Madenbefall bei verwesenden Leichen

Guten Tag Tom,
ich lese gerade das Buch „Die Chemie des Todes“. Darin kommen Leichen vor, die z.B. 2 Wochen bei heißen Temperaturen in einem Sumpfgebiet lagen und schon als Brutstätte für Fliegen dienten und allerhand Maden traten aus den offenen Wunden hervor. Hattet ihr schon mal den Fall einer so stark verwesten Leiche in der sich Maden, Puppen, Käfer usw. tummeln, oder kommen die Leichen gar nicht zu euch sondern bleiben in der Pathologie?
Wird der Leichnam einer besonderen Waschung unterzogen, falls er zu euch kommen sollte und noch total „vermadet“ ist?
Schmiert ihr euch auch diese ominöse Salbe unter die Nase, falls der Geruch zu stark ist?

Oh ja, das kennt jeder Bestatter. Dazu muß die Leiche noch nicht einmal zwei Wochen im Sumpf gelegen haben, einige Tage im Hochsommer in der eigenen Wohnung können da schon ausreichen.

Wir gehen da so vor:

Zunächst saugen wir kriechendes Material ab. Dazu haben wir eine Art Staubsauger, der speziell für Flüssigkeiten, Exkremente etc. gedacht ist. Er ist ähnlich dem Absauger beim Zahnarzt, nur größer. Damit lassen sich Tiere recht gut wegsaugen.
Danach wird der Leichnam mit Desinfektionsflüssigkeit gründlich abgewaschen. Es ist aber nie ganz auszuschließen, daß Maden noch aus dem Körperinneren nach außen kriechen, weshalb ein möglichst schneller und wirkungsvoller Verschluß der Körperöffnungen angeraten ist.

Zur Bekämpfung des intensiven Geruchs setzen wir auf einen Nebelapparat mit dem wir mentholhaltige Flüssigkeiten zerstäuben. Ansonsten hilft eine einfache Staubschutzmaske, getränkt mit Mundwasser oder dünn bestrichen mit Erkältungsbalsam schon weiter. Wo das nicht hilft, kommen Vollgesichtsmasken mit Aktivkohlefiltern zum Einsatz.

Viele Bestatter machen das aber auch so, daß der Ungezieferbefall beim Waschen des Leichnams beseitigt wird. Anschließend hilft ein Insektensprühmittel.

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  • Veröffentlicht am: 6. April 2009
  • 28 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

28 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Warum schmeckt mir jetzt mein Mittagessen nicht mehr?

  2. @1 falkstone

    Tolle Methode, wenn man zu empfindlich bei solchen Themen ist: Werd Vegetarier!
    Als Vegetarier faengst du irgendwann an, Fleisch eklig zu finden.
    Wenn du dann regelmaessig mit Kollegen zu Mittag isst, auf deren Teller sich das Aas tuermt, haertet das ganz automatisch ab, und keine noch so eklige Geschichte kann dir mehr den Appetitt verderben.
    Was eklige Geschichten beim Essen anbetrifft, bin ich voellig schmerzfrei und mir schmeckt mein Essen auch trotz detailreicher Geschichten ueber eitrige Wunden und unangenehme Krankheiten.

  3. Wer sich noch weiter für die Verwesung und Käferbefall von Leichen interessiert, dem empfehle ich die Bücher von Mark Benecke.

  4. @falkstone:
    Menthol soll ja helfen, ansonsten Aktivkohle :D

    @Tom:
    Haben deine Mitarbeiter für den Umgang mit Kohlefiltermasken denn ne arbeitsmedizinische Voruntersuchung nach G26.1 oder .2? :P

    Ist bei dir wohl am wenigsten relevant, da ein Absetzen der Maske nicht mittelbar gesundheitsschädlich oder tödlich ist, aber muss dennoch… Ja, ich hatte nen blöden Tag und will nu klugscheißen ^^

  5. Mein Mittagessen schmeckt mir immer noch. Aber ich musste eben auch grinsend an die empfindlicheren Mitmenschen denken, als ich die Gabel mit Nudeln genüsslich zu meinem Mund geführt habe. *g*

  6. Ich benutze meist einen entsprechenden Mundschutz (oder die vom Undertaker angesprochene Staubschutzmaske. Jeweils getränkt mit dem guten alten Japanischen Pfefferminz oder Heilpflanzen-Öl. Sollte man mal keine Mund- oder Staubschutzmasken griffbereit haben (was eigentlich nie vorkommt…) dann genügt auch unter die Nase geriebenes Pfefferminz- bzw. Japanisches Heilpflanzen-Öl…

  7. @Anita:
    Mir schmeckt mein Essen (auch Fleisch) trotzdem, auch wenn ich sowas lese. Da muss man nicht zwangsläufig zum Vegetarier werden ;p

    @BeLa:
    Krankheitsbedingt hab ich mir auch das tolle japanische Öl unter die Nase geschmiert… leider auch etwas zu weit oben. Die Augen tränen doch ganz schön von dem Zeug..^^

  8. @Undertaker TOM: Naja nicht alle…. Ich habe meinen seit ca. 10 Jahren nicht mehr. Meine Frau mag keinen Gesichtsteppich ;-)

  9. Boah das ist harter Tabak. Kostet das jedesmal Überwindung oder härtet man mit der Zeit ab?
    Kommt sowas oft vor?

  10. Hehe. Also, an der Gerichtsmedizin hat sich niemand auch nur irgendwas unter die Nase geschmiert. Zerstäuben oder so ging auch nicht, da das die chemischen Analysen verfälscht hätte. Und die Maden mussten im Zweifelsfall auch dranbleiben, da die mitanalysiert wurden (konkret in der Leber). Gesichtsschutz trugen wir nur, wenn wir es mit einer HIV- oder Hepatitis-Leiche zu tun hatten, von wegen Aerosole, die automatisch durch die Luft fliegen, wenn entweder der Leichnam aufgesägt wird oder man (wie ich) Teile der inneren Organe für die chemische Analyse homogenisiert (i.e. mit einer Art Labor-Stabmixer püriert).

    Unsere Küche befand sich übrigens direkt über der Obduktionshalle und neben dem Leichenaufzug. Wir haben somit alles gerochen und trotzdem daneben gegessen. Mit der Zeit kann man am Geruch abschätzen, wie lang ein Neuzugang gelegen hat, ohne ihn je gesehen zu haben.
    Nur wenn eine Fliege rumflog, hat sich jeder schützend über sein Essen gebeugt, da völlig klar war, wo die vorher gesessen hatte. :-D

    • Richtig so! Das ausverschämte Ding! Als ob dioe Fliege (bzw. ihre verwöhnten Kids) nicht schon fürstlich genug gespeist hätten. Wozu da noch das spärliche Mahl der Lebenden anpeilen?
      Ich will alles, alles, alles! Das Prinzip der Millionäre…

  11. Jaja , den Tieren das Futter streitig machen .
    :-o Lechthaler

  12. Und gerade eben dachte ich noch über Essen nach…

    *igitt*

    Hoffentlich muss man mich nicht absaugen und mit Menthol bestäuben oder Kohlefiltervollschutzmasken tragen, um mich für meine Beerdigung herzurichten. Das kann man ja keinem antun.

    • Die Maden finden’s lecker. Brauchen nix dafür tun und leben wie die Made im Speck!*gg

    • @Made: selber schuld. Man knabbert nicht die Krone der Schöpfung an. Was für ein Benehmen!

  13. 20 Tropfen Minzöl auf zwei Stück Würfelzucker. Diese im Mund zergehen lassen. Man kann dann sogar mit offenem Mund Luft holen.

  14. Hay (:
    Ehm eine Frage. Stimmt es das ein Mensch 5 Minuten nach dem Tod beginnt zu verwesen. Bin das Buch nämlich auch am Lesen. Bin mir aber nicht sicher ob das alles so stimmt.
    Lg Svenja

  15. Was ist eine verwesende Leiche?
    ein fremdartiges, geruchlich aufdringliches Alien für den Menschen,
    ein Luxus-Hotel für Madame Schmeissfliege und
    ein kindefest für ihre Kids mit Hüpfburg (Käsefligenlarven), Eierlaufen und Sackhüpfen.

  16. Hey, Kollegin Surr-Surr! Wool’n wir auf die Wiesn?

  17. Ich glaube wenn man verwest, wird man zu ’nem Riesen-Schokoladenweihnachtsmann-für die Fliegenkinder!

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