Frau Weichselbauer

Heute war ich bei Frau Weichselbauer, das hat sehr gut getan. Vor ein paar Jahren stand Frau Weichselbauer auf einmal in meinem Büro und wollte sich nur mal so erkundigen. Das kenne ich, da kommen ältere Leute rein, man sieht ihnen an, daß sie ziemlich angespannt sind, wenn sie die ganzen Särge und Urnen sehen und trotzdem machen sie Witze.

Ich kann Euch gar nicht sagen, wie oft ich den Spruch schon gehört habe: „Kann man denn da auch mal probeliegen?“

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Beim ersten Mal war das lustig, beim zehnten Mal dann nicht mehr und seit dem viermillionsten Mal mache ich nur noch gute Miene zum bösen Spiel. Aber was soll’s, für die Leute ist es ja jeweils das erste Mal.
Irgendwann kam mal einer, der war besonders laut und lustig. Auch der wollte nur mal eben probeliegen. Der nervte, ich wollte gerade hinten im Büro Bilder aufhängen und das war auch der Grund, weshalb ich einen Hammer in der Hand hatte. Ich habe einfach wortlos einen Sarg aufgeklappt und eine einladende Handbewegung gemacht.
Ich glaube, es lag hauptsächlich am Hammer, daß er so schnell wieder verschwunden war.

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Kleine Bitte

Können wir dann die unnötige Diskussion über islamistische Gefahren und den Untergang des Abendlandes, wie auch die Verherrlichung bestimmter Religionen wieder einstellen?

Ich kann doch nix dafür, daß das ein Halbpakistani war, genausowenig kann ich etwas für die Umstände, nämlich, daß er sich stets auf seine Religion und die Verrichtung seiner religiösen Handlungen bezog. Ich werte das nicht, mir ist es egal, was jemand glaubt. Meinetwegen kann er glauben, er sei von Aliens erschaffen worden, ist mir egal.

Nur war es halt hier ein Muslim und die Problematik ergab sich aus seinem Verhalten. Genau das habe ich erzählt, weil es exakt so war. Es besteht überhaupt kein Grund dafür, daß sich jetzt die DITIB-Leute einmal mehr schützend vor alle Muslime stellen und genausowenig müssen jetzt die Islamophoben aufheulen. In all den Jahren hatte ich mehr Ärger mit nichtmuslimischen Mitarbeitern.

Zum unserem Pakistani:
Der hatte sich die Stelle bewusst ausgesucht und ist nach dem Fortgang bei uns wieder zu einem Bestatter gegangen, dort hat er es immerhin zwei Wochen ausgehalten, bevor er gehen musste. Ihr dürft raten, wo er sich dann vorgestellt hat. Richtig! Wieder bei einem Bestatter. Der hat dann aber bei mir angerufen und sich erkundigt.

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Berichtigung

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Kathrin schrieb:
Kleine Anmerkung von einer *hüstel* Germanistin *hüstel*. Es heißt: “nicht einmal” bzw. kurz “nicht mal”. Das Wort “nichtmals” gibt es nicht. Sonst würden Märchen ja mit “Es war einmals…” beginnen. Klänge seltsam, oder? Ich will absolut nicht belehrend sein, aber mir kräuseln sich immer die Zehennägel. :-S Da du das doch oft verwendest… ;-)
Da wird der Genitiv so oft ignoriert (hier weniger, aber andernorts) und dann wird ein Genitiv-S einfach grundlos verschwendet. :-D

Alles klar! Berichtigung erfolgt! Hundert mal „nicht mal“ geschrieben. Bekomme ich jetzt ’ne 1? :-)

So oft war das gar nicht. Ich habe nur 7 x in fast 200 Artikeln dieses böse, böse Wort benutzt.

Maria 4

Die Sache gewinnt an Klarheit. Wir bekommen heute gegen Abend schon die Freigabe, vielleicht schon am Nachmittag.
Es ist ja nicht so, dass ich mich den ganzen Tag um diesen einzelnen Fall kümmern kann. Man darf nicht vergessen, dass wir in aller Regel ja vor allem alte Mütterchen und Väterchen beerdigen, so wie es sich gehört; also Menschen, die schon lange auf dieser Erde weilten und die eben in dem Alter sind, wo man auch schon mal sterben kann.

Andere Fälle, junge Menschen, Menschen mittleren Alters, die sind glücklicherweise eher selten und Fälle in denen es zu einer solchen Dramatik kommt, wie im vorliegenden Fall, sind höchst selten. Aber merkwürdigerweise treten sie in Serie auf. Das bedeutet: Wenn man gerade so einen doch recht merkwürdigen Fall abgeschlossen hat, kommt garantiert gleich der nächste. Dann ist oft wieder für Jahre Ruhe.

Ich hatte da so eine Serie von Zigeuner-Bestattungen, aber davon erzähle ich Euch demnächst. Und bevor sich jemand über das Wort Zigeuner aufregt: Die betreffenden Leute haben sich selbst so bezeichnet.

Bei Maria, dem sechsmonatigen Kleinkind (ich weiß immer nicht genau, wann man Säugling, Baby oder Kleinkind sagt) ist es zu einer unerwarteten Wendung gekommen. Die Mutter ist gestern Abend noch von ihrem Mann ins Krankenhaus gebracht worden, weil sie aufgrund der nervlichen Belastung einen Weinkrampf bekommen hat. Die Familie hat viel Stress gemacht, man stelle sich einfach eine Dreizimmerwohnung voll mit südländischen Menschen vor. Die Polizei, ein Pfarrer der italienischen Gemeinde, die Vorbereitung der Bestattung; alles das war wohl zuviel für die Mutter, aber sicherlich auch für den Vater.

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Maria 3

Für heute ist Schluß. Neue Sachlage, bei genauerer Betrachtung der Leichenschaupapiere, von denen wir uns Kopien gemacht haben, die aber jetzt im Original bei den Behörden sind, stellt sich heraus, dass der Arzt wohl beides angekreuzt hat: Natürlicher Tod und Nichtnatürlicher Tod, wobei man das zweite Kreuzchen gar nicht richtig erkennen kann. Angeblich habe er von zu Hause bzw. der Praxis aus gerade die Polizei anrufen wollen, aber wir seien ihm zuvor gekommen. Naja…

Der Vater des Kindes war bei mir, der sah gar nicht italienisch aus. Ein Italiener, man verzeihe mir dieses primitive Vorurteilsdenken, ist klein, hat schwarze Haare; der hier war aber groß, hatte rotblondes Haar und blaue Augen, lediglich sein Gestikulieren und sein Akzent verraten eindeutig die Herkunft.

Ich frage zuerst die notwendigen Angaben ab, dann spreche ich ihn auf die Umstände an. Er macht eine wegwerfende Handbewegung, er sei ja gar nicht dabei gewesen. Seine Frau habe das Kind im Bad auf der Wickelkommode fertig gemacht und dann ins Bett gelegt. Als er wenig später nach der Kleinen habe sehen wollen, habe sie leblos im Bettchen gelegen.

Er schimpft über deutsche Krankenkassen, die Nachbarn, die Polizei. Ich habe etwas Angst davor wenn er realisiert, dass wir die Polizei verständigt haben. Begreift der das nicht? Doch! „Habbe korrekt gemacht! Vielleicht hatte de Arzt eine Fehler gemacht!“

Moment mal, der Arzt ist doch erst gekommen, als das Kind schon leblos war. Was ist das los? Ich erkläre ihm nochmals, dass wir so handeln müssen usw. „Jaja, habbe korrekt gemacht.“
Steht der unter Drogen oder unter Schock?

Er will den Sarg aussuchen, ganz schnell einen Termin, aber nicht vor Anfang nächster Woche, wegen der Familie, die aus Italien kommt.

Das ist mir nicht genug, ich will doch wissen, was passiert ist. Einerseits wäre es mir ja lieb, wenn an der ganzen Sache nichts dran ist, andererseits hätten wir uns dann riesig blamiert. Blöde Zwickmühle.

Der Italiener fängt an zu weinen, erzählt mir, daß seine Frau jetzt gleich von einem anderen Arzt behandelt würde, sie habe einen Nervenzusammenbruch und deshalb müsse er jetzt nach Hause. Aus der Hosentasche zieht er eine Rolle mit Banknoten und legt mir 800 Euro hin, als Anzahlung. Warum haben viele Ausländer eigentlich kein Portemonnaie?

Morgen sehen wir weiter. Mir langt’s vorerst.

Maria 2
Maria 1

Maria 2

Der Hausarzt hat inzwischen angegeben, er habe zwar Spuren am Hals des Kindes gesehen, diesen aber keine Bedeutung beigemessen. Wir sind inzwischen alle nochmals befragt worden, ich kann nur das sagen, was ich schon schrieb: Das Hemdchen des Mädchens hat einen Rüschen- oder Spitzenkragen, weiß nicht genau, wie man sowas nennt, und der verdeckte den Hals komplett. Einen so langen Hals haben so kleine Kinder nicht.

Maria ist sechs Monate alt geworden und befindet sich im Rechtsmedizinischen Institut.
Die Polizei war inzwischen bei den Eltern. So wie ich erfahren habe, sollen die Beamten die Anwesenden vor die Wahl gestellt haben, dass entweder der ganze Clan jetzt mal verschwindet, damit man die Eltern befragen kann oder die beiden müssen mit auf die Wache.

Erstaunlicherweise hat sich noch für heute Abend der Vater angekündigt. Er will mit mir alles besprechen.
Mal sehen, was der mir erzählt.

Maria 1

Zum Thema Aktualität

Das meiste was hier erscheint ist vom zeitlichen Ablauf so geschehen, wie es hier beschrieben wird: heute, gestern usw.
Manche Sachen sind schon etwas älter, ich habe schon immer Internettagebuch geführt, aber nur für mich; dass es sowas wie Weblogs gab, habe ich erst kürzlich kennengelernt, daher auch mein Enthusiasmus.

Ich bin so voll von Geschichten… Mein Tagebuch ist so voll… Ich freue mich ganz arg, dass ich das mal erzählen kann und wenn es Euch dann auch noch interessiert dann ist was wohl sowas, was man heute einen win-win-Effekt nennt, oder?

Maria 1

Ihr hattet ja schon häufiger gefragt, wie das denn so sei mit ungeklärten Todesfällen, was wir da machen, ob so etwas vorkommt usw.
So etwas kommt ganz selten vor, aber jetzt haben wir aktuell so einen Fall. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten.

Bis jetzt sieht es so aus:

Es erfolgte gegen 12.20 Uhr der Anruf eines Mannes, seine Tochter sei verstorben und wir sollen bitte kommen.
Unsere Männer rücken aus und rufen vom Einsatzort aus an, es handele sich um ein Kind, wir sollten uns schon mal darauf einstellen, dass die Familie etwas Besonderes sei: „Alles Italiener, alle sehr aufgeregt und ziemlich laut.“

Die Leichenschaupapiere lauten auf „Plötzlicher Kindstod“.

13 Uhr: Maria ist bei uns eingetroffen und wenig später ruft mich Herr Huber aus dem Einbettungsraum an, ich solle mal kommen.
Das Kind hat am Hals, durch ein Rüschenhemdchen verdeckt, Würgemale.

Scheiße!

Ich rufe die Polizei an. Die lassen sich Zeit, um 14.15 Uhr kommen zwei Zivilbeamte. Es wird fotografiert, wir müssen erzählen, wie es war und dann wird die Kleine als sichergestellt erklärt und wir sollen sie mal in die Rechtsmedizin bringen.

Jetzt fahren die zu den Eltern.

Und ich hätte jetzt am Liebsten einen Schnaps.