Ökologische Bestattungen, sinnvoll?

Da hatte doch neulich irgendjemand ausgerechnet, daß jede einzelne Suchabfrage bei Google quasi so viel Strom verbraucht, wie ein Einpersonenhaushalt in Lappland in einem ganzen Jahr.
Das Schreiben eines Blogartikels und die daraus resultierenden Leserbesuche via Internet verursachen soviel CO2, das fußballfeldgroße Löcher in die Algenteppiche der mazedonischen Atlantikküste gebrannt werden, oder so…

Dabei ist das doch alles Quatsch und das sind Rechnungen, die würde nichtmal das berühmte Milchmädchen (lecker von Nestlé! Könnt ich so aus der Tube saugen!) anstellen.
Was wäre denn die Alternative? Ich müßte mich mit meinem Manuskript auf die Treppe meines Hauses setzen und den ganzen Tag würden bis zu 20.000 oder 30.000 Leute aus dem ganzen deutschsprachigen Europa hier vorbeikommen, um mir zuzuhören… Ich glaube, das würde dann ein eigenes Bestatterweblog-Ozonloch in die Kakophoniesphäre brennen!

GEO ist eine sehr schöne Zeitschrift, ich lese sie hin und wieder, mein Arzt hat so einen Faible dafür und bei ihm im Wartezimmer liegt immer GEO und Öko-Test. Und die GEO hat, so wie es im Bestatterweblog die Rubrik „Frag den Bestatter“ gibt das sogenannte „Grüne Gewissen“, dem man Fragen stellen kann. Leserin Andrea machte mich aktuell darauf aufmerksam. Dieses mal hat jemand dem grünen Orakel die Frage gestellt, wie man sich denn wohl am Besten ökologisch einwandfrei bestatten lässt. Nun, meine Antwort wäre kurz und knapp: „Beerdigung auf einem nahegelegenen Friedhof in einem Sarg aus unbedenklichem Holz.“

Aber GEO orakelt weiter:

Ganz dringend zu meiden seien wegen der schlechten Öko-Bilanz: „Marmorgrabsteine, Mahagonisärge, Grabstätten auf heimatfernen Friedhöfen“

Den heimatfernen Friedhöfen bescheinigt GEO ja noch „idyllische Abgeschiedenheit“, meckert aber an, daß solche abgelegenen Gräber „besuchswilligen Angehörigen eine mehrstündige Anreise abverlangen“.
Das ist zwar im Prinzip kein falscher Gedanke, jedoch wollen die Leute gerade genau das Gegenteil: Möglichst nahe am Wohnort der grabpflegenden Angehörigen bestattet werden. Diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer, weit entfernt bestattet werden wollen, machen einen Prozentsatz mit vielen Nullen hinter dem Komma aus. Das sind Einzelfälle.

Dann orakelt das grüne Gewissen über die Feuerbestattungen. Der ökologisch bedenkliche hohe Energiebedarf ist GEO da ein Dorn im Auge. „Das Krematorium der Stadt Frankfurt hat einen Erdgasverbrauch von 400 Kilowattstunden pro Einäscherung.“
Das sei soviel wie „der durchschnittliche deutsche Monatsbedarf für ein 30-Quadratmeter-Apartment.“
Ja und? Im Durchschnitt steht die von einem Verstorbenen hinterlassene Wohnung 3 Monate leer und hat 75 Quadratmeter…

Natürlich könnte man auch noch diese 30 Quadratmeter Erdgas (Achtung Klugscheißer, das war ein Späßle! Ich weiß, daß man Gas in Quadratdezimetern mißt, aber ich hatte gerade keine Wasserwaage zur Hand.) einsparen, würde man alternative Bestattungsformen wählen. GEO weiß auch welche und schlägt gleich zwei „umweltfreundliche Alternativen zur Feuerbestattung“ vor.

„Aus Schweden kommt die „Promession“, bei der Tote mit flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius gefriergetrocknet und anschließend durch Vibration in grobes Pulver verwandelt werden.“

Lassen wir mal den für die Vibration aufzuwendenden Energiebedarf außer acht und wenden uns mal kurz der Überlegung zu, wie man wohl 196 Grad kalten flüssigen Stickstoff herstellt…
Der „Kleine Energiewichtel“ ein Heftchen für 6 bis 10jährige, herausgegeben von unserem Energieversorger sagt: „Alle Apparate, die schnell laufen, verbrauchen eher weniger Strom. Aber alles was heiß oder eiskalt wird, braucht ganz viel Strom.“

Weiß jemand da draußen, wieviel Energie es braucht, um soviel flüssigen Stickstoff auf 196 Grad herunterzukühlen, in Spezial-LKW zu transportieren usw. um einen Leichnam gefrierzutrocknen?
Ich mutmaße, daß man damit mehr als 30 Quadratmeter heizen könnte, also jetzt nicht mit dem eiskalten Stickstoff, sondern mit der Energie davon…

Dann rät der grüne Daumen, man solle das gefriergetrocknete Granulat „in einem Sarg aus Mais- oder Kartoffelstärke innerhalb eines Jahres kompostieren“.
Auch Holz, lieber grüner Finger, ist ein nachwachsender Rohstoff und für Särge wird nichtmal das beste Holz benötigt und Holz wächst auch bei uns und in der ökologischen Nähe. Die von Dir angeprangerten „Mahagonisärge“ sind in den meisten Fällen aus ganz einfachem Holz und entweder nur mit einem hauchdünnen Mahagonifurnier belegt oder mahagonifarben gebeizt. Und ob nun ein Sarg ein Jahr oder zehn Jahre in der Erde benötigt, um zu vergehen… wayne?
Bei den immer wieder propagierten Särgen aus alternativen Materialien, wie z.B. Pappe, hat mir noch keiner belegen können, ob die Herstellung von Pappe nicht tatsächlich sogar ökologisch bedenklicher ist, als die Verwendung von purem Holz, einmal davon abgesehen, daß Pappsärge immer noch teurer sind, als die einfachsten Verbrennungssärge aus Holz. Pappe fällt ja auch nicht aus einem ökologischen grünen Himmel. Ich war erst unlängst beim Tag der offenen Tür einer Papierfabrik und es wurde immer wieder betont, welche unglaublichen Mengen an Energie und reinstem Trinkwasser benötigt werden, um Papier und Pappe herzustellen. Ja und dann werden die Pappsärge ja auch in Holzdekor bedruckt…
Und Särge aus Mais- oder Kartoffelstärke bestehen ja auch nur aus einem wiederum nachwachsenden Rohstoff, das tun aber alle Särge sowieso (die kleine Zahl von Metallsärgen lassen wir getrost unberücksichtigt) und einen Sarg aus Mais- oder Kartoffelstärke zu machen, wird ja auch nicht von den Öko-Heinzelmännchen erledigt, sondern auch das erfordert wieder Energie, Farben und und und…

Als zweite ökologisch einwandfreie Alternative empfiehlt das GEO-Orakel:

„Die „alkalische Hydrolyse“ wird in den USA bereits an Universitäten und Forschungseinrichtungen vorwiegend zur Beseitigung von Tierkadavern angewendet. In auf 150 Grad Celsius erhitzten Edelstahltanks zersetzt Lauge bei sechs Bar Druck den Körper bis auf einige Knochenreste fast vollständig.“

Jau. Lauge, Druck, Temperatur…
Gibt es alles für lau, ist alles unbedenklich und die entstehende Pampe, was ist damit? Ab in den Öko-Fluss? Was geschieht dann mit der zersetzenden Lauge? Diesen Rest muß man doch auch irgendwie entsorgen. Was schlägt der grüne Daumen denn da vor? In Pfandflaschen füllen und bestatten?

Ich will die ökologischen Alternativen nicht verdammen, aber das was wir heute bereits machen, das IST ökologisch. Was gibt es Ökologischeres, als Tote in einem Sarg aus einem nachwachsenden Rohstoff (Holz) in der Erde vergehen zu lassen? Auch der Energiebedarf der Krematorien ist in den letzten Jahren ganz erheblich gesunken; wir sprachen erst neulich hier darüber, daß die Abwärme sogar für Fernheizzwecke benutzt wird. Und anschließend? Da kommt die Asche in einen Beisetzungswald. Gibt es was Ökologischeres?

Nein, ich möchte weder wie Nescafé gefriergetrocknet werden, noch in Säure oder Lauge aufgelöst werden. Kein Mensch braucht einen Grabstein aus ausländischer Fertigung, da stimme ich dem grünen Zipfel zu, aber gönnt mir doch die paar Jahre rechteckiger Erinnerung an einem Ort der Ruhe und des Friedens.

„Haben auch Sie eine Frage an „Das Grüne Gewissen“? Dann schreiben Sie uns eine Mail!“

Nö.

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Peter Wilhelm7. September 2012

46 Kommentare von 138966.

  1. Es tut immer wieder unglaublich gut wenn jemand mit Sinn und Verstand die Ökolügen einmal aufarbeitet. Über kaum ein anderes Themengebiet unseres Lebens sind so viele Halb- und Unwahrheiten im Spiel wie beim Thema „Öko“.

    Danke Tom

  2. Nun, die Lauge könntest Du mit Salzsäure neutralisieren, da kriegste Wasser und Natriumchlorid (Kochsalz), beides macht sich gut zum Frühstück: ersteres im Kaffee und letzteres auf dem Frühstücksei. Das ist nicht nur ökologisch sonderm macht auch munter – oder so ;-)

    Diese Ökorechnungen sind immer wieder genial, da kommt nicht nur bei GEO oft Schrott bei raus…

  3. @Klaus: Ob das mit Sinn und Verstand ist… ich weiß es nicht, ich behaupte nur, denke nach und meine. Man mag meine Gedanken widerlegen, sie erheben keinen Anspruch. Aber mich stört es immer, wenn da irgendwelche Stichworte aus Presseerklärungen und Archiven einfach mal so aufgegriffen werden und uns als ökologische Variante angepriesen werden.

    Wenn ich nur an den ganzen Feinstaubplakettenscheiß denke…
    Das Her- und Aufstellen der Schilder hat das 10fache an Energie verschleudert und das x-fache an CO2 verursacht… Dabei hat der Autoverkehr nur einen verschwindend geringen Anteil an den Feinstäuben und die Feinstäube aus der umliegenden Industrie sind so böse, die halten sich nichtmal an die schönen neuen bunten Schilder…

  4. Tja, dann also plädiere ich doch für die Einführung der Vogelbestattung hierzulande, die macht kaum Mühe und produziert allenfalls vollgefressene Geier und einige Verdauungsreste der Tiere auf der Wiese …

  5. Der Wahnsinn hat doch System.

    „Du, ich glaub das ist nicht gut, Öl aus dem Boden zu pumpen, zu raffinieren und zu verbrennen. Lass uns lieber den Regenwald da abholzen und Grundnahrungsmittel anbauen und aus ärmeren Ländern aufkaufen, die wir dann voll Öko mit Bio-Stickstoffdünger aus dem Haber-Bosch-Verfahren und Mineralien aus kleintigistanischen Bergwerken düngen. Dann schmeißen wir das in so Reaktoren, die unter Druck und Hitze daraus Biokraftstoff machen, welches sogar zu 10% dem normalen Benzin zugesetzt werden kann, ohne dass die Motoren sofort hopps gehen. Und das beste ist, es kommt sogar mehr Treibstoff raus, als für den Betrieb zumindest des Reaktors benötigt wird.“

  6. Jo, wobei beim Anlegen der Vogelbestattunswiese un die Lage mindestens genauso ein Herumgezerre von Stadtverwaltungen und Anwohnern gemacht werden würde wie bei einer Psychatrie.

  7. Ob Feinstaub oder Öko-Bestattung. Du sprichst mir einfach aus der Seele!
    Es wird an einer Stelle mit Kanonen auf Spatzen geschossen und an anderer dafür mit dem Luftgewehr auf Flugsaurier. Viel zu groß ist der Drang nach, allzuoft blindem, Aktionismus. Zu wenig Zeit wird sich genommen um Phänomene wie den Feinstaub tatsächlich wissenchaftlich zu untersuchen. Lieber stellt man schnell ein paar Schilder auf während die in Auftrag gegebenen Untersuchungen noch laufen. Und wenn sie dann mal stehen sind sie eine willkommene Möglichkeit Autofahrer zu gängeln.

    So oder ähnlich läuft es doch allzuoft. Jedenfalls finde ich deine kritische Einstellung gut.

  8. @5 & 7, dem stimme ich voll zu! Bin selbst Umweltwissenschaftlerin und ärgere mich immer schwarz, was für ein Dünnsch…s verzapft wird. Natürlich bin ich für ökologische Lösungen, aber man muss mit Verstand ran gehen. Und wenn sich rausstellt, dass etwas nicht funktioniert, muss man es auch ändern.
    Leider ist es so, wie Klaus sagt, wenn es einmal da ist, egal wie sinnbefreit, bleibt es da.

    Mit unsinnigen Sachen nimmt man den Leuten die Lust auf Ökologie, irgendwann glauben sie einem nichts mehr und das ist dann fatal, denn dann werden auch sinnvolle Sachen abgelehnt.

  9. Besteht bei Vogelbestattung nicht die Gefahr der Überdüngung?
    Wer aus Überzeugungsgründen auf einen Sarg verzichten möchte, kann sich ja einer Gleubensgemeinschaft anschließen, der die Bestattung im Leichentuch gestattet wird. Aber unbedingt darauf achten, das der Stoff aus biologischem Anbau stammt!
    ;-)

  10. Auch bei GEO arbeiten wohl mittlerweile nur noch Ökodogmen regurgitierende Journalisten. Sollten Journalisten sich nicht auch *Sachkenntnis* aneignen, oder ist das mittlerweile eher ein Beschäftigungshindernis in der Branche?

  11. Das beste an den „Umweltzonen“ ist ja, daß eigentlich jede Möhre, die nochmal TÜV bekommen hat, auch so ne Plakette kriegt! Mein 13 Jahre altes Auto hatte GRÜN! Ich habe kürzlich das erste mal eine gelbe Plakette gesehen, und wahrscheinlich hätte sogar mein Auto Bj’86 (ohne KAT) noch rot bekommen – so what!?

  12. @Henning (11)
    Dein alter Benzinmotor feinstaubt ja auch nicht, der kohlendioxidiert und stickoxidiert nur. Probier‘ aber mal für einen älteren Dieselmotor eine grüne Plakette zu bekommen…

    Wir erinnern uns ein paar Jahre zurück – da wurde der Erwerb eines Dieselfahrzeugs steuerlich gefördert, weil der Dieselantrieb sparsamer mit dem Treibstoff umgeht als ein Benziner, somit also eigentlich umweltfreundlicher ist. Aktuell ist Diesel aber so pöhse, dass man einen Steuermalus extra berappen muss…

    Ich hab‘ gerade für meinen Diesel mit einigem technischen Aufwand (nein, nicht nur Partikelfilter) eine grüne Plakette ergattert. Hat etwa einen Tausender gekostet, nur dafür, dass ich mein Auto weiter fahren darf!

    Klar, ich hätte auch ein neues kaufen können. Von der finanziellen Problematik mal abgesehen, ist die Produktion eines Autos auch eine Energieintensive Angelegenheit. Ist das wirklich umweltfreundlich, eine Riesenladung eigentlich intakter Autos zu verschrotten und dafür neue zu produzieren? Ich glaub’s nicht.

  13. Wenn ich zusammenrechne, wieviel Schadstoffe ein einzelner Mensch im Laufe seines Lebens produziert, ist es da überhaupt ökologisch noch sinnvoll, Menschen zu produzieren? ;-)
    Da würde doch die Entsorgungsproblematik gar nicht erst entstehen, oder?

    • @Undertaker J. A. Fox: ich denke, bin anhand der anschaulichen Bilder dazu, überzeugt: so ein Video gibt es aus dem amerikanischen Raum schon.Ging auch um Bestattung, das Drum und Dran, wohl auch über die Frage, was ein Mensch so im Leben „ausdünstet“..

  14. @ Undertaker J.R. Fox: Wenn man meint, dass sich das Meeting mit den Geiern nähert, kann man ja zu einer vogelfreundlicheren Ernährung übergehen und somit einer Überdüngung auf ganz natürliche Art und Weise vorbeugen. Merke, auch Geier ißt mit.

  15. BIO, ÖKO,-Logisch,-Nomisch.
    Tröstlich, stelle fest daß ich nicht der einzige bin dem diese Themen langsam auf die Nerven gehen…
    Die ökologisch(st)e Variante hatte Tom doch schon hier im Blog: Ab in den Wald (selbstverständlich zu Fuß!) und dort versterben, naturnahe Kompostierung inclusive.(Da hing doch einer jahrelang tot im Baum, wenn ich mich recht erinnere). Friedwald mal anders…
    Bitte Kleidung aus Naturfasern dabei tragen.
    @ Ma Rode:Bitte auch noch Tipps zur waldbewohnerfreundlichen Endzeiternährung geben wenn möglich.
    Lechthaler, ökogenervter Stinkerußdieselfahrer

  16. Die energiewichtelnden Baumumarmer sind schon deshalb meine ganz besonderen Lieblingsschnuffelpuffel, weil sie beim Grundkurs [i]Rechnen mit einfachen Zahlen[/i] nur körperlich anwesend waren. Allesamt hirnverdübelt.

    Beispiel 1: Ja, man kann durch Wärmedämmung und sparsame Haushaltsgeräte eine Menge für seine persönliche Energiebilanz tun. Aber mal eine andere Frage, wie oft liegt der Durchschnittsverbraucher eigentlich pro Inkarnation in der Brennkammer eines Krematoriums?

    Beispiel 2: Kunststoffe wurden vom Satan erfunden, um die Welt einzuwickeln. So ein Polyester-Pulli verbraucht bis zu 50 l Wasser in der Herstellung! Das ist Sünde! Um das auszugleichen, müsste man ja die ganze Galaxie mit Pinkeltasten nachrüsten! Dass für die Grundausstattung eines Körnerfressers (Feinripp-Unterhose mit Linkseingriff, T-Shirt, zwo Socken, Jeanshose stonewashed) aus naturbelassener Baumwolle 15.000 l Wasser draufgehen, darf man aber nicht sagen, dann ist man nämlich ein Ökonazi und/oder von den Kapitalistenschweinen gekauft.

    Beispiel 3: Tee (Kaffee, Schokolade, you name it) darf man eigentlich nur verbrauchen, wenn er in Hindukusch-Dörfern von blinden Eskimowaisenmädchen repressionsfrei unter Wasser fußgepflückt und ganzheitlich fermentiert wird. Ganz kleine Plantagen, weil ja die verkehrsgünstig gelegenen Teefarmen der Großkonzerne meistens eigene Transportflugzeuge einsetzen, während die anderen das Kerosin längst durch tibetischen Weihwasserdampfantrieb ersetzt haben. Und die Teesäcke laufen da auch zu Fuß über die Bergpässe, glaubt’s mir. (Wer sich so richtig als Naturzerstörer profilieren will, trinkt Pfefferminztee aus hiesigem Anbau – hey, da werden die Abgase ja sogar in die deutschen Mittelgebirge geschwallert, das geht ja gar nicht!)

    Beispiel 4: Der Öko an und für sich. Er schreddert sein Getreide nicht mehr direkt in die Latzhose rein, er lebt so richtig bürgerlich – kann er sich auch leisten, denn die Umweltschutzbewegten haben statistisch Gehälter oberhalb des Bevölkerungsdurchschnitts. (Bündnis 90/Die Grünen geben gerne Auskunft über Mitgliederschaft und Wähler.) Sie fahren dicke Autos, fliegen für sanften Tourismus gerne auf andere Kontinente und leisten sich überdurchschnittlich oft einen Tisch im Sterne-Restaurant, wo ein Drei-Gänge-Menü für vier Personen für das Herankarren der erlesenen Zutaten ungefähr den Gegenwert von 10 Flugkilometern ausmacht – eines vollbesetzten Mallorca-Bombers, wohlbemerkt. Wollja. Da lasse ich mich nach meinem Ableben doch gleich doppelt so gerne gefriertrocknen.

    Es gibt Leute, die ihren Schädelinhalt dringend einer Rückrufaktion unterziehen sollten.

    • @bee: den Text lese ich sicher gern noch einmal. Sind doch tolle neue Worte drin, die ich nicht kannte.Man merke auf:Kryonisierung soll ja was ganz Feines sein, belastet eben NICHT die Erde, man befindet sich als ganzer Körper in einem Stahlbehälter in den USA, nachdem das Prozedere vorher noch erledigt wurde: Körper reisefertig machen..Aber teuer! Ewigkeit ist eben nicht für lau zu haben, lach…

  17. „Tibetischer Weihwasserdampfantrieb“. Finde ich gut. Danke, bee.
    „Man muß sich eine Einstellung auch leisten können!“ schleudere ich jedem entgegen der mich öko-, bio-logisch oder sonstwie -nomisch komisch bekehren will.
    Demnächst wird den Bestattungspflichtigen noch eine CO-Gebührenrechnung von der Friedhofsverwaltung überreicht…
    Lechthaler

  18. Um 1 kg Wasser um einen Grad Celsius zu erwärmen, braucht es 1000 Kalorien.

    Menschen bestehen zu 90% aus Wasser, also nehmen wir zur Einfachheit an, eine Leiche besteht zu 100% aus Wasser.

    Man muss bei einer 70 kg schweren Leiche, die von 5° C (Kühlraum) auf minus 196° C abgekühlt wird, etwa 14’070’000 Kalorien aufwenden. Eine kWh sind 860’000 Kalorien – also 16.36 kWh für ein Leichen-Tiefkühlen.

  19. Die Rechnung von turtle of doom erscheint mir doch zu stark vereinfacht. Es ist weder der hohe Energiebedarf berücksichtigt um aus 0 Grad Wasser 0 Grad Eis zu machen, noch daß da ja noch eine ganze Menge Umfeld mit abgekühlt werden muß, wie die Kühlkammer selber und der Transportbehälter, aber auch der Luftwechsel beim Bestücken der Kühlkammer usw.

    Ich habe nach „Schockfroster“ gegoogelt. Die Geräte werden in der Gastronomie genutzt. Anhaltspunkt: 25 Kg Gefriergut von +70 auf -18 Grad benötigen etwa 10 kWh Energie.
    Das Tiefkühlen auf minus 196 Grad dürfte ein vielfaches der genannten 16.36 kWh benötigen.

  20. Klar, ich wollte auch ein einfaches Beispiel selbst durchrechnen. Ich ging davon aus, dass die Kühlung eine perfekte Energieeffizienz hat, und dass nur die Leiche selbst gekühlt wird.

    Deine Daten hochgerechnet auf mein Szenario ergäben dann 63 kWh. Das wäre etwa in der Grössenordnung der Energie, die bei der Verbrennung 1 kg Steinkohle oder 1 l Benzin frei wird.

    Also ist das Schockfrosten und Zerbröseln ein deutlicher Unsinn, verglichen mit dem Verbuddeln in einem Naturholz-Sarg.

  21. @17 bee

    Also mir ist es nicht egal wo und wie mein Essen hergestellt wird. Auf übermäßig gespritztet Essen habe ich genauso wenig Bock wie auch das dafür Menschen für fast nix arbeiten oder schlimmer noch Kinder dafür arbeiten.
    Bei den Klamotten ist es wesentlich Komplexer: Baumwolle ökologisch angebaut bringt nicht wirklich die benötigte Masse. Industriell angebaute Baumwolle hat einen immensen Wasser-, Dünger- und Pflanzenschutzmittelverbrauch. Alternativ dazu stinknormales Hanfleinen, aber da gibt es ja diverse religiöse Gründe dagegen. Kunststoffklamotten , warum ned, die Fleeceklamotten aus ollem Gelbemsackplastik ist nun wirklich wieder aufbereitet.

    Bei Beerdigungen soll man ned päpstlicher sein als der Satan, wenn man eine gewisse Anzahl an Jahren gelebt hat ist der Naturverbrauch, vom ökologischen Standpunkt gesehen minimal.

    Also alles immer schön mit Augenmaß.
    PS. Manchmal ist es wirklich ökologischer sein Essen einfliegen zu lassen als in einem Nichtzuträglichem Klima dafür zu sorgen das es wächst und gedeiht.Wenn man denn unbedingt alles zu jeder Zeit essen muß.

  22. …die hatten dann wahrscheinlich noch nie etwas von der tibetanischen Geierbestattung gehört…

    http://bestatterweblog.de/archives/Himmelsbestattung,-Vogelbestattung-was-ist-das/3821

  23. Massengräber sind noch umweltfreundlicher. Man spart sogar die Särge.

    Gab es abgesehen von der Seuchengefahr eigentlich (umweltschützerische) Bedenken wegen Massengräbern, z.B. wegen jenen des Zweiten Weltkriegs?

  24. Jaja, die lieben Feinstaubplaketten… Ich fahre einen Oldtimer mit H-Kennzeichen, da können mich alle Umweltzonen eh mal gernhaben – aber es ist ein Benziner, der sowieso kaum Feinstaub produziert. Zumal meines Wissens immer noch nicht nach der Zusammensetzung des Staubes, sondern nur nach der Menge gegangen wird – da haben alle Städte am Meer von vornherein verloren, Stichwort Meeresaerosol. Und was ist mit dem Reifen- und Bremsabrieb der grün plakettierten Autos?
    Das bringt mich direkt zu dem Abwrackprämienunfug – klar, es war eine Wirtschaftsförderungs-, keine Umweltschutzmaßnahme. Dass damit Werte vernichtet wurden, die zum einen in der Außenhandelsbilanz fehlen und zum anderen die kleinen freien Werkstätten bluten müssen, die in der Regel die alten Autos reparieren, sieht dabei bloss auch keiner. Und von Umweltschutz soll da bloss keiner reden – ein Auto nach weniger als 12 bis 15 Jahren zu verschrotten ist völliger Irrsinn.

  25. Ich habe nun nicht die Kommentare gelesen, weil ich im Moment nicht viel Zeit habe. Also falls es doppelt oder ähnlich ist, dann ist es halt so. Rein ökologisch selbstverständlich.

    Vor Jahren kamen schon die Freaks auf die Idee statt unserer guten Plastiktüte alles in Papiertüten zu tüten wie die Amis.

    Ja und dann wurde entdeckt, wie Tom schon beim Pappsarg vermutet bzw. in der Fabrik gesehen hat, dass alles enorm viel Trinkwasser, Energie usw. verschlingt. Eine verträumte Plastiktüte hingegen sehr umweltfreundlich ist. Besonders da sie ja heutzutage nach kurzer Zeit verschwinden bzw. sich auflösen.

  26. Ich weiß schon, warum ich nach dem 25-jährigen Jubiläum aufgehört habe, GEO zu lesen: zuviele ungebildete SpinnerInnen machten sich breit.

    Keine umfassende Bildung, die Naturwissenschaften geschwänzt, Schwätzer.
    „Energieerhaltungssatz? Hä??“

    Sämtlich wären sie in der Henri Nannen Journalistenschule durchgefallen.

    Danke, Tom für diesen kleinen Exkurs.

  27. Diese „Ökos“…
    Mir stellts jedesmal die Nackenhaare auf wenn ich mit denen zu tun habe. Flüssiger Stickstoff – klar, findet sich in jedem Kühlschrank in rauhen Mengen. Lauge – kein Problem, ist ja flüssig und man sieht keine hässlichen Leichenteile mehr. Saubere Lösung (sozusagen). Was ist denn mit der anerkannt umweltfreundlichen Tibetanischen Totenverdunstung? (und jetzt ein blöder Witz zum Thema, der mir gerade wieder eingefallen ist: kommt der Kannibalensnob zum rituellen Leichenschmaus mit Sonnenbrille, ganz cool und einer Urne unter dem Arm. Fragen ihn die anderen „was hast du denn da?“ „das allerneueste – Nes-Mensch“.)
    Die ganzen ökologischen Nebenkosten die bei ihren ach so geliebten fair gehandelten Produkten, sanft touristischen Urlauben im Regenwald etc. anfallen werden standhaft ignoriert. Wenn man Inkagetreide, Himalayasalz das liebevoll von Jungfrauen in einer geschützten Werkstätte gedengelt wird, fussgezwirbelte Alpakapullis, „Free Tibet“ T-shirts und was man sonst noch so braucht ist der Transportweg ja egal, schliesslich kauft man das ja im Eineweltladen um die Ecke zu dem man mit seinem alten Mercedes Diesel mit „nein zu Atomkraft“-Sticker fährt.
    Und ist das unökologisch wenn ich zufällig auf einer Dienstreise in die Sahara sterbe und dort beerdigt in ein Tuch gewickelt beerdigt werde? Ist ja heimatfern – pfui Spinne!
    Egal welches Produkt man verwendet, alles hat ökologische/nomische Vor- und Nachteile. Baumwolle – egal wie öko die angebaut wird – braucht viel Wasser und Platz die mitunter besser für Lebensmittelanbau für die örtliche Bevölkerung genutzt werden könnten, Kunstfasern sind nicht unbedingt toll abbaubar, aber andererseits recht gut recyclebar. Und so weiter.
    Herr, lass Hirn vom Himmel regnen…

  28. Komisch – irgendwie scheinen hier gar keine Ökos/Grünen mitzulesen, dabei kommen die doch bei Wahlen immer auf zumindest 10 % oder so.

    Wahrscheinlich ist dieses Blog für die einfach uninteressant, weil die so gesund leben, dass der Tod kein Thema ist… ;-)

    • @Tombstone: Tod ist schon ein Thema, aber man denkt doch stets:“Nein, für mich noch nicht, ich sterbe nicht heute, nicht morgen, sondern irgendwann…“ Peinliches Thema, über welches man leider auch nicht mit jedem Freund, jedem Bekannten reden kann, weil die auch Scheuklappen auf haben, Motto:“noch betrifft es mich nicht direkt!“ Nun, wir warten dann eben ab..Hab noch nie ein Wahlplaket gesehen:“Macht die Särge billiger…“

  29. @25 Maitol Krczstovczc:

    Mir ist es auch lieber, wenn ich meine Lebensmittel aus der Region bekommen kann, und da muss ich halt auswählen. Kartoffeln sind problemlos, bei Fisch ist es schon schwierig. Aber wie Lechthaler (18) schon sagt, mit einem schmalen Geldbeutel kann man sich die Entscheidung zwischen Gärtnergemüse und Discounterware nicht immer leisten. Und das fängt bei so einfachen Sachen wie Zwiebeln und Tomaten an.

    Pervers finde ich die Ökohansel, die bei der Weihnachtsfeier die Vorspeise mit dem Kleckschen Safran-Bisque bestellen, wofür ein spezieller Krebs aus dem Baskenland nach Marokko zum Schreddern transportiert werden muss, damit die Plastiktüte mit der Pampe über Norwegen nach Luxemburg auf den Großmarkt kommt, wo man sie dann nach Hamburg karrt und einmal über den Teller schmiert. Das ist durch nichts mehr zu rechtfertigen.

    @31 Assistant BLfH:

    Ganz meine Meinung!

  30. Ich habe ein paar Zahlen gefunden, was für Energiemengen beim Einäschern benötigt werden. Die Zahlen sind zwar etwas älter. Da die Technik heute eher ausgefeilter ist, ist der heutige Energiebedarf daher eher niedriger.

    Dem Bericht zufolge benötigt eine Kremierung in einem Ofen, der dem Stand der Technik der 80er Jahre entsprach, 45 KWh und damit deutlich weniger, als die GEO- Angabe.
    Quelle: http://www.vho.org/D/DGG/Lueftl41_2.html

    Zum Vergleich: Der Gesamtengeriebedarf der privaten Haushalte in 2007 in Deutschland betrug 643 962 000 000 kWh. Rechnet man das auf den Tagesverbrauch jedes einzelnen Menschen um, kommen etwa 22 kWh pro Person und Tag heraus.

    Quelle: http://www.umweltbundesamt-umwelt-deutschland.de/umweltdaten/public/theme.do?nodeIdent=3526

  31. Ich bin absolut damit einverstanden den Planeten zu schützen – aber bei manchen Aktionen kommts mir so vor, als ob man sich fürs gute Gewissen einfach nur das Leben schwer macht – und diese effektiv gar nichts bewirken.

  32. Insgesamt finde ich bei der Ökö-Diskussion schlimm, daß sich zu oft der Eindruck einer Momentaufnahme aufdrängt: „Was passiert _im Moment_ des Verbrennens?“ Ansonsten wäre niemand auf die vollkommen wahnwitzige Idee gekommen, eine Lösung mit flüssigem Stickstoff gekommen, um jemand mit durchschnittlich (weit) oberhalb 55kg (weiblich) gefrierzutrocknen. Wer einmal an die Fahrradluftpumpe gegriffen hat, weiß, daß das Aufbauen von Kompression Energie benötigt. Aber dafür müßte man wahrscheinlich nachdenken, woher denn der schöne flüssige Stickstoff kommt, wo es doch so viel davon in der Luft gibt.
    Aus CO2-Sicht ist vermutlich wirklich die Vogelbestattung das beste- das CO2 entsteht zumindest nicht ungenutzt, sondern treibt Vögel an… ;)

  33. Hab gerade was über das Buch „Ende der Märchenstunde“ von Kathrin Harmann gelesen. Darin geht es wohl in ähnlicher Weise um Lifestyle Ökos – und was davon wirklich sinnvoll und gut für unsere Umwelt ist…
    Wollt ich nur mal erwähnt haben, wer mag kann ja mal googeln.

  34. Pingback: Leichen auflösen statt begraben Bestatterweblog Peter WilhelmBestatterweblog Peter Wilhelm

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