Lodernde Flammen -10-

Am Abend sprach ich mit meiner Frau über das Erlebte. Es beschäftigte mich, wie unterschiedlich diese beiden Männer mit dem Andenken an ihre verstorbenen Frauen umgingen. Der eine warf alles weg, reinigte sozusagen sein ganzes Haus von oben bis unten von jedem Krümel, der an seine Frau erinnern konnte. Und der andere? Der richtete einen Gedenktempel für seine Frau ein und schaltete für die längst im Jenseits weilende Frau noch jeden Tag ihre Lieblingssendung ein.

Es ist nicht so, daß ich nicht beides schon so oder in ähnlicher Form erlebt oder gehört hatte, aber weil diese beiden Männer an einem Tag zu mir gekommen waren, verbanden sich die Ereignisse für mich in gewisser Weise. Mehr als sonst beschäftigte mich das. Und meine Frau verstand das, was alle Frauen in solchen Situationen verstehen, sie verstand es, mich auch noch zu nerven. „Wie würdest Du denn damit umgehen, wenn ich jetzt tot wäre?“

Ich hatte schon darüber nachgedacht und war zu keinem Ergebnis gekommen, weil ich mir das nicht vorstellen mochte. Und jetzt nervte sie auch noch, und die kann hartnäckig sein!
„Würdest Du meine Klamotten Deiner neuen Frau geben?“

Was soll Mann darauf antworten. Was Du sagst, es ist verkehrt…

Ich schüttelte die Gedanken ab, schaltete die Ohren auf Männerdurchzug und tat so, als würde mich der isländische Krimi im Fernsehen wahnsinnig interessieren.

Ich schlief schlecht in dieser Nacht. In meinen Träumen jagte mich die Allerliebste auf einem Besen reitend durch eine nicht enden wollende Zimmerflucht und jede Tür die ich aufstieß führte mich entweder in einen Raum voller Fotos meiner Frau oder in einen, in dessen Mitte ein Müllcontainer stand, in dem eine Schaufensterpuppe mit dem Aussehen meiner Frau lag.

Am nächsten Morgen wachte ich auf und fühlte mich wie gerädert. Ich haßte es, wenn die Ereignisse rund um unsere Sterbefälle mich bis in den Schlaf verfolgten. Und dabei waren beide Fälle nicht einmal besonders dramatisch. Es war nur die Verknüpfung mit dem eigenen Tun, mit dem Tod eines nahen Angehörigen, der mir zu schaffen gemacht hatte.

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  • 1. März 2017 - 3 Kommentare - Lesezeit ca.: 2 Minuten - Kategorie: Geschichten

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Veröffentlicht von

Hier erzählt und informiert der Schriftsteller Peter Wilhelm. Der Sachverständige ist Chefredakteur von "Bestatter heute". Der Satiriker veröffentlicht Satiren und
Produkttests. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor finden Sie u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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peter wilhelm autorenlesung

Peter Wilhelm
Peter Wilhelm1. März 2017

3 Kommentare von 138189.

  1. Lieber Peter, ganz herzlichen Dank für diese Serie. Sie zeigt wieder einmal, wie vielfältig das Leben ist/die Menschen sind.
    Wenn man schon „ein paar Jährchen“ auf dem Buckel hat, macht das Berichtete noch nachdenklicher.
    Und Du schaffst es immer wieder, z.B. mit Deinem Bericht der Träume, etwas vom Schrecken, den solche Ereignisse oftmals verbreiten, zu nehmen.
    Weiter so!

  2. Zu „Wie würdest Du denn damit umgehen, wenn ich jetzt tot wäre?“ ein kleiner Witz:

    Sie: Wenn ich sterben sollte, würdest du dann wieder heiraten?
    Er: Nein, natürlich nicht!
    Sie: Magst du es etwa nicht, verheiratet zu sein?
    Er: Natürlich mag ich es.
    Sie: Also würdest du doch wieder heiraten?
    Er: Ja, wahrscheinlich würde ich wieder heiraten.
    Sie: Aha. Und würdest du mit ihr in unserem Bett schlafen?
    Er: Ja, natürlich.
    Sie: Würdest du meine Bilder durch ihre ersetzen?
    Er: Ja, das scheint mir angemessen.
    Sie: Und würde sie auch meine Golfschläger benutzen?
    Er: Nein, sie ist Linkshänderin.

  3. „Würdest Du meine Klamotten Deiner neuen Frau geben?“
    „Nein die wäre dann viel schlanker als du.“

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