Born to be wild

Sagt man eigentlich noch Rocker? Oder muß man jetzt Biker sagen? Egal, die zwei die gerade aus meinem Büro raus sind, waren jedenfalls welche. Wie zwei Messdiener standen sie brav und ehrfürchtig nebeneinander, ganz in Leder. Der eine mit verspiegelter Sonnenbrille, der andere mit einem Piratenkopftuch. „Den Pepi hat’s zerbröselt.“

Ich nehme mal an, daß soll bedeuten, daß ein Motorradfahrer namens Josef ums Leben gekommen ist und so ist es auch. Heuler und Bobo nennen sich die zwei und erzählen mir, daß Pepi von einem Autofahrer geschnitten worden sei und seine „Mühle“ quasi über ihn drübergewalzt sei.

„Kohle hammer genuch“, sagt Heuler und legt zum Beweis ein ganzes Bündel auf den Tisch, „Wir hamm zusammengelecht!“
Bobo nickt zustimmend und zupft an seinem Piratentuch.

‚Ne dicke Kiste‘ wollen sie und die Beerdigung muss am Mittwoch sein, das hätte man so mit den anderen Clubs abgesprochen, die alle mit einer Abordnung kommen wollen. Wieviele Leute da denn kämen, will ich wissen. „So an die dreihundert etwa und alle mit Mühlen“, sagt Heuler und was macht Bobo? Genau! Der nickt und nestelt am Kopfschmuck.

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Loch

Heute bekomme ich ein Gerichtsurteil. Mein Anwalt hat angerufen, macht die Sache spannend und lässt mir das Urteil, das zuerst bei ihm gelandet ist, nachher vorbeibringen.
So Gerichtsverfahen kommen vor, damit bin ich im Beruf groß geworden. Was ich da schon alles erlebt habe… Die meisten Prozesse, die geführt werden sind sinnlos, witzlos und überflüssig, aber die lieben Herren Anwälte und das verschrobene Rechtsempfinden mancher Leute (oder beides zusammen: also das verschrobene Rechtsempfinden der Anwälte) stellen sicher, daß man immer mal wieder einen Prozess am Hals hat.
Da kann man strampeln wie man will, sich bemühen und aus seiner Sicht auch alles richtig machen, früher oder später trifft es einen. Glücklicherweise sind wir nicht besonders oft von so etwas betroffen, aber es lässt sich im geschäftlichen Alltag nicht vermeiden. Wir selbst sind immer sehr bemüht, niemanden zu verklagen, das ist uns viel zu lästig, aber auch das lässt sich manchmal nicht vermeiden.

Heute ist die vermutlich letzte mündliche Verhandlung in einer sehr unangenehmen Sarg- und Grabsache.

Losgegangen ist das Ganze vor zwei Jahren im Februar. Eine Frau ist mit ihrer Tochter bei uns erschienen und hat uns den Auftrag erteilt, ihren Mann zu beerdigen. Die alte Dame war sehr angenehm, etwas hilflos, nahm unsere Hinweise und Ratschläge dankbar an, doch ihre Tochter konnte schon aufgrund ihrer zwei Doppelnamen nicht anders, als nur alles besser zu wissen. Wir nennen sie mal für diesen Artikel Katharina-Luise Mösenberger-Oberheimer.

Es ging schon bei der Frage nach dem Grab los. Ich erkundige mich da immer nach den Verhältnissen und Vorstellungen, um dann für mich eine Entscheidung zu fällen und das richtige Grab anbieten zu können. Ist der Mann beispielsweise 20 Jahre älter gewesen und/oder will die Frau in Kürze von hier fortziehen, wäre ein Familiengrab für mehrere Personen vielleicht weniger geeignet. Ist es hingegen aufgrund biologischer Umstände absehbar, dass auch die Witwe in einigen überschaubaren Jahren sterben wird, könnte die Empfehlung eher für ein gemeinsames Grab lauten.

Hier war es so, dass die Frau sogar älter war als ihr Mann, er war mit 78 Jahren verstorben, sie war zu diesem Zeitpunkt schon 85 Jahre alt. Obwohl ich der alten Frau Oberheimer sicherlich noch etliche Jahre gönnte, war es ja absehbar, dass die Wahrscheinlichkeit, dass auch sie sterben wird, mit jedem Jahr steigt und deshalb empfahl ich ein Familiengrab. Das entsprach auch dem Wunsch der Kundin. Das heisst, es entsprach dem Wunsch der Frau, bis sich die Tochter einmischte:

„Ach was? Verdienen Sie da etwa auch mit? Das Grab ist ja drei mal so teuer und ich finde das ist typisch für einen Bestatter, dass er die Leute immer zu etwas Teurem überreden will.“

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Frau Weichselbauer

Heute war ich bei Frau Weichselbauer, das hat sehr gut getan. Vor ein paar Jahren stand Frau Weichselbauer auf einmal in meinem Büro und wollte sich nur mal so erkundigen. Das kenne ich, da kommen ältere Leute rein, man sieht ihnen an, daß sie ziemlich angespannt sind, wenn sie die ganzen Särge und Urnen sehen und trotzdem machen sie Witze.

Ich kann Euch gar nicht sagen, wie oft ich den Spruch schon gehört habe: „Kann man denn da auch mal probeliegen?“

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Beim ersten Mal war das lustig, beim zehnten Mal dann nicht mehr und seit dem viermillionsten Mal mache ich nur noch gute Miene zum bösen Spiel. Aber was soll’s, für die Leute ist es ja jeweils das erste Mal.
Irgendwann kam mal einer, der war besonders laut und lustig. Auch der wollte nur mal eben probeliegen. Der nervte, ich wollte gerade hinten im Büro Bilder aufhängen und das war auch der Grund, weshalb ich einen Hammer in der Hand hatte. Ich habe einfach wortlos einen Sarg aufgeklappt und eine einladende Handbewegung gemacht.
Ich glaube, es lag hauptsächlich am Hammer, daß er so schnell wieder verschwunden war.

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Kleine Bitte

Können wir dann die unnötige Diskussion über islamistische Gefahren und den Untergang des Abendlandes, wie auch die Verherrlichung bestimmter Religionen wieder einstellen?

Ich kann doch nix dafür, daß das ein Halbpakistani war, genausowenig kann ich etwas für die Umstände, nämlich, daß er sich stets auf seine Religion und die Verrichtung seiner religiösen Handlungen bezog. Ich werte das nicht, mir ist es egal, was jemand glaubt. Meinetwegen kann er glauben, er sei von Aliens erschaffen worden, ist mir egal.

Nur war es halt hier ein Muslim und die Problematik ergab sich aus seinem Verhalten. Genau das habe ich erzählt, weil es exakt so war. Es besteht überhaupt kein Grund dafür, daß sich jetzt die DITIB-Leute einmal mehr schützend vor alle Muslime stellen und genausowenig müssen jetzt die Islamophoben aufheulen. In all den Jahren hatte ich mehr Ärger mit nichtmuslimischen Mitarbeitern.

Zum unserem Pakistani:
Der hatte sich die Stelle bewusst ausgesucht und ist nach dem Fortgang bei uns wieder zu einem Bestatter gegangen, dort hat er es immerhin zwei Wochen ausgehalten, bevor er gehen musste. Ihr dürft raten, wo er sich dann vorgestellt hat. Richtig! Wieder bei einem Bestatter. Der hat dann aber bei mir angerufen und sich erkundigt.

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Berichtigung

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Kathrin schrieb:
Kleine Anmerkung von einer *hüstel* Germanistin *hüstel*. Es heißt: “nicht einmal” bzw. kurz “nicht mal”. Das Wort “nichtmals” gibt es nicht. Sonst würden Märchen ja mit “Es war einmals…” beginnen. Klänge seltsam, oder? Ich will absolut nicht belehrend sein, aber mir kräuseln sich immer die Zehennägel. :-S Da du das doch oft verwendest… ;-)
Da wird der Genitiv so oft ignoriert (hier weniger, aber andernorts) und dann wird ein Genitiv-S einfach grundlos verschwendet. :-D

Alles klar! Berichtigung erfolgt! Hundert mal „nicht mal“ geschrieben. Bekomme ich jetzt ’ne 1? :-)

So oft war das gar nicht. Ich habe nur 7 x in fast 200 Artikeln dieses böse, böse Wort benutzt.

Maria 4

Die Sache gewinnt an Klarheit. Wir bekommen heute gegen Abend schon die Freigabe, vielleicht schon am Nachmittag.
Es ist ja nicht so, dass ich mich den ganzen Tag um diesen einzelnen Fall kümmern kann. Man darf nicht vergessen, dass wir in aller Regel ja vor allem alte Mütterchen und Väterchen beerdigen, so wie es sich gehört; also Menschen, die schon lange auf dieser Erde weilten und die eben in dem Alter sind, wo man auch schon mal sterben kann.

Andere Fälle, junge Menschen, Menschen mittleren Alters, die sind glücklicherweise eher selten und Fälle in denen es zu einer solchen Dramatik kommt, wie im vorliegenden Fall, sind höchst selten. Aber merkwürdigerweise treten sie in Serie auf. Das bedeutet: Wenn man gerade so einen doch recht merkwürdigen Fall abgeschlossen hat, kommt garantiert gleich der nächste. Dann ist oft wieder für Jahre Ruhe.

Ich hatte da so eine Serie von Zigeuner-Bestattungen, aber davon erzähle ich Euch demnächst. Und bevor sich jemand über das Wort Zigeuner aufregt: Die betreffenden Leute haben sich selbst so bezeichnet.

Bei Maria, dem sechsmonatigen Kleinkind (ich weiß immer nicht genau, wann man Säugling, Baby oder Kleinkind sagt) ist es zu einer unerwarteten Wendung gekommen. Die Mutter ist gestern Abend noch von ihrem Mann ins Krankenhaus gebracht worden, weil sie aufgrund der nervlichen Belastung einen Weinkrampf bekommen hat. Die Familie hat viel Stress gemacht, man stelle sich einfach eine Dreizimmerwohnung voll mit südländischen Menschen vor. Die Polizei, ein Pfarrer der italienischen Gemeinde, die Vorbereitung der Bestattung; alles das war wohl zuviel für die Mutter, aber sicherlich auch für den Vater.

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