Halloween

Ist doch noch ziemlich lange bis Halloween (31.10.). Gestern hat aber die Managerin eines grossen Kinopalastes angerufen und zwei schwarze Särge bestellt. Die möchte sie für die Gruselnacht an Halloween als Deko haben.

Wir würden ja mehr verdienen, wenn wir ihr die Särge verkaufen würden, aber wie ich schon mal beschrieben habe, ist es uns zu heikel, weil wir nicht wissen, was nach der Aktion mit den Särgen passiert. Also habe ich vorgeschlagen, dass wir die Särge für die paar Tage ausleihen. Das kostet bloss den Transport und die Leihgebühr.

Leihgebühr? Was verlangt man für das Ausleihen von zwei Särgen?

Ich habe mich mit der Kino-Managerin auf jeweils 20 Kinokarten geeinigt. Mann, was war die Freude bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern groß!

In Anbetracht der Diskussion um den Gothic-Sarg, soll dies einmal zeigen, dass wir keineswegs auf stur schalten, sondern es immer eine Frage der Glaubwürdigkeit und der Sinnhaftigkeit des Gegenübers ist.

Wann sackt das Grab?

Wenn jemand verstorben und begraben in einem Sarg 2 Meter unter der Erde liegt, dann verwest er ja dort. Einmal würde mich interessieren, wie lange das dauert und wenn auch das Holz des Sarges vergammelt ist, dann sackt das Grab doch einige Zentimeter ab, oder stelle ich mir das falsch vor? Oder sackt es immer mal wieder etwas ab, dass man es gar nicht merkt?

Der Leichnam verwest. Das bedeutet, dass vor allem die fleischlichen Anteile des Körpers vergehen. Übrig bleiben die Knochen. Für Erdbestattungen wählt man festere Särge als für Feuerbestattungen. Damit ist der Gedanke verbunden, daß zuerst der Leichnam vergehen soll, bevor das Holz des Sarges zu faulen beginnt und schließlich der Sarg zusammenfällt.

Wie lange dauert es? Es hängt wesentlich von der Bodenbeschaffenheit und der Belüftung des Grabes ab. In manchen Regionen ist der Leichnam nach wenigen Jahren vergangen (8-12 Jahre) in anderen Regionen sind Ruhezeiten von bis zu 40 Jahren notwendig. Im ungünstigsten Fall kommt es zur Mumifizierung oder zur Bildung von Wachsleichen.

Wie schnell ein Sarg zusammenfällt hängt ebenfalls von den Bodenverhältnissen, aber auch vom verwendeten Holz ab. Harte Eiche und sehr stark harzhaltige Nadelhölzer halten länger als harzfreie Weichhölzer.

Nach der Beisetzung wird das Grab von Friedhofsmitarbeitern aufgefüllt und es wird ein Sarghügel angelegt. Dieser Hügel wird in Verlaufe weniger Wochen komplett nachsacken, weil sich das aufgefüllte Erdreich setzt. Oftmals entsteht jetzt schon eine Kuhle, die mit zusätzlicher Erde aufgefüllt werden muss. Ein weiteres Mal beginnt die Erde zu sacken, wenn Regen und Frost wirken und wenn die Erde zwischen die Füße des Sarges unter den Sarg rutscht.
Manchmal entstehen auch Risse im Sarg, sodass Erdreich in diesen eindringt, was abermals zu einem Absacken des Grabes führt.
Nach Jahren wird der Sargdeckel einbrechen und dann wird es relativ schlagartig zu einer Grubenbildung an der Oberfläche kommen.

Auch nach Ablauf der Ruhezeit, selbst wenn nach weiteren Jahren dieser Abschnitt neu mit Gräbern belegt wird, finden sich im Erdreich noch Knochen, Reste vom Sarg und oft auch von der Bekleidung und Sargausstattung. Entweder belässt man diese dort oder vergräbt sie an anderer Stelle des Friedhofs.

Mit dem ersten Einsacken des Grabes ist nach einigen Monaten zu rechnen. Hier ist dann die Erde nachgesackt, aber der Sarg noch nicht geborsten.
Nach einem bis drei Jahren kann das Holz nachgeben und ein weiteres Einsacken beobachtet werden.
Kommt es dann nach vielen Jahren zu einer massiven Grubenbildung, kann man davon ausgehen, daß der Sarg komplett zusammengebrochen ist. Dann ist aber der Leichnam auch schon vergangen und es sind allenfalls noch Knochen vorhanden.

Schneewittchen einst im Sarge lag

Etwas länger ist die folgende Geschichte, aber es ist ja Wochenende :-)

Lange graue Haare hat er, obwohl er erst um die dreißig Jahre alt ist. Ein bißchen komisch sieht er schon aus, mit seinen roten Turnschuhen und der grünen Hose. Ständig fährt er mit einer Hand durch die Haare, die ihm in die Stirn fallen, mit der anderen Hand nestelt er immer in der selbstgestrickten Umhängetasche herum, die an seiner rechten Seite hängt. Der Gurt dieser Tasche läuft quer über seine Brust.

„Diesen hier nehmen wir!“, ruft er aus, freut sich sichtlich und entblößt eine Reihe gelber Pferdezähne und lacht meckernd. Dabei deutet er auf einen unserer Särge. Deshalb ist er nämlich gekommen; seine Mutter ist verstorben und zwar in einem Altersheim im Siegerland, wo sie die letzten beiden Jahre lebte, ganz in der Nähe ihrer Tochter, also seiner Schwester. Und genau diese Schwester, eine Frau Doktor Hildegard Rabenacker-Sommerloch hatte bei mir angerufen. Wir möchten doch bitte einen Fahrer losschicken, die Verstorbene aus dem Siegerland hierher überführen, es käme ihr Bruder bald vorbei, der einen Sarg aussuchen würde und in genau diesem Sarg müsse die Mutter geholt werden.

Nun hat er also einen Sarg ausgewählt, die größte Truhe, die wir haben, das Modell Kennedy, ein amerikanischer Klappsarg. Die Dinger heißen Klappsärge, nicht weil man sie zusammenklappen kann, wie ein Klappfahrrad, sondern weil der zweigeteilte Deckel bei der offenen Aufbahrung am oberen Teil aufgeklappt werden kann. Überhaupt sind diese amerikanischen Särge von besonderem Luxus geprägt. Das Öffnen und Schließen des Deckels geschieht nicht profan durch manuelles Klappen, sondern es gibt kleine Kurbeln, die man einstecken kann und mit denen der Deckel sanft gleitend zugekurbelt werden kann. Mit dieser Kurbel kann man auch den Rahmen auf dem dem der Verstorbene liegt, hinauf und hinunter kurbeln. Bei der Aufbahrung hebt man ihn am oberen Ende etwas an, dann liegt er schöner da.
3000 Euro soll der kosten und das ist für einen solchen Ami-Sarg ein wahres Schnäppchen.

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Sozialbestattungen

Ich habe vor Kurzem einen Bericht im TV gesehen, wo es um Anonyme Sozialbestattungen ging. Da hieß es, die Bestatter bekamen früher ihr Geld sofort, im Zeiten von Harz 4 müßen sie aber heute bis zu einem Jaahr auf ihr Geld warten. Einige Bestatter hätten bereits soviel Außenstände, dass sie schon in finanzielle Probleme geraten. Nun meine Frage: Müßt ihr die Bestattung durchführen (Zwangsverpflichtung) oder habt ihr die Möglichkeit dieses abzulehnen. Es kann ja nicht angehen, das der Mittelstand die Armutsbekennungen der Behörden auffangen muß. Mir ist schon klar, dass irgend ein dubioser Unternehmer auf den Zug aufspringen kann und dies trotzdem macht. ODer gibt es so etwas wie einen Interessenverband der Bestatter, der so etwas unterbindet?

Das sind mehrere Fragen auf einmal, die ich einzeln beantworten möchte:

1. Gibt es einen Interessenverband der Bestatter?
Ja, es gibt einen Bestatterverband, eigentlich sogar mehrere. Wie immer, wenn es solche Verbände gibt, reklamieren gerne alle für sich, die Stellvertreter Gottes auf Erden zu sein. Der eine Verband wird nicht müde, zu behaupten nur seine Mitglieder seien seriös und ein anderer Verband ist in den Augen vieler nichts anderes als der Zusammenschluss der Bestattungshäuser einer bestimmten Firmenkette. Ein weiterer Verband, der einmal als Licht am Horizont des ganzen Filzes schien, ist wegen der dubiosen Machenschaften seines Vorsitzenden inzwischen in der Bedeutungslosigkeit versunken.
Wir gehören keinem dieser Verbände an, weil man das weder muss, noch einem das, unserer Meinung nach, in irgendeiner Weise nutzt.

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Spass bei der Arbeit – Bestatter lacht sich tot

Da fragt mich jemand:

Super Blog! Gab es eigentlich auch mal einen richtig lustigen Moment während deiner Tätigkeit als Bestatter?

Es gibt tagtäglich etwas zu lachen und hier bei uns im Hause heisst es anerkanntermaßen, dass es keinen Beruf gibt, der soviel Spaß bereitet und Grund zum Lachen bietet, wie unser Beruf.
Oberstes Gebot ist allerdings, daß wir die Würde der Verstorbenen und die Trauer der Angehörigen achten und respektieren.
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Ein Bestattungshelfer, der sich beispielsweise einmal über den kleinen „Schniedel“ eines Verstorbenen in meinem Beisein lustig machte, brauchte am nächsten Tag gar nicht wiederkommen.

Wir müssen im Kopf immer fein säuberlich trennen, wann es sich um einen Sterbefall handelt, der in irgendeinem aktuellen Bezug steht oder ob der Sterbefall jetzt in einem anderen Kontext erwähnt wird. Niemals würden wir uns auf die Kosten des Toten belustigen oder auf Kosten der Kunden lustig machen.
Aber selbstverständlich bleiben auch uns besondere Vorkommnisse in Erinnerung und wir amüsieren uns oft noch Jahre später über bestimmte Vorfälle.

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Das Geheimnis der Poseranze ist gelöst

Also, ich habe nochmals mit der Kundin gesprochen, die unbedingt Poseranzen auf dem Sarg ihres Mannes haben wollte. Bin extra zu ihr hingefahren und hätte sie dann mit zu Gärtner genommen, damit sie mir die seltsamen Blumen einfach mal zeigt.

„Die kennt doch jeder! Mein Mann hat da immer so ein schönes Lied gesungen, ich singe Ihnen das jetzt mal vor!“

Mit Tränen in den Augen sang mir die Gute dann vor:

„Oh Dornröschen, die Poseranzen um dein ganzes Schloss!“

Man muss ja ernst bleiben, aber in diesem Moment war mir klar, was sie meinte, denn auch wenn ich dieses Lied nicht kenne, muss es meiner Meinung nach eindeutig heissen: „…die Rosen ranken um dein ganzes Schloss“.

Rosen will sie, ganz einfach Rosen!

„Ja, das sage ich doch! Poseranzen, das hat mein Mann immer zu Rosen gesagt.“

Machen wir, auch das machen wir. Poseranzen, warum bin ich da nicht gleich drauf gekommen! Bin aber auch begriffsstutzig!

Tom is back

Vier Tage Regenwetter in Berlin, das war mein diesjähriger Urlaub. Manche haben es gemerkt, dass ich nicht ganz so fleissig war, wie bisher, was eben an dem Kurzurlaub lag. Jetzt bin ich wieder da und kämpfe mich durch die rund 200 Kommentare und Mails.

Eine Bitte: Wer mir in einem Kommentar eine Fachfrage gestellt hat, der mag sie mir doch bitte noch einmal per Mail schicken. Ich werde vermutlich nicht alle Kommentare wirklich lesen können, zumindest nicht zeitnah.

undertaker[ät]europa[minus]host[Punkt]de

Grabsteine abräumen

Unser Vater ist verstorben und jetzt soll er in dem Grab beigesetzt werden, in dem unsere Mutter schon sechs Jahre liegt. Der Bestatter verlangt jetzt, dass der Grabstein abgeräumt wird und will sich dafür 300 Euro in die Tasche stecken. Was soll das?

Es gibt Kommunen in denen es Vorschrift ist, dass bei einer Wiederbelegung eines vorhandenen Grabes ein bereits aufgestelltes Grabmal (vorübergehend) entfernt werden muss. Dies ist Bestandteil der Unfallverhütungsvorschriften und eine Haftungsfrage, die hier konsequent umgesetzt wird.

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