Home Kontakt Impressum/Datenschutz Service-Portal Shop

Wassereinbruch 3

Es sieht schlimm aus! Die Decke hängt richtig rund durch, so als ob sie schwanger wäre. Man hat das Gefühl, sie könnte gleich bersten.
Montag früh kommt eine Firma und reiß das ganze Gelumps herunter. Wie es aussieht, und das hatten ja einige Kommentatoren schon befürchtet, wird die Filiale für längere Zeit ausfallen :-(

Polizeischutz

Bestattung unter Polizeischutz. Hattet ihr das schon mal?

Ja, aber das ist bei weitem nicht so dramatisch, wie man sich das vielleicht vorstellt.

In den über zwanzig Jahren in denen ich das jetzt schon mache, hatten wir das schon ziemlich oft. Ich würde sagen, daß das ein bis zwei Mal im Jahr vorkommt. Die allermeisten Fälle liegen in zerstrittenen Familien begründet. Ein Teil der Familie ist mit irgendetwas nicht einverstanden oder es gibt uralten Zwist auszutragen. Wenn zu befürchten ist, daß es auf dem Friedhof wirklich zu Tätlichkeiten kommt oder wenn Störungen angekündigt sind, verständigen wir die zuständige Polizeiwache. In den meisten Fällen läuft das dann so ab, dass am Eingang des Friedhofes ein Streifenwagen steht, das reicht fast immer, um Störenfriede abzuschrecken.

Einmal hatten wir auch den Fall, daß die Polizei in Zivil der Beerdigung beiwohnte, weil sie unter den Trauergästen eine bestimmte Person vermutete.

Wie diese Geschichten aber im Einzelnen verlaufen sind, werde ich noch erzählen.

Pietät Eichenlaub

Bei dem hier im Weblog beschriebenen Konkurrenzunternehmen „Pietät Eichenlaub“ handelt es sich selbstverständlich um ein vollkommen fiktives Unternehmen. Es mag mir dazu dienen, mal die Gepflogenheiten der ’schwarzen Schafe‘ aufzuzeigen, mal muss es dafür herhalten, die tatsächlich existierende Konkurrenz zu verkörpern.

Alles andere wäre sowas von dazu geeignet, mir die Anwälte der Konkurrenz auf den Hals zu hetzen, daß ich mir dann auch direkt einen Strick nehmen könnte.

Die Erkenntnisse darüber, wie bei Eichenlaub gearbeitet wird, habe ich vor allem durch Kundenberichte und durch Erzählungen von Mitarbeitern gewonnen, die den Arbeitgeber gewechselt haben. Eine meiner Fahrer beispielsweise hat lange Jahre für Eichenlaub gearbeitet und ist dann zu uns gekommen.

Manches ergibt sich aber schon allein durch die augenscheinliche Arbeitsweise der Firma. Wenn die beispielsweise ihre Verstorbenen immer in einem Lieferwagen transportieren, in dem sechs Verstorbene Platz finden und es auf deren Preisliste keine Position für solche Sammelfahrten gibt, liegt es klar auf der Hand, daß die trotzdem sie mit sechs Toten auf einmal gefahren sind, sechs Fahrten einzeln abrechnen.

Über das Gebaren der Konkurrenz weiß ich auch deshalb so genau Bescheid, weil es eines meiner Hobbies ist, mich bei den Kollegen in fremden Städten immer mal vorsorglich wegen des möglichen baldigen Ablebens meiner Tante Trude zu erkundigen.

Zwickmühle

Zu dieser Überschrift komme ich, weil wir heute Herrn Dr. Zwick abgeholt haben. Mit einem Glas Cognac in der Hand ist er auf seiner Badeinsel mitten auf seinem Swimming-Pool an Herzversagen gestorben. So einen Tod wünschen sich viele. Die Retter hatten viel Arbeit, den Mann aus seinem Pool zu bergen, der Notarzt versuchte noch sein Glück aber letztlich waren wir an der Reihe.

Angerufen hatte uns, nennen wir es mal so, die Gespielin des Herrn Dr. Zwick und eine ihrer ersten Fragen an unsere Männer lautete: „Wo bekommt man denn einen Erbschein her?“ Später wolle sie noch ins Büro kommen und alles weitere besprechen.

So weit, so gut. Sie kam dann auch, etwas kapriziös, ein bißchen überdreht, aber sonst ganz handzahm. Endlich mal jemand der klare Vorstellungen hat und genau sagt, was er will. Eigentlich wäre das für uns der Idealfall, wäre da nicht dieses klitzekleine Problem.

Weiterlesen

Bei Pietät Eichenlaub

Im Altersheim

Mit einem Lieferwagen kommen der Fahrer von der Pietät Eichenlaub zum Altersheim. Er kommt am helllichten Tag, bremst scharf an der Hintertür und steigt aus. Er trägt Jeans, Turnschuhe und ein weißes T-Shirt mit dem Aufdruck „City Cracker“. In der Hand hält er ein Schreibbrett aus rotem Plastik und geht um den mittelgrauen Lieferwagen vom Typ Mercedes-Sprinter herum. Mit kraftvollen Bewegungen öffnet er die beiden Türen am Heck, sie fallen krachend in die Rasten und geben einen Blick auf das Wageninnere frei. sechs Abteile hat das Fahrzeug, drei davon sind mit Särgen bestückt und man kann deutlich die Zettel sehen, die angeben, wer in diesen Särgen liegt. In der unteren Etage liegt links auf einer Fahrtrage auch ein toter Mensch, eine Luke ist frei und aus der letzten zieht der Eichenlaub-Fahrer mit einem Handgriff krachend eine Fahrtrage hervor, die Räder klappen aus, er zieht sie hinter sich hier und lässt den offenen Wagen, mit dem Blick auf die bereits verladenen Toten einfach hinter sich.
Ein kleines Stück entfernt sitzen etwa zwei Dutzend Alte, die die warmen Sonnenstrahlen geniessen. Sie haben vollen Einblick in den offenen Lieferwagen.

Über eine Rampe kommt der Fahrer mit der Rolltrage in den Keller, das Schreibbrett liegt auf der Trage. Im Keller dieses Altenheims gibt es einen separaten Raum für die Toten. Zwei liegen da. Ein kurzer Blick auf die Totenpapiere genügt dem Mann um herauszufinden, wen er abholen muss. Geübt stellt er die Fahrtrage auf die richtige Höhe ein, dann greift er beherzt zu un mit einem kräftigen Ruck zieht der den Leichnam mitsamt dem Betttuch in das er eingewickelt ist auf die Fahrtrage.

Wenig später schiebt der Fahrer die Trage wieder die Rampe hoch. Dann lässt er die Trage mitsamt dem Toten auf dem Hof stehen und geht noch schnell in die Verwaltung. Dort sucht er Schwester Monika, jene Schwester, die bei Eichenlaub angerufen hatte. Der drückt er in einem unbeobachteten Moment 100 Euro in die Hand, jenen Betrag, der mit ihr ausgehandelt wurde, wenn sie den Eichenlaubs mal wieder etwas zuschustert.
Die Familie der Verstorbenen weiß nichts davon, sie wohnen weit entfernt und kommen wahrscheinlich nicht so schnell dazu, einen Bestatter zu finden. Haben die Eichenlaubs aber erst einmal eine Tote geholt, sagen sie: „Ja wir wurden vom Heim gerufen.“, dann bekommen sie auch meistens den Auftrag.

Weiterlesen

Maria 6

Vorgestern hatten wir die Aufbahrung der kleinen Maria. Schon im Vorfeld haben wir uns gefragt, ob wir das in einem unserer Aufbahrungsräume machen oder in unserer Hauskapelle. Zwar ist die Kapelle viel größer und jeder würde spontan sagen, man solle aufgrund des zu erwartenden Besucherstroms doch den größten Raum nehmen; aber diese Überlegung ist nicht richtig.

Ich befürchtete, daß die vielen Leute aufgrund der Dramatik der Vorfälle, des jungen Alters der Verstorbenen und natürlich auch aufgrund des südländischen Temperaments möglicherweise zu Problemen führen könnten.
Deshalb lag es nahe, einen Aufbahrungsraum zu nehmen. Diese Aufbahrungsräume sind gut 4 Meter lang und knapp 3 Meter breit. Sie bestehen aus zwei Teilen. Der hintere Teil ist gekühlt und durch eine Trennwand, die ähnlich einem Rolltor an einer Garage konstruiert ist, vom anderen Teil abgetrennt. Dieses Rolltor ist die Kälteisolation und für die Besucher nicht sichtbar. Es läuft nahezu lautlos hoch, verschwindet in der doppelten Decke und wird zum vorderen Teil des Aufbahrungsraumes durch einen dicken Vorhang verdeckt, der sich erst öffnet, wenn das Tor nicht mehr sichtbar ist.

Durch einen ebensolchen Vorhang ist die Rückseite des Aufbahrungsraumes vor Blicken geschützt, dort befindet sich die Kühlraumtür und der Zugang zu unserem Versorgungsgang, über den die Verstobenen herein- und hinausgefahren werden.

Die vorderen Teile der Aufbahrungsräume sind unterschiedlich gestaltet. Einer ist einfach bestuhlt, den nehmen wir, wenn mit mehreren Personen zu rechnen ist, ein anderer Raum hat einen bequemen Sessel und einen kleinen Tisch, sonst nichts. Es kommt immer häufiger vor, daß Angehörige eine ganz lange Zeit mit ihrem Verstorbenen verbringen möchten. Manche sitzen lange da und weinen, andere bringen einen CD-Player mit und spielen Musik ab, die für sie und den Verstorbenen eine Bedeutung hat, wieder andere möchten ihren Verstorbenen anfassen, streicheln oder ihm einfach etwas erzählen.

Die technische Ausrüstung der Räume umfasst neben der Kühltechnik eine sehr aufwändige indirekte Beleuchtung, Kerzenständer, Blumenständer und künstliche Lorbeerbäumchen (echte gehen wegen der Kälte nicht). Außerdem gibt es da einen Rufknopf, um unsere Mitarbeiter herbeirufen zu können, Steckdosen für die Geräte, die Angehörige mitbringen und eine kleine Kamera mit Weitwinkeloptik. Über diese Kameras können wir das Treiben dort überwachen und notfalls einschreiten.

Weiterlesen

Wassereinbruch 2

Das ist wohl doch schlimmer, als es zunächst aussah. Das Tröpfeln und Rinnen an der Wand hat aufgehört, aber die gesamte Decke hat jetzt in der Mitte eine Beule, so wie bei einem Zelt, auf dem sich an einer Stelle das Regenwasser gesammelt hat. Da tropft jetzt milchig weiße Kalkbrühe durch.

Der Vermieter wohnt am Bodensee und will irgendwann nächste Woche mal gucken kommen und vertraut da voll auf mich, ich würde schon das Richtige machen. Ja klasse, warum eigentlich ich?

Nachher kommt eine Firma aus diesem Ort, die Bauarbeiten, Innenausbau und sowas alles erledigt und die wollen sich das mal anschauen und dann soll entschieden werden, was passiert.

Wassereinbruch

Die Filiale 2 ist in einer kleineren Ortschaft. Eigentlich handelt es sich nur um ein Ladenlokal mit einem kleinen Büro und einer Garage. Mehr brauchen wir da auch nicht. Heute kam der Anruf: „Kommen Sie besser mal vorbei, wir haben hier einen Wasserschaden und Ihr ganzer Laden steht unter Wasser.“

Oh Mann, meine Waren, meine Unterlagen, die Deko, die Einrichtung!

Zwanzig Minuten später bin ich da und sehe die Bescherung: Der Laden ist weitestgehend trocken, nur an einer Wand hinten rinnt Wasser herunter. Glück gehabt!?

Die Leute, die die Wohnung obendrüber gemietet haben, haben die Badewanne überlaufen lassen. Ein Waschlappen hatte sich vor den Überlauf treiben lassen und der badewütige badewillige Rentner ist auf dem Balkon eingeschlafen. Rund 40 Minuten soll Wasser übergelaufen sein.

Seine Frau habe alles mit einem Putzlappen aufgewischt… Das allerdings kommt mir spanisch vor. Meiner Meinung nach müsste das mehr Wasser gewesen sein, als dass man das mal eben mit einem Putzlappen wegwischen kann. Ich befürchte, das steht alles auf der Zwischendecke und zwar genau über unserem Laden.
Wenn da kein Wasser wäre, meine ich, würde es jetzt nicht mehr beständig an der Wand herunterrinnen.

Ich lasse vorsichtshalber mal Särge und Mobiliar in die Garage räumen.
Morgen weiß ich mehr.