Gothic-Sarg

Meine Güte, wie sah die denn aus?
Mit den hohen Absätzen war die junge Frau vielleicht zwei Meter groß, ganz in Schwarz gekleidet, viel Leder, viele Ketten. Schwarze Haare, grellweiß geschminktes Gesicht, schwarz lackierte Fingernägel.

Ihr Begehr: Sie wollte gerne einen Sarg kaufen. Einen grossen, in dem sie dann immer schlafen könne…

Normalerweise habe ich nichts dagegen, wenn sich jemand einen Sarg als Bett oder Schrank herrichtet, aber wir verkaufen keine Särge für solche Zwecke. Uns ist die Gefahr zu groß, dass mit dem Sarg dann Schindluder getrieben wird und das dann auf unser Haus zurückfällt.

Einzige Ausnahme sind Theater- oder Schauspielgruppen, die ein Schreiben von der Theaterintendanz vorlegen können.

Totenfernsehen

EOS-TV soll es heißen und es soll ein neuer Fernsehsender werden. Ab November will man in Brandenburg ein Programm speziell für Menschen über 60 ausstrahlen, das sich vornehmlich mit den Themen Tod und Trauer beschäftigen soll.

Finanziert werden soll das Ganze durch Trauernachrufe, die wohl ähnlich die die „fröhliche Glückwunschantenne“ funktionieren wird. Angehörige lassen über den Sende an den „lieben Franz“ erinnern. Desweiteren ist von Programmpaten die Rede, woanders wo noch klar denken Zuschauer vor der Glotze sitzen, nennt man sowas wohl eher Sponsoren und mein in beiden Fällen Firmen, die Geld dafür bezahlen, dass man sie ein bißchen belobhudelt. Hier ist von Treppenliftherstellern und Pflegeeinrichtungen die Rede. Aber auch öffentliche Mittel sollen da wohl fließen, schließlich schaffe man mit dem Senderangebot ja auch Arbeitsplätze. Toll, mir hat noch nie einer was geboten, wenn ich einen einstelle.

Aber haben wir das nicht schon? Gibt es nicht schon einen Sender, vor dessen Ausstrahlungen die Senioren der Nation sitzen und sich in den Werbepausen Treppenliftwerbung anschauen müssen und erfahren, dass die Kraft der blauen Weinlaubs gegen Hämorrhoiden hilft und Millionen Menschen nachts raus müssen, weil sie sich keine Kürbiskerne irgendwo hineingesteckt haben?
Doch, einen solchen Sender gibt es und es der Sender „Zahlungskräftig, Dement, Finanzstark“ (abgekürzt ZDF).

Einmal mehr steht zu vermuten, daß hier möglicherweise mit ein bißchen „Unterhaltung“ und Informationen ältere Menschen zum Abschluss von Bestattungsvorsorgeverträgen bewegt werden sollen und auf Unternehmen eines bestimmten Verbandes bzw. bestimmter in diesem Verband stark positionierter Firmen geprägt werden sollen.

Aber gut, wir leben auch mit den feuchten Uschis, die Tag und Nacht angerufen werden wollen und den ehemaligen Bahnhofswirtinnen, die sich uns mit rauchiger Stimmer als astrologische Lebensberaterinnen empfehlen und den daueraufgeregten „Warum ruft hier keiner an? Will denn keiner die Kohle“-Schreiern sogenannter Quizsender. Dann werden wir auch noch EOS ertragen können.

Die Nachrufe kann man übrigens schon zu Lebzeiten drehen lassen, um sich dann im Falle des eigenen Ablebens, mit seiner vorher aufgezeichneten Botschaft an die Nachwelt zu wenden. Endlich mal DIE Chance für den geizigen Opa, der ganzen Welt zu sagen, warum er sein Häuschen nicht seiner Tochter hinterlässt, sondern dem Tierheim oder der Kirche.

Lustig finde ich übrigens, dass die Verantwortlichen nicht müde werden, zu betonen, es gehe ihnen um die Lebenden und nicht um die Toten. Eigentlich überflüssig, das zu betonen, Tote sind wenig eloquent und fotogen.

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Bügelwäsche

Da kommt eine ältere Dame heute Morgen in unser Büro. Sie ist ganz außer Atem und muss sich erst mal setzen.
Unser Matthias gibt ihr ein Glas Wasser und zeigt sich sehr bemüht. Eine Kundin muss man pfleglich behandeln.

Nach 15 Minuten hat sich die Dame erholt und sagt: „Wenn Sie mir jetzt noch meine Bügelwäsche geben, könnte ich wieder gehen.“

Die Gute war etwas verwirrt. In dem Ladenlokal nebenan, war vor über 40 Jahren mal eine Heißmangel.
Matthias hat sie dann nach Hause gebracht. Wenigstens wusste sie, wo sie wohnt.

FAZ-Leser, herzlich willkommen

An alle Leser der FAZ, FAZ-Sonntagszeitung und FAZ online ein ganz freundliches „Herzlich willkommen!“

Dies ist das privaten subjektive und rein persönliche Weblog eines Bestattungsunternehmers. Ich berichte hier über meine täglichen Erlebnisse und leiste etwas Aufklärungsarbeit über unseren, oft mißverstandenen, Beruf.

Ein Weblog ist die Aneinanderreihung von täglich erschienenen Artikeln. Der neueste steht immer oben, der vorhergehende darunter usw. Ist ein Artikel sehr lang, gibt es mit „Weiterlesen…“ den Rest des Textes. Ein Klick oben auf „Home“ bringt Sie wieder hier zur Startseite. Am Ende der Seite ganz unten, kann man weiter zurückblättern. Probieren Sie es, es lohnt sich bestimmt!

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Sollten Sie selbst Fragen zum Thema oder an mich persönlich haben, scheuen Sie sich bitte nicht, diese zu stellen:
undertaker@europa-host.de

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Wie ich dazu gekommen bin

Ich wüsste gerne mal, wie Du zu dem Beruf gekommen bist und mich würde mal interessieren wie die Anfangszeit war als Du den Beruf gearbeitet hast. Hattest Du Alpträume oder vielleicht auch Angst dich alleine in den Hallen zu bewegen in denen die Leichen aufbewahrt wurden? […] Also erst muss eine Zeit verstreichen lassen bis man das Gefühl des alltäglichen bekommt oder?

Die Sache war gar nicht so schwer, wie man sich das vorstellt. Mein Schwiegervater hatte von seinem Vater eine Hauderei übernommen. Ein Hauderer betreibt ein Lohnfuhrunternehmen und transportiert vom Grundbegriff her eigentlich alles, im engeren Sinne allerdings Verstorbene. Früher nahm man dazu wohl Kutschen, wovon einige Schwarzweiß-Fotos in meinem Büro künden. Seit den späten 30er Jahren aber gibt es bei uns Autos.

Die Schreiner stellten die Särge her, der Hauderer transportierte Särge und Leichen. Früher waren Bestattungen noch nicht so kompliziert. Wenn jemand verstorben war, ging ein Angehöriger zum Schreiner und sagte Bescheid. Der Schreiner richtete den Sarg, der Hauderer holte ihn ab und fuhr, um den Verstorbenen einzubetten und abzuholen. Danach ging es auf den Friedhof.
Kurz gesagt: Eine Hauderei ist ein Taxiunternehmen für tote Leute.

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Die Amis spinnen! Oder doch nicht?

Ich habe mal gehört, dass die Amis spinnen und ihre Toten im Winter einfrieren lassen und sie nur im Sommer beerdigen, weil es den Gästen im Winter zu kalt ist auf dem Friedhof.

Das hat mit Spinnerei nichts zu tun und betrifft Amerikaner, die keine sein möchten, nämlich die Kanadier.
In Gebieten jenseits des Polarkreises hat man mit dem Problem des Frosts zu kämpfen. Über viele Monate des Jahres ist der Boden gefroren, was eine Bestattung nur schwer möglich macht.

Deshalb gibt es Unternehmen, die mit Gasfeuerungen den Boden auftauen, um ein Grab erstellen zu können und in manchen Gegenden werden die Verstorbenen so lange in Tiefkühlung gehalten, bis die Böden wieder Bestattungen zulassen.

Der Trend geht aber auch in Kanada zunehmend zur Feuerbestattung und vor allem in den betroffenen Regionen werden dann einfach die Urnen so lange aufbewahrt.

Unverständliche Botschaft aus dem Weltall

Ich habe Nachtdienst. Es ist Ferienzeit und da gönne ich zwei Fahrern Urlaub mit Familie. Also muss ich selbst nachts raus. Die Frau meint, das täte mir ganz gut, ich hätte da so etwas bekommen wie ein kleines Bäuchlein. Zweimal musste ich in der Nacht von gestern auf heute raus. Das heisst, ich war zwischendurch gar nicht zu Hause, sondern habe mit dem Kollegen BigMacs gefuttert. Das sage mir noch einmal jemand was gegen die Fastfood-Ketten, die haben wenigstens nachts auf.

Wir haben ja alles Handys und überall gibt es Telefon. Die Männer verständigen sich aber mit der Zentrale über Funk. Die Funkanlage ist von Motorola, amerikanisch und war wohl schon im Korea-Krieg im Einsatz. Die Zentrale, das ist unser Büro, und in der ist nachts niemand. Telefondienst macht Herr Rohloff, der ist gelähmt, freut sich über den Job, und wenn gerade kein Boxen, Fußball, Tennis, Formel 1 oder schottisches Zwergenweitwerfen im Fernsehen kommt, also eines von den ganz wichtigen Sportereignissen, die so jeden Tag übertragen werden, macht er für uns Telefondienst. Er hat zu Hause auch so ein Funkgerät aus dem Korea-Krieg, ein kleines.

Ich sitze neben dem Fahrer, wir fahren zu der angegebenen Adresse, um eine Verstorbene abzuholen, es ist mitten in der Nacht.

„Krkkkkkkks zupp Wischiwaschi, Kriiicks. Dideli.“

Nein, es ist kein Getriebeschaden, das Geräusch kommt aus dem Funkgerät.

Der Fahrer tippt kurz an den Sprechhebel an der Lenksäule und sagt: „Alles klar, machen wir.“

„Krrrks, kracks, krucks, wusch, wascham lalalalaleldieo. Dideli.“

Der Fahrer grinst: „Alles klar, Du Spaßvogel.“

Offenbar haben diese Geräusche etwas zu bedeuten. Was für mich wie atmosphärisches Knacksen aus den Tiefen des Weltalls klingt, ist für die geübten Fahrer ganz eindeutig eine verständliche Botschaft.

„Was hat er gesagt?“ erkundige ich mich.

„Er hat gesagt, wir sollen nicht vergessen, das Kleid der Verstorbenen mitzunehmen.“

„Ah ja…“

Es macht: „Krrrcks, gagagaga, duhandsch hahshduju krrrrrcks hiscchchch zisch Wadumm Wadamm Wadommm, zisch, kriecks, kracks. wusch, wusch wusch wusch. Dideli.“

„Und jetzt?“

„Jetzt hat er gesagt: Macht mal hinne.“

„Ah ja…“

Wenig später erhalten wir über Funk folgende Botschaft:

„Krrrcks, zisch, Piep. Dideli!“

Der Fahrer zieht die Augenbrauen hoch und ich erkundige mich, was es diesmal gibt. Er sagt:

„Jetzt hat er gesagt, wir sollen anschließen noch in die Rosenbergstraße 34 fahren, bei Dr. Mittelscheid klingeln und die Sterbepapiere abholen, die habe der Arzt versehentlich mitgenommen und es täte ihm fürchterlich und wir sollen aber leise sein, seine Nachbarschaft sei etwas empfindlich.“

„Das hat er alles gesagt?“

Der Fahrer nickt. Irgendwie müssen die eine spezielle Motorola-Ecke in ihrem Gehirn haben, ich habe die nicht und verstehe bloss ein Knirzen und Knacksen und das Dideli am Ende. Ich frage den Fahrer:

„Sollen wir allmählich mal neue Funkgeräte einführen, ich glaube das wäre an der Zeit, oder?“

„Nö, wieso? Die sind zwar alt und klobig, aber sie funktionieren doch super.“

Ich finde es toll, dass wir solche Spezialisten beschäftigen, ehrlich!

Mein Mann war Atheist

In Wikipedia lesen wir:

Atheismus steht im weiteren Sinn für die Abwesenheit des Glaubens, dass es göttliche Wesen gibt, und im engeren Sinn für den Glauben, dass es keine göttlichen Wesen gibt.

Immer wieder haben wir es mit Fällen zu tun, daß der Verstorbene, sein Ehepartner oder beide Atheisten sind. Oft ist es so, dass die Witwe sagt: „Mein Mann war Atheist!“ Zunächst erkundige ich mich dann vorsichtig nach den Hintergründen, denn oftmals meinen die Leute etwas ganz anderes. Viele meinen: „Wir sind aus der Kirche ausgetreten, weil wir Ärger mit dem Pfarrer hatten“ oder „Wir sind wegen der Kirchensteuer ausgetreten“ oder „Wir sind aus den neuen Bundesländern und atheistisch erzogen.“

Für mich ist es nun wichtig, herauszufinden, ob eine wirkliche innere Ablehnung des Religiösen besteht oder ob die Leute vielleicht nur ein gestörtes Verhältnis zu den kirchlichen Institutionen haben, aber in Wirklichkeit sehr wohl an Gott glauben.

Wenn es sich herausstellt, dass es wirklich überzeugte Atheisten sind, was im Übrigen nur ganz, ganz selten vorkommt, dann geht die Sache ihren (recht einfachen ) Gang. Die Friedhöfe sind ohnehin konfessionslos, statt eines Pfarrers bestellen wir Herrn Eberhardt unseren freien Prediger und dem Organisten sagen wir auch Bescheid, er spielt dann klassische Stücke ohne kirchlich-religiösen Bezug.
In der Traueranzeige und in den übrigen Drucksachen verzichten wir auf christliche Symbole und nehmen neutrale, wie etwa einen Baum oder ähnliches.

Ist es aber so, daß die Leute nur der Kirche fern sind, aber Gott nahe, dann müssen wir uns ein wenig strecken. Je nach der Gemeinde in de der Verstorbene gewohnt hat, kann es sein, dass der Pfarrer sagt, dass er nur seine eingeschriebenen Gemeindemitglieder beerdigt. Andere Pfarrer sagen, jeder der an meinen Gott glaubt, wird auch von mir beerdigt. Diese Pfarrer wissen dann auch, wie sie mit den Angehörigen umzugehen haben und wie sie die Zeremonie zu gestalten haben, um keine Verärgerung heraufzubeschwören.

Die Pfarrer, die ablehnen, machen uns etwas mehr Mühe. Entweder finden wir einen anderen Pfarrer oder aber unser Herr Eberhardt muss wieder ran. Er ist ein sehr erfahrener Trauerredner und beherrscht sowohl des religiöse, wie das atheistische Metier.

Bei rund 20% unserer Bestattungen kommt ein freier Trauerprediger zum Einsatz, in den meisten Fällen, weil die Leute den betreffenden Pfarrer nicht mögen. Wirkliche Atheisten machen den geringsten Anteil aus.

Angesichts des Todes und der Trauer besinnen sich auch viele Menschen wieder ihrer religiösen Wurzeln. Nach jahrelanger kirchlicher Absenz suchen sie nun wieder Halt und Trost im Glauben und finden in den Worten des Pfarrers Geborgenheit und Stärkung.

Wie gut das funktioniert, hängt von den Fähigkeiten des Pfarrers ab. Wie in allen Berufen kann nicht jeder alles. Manche Pfarrer können besser trauen und taufen als beerdigen. Andere wiederum sind wahre Beerdigungskünstler.
Mir persönlich ist es am liebsten, wenn Pfarrer xyz die Trauerfeiern macht. Wann immer ich kann, empfehle ich ihn. Er kann auch konfessionslose und ungewöhnliche Trauerfeiern sicher bewältigen und ich habe noch keinen Fall erlebt, in dem die Leute etwas Negatives gesagt hätten. Er hat es eben drauf. Manchmal bin ich schon fast froh, wenn die anderen Pfarrer nicht können und ich auf ihn ausweichen kann.