Mitwirkung der Familie beim Ankleiden des Verstorbenen

Hallo! Vielen Gruss aus Kroatien, bin dein regelmässiger Weblog-Leser.

Ich hätte da mal eine Frage: Du hast ja geschrieben, dass oft die Angehörigen von Verstorbenen Ekel vor dem Toten haben. Jetzt zum Gegenteil: Habt ihr denn schon mal Fälle gehabt, wo jemand aus der Verwandtschaft den Wunsch hatte, beim Anziehen o.Ä. des Dahingeschiedenen mit anzupacken (als eine Art des Abschiedes, des Respektes oder so)?

Würde mich über eine Antwort sehr freuen!

Ja, es kommt hin und wieder vor, daß Angehörige von sich aus diesen Wunsch äußern. Wir sprechen aber auch die Familien darauf an und erleben oft die Reaktion, daß die Menschen gar nichts davon wissen, daß man das selbst machen kann/darf. Viele glauben auch noch, sie würden beim Kontakt mit einer Leiche unverzüglich tot umfallen, wegen des vermeintlichen Leichengiftes.

Wir haben im Laufe der Jahre ein Gespür dafür entwickelt, welchen Angehörigen wir zu einer solchen aktiven Mitwirkung raten.
Manchmal ist sogar ein wenig Überredungskunst notwendig, hinterher sind die Leute aber froh und dankbar, daß sie diesen letzten Dienst noch erweisen konnten.

Negative Reaktionen haben wir noch nie erlebt, höchstens daß die Leute allein den Vorschlag schon als Zumutung empfinden, dann bohren wir aber auch nicht weiter nach.

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  • Veröffentlicht am: 24. Juli 2008
  • 10 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

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  1. Als bei uns in der nahen Verwandtschaft vor einigen Jahren jemand starb, hat der damalige Dorf“bestatter“ gesagt, man dürfe dem Verstorbenen keine eigenen Sachen anziehen, die müssten so einen Talar anbekommen. Als der Wunsch geäußert wurde den eigenen Rosenkranz mitzugeben, so war dies auch nicht gestattet, sondern es musste ein neuer gekauft werden.
    Und wenn man dann hier liest, was alles möglich ist…….

    Wenn man sich in diesem Metier absolut nicht auskennt, ist man solchen schwarzen Schafen echt hilflos ausgeliefert.

  2. @Elke: Es steht ja nichts darüber in meinem Text WAS der Verstorbene angezogen bekommt. Zumindest bei Einäscherungen ist auch hier in der Region ein Totenhemd vorgeschrieben und keine eigene Kleidung möglich.
    In manchen Gegenden schreiben die Friedhofsverwaltungen auch für Erdbestattungen Talare vor.

    Warum da ein Rosenkranz vom Bestatter gekauft werden mußte, ist mir allerdings scheierhaft.

  3. [quote]Warum da ein Rosenkranz vom Bestatter gekauft werden mußte, ist mir allerdings scheierhaft.[/quote]

    Mir nicht. Ich denke, das war deshalb, damit dieser Bestatter dran verdient.

  4. Ach ja, das gute alte Leichengift… Ich glaube, davon hat man uns als Kindern was erzählt als Begründung, warum wir keine toten Tiere anfassen sollten, die irgendwo am Straßenrand rumliegen. „Unhygienisch“ oder „Bakterien“ wäre wohl zu kompliziert gewesen. Und Leichengift ist ja auch so ein hübsch griffiger Begriff. Der setzt sich natürlich bei vielen langfristig fest.

  5. Ach komm, jetzt versuchste uns das mit dem Leichengift wieder auszureden. Sooo kriegt man das Sommerloch natürlich gestopft.

    Und IHR arbeitet mit Gummihandschuhen und in der Pflege wird auch mit Handschuhen gearbeitet, könnte ja jemand ganz plötzlich sterben.

    NeeeNeee ich glaub das nicht!

    ;-) Aki

  6. Ich kan nur zustimmen !

    Vor paar Tagen hatten wir auch eine Angehörige die sich sehr sorgte um Ihre Mutter die verstorben war ich und mein Kollege erklärten Ihr alle Schritte und
    Sie half auch mit meim Ankleiden vor allem war es gut das sie uns sagte wie Ihre Mutter immer gekleidet war wie sich das Tuch im Haar trug und die Frisur .. sinde das immer schwirig die Frisur zu erraten teilweise hat man ja noch kein Bild vom Verstorbenen gesehen um zu wissen wie er immer seine Haarpracht trägt. Teils machen wir auch eine Haarwäsche wen die Haare Fettig sind aber ich weis aus erfahrung 70 % der älteren Damen bevorzugen Dauerwelle ;-D Damit können wir leider aber nicht perfekt Dienen nach dem Leben. Gut wen da ein Angehöriger über die SChulter schaut oder Mithilft !

    Vor allem ist es gut für den Trauerprozess das Angehörige den Toten noch einmal bewusst spüren können und noch mal fürsorglich für Ihn sein können das hilft oft sehr wen sie vor allem in in seiner Krankheit nicht mehr helfen konnten da ist ein zärtliches Gesichtwaschen oder Ankleiden sehr würdevoll ! Man siehe nur andere Bestattungskulturen wo immer der Tote von Angehörigen versorgt wird !

    Schönen Feierabend ! und ne ruhige Nacht ;-D

    Gruß vom Kollegen aus der Dereitschaft ^^

  7. gäbe es tatsächlich diese Leichengift, sind die beiden hier nachlässig,
    Schutzkittel/Mundschutz tragen aber keine Handschuhe ?!

    [img]http://666kb.com/i/aoiflt3ovvhzro3ww.jpg[/img]

  8. Klar gibt es Leichengift, Bestatter merken halt nur nichts mehr davon, weil sie durch den ständigen Kontakt immun geworden sind wie durch eine Impfung.
    Den Mundschutz haben die beiden auf, weil er mit japanischem Minzöl getränkt ist, wegen der Gerüche.

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