Bestatter sind inkompetent: Mutter in der Urne

Ich melde mich: „Bestattungshaus.“

„Ja Meinerzhagen hier. Können Sie bitte meine Mutter abholen, die ist verstorben.“

Ich erfrage die notwendigen Angaben. Dann sagt die Frau am anderen Ende der Leitung:

„Sagen Sie mal, können Sie die Mutter gleich mit der Urne abholen?“

„Wie bitte?“

„Mit der Urne!“

„Entschuldigen Sie bitte, aber wie sollen wir Ihre Frau Mutter denn mit der Urne abholen?“

„Das weiß ich doch nicht, bin ich der Bestatter oder Sie?“

„Das ist schon richtig, aber für gewöhnlich holen wir die Verstorbenen mit einer Trage oder einem Sarg. In die Urne kommt man doch erst nach der Einäscherung.“

„Jetzt hören Sie mir aber mal zu! Wenn Sie Ihren Beruf nicht richtig verstehen, dürfen Sie auch nicht so eine Werbung in der Zeitung machen.“

„Ich glaube, ich verstehe nicht ganz, was Sie möchten. Wir würden kommen, Ihre Mutter mit der Trage abholen und nach der Einäscherung im Krematorium hätte man dann eine Urne.“

„Ich will aber, dass sie gleich mit der Urne kommen. Sie schreiben doch in Ihrer Werbung dass Sie Erd- und Feuerbestattungen machen und auch sonn- und feiertags Dienst haben.“

„Das stimmt ja auch alles, heute ist Sonntag und wir haben Dienst und wir machen im Falle Ihrer Mutter ganz sicher auch die Feuerbestattung, aber zuerst müssen wir sie doch abholen.“

„Wen? Mich?“

„Nein, Ihre Mutter.“

„Ja dann aber mit der Urne.“

„Das geht nicht!“

„Sie wollen nicht, richtig?“

„Selbst wenn ich wollte, ginge das nicht.“

„Sagen Sie es doch gleich, daß Sie keine Feuerbestattungen machen.“

„Machen wir aber. Wir holen bloß nicht in der Urne ab.“

„Haben Sie keine Urnen?“

„Doch. “

„Und warum machen Sie das dann nicht einfach so, wie wir das gerne hätten? Haben Sie keine Lust?“

„Es geht einfach nicht.“

„Ich ruf jetzt woanders an! Ich sehe schon, das hat mit Ihnen keinen Zweck. Sagen Sie Ihrem Chef, dass ich Sie inkompetent finde.“

„Ja, mach ich.“

„Tschüß!“

„Tschüß!“

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  • Veröffentlicht am: 19. August 2007
  • 20 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Menschen

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

20 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Was für eine grausige Vorstellung, mit der Urne… Müsste ja übergroß sein. Dass ihr auch kein mobiles Krematorium habt..

    Aber was will man machen, ihr erklären dass ihre Mutter nicht in die Urne passt, bevor sie eingeäschert wird, ist vielleicht nicht angebracht.

  2. ich wäre mit ner unre da hin gefahren und hätte gesagt "ja sie wollten doch das cih sie mit der urne abhole…"

    dann soll sie einen entweder wieder wegschicken oder sich freuen das man es wenigstens versucht hat^^

  3. Ich hätte glaube ich entweder gesagt "Wie soll denn ihre Mutter in die Urne passen?"

    Oder ich hätte die Urne mitgeschleppt und auf die Trage gestellt oder so

  4. Als Bestatter kann man wohl nicht sagen: "Ja OK, dann machen Sie schon mal ein Feuer im Garten."

    *duckundweg*

  5. Die hatte vielleicht keine Ahnung, wie groß so ne Urne ist?!

    Klar waere unsereins gleich mit der Urne und vielleicht sogar mit den dazugehoerigen Streichhoelzern aufgetaucht – nettes Lagerfeuerchen am Nachmittag oder so – aber auch beim Dienst am Kunden gilt: man muss nicht alles (moeglich) gemacht haben, damit die Kunden dann doch unzufrieden bleiben…

  6. Wäre auch mein Vorschlag gewesen: Ihn zu fragen, ob er denn weiß wie groß eine Urne eigentlich ist.

    Und dass in so eine Urne die Asche der Verstorbenen hineingehört.

    In ihrem jetzigen Zustand dürfte wohl nur die Hand oder so reinpasen *hihi*

  7. Es könnte ja auch sein, dass der Bestatter die Mutti mit der schon vorhandenen Urne abholen sollte… Manche Leute kaufen sich sowas ja schon vor ihrem Ableben…

  8. Sind solche Anrufe wirklich ernstgemeint? Für mich klingt das eher nach "Amanda Dermichknutscht"…

  9. Hagen: der war ja… nett :))

    Vielleicht dachte der, dass Urnen im Feuer schrumpfen und vorher ein ganz normaler Sarg sind?

    Oder er hat zu Hause schon mal was vorbereitet..

  10. Hättest vielleicht fragen sollen wie sie sich das vorstelle, dass man ein mobiles Krematorium hätte. Muss bei der Feuerbestattung nicht auch ein Arzt vorher die Leiche frei geben? Bei meinem Opa mussten wir nämlich 3 Wochen warten bis die Leiche freigegeben wurde zum verbrennen.

    Übel wärs gewesen, wenn Du sie gefragt hättest, ob sie denn einen Ofen hätte der groß genug wäre……..*kicher*

  11. Hm…. hätte ja sein können das die vebrannt ist… dann wäre auch ne Urne sinnvoll ;)

    gruss

    Jakob

  12. Man hätte mit Urne und einem Eierschneider auftauchen sollen, und die Angehörigen bitten müssen den Raum zu verlassen…

  13. mhm..ich glaub das wäre nen guter witz für so ne comedy sendung auf einen der vielen privat sendern..am betsen mit dirk bach als leiche…

  14. Einfach mit ner Urne unterm Arm auftauchen und sagen: "Hier ist die Urne. Wenn Sie sie da reinkriegen nehmen wir sie so mit. Ansonsten nehmen wir die Trage…"

  15. Was seid ihr nur für ein unkompitentes Bestattungsinstitut.Habt ihr denn für solche Fälle keinen Mixer??

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