn für die Firma? Oder war es im Prinzip zur Eröffnung des neuen Hauses?

    Hat der Casus Caspari geheiratet? Ich dachte immer der heißt casus cnactus? ;-)

    • Rechnet es sich, ein Gemälde oder einen guten Druck an die Wand zu hängen oder eine schöne Bildhauerarbeit zu erwerben? Wie berechnet man den Wert von Kunst?

      • Bevor ich nun in ein Fetteckchen, oder war es ein Fettnäpfchen, trete schieben wir die Frage besser Gevatter Beuys in die beerdigten Schuhe. Manch fettige seiner Ideen lassen sich mit fast jedem schlechten Bild zudecken. ;-) (Meine persönliche Meinung, muss auch nicht allen gefallen ;-) )

        http://www.hamburger-kunsthalle.de/sammlungav/html_sammlung/b/beuys_1992_01.html

        (zweites Bild von oben)

  4. Ich wäre auch sehr gern dabei gewesen, aber leider, leider war ich terminlich verhindert. Mein Termin stand bereits seit über 1 Jahr. :((( Ich hoffe sehr, dass es Dich bald mal wieder in den Osten der Republik verschlägt. :)

  5. Jung auch Filterkaffee ist kein ordentlicher Kaffee
    Kaffeepulver in die Kanne,heisses Wasser drauf,ziehen lassen und dann VORSICHTIG in die Tasse giessen und geniessen.So geiht datt :)

    • Nee nee,

      (frischgemahlenes) Kaffeepulver in kleines Töpfchen mit langem Stiel rein, Wasser udn zucker nach Bedarf dazu, Über offenes Feuer/Gasflamme aufkochen lassen und vorsichtig in kleines Tässchen eingießen. Dat is Kaffee (türkischer Mokka). da braucht man übrigens das Glas Wasser daneben, wenn man unvorsichtig trinkt. :-)

  6. Die Lesung hat mir insgesamt gut gefallen.
    Die Anmoderation durch Herrn Caspari war zwar nicht so gelungen – die anscheinend gezwungene Lustigkeit und das zerknitterte Jacket wirkten irgendwie… seltsam. Aber das war ja zum Glück schnell vorbei.
    Dagegen kam Herr Hoensch senior sehr sympatisch und authentisch an; dem glaube ich, dass er seiner Firma mit diesem neuen Bestattungshaus einen Traum erfüllt hat. Ich habe keine Führung mitgemacht, aber soweit ich das gesehen habe, ist das Gebäude modern und zweckmäßig errichtet und es wurden viele Kleinigkeiten bedacht, die aus der langen Berufspraxis für ein Bestattungsinstitut hilfreich und nützlich sind.
    Dann kam endlich Tom zum Zuge und las einige Kapitel aus seinen Büchern; unter anderem als „Weltpremiere“ eins aus seinem im November erscheinenden Buch. Der Raum war ausreichend groß, um allen Zuhörern Platz zu bieten, aber auch nicht zu groß, so dass Tom auch noch die Gäste in der letzten Reihe gut erkennen konnte; zudem gut beleuchtet und ausreichend temperiert. Das Ambiente war für solch eine Lesung gut getroffen. Die Deko mit dem angedeuteten Steingarten, den Kerzen und den rostigen Metallelementen rundete das Ganze passend ab. Zwischen den Texten gab es Musik von Klavier und Cello – sicher für einige Einzelne Geschmackssache, aber zum Anlass, wie ich finde, durchaus passend.
    Am Ende eine kurze Fragerunde und dann die Möglichkeit für ein kurzes Gespräch mit Tom und Autogrammwünsche. Das habe ich natürlich auch genutzt – musste mir nur vor Ort noch ein Buch kaufen, der Veranstalter bot freundlicherweise diese Möglichkeit an – da ich die Exemplare, die ich bereits besitze, 400 km entfernt zu Hause habe liegen lassen. Aber da ich ohnehin anlässlich der Buchmesse nach Leipzig gereist war, kam es auf einen Buchkauf mehr auch nicht mehr an. :-)

    Also Tom, vielen Dank für diese Lesung.

    Gruß, PMK74

    P.S.: Verlinkst Du eigentlich die im Text angesprochenen Interviews, wenn diese veröffentlicht werden?

    • Ich fand die Anmoderation durchaus angemessen. Zum Thema „zerknittertes Jacket“: Ich hatte selbst die sehr legere Freizeitvariante gewählt und Casus hatte sich da angeschlossen.

      Wir waren ja nicht in der großen Samstagabendschow sondern in der Eventhalle eines Bestattungshauses und für diesen Rahmen war das alles mehr als okay.

  7. Ich möchte hier noch beitragen, dass es Leute gibt, die aufgrund von Augenleiden äußerst empfindlich auf Schwebstoffe in der Luft reagieren (das kann Rauch genauso sein wie Staub oder vernebeltes Öl aus einem Kompressor mit schadhaftem Ölabscheider) und dann wochenlang ein Gerstenkorn am Auge haben. Deswegen finde ich es schon gut, dass das Hotel a) Nichtraucherzimmer anbietet und b) darauf achtet, dass diese auch nur als solche genutzt werden. Allerdings sind die Hotels, die ich kenne, dann auch so strikt, das Rauchen auf dem Flur zu untersagen, d.h. der Besuch hätte es mit der Kippe gar nicht bis an die Zimmertür geschafft (Concierge in der Lobby, der entsprechend aufpasst, und diverse Rauchverbotsschilder + Rauchmelder auf den Fluren) und den Gast gar nicht in die Verlegenheit gebracht, schnell eine Entsorgungsmöglichkeit für die Zigarette improvisieren zu müssen.

  8. Lieber Tom, leider unterliegst du hier wieder dem gleichen ärgerlichen Irrtum wie so viele andere Raucher auch, die beispielsweise geltend machen, dass man seit dem (eh nicht konsequent durchgesetzten) Rauchverbot in Discos eben statt des Rauchs nun den ekligen Schweiß und andere Körperausdünstungen zu ertragen hätte.

    Ich glaube, ich spreche für die Mehrheit der Nichtraucher, wenn ich sage: Schweißgeruch lässt sich wie der von Knoblauch, Zwiebeln, Speck und Harzer Käse auf einer Unangenehmtheits-Graphik mit dem von Zigaretten nur dann darstellen, wenn man eine großzügige logarithmische Skala ansetzt.

    Die absolute quantitative, nicht qualitative, Geruchsbelästigung einer einzigen Zigarette entspricht ungefähr dem Kochen eines Griechisch-Türkisch-Chinesischen Festmahls für 12 Personen, und dann könnte man noch was für nächste Woche einfrieren. Und während ich ausgesprochen selten eine LKW-Ladung von Knoblauch über die Schmalzpfanne wandern lasse, bin ich mir sicher, dass der handelsübliche Raucher mehr als nur eine Zigarette pro Tag durch seine Bronchien zieht.

    Also kurz gefasst: Nein, Zigaretten sind bäh und in Nichtraucherzonen nicht mit Hinweis auf sonstige Gerüche entschuldbar.

    Ansonsten schön, dass die Veranstaltung so erfolgreich war.

  9. Hatte die „Abmahnung“ denn irgendwelche Folgen?
    Wie ausführlichere, detaillierte Bühnenanweisungen aussehen können zeigt (m.E. durchaus unterhaltsam geschrieben) der bekannte Kriminalbiologe Mark Benecke:
    http://benecke.com/pdf/veranstaltung.pdf

    • …eigentlich traurig, dass für solche Selbstverständlichkeiten so ein ellenlanger Bogen nötig ist!

      Was ich nicht verstehe, dass ALLE etwas gegen Aufnahmen haben? Was spricht z.B. bei TOM’s Lesung gegen ein paar Fotos oder ein Video fürs Firmenarchiv der Leipziger…?

      Klar, auf YouTube sollte es nicht auftauchen – aber das kann ja durch Bühnenanweisungen ausgeschlossen werden.

      • Nun, das ist ganz einfach. Ich bereite mich sorgfältig auf die Veranstaltungen vor. Gleich zu Beginn der Veranstaltung versuche ich eine harmonische Atmosphäre herzustellen und trage dann etwas vor.
        Dabei setze ich Spannungsbögen, trete in einen Dialog mit dem Publikum, der auch wortlos sein kann und bin hochkonzentriert.

        Und dann? Dann kommt einer herein, poltert seine Fototasche in den Gang, blitzt mit mehrfach in die Augen, mit denen ich ja eigentlich mein Manuskript lesen wollte, probiert mehrere Stellungen durch, bleibt schließlich minutenlang vor mir, also zwischen mir und dem Publikum stehen und knipst blitzend weiter.

        Das war dann der Mann von der örtlichen Presse.
        (…für den ich ja noch irgendwie Verständnis aufbringe, denn der muß an diesem Abend noch zu sechs anderen Veranstaltungen und Bilder schießen.)

        Kurz darauf fällt der Frau in der dritten Reihe ein, mit dem Handy zu knipsen, es macht ratsch tsching zisch.
        Dann steht eine auf der anderen Seite auf und hält ihr Handy in meine Richtung, um mich besser drauf zu bekommen…

        Da soll man sich konzentrieren?

        Das ist mal ein Aspekt.

        Der andere Aspekt ist, daß jeder „nur für sich zu Hause“ Audio- und/oder Video-Aufnahmen macht und nachher taucht es doch bei Facebook & Co. auf.

        Die Rechte an den Film- und Audioaufnahmen könnten aber beispielsweise gar nicht beim vortragenden Künstler liegen, der dann am Ende die Probleme hat.

        Vorher, hinterher, in der Pause, da kann jeder so viel fotografieren wie er mag.
        Ich nehme auch Oma Trudi in den Arm und lasse mich mit ihr ablichten.
        Ich schreibe auch Autogramme auf Büstenhalter und stimme mit einer fremdländischen Reisegruppe ein Lied an. Mache ich alles, zur Gaudi, zur Freude der Leute und um zu zeigen, daß ich doch nicht so ein großes Arschloch bin.

        Aber während ich auftrete, möchte ich, wie M.B. und die meisten anderen auch, einfach ungestört arbeiten können.

        • klar, diese Knipser braucht wirklich niemand! Aber ein stiller Videofilmer in der Ecke für’s Archiv des Veranstalters stört doch ned wirklich…

            • Doch. Und wie man das kann.
              So wie ich bei jeder Taufe und jeder Trauung (bei Bestattungen ist das eher selten) der Familie sage: bitten Sie eine Person aus der Familie, zu fotografieren und das auch ohne Blitz – das geht mit modernen Apparaten recht gut, und irgendwer in der Familie hat immer eine DSLR, die Iso 800 kann – und vielleicht auch eine Person, zu filmen, aber vom Stativ und ohne Rumlaufen. Alle anderen können dann Kopien von diesen Aufnahmen haben.

              Das wird am Anfang des Gottesdienstes noch mal wiederholt, und daran wird sich gehalten.
              Kommerzielle Veranstalter untersagen ja auch schon mal sämtliches private Aufnehmen, weil sie ihre eigenen Aufnahmen vermarkten.

  10. Wirst ja genug abgestaubt haben. Wette die Leipziger haben dir 2000 Euronen rüberwachsen lassen müssen. Dann auch noch kleinlich sein wegen Fotos.

    • Ob das Absicht ist, dass mein kritischer, aber höflicher und erklärender Kommentar weiter oben auf „muss noch moderiert werden“ steht, während derartiges Geptrolle unzensiert durchgeht? *kopfkratz*

      • Das sollte „Geprolle“ mit durchgestrichenem p und statt dessem eingesetztem t heißen. Die Kommentarfunktion mochte wohl die von mir verwendete Syntax nicht.

  11. Ich freue mich, dass es dir in Leipzig gefallen hat, aber ich konnte dir leider, wegen zeitlichen Verpflichtungen auf der Buchmesse, nicht beiwohnen. Da es dir hier gefällt, steht ja nichts im Wege, dass du nochmal hier her kommst. Oder du stellst nächstes Jahr dein Buch mit auf der Buchmesse vor.

    Und @ Hemi

    Als Künstler würde ich mich auch nicht in meinem Programm unterbrechen lassen wollen und wäre nicht glücklich, wenn die Leute nicht die Höflichkeit besitzen, mir in Ruhe zu zuhören.

  12. Liebe Leute, wenn etwas diskussionslos akzeptiert werden muss, dann sind das die Wünsche der Gäste. Sofern sie jetzt nicht aus dem Rahmen fallen, die Wünsche – nicht die Gäste.
    Viele Künstler untersagen Audio- und Videoaufnahmen, Peter hat die Gründe oben ausführlich dargelegt.
    Ich betreue auch Bands im Leipziger Raum, denen empfehle ich immer, von Anfang an alle Proben, Sessions und Auftritte komplett mitzuschneiden. Die Aufnahmen dann weglegen und irgendwann, beim 5. oder 6. Studioalbum, sucht man Stoff aus der Anfangszeit und bringt ein Official Bootleg heraus. Wehe, wenn dann keine Mitschnitte verfügbar sind. Doch das ist was völlig anderes.
    Der Pressefotograf, den Peter oben erwähnte, wirkte wirklich störend. Das war Wolfgang Zeyen von der Leipziger Volkszeitung, ein äußerst angenehmer und freundlicher Zeitgenosse, von dem ich weiß, dass er selbst nur ungern im Wege steht, aber meist kaum eine andere Wahl hat. Zur Buchmesse haben die beiden LVZ-Fotografen über hundert Termine, jeden Tag. Der Künstler kann in solch einem Fall durchaus eine 1- oder 2-Minutenpause einlegen. Machen manche, ist okay. Peter hat die Situation souverän gemeistert.
    Ach ja, das Jacket war durch die Autofahrt nicht gerade gebügelt worden. Sorri :)

    • Du musst dich im Auto ja auch nackig machen. *zwinker* Also Sacko aus und aufm Bügel, der an den Haken für Flossen übers Fenster der Hinterbänkler zu hängen ist. Ist wie mit anderen Dingen, je öfter… ;-)

      • … herrlich. Ich liebe diese „Anweisungen“ – ja, ich *zwinker auch*
        Na logisch, kann ich meine Klamotten meinen Gästen, die ich grad vom Flughafen abgeholt habe, im Fond vor die Nase hängen.
        Ganz abgesehen davon, dass das mit dem „Knitter“ eh übertrieben war, immerhin hatte ich nicht etwa Konfirmation oder sowas an diesem Tag und – vor allem – es ging überhaupt nicht um mich! Geht es immer noch nicht :)

        • Das sollte witzig sein, du sollst Dich auch nicht echt nackig machen…. :-) Deswegen die *zwinker*. Wenn es nicht die Knitter im Sacko gewesen wären, dann wären es die Bügelfalte am Bein gewesen, das herauslugende Nasenhaar, was Tante Elfriede mit dem Operglas aus Reihe 8 sichten konnte oder oder oder. :-) Ich habe das bei Besuchen bei meiner werten Schwiegermama zum Schluß so gehalten- nachdem sie mal monierte, die Jeans wohl nicht gebügelt war, da ohne Bügelfalte- dass ich da völlig zerknittert aufgelaufen bin. Aber nur, weil sie dann nicht über Pickel redete oder mir sagte, dass ich den Friseur oder den Make-up Artisten verklagen soll. Sorry, wenn es nun lang geworden sein sollte, ich hatte sie erst kürzlich in meiner Küche sitzen, so als Spontanbesuch….
          also ganz locker bleiben. :-)

            • nein, nein, wir haben uns beide schon richtig verstanden :)
              Ich hätte den unbedeutenden Anmod-Menschen für seine 30 Sekunden „Guten Tag, hier sitzt der und liest das und dort stehen die und spielen jenes“ kaum eines Blickes gewürdigt – von der Warte her; Danke für die Aufmerksamnkeit!
              *heftig zwinker* :)

    • Ich habe nicht den Pressefotografen vom verg. Samstag gemeint. Der war doch recht schnell wieder weg.
      Ich kenne das nur zu gut, diese Leute haben 45 Termine an einem Nachmittag und hetzen sich ab, um überall vor dem Ende der Veranstaltung da gewesen zu sein.

      Mir ging es um die penetranten Vertreter dieser Zunft, die gar keine Rücksicht nehmen.

    • Hatte ich schon erwähnt, daß die trükische und griechische Kultur, zumindest rund im ägäischen Raum kaum unterscheiden, auch wenn das viele Türken und Griechen nicht wahrhaben wollen?

  13. Es geht nix über cremigen Kaffee aus meinem Schweizer Automaten. Gefüllt mit selbst gerösteten Bohnen mit Schokonote aus einem kleinen schnuckeligen Laden in der Winkelgasse. ;-)

    Den Kaffee auf Bild 1+2 und noch ganz andere Arten, würde ich aber zur Deckung meines Koffeinbedarfs auch trinken. ;-)

      • Nein, eine Jura S9, aber ich habe gerade mal geguckt, die gibt´s gar nicht mehr auf deren Hp. Ein uraltes Mädchen, ich fürchte schon den Tag, an dem sie mich verlassen will. Ich kriege ja schon Zustände, wenn sie „Entkalken“ sagt und dann ca. 2 Stunden keinen Kaffee gibt. :-)

        Aber dann komme ich einfach rüber zu Dir. :-)

        • Ja, ich habe unsere Gute, auch nicht mehr ganz taufrische auch erst kürzlich entkalkt. Elende Warterei von ca. 1 Stunde. Aber wir haben noch die „normale“ und eine Pad-Maschine. Zur Not tuts auch ein echter Filter mit Pulver, durch den man einfach heißes Wasser gießt. Letzteres haben wir wie schon gesagt immer eingefroren. Heißes Wasser braucht man ja immer mal. ;-) Ergo, hier bekommst Du immer Kaffee und Bissis Bilder kannst Du dann auch ansehen. ;-)

          • Ich darf das gar nicht schreiben, aber in der ganz großen Not habe ich hier schon einen Filter aus Küchenpapier gebastelt und die Bohnen mit der uralten Krups von meiner Oma aus den 60gern oder so gemahlen. Das Zeug zog einem Grimassen ins Gesicht, dass mein Mann meinte, hier ist wieder Fufu unterwegs, aber es gab halt Koffein. :-)

            Oh, die Bilder…ja, die würde ich zu gerne mal sehen. War da nicht dunkel was mit einer Hp oder so? *blinzel* :-) Aber in echt ist das natürlich noch besser…

  14. Da es noch niemand erwähnt hat: Natürlich wissen die Leipziger, wie guter Kaffee aussehen und schmecken soll. Schließlich sind wir ja „Kaffeesachsen“ … und das ist als Adelung zu verstehen. ;-)
    Viele Grüße von Chatwoman.

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