Sonderrechte für Bestattungswagen

Hm, haben Bestatterfahrzeuge eigentlich Sonderrechte? Ich glaube nicht, oder? Gut, das ist eher theoretisch, denn es ist unwahrscheinlich das euch z.B. eine Politesse aufschreibt, weil Ihr im Halteverbot einen Verstorbenen abholt. Aber es gibt ja nun Strassen, da herrscht Halteverbot, und der nächste Parkplatz ist ein Stück zu tragen, oder jemand verstirbt in der Fußgängerzone(also dort in einer Wohnung). Habt Ihr da eine generelle Ausnahmegenehmigung? Denn mit den Toten durch die Strassen zu laufen ist ja nicht so pietätvoll…

In all den Jahren haben wir noch nie einen Strafzettel wegen Falschparkens bekommen, obwohl unsere Fahrzeuge i.d.R. keine Sonderbefugnisse haben. Wenn wir für die Polizei eine Überführung machen, sind wir ja im Auftrage der Staatsanwaltschaft unterwegs, dann ist das sowieso etwas anderes. Aber im Regelfall müssen wir uns mit dem Bestattungsfahrzeug genauso verhalten, wie andere Verkehrsteilnehmer auch.

Nur mit dem Parken ist das so eine Sache. Es ist vollkommen richtig, dass es (uns und allen anderen) nicht zumutbar ist, mit einem Verstorbenen quer durch die Gemeinde zu laufen. Deshalb parken wir so nah wie möglich am entsprechenden Haus.

Mein Fahrdienstleiter sagte erst kürzlich zu mir, wie er auf bestimmte Situationen reagiert:

Hier die Situationen, die ihm aufgefallen sind:

* Opas im Mercedes fahren bis an die weit geöffnete Heckklappe heran und hupen im Minutentakt in den Sargraum hinein.

* Politessen nähern sich zwar, trauen sich aber nicht ganz heran.

* Polizei wartet und regelt nötigenfalls den Verkehr, ohne uns zu ärgern.

Seine Reaktionen auf dieses Verhalten:

* hupende Opas: Bei denen geht er ganz hilfsbereit an die Seitenscheibe, klopft freundlich lächelnd und fragt: „Das geht Ihnen nicht schnell genug, nicht wahr?“ Da stimmen die ihm dann immer zu. Dann sagt er: „Ist aber kein Problem, sie können sich gerne schon mal reinlegen.“

* Politessen: Falls die doch mal näherkommen, geht er denen entgegen und sagt: „Gut dass Sie kommen, Sie können gleich mal eben mit anfassen!“

* Polizisten: Da sagen wir einfach nur Danke.

Alles kommentiere und erkläre ich nicht

Man kann mir ja nun wirklich nicht nachsagen, dass ich auf die Fragen meiner Leser nicht eingehe. Es ist ja mein Ziel, hier frei von der Leber weg, meinen Berufsalltag zu beschreiben und ein wenig Licht in das Dunkel unseres tabuisierten Berufes zu bringen. Auch wenn es mein Job ist, tagtäglich Außenstehenden zu erklären, wie die Abläufe nun im Einzelnen sind, ist es doch so, daß viele Dinge für mich vollkommen selbstverständlich sind, von denen Dritte keine Ahnung haben.
Deshalb ist es für mich so wichtig, dass Ihr Fragen stellt. Manchmal denke, wenn ich diese Fragen lese: Ach ja, das kann ein normaler Mensch ja gar nicht wissen.

Aber natürlich kann ich nicht alles beantworten. Es ist zwar ein netter Versuch, aber eine Frage wie:

Wo ist denn Dein Laden? Wieviele Mitarbeiter hast Du? Sind die voll- oder teilzeit. Wieviele Bestattungen machst Du im Jahr? Wo kaufst Du Deine Särge ein?

werde ich nicht beantworten. Entweder man liest die diversen Informationen zwischen den Zeilen aus dem Weblog heraus oder man wird es eben nicht erfahren. Schon die Art der Fragestellung deutet für mich darauf hin, dass da nicht die Neugierde eines zufälligen Lesers die Motivation ist, sondern ein Insider gerne mehr wüsste.

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Zettel am grossen Zeh

Eine weitere Leserfrage möchte ich heute beantworten:

Gibt es das nur in Filmen, dass man ein Kärtchen mit seinem Namen um den dicken Zeh trägt?

Das gibt es wirklich.
In den meisten Krankenhäusern gibt es zentrale Stellen an denen die Verstorbenen gesammelt und bis zur Überführung aufbewahrt werden. Es ist äußerst wichtig, sicherzustellen dass es hier nicht zu Verwechslungen kommt. Das Gleiche gilt für Altenheime und natürlich für Bestattungsunternehmen.

Die Arten der Kennzeichnung sind höchst unterschiedlich. Das reicht vom Zettel der an den großen Zeh gebunden ist, bis zu beschrifteten Leukoplast-Streifen, die um das Handgelenk geklebt werden. Manchmal befindet sich aber auch ein Karteikärtchen an der Schublade der Kühlanlage oder dem Bett. Oftmals hat man aber auch einfach einen Umschlag mit den Totenpapieren ans Fußende gelegt.

Dr. Fu Man Chu

Es ist 4.45 Uhr morgens und schon wieder einmal habe ich eine Nacht ohne Schlaf hinter mir. Das heisst, lügen soll man ja nicht, von 1 bis 2 habe ich gepennt, dann musste ich raus. Um halb drei in der Früh fuhr ich mit, eine Verstorbene daheim abzuholen. „Bitte holen Sie meine Mutter sofort, die hat bei uns gelebt und ich möchte gerne, dass sie schon fort ist, wenn meine beiden Kinder morgen früh wach werden.“

Die Mutter war ein Tannenbäumchen, wie wir es nennen, oben ganz schmal und unten ganz breit. Auf den ersten Blick denkt man, das könne mal leicht werden, schlägt man aber die Bettdecke zurück, sieht man, dass das eine Täuschung war. Bestatter bekommen jeden Toten überall hinausgetragen, so eng kann ein Treppenhaus gar nicht sein, daß wir das nicht schaffen. Wir haben da so unsere Tricks.

Dieses Treppenhaus war aber besonders eng, die Angehörigen haben zugeschaut, also heisst es, die Trage immer schön waagerecht halten und immer mal wieder ganz weit runterbücken, dann wieder gestreckt hochstemmen und das mit 80 Kilo auf der Trage. Geht ordentlich in die Arme.

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Grabpflege

Wer übernimmt im allgemeinen die Grabpflege, an wen wende ich mich am Besten? Wie läuft das dann ab und was wird wie und wie oft gepflegt? Und, natürlich: was darf so was kosten?

Das Grab hat der Grabnutzungsberechtigte in Ordnung zu halten. Das ist i.d.R. derjenige, der das Grab angekauft hat, bzw. auf den der Grabvertrag mit der Friedhofsverwaltung lautet.

Da die Familien immer weiter auseinander leben, gibt es oft in der Nähe des Friedhofes niemanden der das Grab dauerhaft pflegen kann. Neben einer jahreszeitlich wechselnden Bepflanzung ist es frei von Unkraut zu halten und natürlich muss die vorhandene Bepflanzung gepflegt und gegossen werden. Gegebenenfalls müssen die Randstreifen neben dem Grab mit saubergehalten werden, das ist örtlich verschieden. Zu berücksichtigen sind immer die örtlichen Gegebenheiten, die Regelungen unterscheiden sich kommunal oft recht stark. Auch spielt es beispielsweise eine Rolle, ob die Grabstätte unter einem Baum liegt, der ganzjährig Blütenblätter, Fruchthülsen und Laub abwirft.

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Wenns mal schief geht

Er kommt aus Dubai, ist aber kein Araber, sondern ein Deutscher, der dort als Ingenieur arbeitet und hat sich 2 Wochen Urlaub genommen, um seine alte Mutter zu beerdigen. Geld spielt bei ihm keine Rolle, er will gute Sachen, nicht protzig, aber seine Mutter soll dennoch das Beste bekommen. Ach ist das schön, da freut sich auch meine Kaufmannsseele.

Ein Grab habe er schon ausgesucht, es liegt auf einem Friedhof in einer kleinen Gemeinde, rd. 20 km entfernt. Später, wenn er mal nicht mehr im Ausland weile, wolle er in diese Gemeinde ziehen und könne dann das Grab besuchen. Aber bis dahin solle ich mich doch um alles kümmern, das Aufstellen des Grabsteines, das Anlegen des Grabes und auch für die Grabpflege wolle er im Voraus bezahlen.

Ich telefoniere mit Steinmetz und Gärtner dort in der anderen Gemeinde, erfrage die Preise, rechne alles zusammen und was unterm Strich herauskommt, erschreckt sogar mich. In dieser Gemeinde ist es so, dass ein einfacher Grabstein nicht genügt, sondern alle Gräber, zumindest in dieser Abteilung des Friedhofes, bekommen eine schwarze hohe Steinumrandung, am oberen Ende einen dreifach gestuften Sockel und ein stehendes Grabmal von fast zwei Metern Breite. Das kostet. Ich glaube von Svarowsky wäre das genauso teuer…
Auch der Gärtner schlägt zu, jedes einzelne Jahr -drei Mal wechselnde Bepflanzung, Gießen, Säubern usw.- kostet 290 Euro, auch ein stolzer Preis.
Nein, der Dubai-Ingenieur will das aber so und zahlt fast 8.000 Euro für das Stein-Gedöns und knapp 6.000 Euro für zwanzig Jahre Grabpflege im Voraus. Für die Anschaffung des Grabes und 30 Jahre Laufzeit legt er auch noch einmal fast 4.500 Euro hin.
Damit ist für ihn nach 14 Tagen alles erledigt, er bedankt sich überschwenglich bei mir, sehr zufrieden sei er gewesen und alles sei reibungsloser und besser gelaufen, als er es jemals erwartet habe. Für die Mitarbeiter lässt er hundert Euro da, die freuen sich.

Das war vor einem Jahr.

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Anfragen wegen Werbung und Sponsoring

Ich habe ja den ganzen Tag den Rechner an. Wir haben ein Branchenprogramm auf dem ich meine Aufträge verwalte, wir nutzen ICQ und Yahoo, um über alle Räume hinweg miteinander Kontakt zu halten, wir haben Webcams zur Überwachung der Räume und ich muss auch sonst so einiges am Computer machen.

Zwischendurch immer mal wieder was für das Weblog zu schreiben, kostet mich weniger Zeit, als manche denken mögen. Dafür bleibt hier nichts liegen und uns schimmelt auch niemand weg. Wie man an den Zeiten sieht, zu denen die Artikel erscheinen, setze ich mich auch abends und nachts manchmal hin und tippe was für das Weblog. Wenn ich von einem Auftrag wiederkomme, ist das Erste was ich mache immer das Eintippen des Auftrages in die Auftragsverwaltung, danach bin ich sonst immer ganz gern bei Wikipedia auf den „zufälligen Artikel“ gegangen, jetzt blogge ich eben. Das bringt einen ganz gut wieder runter.

Es gehen ja auch sehr viele Mails ein, nicht alle kann ich beantworten, ich bitte um Verständnis. Was sich aber mehrt, sind Anfragen, ob ich nicht mit meinem Unternehmen für bestimmte Veranstaltungen als Sponsor auftreten möchte oder aber in bestimmten Medien werben möchte.
Wenn ich meinte, werben zu müssen, dann würde ich es hier in meinem Weblog tun, tue es aber nicht. Und Sponsoring für Veranstaltungen, die nicht im unmittelbaren Einzugsbereich meiner Firma liegen, ist allenfalls witzlos.

Diesbezügliche Anfragen sind also sinnlos.

Sind Leichen eingefroren?

Erneut erreichte mich die Frage einer Leserin. Wenn auch Du Fragen hast, dann scheue Dich bitte nicht sie zu stellen.

Frage:

Bei wieviel Grad wird der Leichnam aufbewahrt wenn er in der Kühlkammer liegt? Werden die eingefroren? Sind das minus 30 Grad oder was?

Wir bewahren Verstorbene bei 4 Grad Celsius auf. Das hat sich nach unseren Erfahrungen als die beste Temperatur erwiesen. Das Einsetzen der Verwesung wird ausreichend lange gehemmt und die Geruchsbildung unterdrückt. Bei höheren Temperaturen geht das schneller, bei niedrigeren besteht die Gefahr, dass der Leichnam gefriert. Das ist einerseits vom „Handling“ her unpraktisch und andererseits bildet die Zellflüssigkeit beim langsamen Gefrieren nadelspitze Kristalle, die die Zellwände durchstechen.
Wird der Leichnam dann wieder aufgetaut, setzt die Verwesung aufgrund der zerstörten Zellen oft umso rasanter ein.

Manchmal müssen Leichen tiefgefroren werden, etwa wenn sie zum Zwecke der rechtsmedizinischen Untersuchung länger aufbewahrt werden müssen.

In anderen Ländern, etwa in bestimmten Regionen Kanadas, werden Leichen über die Wintermonate regelmäßig eingefroren und dann bestattet zu werden, wenn im Frühjahr die Böden wieder aufgetaut sind.
Das ist zum Beispiel in einigen Regionen Kanadas so der Fall.
Meist wird hier dann die Feuerbestattung gewählt. Das heißt, der Verstorbene wird zeitnah eingeäschert und die Urne dann bis zum Frühjahr aufbewahrt.
Dann findet die Bestattung der Urne bei besserem Wetter statt.
Hat der Verstorbene oder haben seine Angehörigen aber auf einer Erdbestattung bestanden, dann hängt es davon ab, wie stark der Boden gefroren ist. Oft wird mittels eines Gasbrenners das Erdreich aufgetaut und die Bestattung dann durchgeführt.
Kann das aber nicht realisiert werden, bleibt der Verstorbene bis ins Frühjahr eingefroren.