Kreisgrenze

Mit etwa 50 Sachen muss er gegen den Baum gefahren sein, war wohl sofort tot, aber trotzdem haben die Retter ihn aus dem Autowrack herausgeschnitten und nebenan auf eine Wiese gelegt, wo sich noch der Notarzt um ihn bemüht hat. Als ich zur Unfallstelle komme, sehe ich, dass das Dach des Mercedes durch die schweren hydraulischen Scheren der Feuerwehr abgetrennt worden ist, der Verstorbene liegt unter einem weißen Tuch, überall sind benutzte Latexhandschuhe verstreut. Ich hebe das Tuch ein bißchen, schön sieht er nicht aus, vielleicht 75 Jahre alt, ziemlich korpulent, nun denn.

Schmidt fährt den Bestattungswagen rückwärts heran, öffnet die Klappe und zieht die Fahrtrage heraus. Ich suche nach einem Beamten, der mir die Papiere für die Überführung geben kann und bekomme sie. Das ging ja problemlos, denke ich.

Die Fahrtrage wird auf Bodenniveau abgesenkt und wir wollen den Mann gerade aufladen, da sagt einer der Feuerwehrmänner, die mit dem Wegpacken ihrer Gerätschaften beschäftigt sind: „Wo liegt der denn? In A-Stadt oder in B-Stadt?“

Ich sage: „Wieso?“

„Na guck doch mal genau, da vorne steht ein kleines Schild am Straßenrand ‚Kreisgrenze‘, und wenn ich mir das so betrachte, steht das Auto genau auf der Grenze und der Tote liegt halb in A-Stadt und halb in B-Stadt.“

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Wassereinbruch 5

Die haben jetzt Folgendes festgestellt, das Wasser ist tatsächlich in erster Linie in die Gipsplattenzwischendecke eingezogen und wenn die nicht herausgerissen worden wäre, hätte die herunterkommen können. Ansonsten scheint die Decke nicht durchfeuchtet zu sein. Jetzt will man die Stellen an der Wand und an der Decke mit Heizstrahlern schnelltrocknen und wenn alles gut geht, kann am Donnerstag schon der Maler rein und die Wände machen. An die Decke kommen dann keine Gipsplatten mehr, sondern graue Aluprofile mit eingelassenen Punktstrahlern. Neue Gardinen haben ich auch noch ausgehandelt und wenn das alles brav bezahlt wird, will ich mal alles auf sich beruhen lassen. Der Hausbesitzer will das übernehmen und sich dann mit seiner Versicherung und der Versicherung vom Wasseropa über uns einigen.

Ich glaube, da sind wir mit ’nem blauen Auge davongekommen.

Ein kleines Foto, das die durchgebogene Decke vorher zeigt. An der Schiene für die Beleuchtung sieht man es deutlich, finde ich:

wasserschaden1.jpg

Promis

Also erstmal herzlichen Glückwunsch zu deinem Blog! Es ist große Klasse und ich kann kaum umhin, jeden Tag nach neuen Einträgen zu schauen und diese mit großem Eifer zu lesen :)

Aber ich hätte da auch noch ein Frage, die indirekt mit diesem Thema zu tun haben könnte:
Hast Du schon einmal bekannte Größen (Politiker, Stars, etc.) zu Grabe getragen? Wenn ja, gibt es da andere Vorgehensweisen wie bei uns „Normalsterblichen“?

Ja, wir hatten schon sehr prominente Persönlichkeiten, Politiker, Schauspieler… Aber bitte verstehe, daß ich die Namen nicht nennen kann.
In solchen Fällen ist es meistens so, daß sehr genaue Vorstellungen darüber bestehen, wie das Ganze abzulaufen hat. Während wir sonst immer der große Zeremonienmeister sind, werden wir beispielsweise bei Politikerbestattungen oft zu reinen Erfüllungsgehilfen degradiert, die ein vorgefertigtes Programm abzuspulen haben.

Die Organisation wird uns hierbei von anderen Stellen vollkommen abgenommen und wir müssen oft auch z.B. den Sarg von einer anderen Firma übernehmen oder herbeischaffen, man arbeitet mit anderen Zulieferern zusammen und selbst die musikalische Gestaltung übernehmen andere Stellen. Unterm Strich bleibt dann für uns, selbst bei einer pompösen Veranstaltung mit Trauerfeier im Dom und großen Trallala, nichts hängen. Außer Spesen, nichts gewesen…

Was bleibt, ist die Genugtuung, sagen zu können, daß man auch den oder den bestattet hat.

Baugenehmigung für den Grabstein?

Nun zu meiner Frage: Eine Bekannte von mir, deren Mann verstorben ist, möchte nun einen Stein aufstellen lassen.
Der STeinmetz sagte ihr dann, das er dies auch beim Ordnungsamt der Stadt genehmigen lassen muss.
Diese Genehmigung kostet ca. 230 Euro. Ist das bei Euch auch so oder ist das regional verschieden?

Zuerst zum letzten Teil Deiner Frage: Ja, das ist regional verschieden.

Aber es ist tatsächlich so, daß viele Friedhofsverwaltungen von den Steinmetzen verlangen, daß diese eine Zeichnung des Grabsteines anfertigen und diese zunächst zur Genehmigung einreichen. Erst wenn diese Grabmalgenehmigung vorliegt, kann der Steinmetz mit der Arbeit beginnen und darf er den Stein aufstellen.

Für diese Genehmigung verlangen die Kommunen unterschiedlich hohe Gebühren, das reicht von 30 Euro bis zu 300 Euro.

Normalerweise würde es vollkommen ausreichen, wenn man sich bei der Bestellung eines Grabsteins an einen niedergelassenen Fachbetrieb wendet. Jeder von denen kennt die Vorschriften genau und würde stets nur einen solchen Stein empfehlen, der für das betr. Feld auch zugelassen ist. Das gilt umso mehr, wenn es sich um einen 08/15-Grabstein in einer stark standardisierten Form handelt. Aber meiner Meinung nach ist es eine zusätzliche Einnahmequelle für die Kommunen, wenn sie die Steine jeweils noch einmal einzeln genehmigen und dafür eine Gebühr kassieren.

Viel zu tun

Gestern und in der Nacht auf heute haben wir höllisch viel zu tun. Ganz untypisch für die Sommerzeit steht das Telefon nicht still und einige der Kunden haben auch noch umfangreiche, wenn auch erfüllbare, Sonderwünsche.

Morgen stehen zwei größere Geschichten an, zum einen ist das die Beerdigung der kleinen Maria und zum anderen die Beisetzung des Bikers. Das mit Maria wird deshalb etwas problematisch, weil die Familie nach der Abschiednahme in unserer Hauskapelle nunmehr die Trauerfeier auf dem Friedhof abgesagt hat. Stattdessen feiern sie eine Totenmesse in einer katholischen Kirche und kommen dann im Konvoi zum Friedhof gefahren. Nun gibt es aber dort an diesem Friedhof ausgerechnet keine Parkplätze, nur ein paar vorne an der Straße. Mal sehen, wie wir das geregelt bekommen.
Auf dem Friedhof soll die Sache schnell gehen, wünschen sich die Eltern. Der Sarg soll schon über dem Grab stehen, wenn man dort eintrifft und der Pfarrer soll nur das Nötigste sagen, dann soll der Sarg abgelassen werden.
Ich werde meine beste Mitarbeiterin und zwei weitere Leute dorthin schicken, um den Ablauf zu überwachen und nötigenfalls eingreifen zu können.

Anders sieht es bei der Biker-Beerdigung aus. Die Jungs sind zwar lieb und nett, aber doch heftig kompliziert. Aus jedem Entgegenkommen schließen die, daß noch mehr möglich sein muss. Die wollten ja ursprünglich eine Feier mit dem Motorrad des Verstorbenen machen und dabei „einen abkippen“ dann sollte es im Konvoi zum Friedhof gehen. Sowohl die Polizei, als auch ich sind aber der Meinung, daß die feiern dürfen, wie sie wollen, aber bitte nicht schon vor der Konvoifahrt. Ein Biker, der sich „Bambam“ nennt, hat jetzt mit mir ausgetüftelt, dass wir die Sache anders machen. Aus dem Konvoi ist eine Sternfahrt geworden. Das bedeutet, die anreisenden Biker kommen von überall her direkt zum Friedhof. Das sind dann mehrere kleine Gruppen von bis zu 12 Mopeds, das kann der Stadtverkehr vertragen.

Treffpunkt ist nicht der Friedhof direkt, sondern ein 200 Meter entfernter Acker. Dorthin wird dann der Bestattungswagen kommen und von jedem Club darf genau einer mit seiner ‚Mühle‘ hinter dem Bestattungswagen mit dem Sarg herfahren, die anderen laufen zu Fuß. Das wollten die erst nicht, aber wir haben gesagt, dass es am Eingang für jeden einen kleinen Blumenstrauß gibt, den sich jeder abholen muss, um den dann ins Grab zu werfen. Das geht schlecht, wenn man da mit dem ‚Bock‘ vorbeirauscht.

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Wassereinbruch 4

Die Zwischendecke ist runter und ich hätte nicht gedacht, daß das soviel Bauschutt gibt. Darunter, bzw. darüber sieht es für mich völlig normal aus, doch die Handwerker machen nur „Oh, oh!“
Wenn es nach mir ginge, müsste man da oben jetzt mal richtig saubermachen und dann eine neue Zwischendecke einziehen und gut wäre es. Aber die meinen, das müsse jetzt erst noch wenigstens 4 Wochen trocknen, dann könne man weitersehen.

Jetzt muss ich sehen, dass die den ganzen Bauschutt mitnehmen und dann lasse ich mal richtig saubermachen und durchwischen, dann entscheide ich, was wir machen.

Wassereinbruch 3

Es sieht schlimm aus! Die Decke hängt richtig rund durch, so als ob sie schwanger wäre. Man hat das Gefühl, sie könnte gleich bersten.
Montag früh kommt eine Firma und reiß das ganze Gelumps herunter. Wie es aussieht, und das hatten ja einige Kommentatoren schon befürchtet, wird die Filiale für längere Zeit ausfallen :-(

Polizeischutz

Bestattung unter Polizeischutz. Hattet ihr das schon mal?

Ja, aber das ist bei weitem nicht so dramatisch, wie man sich das vielleicht vorstellt.

In den über zwanzig Jahren in denen ich das jetzt schon mache, hatten wir das schon ziemlich oft. Ich würde sagen, daß das ein bis zwei Mal im Jahr vorkommt. Die allermeisten Fälle liegen in zerstrittenen Familien begründet. Ein Teil der Familie ist mit irgendetwas nicht einverstanden oder es gibt uralten Zwist auszutragen. Wenn zu befürchten ist, daß es auf dem Friedhof wirklich zu Tätlichkeiten kommt oder wenn Störungen angekündigt sind, verständigen wir die zuständige Polizeiwache. In den meisten Fällen läuft das dann so ab, dass am Eingang des Friedhofes ein Streifenwagen steht, das reicht fast immer, um Störenfriede abzuschrecken.

Einmal hatten wir auch den Fall, daß die Polizei in Zivil der Beerdigung beiwohnte, weil sie unter den Trauergästen eine bestimmte Person vermutete.

Wie diese Geschichten aber im Einzelnen verlaufen sind, werde ich noch erzählen.