Panne

Heute nachmittag sind unsere Fahrer ausgerückt, weil ein Bestatterkollege aus dem Oldenburger Raum hier in der Nähe auf der Autobahn eine Panne hatte. Getriebeschaden. Wir sollen den Sarg mitsamt Inhalt übernehmen und bei uns einlagern, bis morgen früh der Ersatzwagen kommt.

So, jetzt habe ich einen fremden Sarg in der Kühlung, einen fremden Bestattungswagen auf dem Hof, einen fremden Bestattungshelfer in der Pension.

Als ich den Mann gefragt habe, warum er sonntags mit dem Sarg auf der Autobahn unterwegs sei, bekam ich die Antwort, er habe den schon am Freitag in Bayern geholt und auf dem Rückweg seinen Bruder am Bodensee besucht, da sei es etwas später geworden…
Man lasse sich das mal durch den Kopf gehen, da holt der Freitag mit dem Sarg einen Verstorbenen weit hinter München ab und statt mit dem dann nach Hause zu fahren, gurkt der zwei Tage lang durch die halbe Republik.

Rückruf

Gerade hatte ich eine Frau am Telefon. Ihr Mann sei verstorben und nachdem man Abschied genommen habe, wäre es jetzt wohl an der Zeit, dass wir kommen und den Verstorbenen abholen.

Machen wir doch, kein Problem.

„Ach, könnten Sie mich bitte noch sicherheitshalber zurückrufen?“

Das sagt DIE zu mir! Okay, wir rufen in solchen Fällen immer zurück und vergewissern uns, denn oft kommt es vor, dass uns jemand „nur so aus Spaß“ bestellt oder einem Nachbarn eins auswischen möchte.
Aber dass wir zurückrufen sollen?

„Warum sollen wir Sie zurückrufen?“

„Damit ich sicher bin, dass Sie auch kommen. Meine Schwiegertochter arbeitet bei der Stadtbiblitothek und hat gesagt, da müsste man vorsichtig sein.“

Ja klar, wir haben auch nichts Besseres zu tun, als jede Menge Kohle für Werbung auszugeben und einen kostspieligen Telefondienst rund um die Uhr aufrecht zu erhalten um dann einen Spass daran zu haben, nicht zu den Auftraggebern hinzufahren…

Da zermartert man sich den Kopf

Geht Euch das manchmal auch so, ein Wort das man jeden Tag verwendet, das so selbstverständlich ist, wie Hund, Katze, Maus, es will einem partout nicht einfallen. Es liegt einem auf der Zunge und man kriegt es einfach nicht zusammen.

So ist es mir gestern gegangen, als ich den Artikel über die Urnen geschrieben habe. Da fiel mir das Wort „Aschenkapsel“ einfach nicht ein. Aber genau so nennt man die Stahlblechurne, in die die Asche im Krematorium eingefüllt wird. Hier ein Bild:

aschenkapsel.jpg

Mit dem Verstorbenen zusammen wird ein sogenannter Feuerstein, bzw. die Feuermarke der Einäscherung zugeführt. Das ist ein runder Stein, auf dem die eindeutige Kremierungsnummer für diesen Menschen eingraviert ist. So wird sichergestellt, dass diese Asche auch genau wieder der Aschenkapsel zugeordnet werden kann, auf deren Deckel der Names des Krematoriums, der Name des Menschen, sowie Einäscherungs- und Lebensdaten eingestanzt sind.

aschenpaseldeckel.jpg

Um gleich einem weitverbreiteten Irrtum entgegenzutreten: Es wird immer nur ein Sarg mit Mensch einzeln eingeäschert. Viele behaupten, ohne dass sie wirklich etwas über dieses Thema wisse, im Krematorium würden immer drei oder vier Leute auf einmal eingeäschert und deshalb könne man gar nicht so genau wissen, wessen Asche da genau in der Aschenkapsel ist.
Ich kann dazu nur sagen: Quatsch!

Also: Das Ding, was man vom Krematorium bekommt und wo sich die Asche eines Menschen drin befindet, nennt man Aschenkapsel. Wollte mir gestern einfach nicht über die Zunge, bzw. die Tippfinger kommen.

Leichenwäscher, gut bezahlt?

Diese Frage wurde mir gerade heute per Mail gestellt. Viele andere Fragen, die eingegangen sind, habe ich auch schon beantwortet, aber die Artikel auf die nächsten Tage und Wochen verteilt, sonst kommen hier 200 Artikel auf einmal und das liest doch kein Mensch :-)

Die Frage lautete:

Die Geschichte spukt immer wieder herum, wenn Studenten über lukrative Nebenanstellungen reden und es gibt immer noch Leute, die davon als bestbezahltem Studentenjob aller Zeiten reden. Gibt es einen „Leichenwäscher“, der dann angeblich auch sehr hoch bezahlt wird ;-)

Das ist eine sehr gute Frage, die ich besonders gerne beantworte, weil keine Woche vergeht, ohne dass irgendjemand bei mir anruft und sich um so einen Job bewirbt.

Antwort: Nein, nein, nein, nein.

Es gibt im Bestattungshaus keinen Leichenwäscher und gäbe es so einen, würde er nicht gut bezahlt.
Die Löhne und Gehälter im Bestattungsgewerbe sind frei verhandelbar, orientieren sich allenfalls grob an der unteren Ebene des holzverarbeitenden Handwerks. Es werden keine überragenden Löhne und Gehälter bezahlt. Da muss keiner hungern, aber reich werden Angestellte auch nicht. Wir zahlen bewusst keine Provisionen oder Umsatzbeteiligungen, weil wir dadurch verhindern wollen, dass unsere Mitarbeiter mehr empfehlen als notwendig ist oder hochpreisig beraten.
Der niederste Job wäre aber sicherlich der eines Leichenwäschers und würde mit Sicherheit besonders schlecht bezahlt.

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Urnen

Die Fragen reissen nicht ab :-)

Gibt es auch andere Urnen, als die langweiligen, tristen Urnen? Kann man eine Urne selbst gestalten?

Antwort: Doppel-Ja.

urnen1.jpg

Um über dieses Thema sprechen zu können, müssen wir ein bißchen Begriffsklärung betreiben und etwas lernen. Das, was die Menschen im Allgemeinen als Urne bezeichnen, also das verzierte Gefäß aus Kupfer, Steingut oder Holz ist die Überurne, die auch Schmuckurne genannt wird. Sie ist im Grunde überflüssig und dient nur dem Kaschieren des eigentlichen Urnengefäßes. Dieses ist in Deutschland weitestgehend genormt und wird Aschenbehälter oder Aschenurne genannt.

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Isch habbe gar keine Auto

Wir hatten heute folgende Anzeige in der Zeitung:

Bestattungshaus sucht Fahrer

Helfer für die Überführung und pietätvolle Einbettung von Verstorbenen gesucht.
Mindestalter 25, PKW-Führerschein, körperlich und psychisch belastbar, zeitlich flexibel.
PKW und Telefon erforderlich.

Da ruft u.a. heute Mittag eine Frau an:

Sie: „Ich wollt mich mal erkundigen, was man da so verdienen kann.“
Ich: „Von wo rufen Sie denn bitte an?“
Sie: „Ich wohne in xyz (25 km entfernt).“
Ich: „Da wäre es am Besten wenn Sie einmal zu uns kommen.“
Sie: „Wie soll ich das denn machen? Ich habe kein Auto.“
Ich: „Sie haben aber schon in der Anzeige gelesen, daß man ein Auto braucht.“
Sie: „Ich habe einen Führerschein.“
Ich: „Das ist ja gut und schön, aber Sie müssten schon auch zu uns kommen können.“
Sie: „Wie soll ich das machen? Ich bin alleinerziehend und habe zwei kleine Kinder.“
Ich: „Aber unsere Anzeige haben Sie schon gelesen, oder?“
Sie: „Sagen Sie mal, haben Sie was gegen Frauen?“

Nee, nur gegen Doofe.

Scheintod

Ach ja, wie oft werde ich das gefragt! Wie oft höre ich Aussagen wie: „Ich will aber eine Klingel im Grab, damit ich klingeln kann, falls die mich scheintot begraben! Hahaha!“

Ich mache das jetzt mehr als 20 Jahre und in den ganzen Jahren habe ich niemals einen Scheintoten erlebt. Allerdings haben wir auch einen schweren spitzen Eisenhammer…
Nein, Spaß beiseite: Es gibt so was nicht wirklich, heute nicht mehr und nicht als feste Erscheinung.

Was will ich damit sagen:

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Fragen an den Bestatter

Mich erreichen mittlerweile tagtäglich Fragen von Interessierten zum Thema Bestattung, Trauer und Tod.
Diese Fragen werde ich ab sofort in der Rubrik „Fragen an den Bestatter“ beantworten. Über den halben August werden beinahe täglich Artikel mit ausführlichen Antworten auf solche Fragen erscheinen.

Das Thema Tod ist ja in unserer Gesellschaft tabuisiert. Deshalb bilden sich rund um mein Handwerk ganz viele Legenden und Märchen. Vielleicht kann ich mithelfen, da etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Außerdem: Wen kann man schon sowas fragen? Nun, jetzt habt Ihr einen, der gerne antwortet, also nochmals meine Bitte: Fragt ruhig!

Wenn aktuell ein Sterbefall abzusehen ist, könnt Ihr mir jederzeit eine Mail schreiben, ich helfe dann die größten Fehler zu vermeiden,

Ansonsten: Nur eine nicht gestellte Frage ist eine dumme Frage!