Scheintod

Ach ja, wie oft werde ich das gefragt! Wie oft höre ich Aussagen wie: „Ich will aber eine Klingel im Grab, damit ich klingeln kann, falls die mich scheintot begraben! Hahaha!“

Ich mache das jetzt mehr als 20 Jahre und in den ganzen Jahren habe ich niemals einen Scheintoten erlebt. Allerdings haben wir auch einen schweren spitzen Eisenhammer…
Nein, Spaß beiseite: Es gibt so was nicht wirklich, heute nicht mehr und nicht als feste Erscheinung.

Was will ich damit sagen:

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Fragen an den Bestatter

Mich erreichen mittlerweile tagtäglich Fragen von Interessierten zum Thema Bestattung, Trauer und Tod.
Diese Fragen werde ich ab sofort in der Rubrik „Fragen an den Bestatter“ beantworten. Über den halben August werden beinahe täglich Artikel mit ausführlichen Antworten auf solche Fragen erscheinen.

Das Thema Tod ist ja in unserer Gesellschaft tabuisiert. Deshalb bilden sich rund um mein Handwerk ganz viele Legenden und Märchen. Vielleicht kann ich mithelfen, da etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Außerdem: Wen kann man schon sowas fragen? Nun, jetzt habt Ihr einen, der gerne antwortet, also nochmals meine Bitte: Fragt ruhig!

Wenn aktuell ein Sterbefall abzusehen ist, könnt Ihr mir jederzeit eine Mail schreiben, ich helfe dann die größten Fehler zu vermeiden,

Ansonsten: Nur eine nicht gestellte Frage ist eine dumme Frage!

Die spinnt doch, die Alte

Nein wirklich, manchmal kann ich mich schon richtig aufregen. Wie alle modernen Bestatter erstellen wir unsere Auftragsbestätigungen und Rechnungen mit einem Computerprogramm. Unsere Dienstleistungen sind abgespeichert und wir müssen nur noch anklicken, was alles gemacht wurde, fertig.

Jetzt lautet der Text zu einer Rechnungsposition:

Hygienische Versorgung
Waschen, Kämmen und Ankleiden d. Verstorbenen, sowie hygienische Versorgung.

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Leichengift

Darf man Leichen anfassen? Oder vergiftet man sich da sofort? Kann man Tote anfassen?

Das Erste was ich immer von Menschen höre, die das erste Mal mit einer Leiche konfrontiert werden, oder die das erste Mal hören, was ich beruflich so mache ist: „Iiiiiih, Leichengift!“
Das Erste, was ich meinen neuen Mitarbeitern Lehrlingen und Praktikanten immer sage ist: „Leichengift gibt es nicht!“
Es ist wirklich ein unausrottbares Märchen, dass Leichen giftig seien oder ein Leichengift ausströmen würden.
Ich zitiere im Verlaufe dieses Artikel aus dem Wikipedia-Artikel „Leichengift„.

Man kann sich selbstverständlich an Leichen infizieren, so wie man sich an jedem lebenden Menschen infizieren kann. Viele Menschen die als Verstorbene zu uns kommen, sind an Infektionskrankheiten verstorben oder uns ist nicht wirklich klar, an was sie verstorben sind. Die Todesursache „Mulitorganversagen“ oder „Herzversagen“ besagt ja zunächst nichts über die Ursachen, die diesem Finale zugrunde liegen. Insbesondere aufgrund der Tatsache, dass Bestatter häufig die Reste der Krankenhaus- und OP-Nadeln und -schläuche entfernen müssen und besonders Unfalltote auch offene Wunden haben, tragen wir immer Gummihandschuhe beim Hantieren mit Verstorbenen.

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Morgen

Anruf: „Unser Opa ist gestorben, wann können wir zu einer Beratung zu Ihnen kommen.“

Ich: „Wann würde es Ihnen denn passen, heute gegen Abend?“

Anrufer: „Nee, heute nicht mehr, morgen früh ist besser, der Opa ist ja schließlich morgen auch noch tot.“

Stimmt!

Kombi

Ich feg mich gleich unter den Kühlschrank!

„Bestattungshaus yxz, grüß Gott!“

„Ja, hier Meier, unser Vater ist tot.“

„Ja, war denn der Arzt schon da?“

„Der war schon da.“

„Gut, dann notiere ich mir jetzt Ihre Adresse und dann kommen wir vorbei, um den Verstorbenen abzuholen.“

„Das brauchen Sie nicht.“

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Polizeieinsätze

Hier ist es so, dass die Polizei ihre Toten immer durch ein festes Unternehmen abholen liess. Das hat uns und einem Kollegen nicht gefallen. Wenn also irgendwo ein Mordopfer gefunden wird oder ein Unfalltoter zu beklagen ist, kam immer Bestatter XYZ und holte den Verstorbenen ab. Logischerweise erhielt der auch in 90% der Fälle den Auftrag für die Bestattung, wo doch der Verstorbene schon bei ihm war.

Warum immer dieses eine Unternehmen genommen wurde, ist unbekannt, das war schon immer so. Böse Zungen sagen, dass der eine oder andere amtliche Bedienstete dadurch gewisse Vorteile gehabt habe, aber das kann ich nicht bestätigen, weder positiv noch negativ.

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Düdelidü

Ich hätte ja nie gedacht, dass mir mal sowas passiert… Heute nachmittag, es ist ganz ruhig in der Firma, gehe ich noch einmal zur Kontrolle durch die ganzen Räume, bevor ich nach Hause fahre. Ich schaue auch in die Kühlkammer, drei Verstorbene liegen dort. Eine Verstorbene fix und fertig eingebettet im Sarg, einer nur in Laken gewickelt auf einer Zinkwanne und ein dritter noch auf der Trage. Dieser Dritte war heute erst „reingekommen“, ist noch nicht behandelt, weil wir noch nicht wissen, was die Angehörigen für den ausgesucht haben.

Genau in diesem Moment passiert es, unter dem grauen Überzug der Trage fängt es an zu dudeln, der Tote hatte tatsächlich ein Handy in der Hosentasche. Ich habe mich lange schon nicht mehr so erschrocken.
Noch mehr hätte ich mich aber erschrocken, wenn der Tote rangegangen wäre :-)