Im Sommer kannst Du Urlaub machen

reloaded: 27.5. 12:45:27: Im Sommer kannst Du Urlaub machen

Das war immer eine der goldenen Bestatterregeln. In den Monaten Oktober bis Juni brummt unser Geschäft, das Kühlhaus ist voll und wir haben Hochbetrieb. Etwa 75% unseres Umsatzes machen wir in der “kalten” Jahreszeit. Im Sommer hingegen, wenn es heiss draussen ist, haben wir so gut wie nichts zu tun.

In den letzten Jahren hat sich das aber geändert. Schon durch die fehlenden Übergänge im Wetter verschiebt sich da alles.

Gerade in den letzten zwei Wochen haben wir soviel zu tun, das ist unglaublich.

Deshalb habe ich auch wenig in mein schönes neues Blog geschrieben. Die Kunden halten mich auf Trab und das gestiegene Anspruchsdenken der Leute tut ein Übriges.

Bestatter als Drogenkurier

Na, ist das mal eine Schlagzeile? Das haben sich sicherlich auch die Zeitungsmacher gedacht, die diesen Artikel geschrieben haben. Mit dem Wort Bestatter lässt sich ja immer Aufsehen erregen und Aufmerksamkeit erzielen. Wir stehen ja quasi für das Geheimnisvolle, das Tabuiisierte und sind überdies noch, nach Meinung vieler Leute, geldgierige Beutelschneider. Da trifft es sich immer gut, wenn mal ein Bestatter mit kriminellen Handlungen in Verbindung gebracht werden kann.

Wer aber den obigen Artikel liest, wird schnell feststellen, daß die Tatsache, daß der Drogenkurier, Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens war, überhaupt nichts mit der Tat zu tun hat.

Überhaupt schiebt man uns oft sehr publikumswirksam, weil skandalträchtig, Dinge in die Schuhe, die bei näherer Betrachtung gar nichts Skandalöses an sich haben. Beispielsweise lese ich immer mal wieder Berichte, in denen steht, der Bestatter habe im Sarg gleich noch seinen Müll mit entsorgt.
Einen größeren Blödsinn habe ich noch nie gehört. Es mag solche Fälle vielleicht einmal gegeben haben, wenn das aber so war, handelte es sich um einen seltenen Einzelfall. Bei fast 5.000 Bestattungsunternehmen in Deutschland kein Wunder.

Hinter diesen Müllgeschichten steckt aber etwas ganz anderes: Jeder Sarg muß unten durch eine verrottbare Plastikfolie abgedichtet sein. Darauf wird eine saugfähige Lage geschichtet. Das können Baumwollflocken in einer so genannten Sargmatratze sein, aber auch loser Torf, Sägespäne, Papierwolle oder Textilfasern. Abgedeckt wird diese lose Schüttung durch die Innenbespannung des Sarges. Wiegesagt: Das ist so Vorschrift, weil diese Materialien einen etwaigen Flüssigkeitsaustritt aus dem Sarg verhindern sollen.

Viele Bestatter sind nun dazu übergegangen, vor allem vor dem Hintergrund des Recyclings und Umweltschutzes, Papierwolle in größeren Mengen selbst herzustellen. Dazu stehen in den Büros Schredder, die aus den täglich anfallenden Papieren (Zeitungen, Schreibmaschinenpapier usw.) Papierwolle machen. Diese Papierwolle wird in Säcken gelagert und später als Schüttung in die Särge gegeben. Auch die Kopfkissen in den Särgen werden vom Pietätswarenhersteller leer geliefert und müssen damit aufgepolstert werden.

Für Bestatter ist das etwas völlig Normales und sie sehen da auch nichts Verwerfliches. Das Material verrottet oder verbrennt problemlos und erfüllt seinen Zweck hervorragend. Man braucht schon viel Phantasie, um daraus einen Müllskandal zu machen.

Wir haben einmal von einem Sarghersteller Schütt- und Füllmaterial in Säcken bestellt. Das war recht teuer, fachlich einwandfrei und entpuppte sich bei näherer Betrachtung als geschredderte Eierpaletten. Die Alternative wäre Holzwolle, die man sehr teuer einkaufen müsste, die aber auch nichts anderes als Schreinerei-Abfall ist.

Wie man es auch macht, wenn andere das schlechtreden wollen, lässt sich immer eine Schlagzeile aus sowas machen,

Der Schausarg

Ich war heute bei einer Trauerfeier, die in der Kapelle eines Klinikums abgehalten wurde. Der Verstorbene war dort in der Rechtsmedizin obduziert worden und sollte direkt nach der Trauerfeier ins Krematorium. Die Kapelle war ganz hübsch geschmückt, mit künstlichen Bäumchen und Blumen. Der Sarg sah sehr teuer und würdevoll aus, Eiche würde ich mal sagen.

Nach der Trauerfeier gingen alle hinaus und wir wollten den Sarg übernehmen. Doch die Mitarbeiter der Kapelle stoppten uns. Dann nahmen sie den Sarg nach oben weg. Der hatte keinen Boden! Das sei ein Schausarg, der würde immer wieder verwendet. Darunter befand sich einer jener einfachen Verbrennungssärge, die man in der Branche auch „Schlichtverbrenner“ nennt.

Naja, warum auch nicht?

Grubenunglück

Au Backe! Das gibt voll den Ärger!
Heute hatten wir eine Beerdigung auf einem großen städtischen Friedhof. Wir hatten den Sarg schon vor einigen Tagen zur Leichenhalle gebracht. Heute versammelten sich die Angehörigen in der Trauerhalle, um mit dem Pfarrer eine Trauerfeier abzuhalten. Danach schoben die städtischen Friedhofsmitarbeiter den Sarg auf einem Katafalk zum Grab. Der Pfarrer halt ja dort auch noch einen Teil der Zeremonie ab und dann geht immer alles ganz schnell, der Sarg wird in die Grube abgelassen.

Ja und heute?
Die Friedhofsmitarbeiter hatten den Sarg wie immer auf zwei querliegende Latten gestellt, unter dem Sarg laufen schon die Gurte zum Ablassen durch. Der Pfarrer nickt, einer von den Männern zieht die Latten weg und die anderen lassen den Sarg ab. Das heisst: Sie wollen den Sarg ablassen, aber er passt nicht in die Grube!

Wegen des starken Regens letzte Nacht, haben die innen eine Verschalung ins Grab gemacht und die ist nun im Weg. Der Sarg passt nicht ins Loch! Katastrophenstimmung! Die Angehörigen in hellster Aufregung und heftiges Getuschel.

Was tut man jetzt?

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Hauerei, Keilerei

„Du willst den Erbschein?“

„Ich kriege den Erbschein!“

„Pah, ich habe drei Jahre lang unsere Mutter gepflegt und wo warst Du da?“

„Erbschleicher!“

Das war der ganze Dialog zwischen den beiden Brüdern, dann sprangen sie von ihren Stühlen auf und schon ging die Keilerei los. Die beiden hauten und schlugen sich, wälzten sich auf dem Boden bis Blut floß.

Und das Ganze spielte sich heute in der Trauerhalle des Stadtfriedhofes ab, direkt vor dem Sarg der verstorbenen Mutter.

Warum lassen die mich so warten?

Eins muss ich hier mal deutlich sagen. Die Kunden lassen uns zu lange mit der Bezahlung der Rechnungen warten.
Wir sollen sofort und auf den Punkt erscheinen und alles pünktlich und zuverlässig erledigen. Das tun wir auch gerne, das ist unser Job. Wenn der Todesfall abgewickelt ist, warteten wir früher 14 Tage, bis wir die Rechnung sandten. Heute können wir das nicht mehr, sondern senden die Rechnung 2 Tage nach der Beerdigung ab.

Das liegt daran, dass die Kunden sich im Schnitt 6 Wochen Zeit mit der Bezahlung lassen.

6 Wochen! Das ist die durchschnittliche Zahlungsdauer! Wieviele Omas zahlen schon am nächsten Tag! Das bedeutet, dass wir Kunden haben, die sich 4-6 Monate Zeit lassen. Man glaubt gar nicht, was für Ausreden sich die Leute einfallen lassen.

Sie vergessen dabei, dass wir für alles in Vorleistung treten müssen und das können je nach Ausstattung und Grabstelle schon mal 20.000 Euro sein. (Wir gehen auch für die Grabgebühren von bis zu 8.000 Euro und den Grabstein in Vorleistung!)

Machen sich diese Leute eigentlich einmal Gedanken darüber, wie ich am Monatsende meine Männer bezahlen soll?

Sprüche für Traueranzeigen – Texte

Aus unserem Leben bist du gegangen,
in unserem Herzen bleibst du.

Das einzig Wichtige im Leben
sind die Spuren von Liebe,
die wir hinterlassen, wenn wir weggehen.

Meine Kräfte sind zu Ende,
nimm mich, Herr, in deine Hände

Ein Herz steht still,
wenn Gott es will.

Und immer sind irgendwo Spuren deines Lebens:
Gedanken, Bilder, Augenblicke und Gefühle.
Sie werden uns immer an dich erinnern und dich dadurch nie vergessen lassen.

Gebet und Arbeit waren dein Leben
Ruhe hat dir nun Gott gegeben.

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