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Aus Holz

Der hatte sich ganz gewiss verwählt! Kurz nach der Tagesschau ruft mich einer an und nachdem ich mich gemeldet habe, schreit der mir ins Ohr: „Dein Mostfass ist fertig!“

Na gut, er hat mir dann geglaubt das ich nicht „der Heinz“ bin und sich entschuldigt.

Immerhin, aus Holz wäre es ja gewesen und wenn ich so lese, in was die Leute in anderen Ländern so alles bestattet werden…
Wie groß ist eigentlich so ein Mostfass?

Klopfte er noch eine Stunde lang?

Ich schrieb ja über den behinderten alten Mann, der die Treppe heruntergefallen und dann verstorben war. Nach der Überführung zu uns war eine Nachbarin aufgetaucht und hatte recht großmäulig zum Besten gegeben, der Alte habe noch eine Stunde lang geklopft und gerufen.

So habe ich das dann auch den Beamten von der Kripo erzählt, die sowas ja recht unaufgeregt entgegennehmen. Aber immerhin haben die beiden Herren, die ich schon seit Jahren kenne, der Nachbarin mal einen Routinebesuch abgestattet. Na war ja klar, oder? Nein, sie habe immer nur den besten Eindruck von ihren Nachbar gehabt, wie die sich immer um den Opa gekümmert hätten und nein, vom Treppensturz habe sie ja gar nichts mitbekommen, das hätte sie erst viel später erfahren…

Nichts wird geschehen und alles was mir bleibt, ist ein mulmiges Gefühl.

Rapunzel 2

Die Geschichte um die langen schwarzen Haare scheint noch ein gutes Ende zu nehmen. Die verstorbene Frau Fischer hat tatsächlich in den letzten Monaten eine Perücke getragen. Wie schon in den Kommentaren gemutmaßt wurde, hat es sich so verhalten, daß ihr im Zuge der Krebstherapie die eigenen, schwarz gefärbten Haare ausgegangen waren.

Da ihr Mann aber wohl diese Haarpracht besonders schön fand, hat sie sich vom Klinikfriseur eine entsprechende Perücke machen/bringen lassen. Ich schreibe absichtlich „machen/bringen“, denn ich tippe auf „bringen“. Damit will ich sagen, daß das was unsere Mitarbeiterin aus der Klinik mitgebracht hat, alles andere als ein Kunstwerk ist. Diese Perücke macht nicht den Eindruck, als sei sie extra angefertigt worden. Wenn ich ganz ehrlich bin, wirkt das auf mich eher wie eine Karnevalsperücke oder wenigstens doch um eine von sehr einfacher Machart. Man kennt das doch: Es gibt künstliche Frisuren, denen man auf den ersten Blick schon fast ansieht, daß sie nicht echt sind.

Morgen früh bekommt sie die Perücke auf und eine unserer Damen wird da helfend zur Seite stehen, damit das Ergebnis dennoch ansprechend aussieht.
Frau Fischer wird ja nicht von Flutlicht angestrahlt und so denke ich, daß ihr Ehemann zufrieden sein wird.

Was aber wäre gewesen, wenn die Perücke nicht mehr auffindbar gewesen oder erst viel später aufgetaucht wäre…

Wir hatten schon einmal so einen ähnlichen Fall, da ging es um eine Armprothese. Eine Beinprothese hätten wir durch eine passende Unterfütterung der Decke kaschieren können. Aber bei den Händen wird das schwierig. Wir haben damals das ganze Krankenhaus rebellisch gemacht, weil bei dem Verstorbenen in der Kühlkammer des Krankenhauses der Kunstarm fehlte. Schließlich haben wir ihn zähneknirschend ohne Arm mitnehmen wollen. Beim Umladen auf die Trage ist der Arm dann aufgetaucht, jemand hatte ihn zwischen die Beine des Mannes gelegt.

Rapunzel

Wie sag ich’s meinem Kinde? Manchmal hat man ja irgendwelche unangenehmen Botschaften, bei denen man es sich überlegt, ob man sie überbringen sollte oder nicht und bei denen sich die Frage stellt, wie man sie dann möglicherweise überbringt.

Herr Fischer ist gestern gegen Abend bei uns gewesen und wurde von einer Mitarbeiterin beraten. Ursprünglich wollte die zu ihm fahren, um die Besprechung bei ihm zu Hause durchzuführen, aber dann stand er plötzlich doch im Büro. Er sei ohnehin auf dem nahegelegenen Friedhof gewesen, um sich schon mal die Gräber anzuschauen… Auch gut.

Nebenbei bemerkt: Bei Pietät Eichenlaub gibt es sowas wie Hausbesuche gar nicht. Entweder man kommt zu denen ins Büro oder man hat Pech gehabt. Deren Frage am Telefon lautet: „So, und wann kommen Sie vorbei?“

Wir hingegen fragen: „Wie sieht es denn mit dem Beratungsgespräch aus? Wann würde Ihnen das passen und würden sie es bevorzugen zu uns zu kommen oder sollen wir zu Ihnen kommen?“

Im Prinzip ist uns beides recht. Wenn die Leute zu uns ins Büro kommen, hat das den Vorteil, daß sie die Waren im Original anschauen können und wir haben das gesamte Büro als Backup, damit wir sofort alle Terminfragen klären können. Andererseits hat das Beratungsgespräch zu Hause den Vorteil, daß der Kunde mal eben aufstehen und an den Schrank gehen kann, wenn irgendwelche Unterlagen (Stammbuch z.B.) fehlen.

Aber zurück zu Herrn Fischer. Das Beratungsgespräch an sich verlief unspektakulär und ist für die weiteren Betrachtungen ohne Belang. Lediglich eine Äußerung ist bedeutsam. Herr Fischer sagte, als ich das Thema offene Aufbahrung ansprach: „Und bitte kämmen Sie meiner Frau ihre langen Haare, sie war Zeit Lebens immer so stolz darauf, hat es täglich gebürstet und ich bin so stolz darauf, dass sie trotz ihres hohen Alters noch immer so pechschwarzes Haar hatte.“

Am heutigen Morgen holte dann einer unserer Männer Frau Fischer aus dem Kühlraum, um sie anschließend zurecht zu machen, damit sie in einer unserer Aufbahrungszellen besucht werden kann. Kurz darauf kam dann der Anruf aus dem Keller: „Wir haben da ein Problem mit den Haaren von Frau Fischer.“

„Ich habe davon gehört, sie sollen sehr lang sein.“

„Zumindest steht es so auf dem Zettel und ich will sie jetzt waschen und kämmen, aber es gibt da ein Problem.“

Ich bin dann runtergegangen und habe mir das Problem mal angeschaut. Tja, so wie es aussieht, hat Frau Fischer keine langen schwarzen Haare, sondern ganz kurze graue.
Im ersten Moment habe ich einen Schrecken bekommen und befürchtet, wir hätten eventuell die falsche Leiche, aber Papiere und Armbändchen stimmen überein. Ich bin also gerade im Keller, da geht schon wieder mein Telefon. Herr Fischer sei jetzt nochmals da, heißt es.
Oben im Gesprächszimmer 2 sitzt er und hat zwei Fotos mitgebracht, die seine Frau mit voller Haarpracht zeigen: „So sollen die Haare bitte liegen. Sie wissen ja, das ist mir sehr wichtig.“

Ganz vorsichtig erkundige ich mich: „Dieses schöne lange schwarze Haar hatte sie bis zuletzt, nicht wahr?“

Mit stolzgeschwellter Brust erwidert Herr Fischer: „Bis zur letzten Sekunde! Kein einziges graues Haar. Und so schön lang….“

Ich hätte die Verstorbene selbst noch nicht gesehen, lüge ich notgedrungen, nehme die beiden Fotos an mich und berufe den großen Kriegsrat ein.
Ganz offensichtlich hat Frau Fischer immer eine Perücke getragen und ihren Mann über ihre wahre Frisur und Haarfarbe im Unklaren gelassen.

So sitzen wir, meine Mitarbeiter, meine Frau und ich um den langen Tisch und überlegen, was wir am Besten machen können.
Die Männer sind sich mal wieder einig: Man müsse das dem Alten klipp und klar sagen, fertig.
Die Frauen, zu deren Fraktion ich dieses Mal dazu gehöre, meinen hingegen: Auf gar keinen Fall, da würde man ihm einiges kaputtmachen.

Nach dem Palaver schicke ich eine Mitarbeiterin los, sie soll im Krankenhaus mal nach der Perücke forschen. Eine andere Kollegin fragt mal bei den einschlägigen Studios nach, was so eine Perücke kostet.

Über eins bin ich mir sicher: Ich werde nur im äußersten Notfall dem Mann seine Illusion rauben.

Six feet under

Viele meiner Leser sind ja bekennende Fans der amerikanischen TV-Serie „six feet under“ und auch ich sehe das sehr gerne. Uns allen ist klar, daß es sich bei dieser Fernsehserie um Fiktion handelt, um nett erzählte Beziehungsgeschichten, eingebettet in das fremde Ambiente eines Bestattungsinstitutes.

Es stellt sich die Frage, wieviel von dieser Serie dramaturgisch geschickt erzählte Fiktion ist und wo sich Parallelen zum Alltag eines amerikanischen und vielleicht sogar eines deutschen Bestatters ergeben. Die erzählten Beziehungsgeschichten lasse ich bei diesen Betrachtungen einmal außen vor.

Im Kern dreht es sich um das Familienunternehmen „Fisher & Sons Funeral Home“. Die Familie besitzt in Los Angeles ein für deutsche Verhältnisse großes Haus in dem man wohnt und arbeitet. In diesem Haus werden die Beratungen durchgeführt, die Waren präsentiert und Trauerfeiern am offenen Sarg ausgerichtet. Im Keller des Anwesens befindet sich ein Präparationsraum, sowie ein Kühlraum.
Permanent ist das kleine Familienunternehmen von einer Übernahme durch ein Kettenunternehmen bedroht, welches große Teile der Bestattungsbranche kontrolliert.

Es wird insgesamt eine sehr idealisierte Form der Arbeit dargestellt. Überhaupt nicht geschildert wird die umfangreiche Büroarbeit, die auch in den Vereinigten Staaten einen großen Teil der Arbeit ausmacht. Ebenfalls wird nichts über die Friedhofsarbeit berichtet, die in den USA in vielen Staaten ebenfalls von den Bestattern übernommen wird. Etwas zu kurz kommt in der Darstellung auch die Bergung, Abholung und Überführung von Verstorbenen und letztendlich verwundert es, daß lediglich drei Personen (2 Geschäftsführer, 1 Thanatopraktiker) dieses Unternehmen betreiben können.

Man erhält also grundsätzlich nur einen teilweisen Einblick in die tägliche Arbeit eines amerikanischen Bestatters, erfährt aber z.B. daß Bestattungen in den USA inzwischen in Preisregionen angekommen sind, die in unseren Augen utopisch sind. Summen von 20.000 bis über 30.000 Dollar sind keine Seltenheit. Särge, die im Einkauf 3.000 Dollar und im Verkauf 10.000 Dollar kosten, sind ebenfalls vollkommen normal, während deutsche Bestatter sich schon vorwerfen lassen müssen, wenn sie einen 200 Euro-Sarg für 499 Euro weiterverkaufen.

Einen weiten Raum nimmt in der Serie die Darstellung und Beschreibung der Einbalsamierung von Verstorbenen ein. Es wird stets der Eindruck erweckt, als gäbe es nur zwei Alternativen, entweder einbalsamieren und offen aufbahren oder ganz schnell in einem Pappkarton einäschern.

Die amerikanischen Bestattungswagen sind optisch ja auch ein Leckerbissen, allerdings mit unseren Fahrzeugen gar nicht zu vergleichen. Es fehlt eine Trennwand zum Fahrerraum und des öfteren wird in der Serie ja auch von der dadurch spürbaren Geruchsbelästigung gesprochen. In einigen Folgen dient sogar ein ganz normaler Lieferwagen und überraschenderweise sogar ein gemieteter Lieferwagen zum Leichentransport. Das wäre bei uns undenkbar.

Einem sehr umfangreichen Teil der Arbeit eines Bestatters, nämlich den gesamten Nebenarbeiten hinsichtlich der Organisation einer Trauerfeier usw. schenken die Drehbuchautoren überhaupt keine Aufmerksamkeit und man erfährt auch sonst nur recht wenig über die ganzen Nebenarbeiten. Dekorationen und Drumherum sind einfach immer nur da.

Nunja, wir haben es mit einer Fernsehserie zu tun, die das Bestattermilieu nur als Sujet verwendet und darin die ganzen Beziehungsgeschichten der Protagonisten ansiedelt.

Für einen Bestatter ist das mal ganz interessant zu sehen, wie so etwas in einer TV-Serie dargestellt wird, vor allem weil ich ja in den USA in vielen Bestattungsinstituten war und das live kennengelernt habe.

Beinahe vergessen

…habe ich zu erzählen, daß meine Frau und ich uns nach dem Eintreffen der „six feet under“-Box einige Tage SFU-Dauergucken gegeben haben.
Sowas haben wir noch nie gemacht, aber Gefallen daran gefunden. Es macht richtig Spaß, so eine ganze Serie am Stück zu gucken, ohne irgendwas zu verpassen UND VOR ALLEM OHNE DIE LÄSTIGE WERBE-SCHEISSE! Immer wenn man Lust hatte, konnte man die nächste DVD einlegen und gucken, wie es weitergeht. Unser Fernsehkonsum hat in dieser Zeit dramatisch zugenommen, quasi SFU in jeder freien Minute.

Zu „six feet under“ schreibe ich noch mal was, aber insgesamt hat uns dieses Dauergucken richtig Spaß gemacht.

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