Warum wir nicht mogeln (können)

Wenn der Deckel erst mal auf der Kiste ist, kann keine Sau mehr kontrollieren, ob wir korrekt gearbeitet haben.
Hat der Tote auch die richtige Kleidung an oder wurden die Klamotten einfach so mit in den Sarg geworfen?
Wurde er überhaupt anständig in den Sarg gelegt oder mehr oder weniger einfach hineingekippt?
Ist die bezahlte Innenausstattung mitsamt Decke auch im Sarg?
Wenn der Sarg gleich ins Krematorium kommt, wurde überhaupt der bestellte Sarg genommen oder ein billiges Schlichtmodell?

Ja, da gibt es massig Möglichkeiten zu schummeln, zu betrügen und zu tricksen. Kontrollieren kann das keiner.

Wir machen sowas aber nicht. Zum einen ist unser Geschäft seit Generationen am Markt und ein einziger ruchbar gewordener Vorfall dieser Art würde die Bemühungen der Vorväter zunichte machen. Zum anderen ist das einfach unmoralisch, ethisch verwerflich und strafbar.
Es entspricht überhaupt nicht meiner Mentalität irgendjemand bescheißen zu wollen. Wir können schon bei ganz normaler Kalkulation, selbst wenn die Leute alles ganz günstig haben wollen, immer unseren Schnitt machen; wozu sollten wir auch nur das Geringste tun, um die Leute auch noch zusätzlich zu bescheißen?

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Kein Blechschaden

Wären unsere Särge aus Blech, hätten wir heute einen riesigen Blechschaden zu beklagen…
Was ist geschehen? Unser Sarglieferant ist mit dem LKW gekommen und lieferte 60 Särge. Drei meiner Männer luden die in Windeseile ab, weil der LKW-Fahrer sehr in Eile war. Zuerst einmal alles auf den Hof. Dann sagt einer, es sähe etwas nach Regen aus und somit galt es, sich besonders zu beeilen, damit die Särge ins Trockene kommen.

Unser Sarglager ist sowieso ziemlich voll, aber die 60 Särge habe ich genommen, weil mir der Lieferant in einer „Sommeraktion“ gute Rabatte eingeräumt hatte. Also mussten die Männer umschichten. Im Lager sieht das so aus: Die teureren Särge, Särge mit besonderen Formen und Körperformsärge stehen jeweils mit Deckel aufeinander. D.h. der Deckel liegt auf seinem Unterteil und so stehen 3-4 Särge aufeinander, jeweils eine graue Transportdecke als Schutz dazwischen.

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In hellster Aufregung

Ich komme gerade von einer Beratung zurück. Mal wieder hat die Familie ohne mich gefrühstückt und mal wieder habe ich mir ein kaffeeähnliches Industrieprodukt bei McDonalds mitgenommen. In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist der gute Herr K. verstorben, in einem Krankenhaus in der Nachbarstadt.
Die Witwe und ihre etwas schnippische Tochter waren in „hellster Aufregung“ und haben schon heute Morgen um kurz nach Fünf angerufen. Es müsse sofort jemand kommen. Unser Mann am Telefon war so gnädig, einen Termin für acht Uhr zu machen und mich schlafen zu lassen.

Als ich dort ankam, waren die Damen schon höchst nervös und froh, daß endlich jemand kommt.
Ich denke mir dann immer „in der Ruhe liegt die Kraft“ und versuche die Leute etwas runterzubringen. Jetzt bin ich ja da, jetzt brauchen sie sich nicht mehr aufregen, sich um nichts mehr zu kümmern, können sich ganz ihrer Trauer widmen, nur nicht aufregen bitte.

Ja aber das könne doch nicht sein, dass der Vater nachts um zwei sterbe und der Bestatter sich erst um acht blicken lässt.
Mein Gott, der ist morgen auch noch tot, denke ich und sage aber: „Wir können da ja heute sowieso nichts machen, im Krankenhaus liegt ihr Vater doch gut und morgen früh, wenn die Verwaltung dort wieder besetzt ist, erledigen wir das mit den Papieren und erledigen die Überführung.“

Nein, sie sei in hellster Aufregung und jetzt müsse was geschehen. Nun gut, ich erkläre den beiden Damen den Ablauf und die weiteren Schritte, das sollte ihnen helfen, aus der Ungewissheit herauszukommen und etwas durchatmen zu können. Bei der Mutter wirkt es auch, sie ist beruhigt und würde am Liebsten jetzt gleich alles weitere besprechen.

Ich hole meine Mappe heraus. Auch mir wäre es sehr recht, wenn die einen Sarg heraussuchen würden und die Kleidung die der Verstorbene anziehen soll. Dann können wir Montag früh alles schon erledigen.

„Nein, Sie wollen doch nur meine helle Aufregung ausnutzen und mir jetzt einen besonders teueren Sarg aufschwatzen!“ wehrt sich die Tochter und schiebt den Katalog weg.

Ich sage, dass das nicht meine Absicht sei, es aber auf der anderen Seite die Sache durchaus erleichtern würde, wenn wir wenigstens die zwei, drei wichtigsten Fragen klären könnten, schließlich sei ich ja jetzt schon mal da.

Alles andere ist mir ja egal, das kann man dann später auch noch klären, aber den Sarg, die Klamotten und der Friedhof auf den er soll, das wüsste ich schon ganz gern. Denn ausgerechnet dieses Krankenhaus hat einen Raum, in dem wir den Toten herrichten können. Wissen wir, welchen Sarg und welche Klamotten der bekommt, können wir das gleich mit dahinnehmen und ihn dort einbetten und gleich auf den Friedhof bringen. Sagen mir die beiden jetzt nicht was und wo, dann müssen wir den Mann erst mit der Trage holen, zu uns ins Bestattungshaus fahren, ihn in die Kühlung stellen und nachher nochmals in den Sarg umbetten und erneut durch die Gegend fahren.
Das ist für uns unpraktisch und für die Angehörigen auch teurer. Das sage ich auch mal ganz vorsichtig.

„Nein, jetzt nicht!“

Sie will lieber morgen früh zu mir ins Büro kommen und sich die Särge mal in echt ankucken. Naja, das ist ja noch ein Argument, das ich gelten lasse, denn obwohl die Bilder groß und schön sind, sehen die Särge dann im Original immer etwas anders aus. Und wenn die Schnippische recht früh kommt, dann holen unsere Männer den Vater eben anschließend.

Weil, sagt die Schnippische, vorher wolle sie nämlich noch zur Verbraucherzentrale und sich beraten lassen, damit ich sie nicht übers Ohr haue.

Der Mutter wird das zunehmend peinlich, das sehe ich, doch die Tochter beendet das Ganze, vertagt sich auf morgen und ich sitze wenig später am Drive In von McDonalds und frage mich, warum die schon um kurz nach fünf bei uns angerufen haben.

Jetzt bin ich wieder zu Hause und wieder geht das Telefon. Unser Bereitschaftsmann stellt mir die Witwe/Mutter von soeben durch:
„Meine Tochter ist jetzt weg. Wissen Sie was? Ich komme heute Mittag zu Ihnen und suche alles selbst aus, meine Tochter ist da etwas schwierig, die hat mal angefangen Jura zu studieren, hat das aber abgebrochen.“

Das erklärt Vieles.

Halloween

Ist doch noch ziemlich lange bis Halloween (31.10.). Gestern hat aber die Managerin eines grossen Kinopalastes angerufen und zwei schwarze Särge bestellt. Die möchte sie für die Gruselnacht an Halloween als Deko haben.

Wir würden ja mehr verdienen, wenn wir ihr die Särge verkaufen würden, aber wie ich schon mal beschrieben habe, ist es uns zu heikel, weil wir nicht wissen, was nach der Aktion mit den Särgen passiert. Also habe ich vorgeschlagen, dass wir die Särge für die paar Tage ausleihen. Das kostet bloss den Transport und die Leihgebühr.

Leihgebühr? Was verlangt man für das Ausleihen von zwei Särgen?

Ich habe mich mit der Kino-Managerin auf jeweils 20 Kinokarten geeinigt. Mann, was war die Freude bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern groß!

In Anbetracht der Diskussion um den Gothic-Sarg, soll dies einmal zeigen, dass wir keineswegs auf stur schalten, sondern es immer eine Frage der Glaubwürdigkeit und der Sinnhaftigkeit des Gegenübers ist.

Wann sackt das Grab?

Wenn jemand verstorben und begraben in einem Sarg 2 Meter unter der Erde liegt, dann verwest er ja dort. Einmal würde mich interessieren, wie lange das dauert und wenn auch das Holz des Sarges vergammelt ist, dann sackt das Grab doch einige Zentimeter ab, oder stelle ich mir das falsch vor? Oder sackt es immer mal wieder etwas ab, dass man es gar nicht merkt?

Der Leichnam verwest. Das bedeutet, dass vor allem die fleischlichen Anteile des Körpers vergehen. Übrig bleiben die Knochen. Für Erdbestattungen wählt man festere Särge als für Feuerbestattungen. Damit ist der Gedanke verbunden, daß zuerst der Leichnam vergehen soll, bevor das Holz des Sarges zu faulen beginnt und schließlich der Sarg zusammenfällt.

Wie lange dauert es? Es hängt wesentlich von der Bodenbeschaffenheit und der Belüftung des Grabes ab. In manchen Regionen ist der Leichnam nach wenigen Jahren vergangen (8-12 Jahre) in anderen Regionen sind Ruhezeiten von bis zu 40 Jahren notwendig. Im ungünstigsten Fall kommt es zur Mumifizierung oder zur Bildung von Wachsleichen.

Wie schnell ein Sarg zusammenfällt hängt ebenfalls von den Bodenverhältnissen, aber auch vom verwendeten Holz ab. Harte Eiche und sehr stark harzhaltige Nadelhölzer halten länger als harzfreie Weichhölzer.

Nach der Beisetzung wird das Grab von Friedhofsmitarbeitern aufgefüllt und es wird ein Sarghügel angelegt. Dieser Hügel wird in Verlaufe weniger Wochen komplett nachsacken, weil sich das aufgefüllte Erdreich setzt. Oftmals entsteht jetzt schon eine Kuhle, die mit zusätzlicher Erde aufgefüllt werden muss. Ein weiteres Mal beginnt die Erde zu sacken, wenn Regen und Frost wirken und wenn die Erde zwischen die Füße des Sarges unter den Sarg rutscht.
Manchmal entstehen auch Risse im Sarg, sodass Erdreich in diesen eindringt, was abermals zu einem Absacken des Grabes führt.
Nach Jahren wird der Sargdeckel einbrechen und dann wird es relativ schlagartig zu einer Grubenbildung an der Oberfläche kommen.

Auch nach Ablauf der Ruhezeit, selbst wenn nach weiteren Jahren dieser Abschnitt neu mit Gräbern belegt wird, finden sich im Erdreich noch Knochen, Reste vom Sarg und oft auch von der Bekleidung und Sargausstattung. Entweder belässt man diese dort oder vergräbt sie an anderer Stelle des Friedhofs.

Mit dem ersten Einsacken des Grabes ist nach einigen Monaten zu rechnen. Hier ist dann die Erde nachgesackt, aber der Sarg noch nicht geborsten.
Nach einem bis drei Jahren kann das Holz nachgeben und ein weiteres Einsacken beobachtet werden.
Kommt es dann nach vielen Jahren zu einer massiven Grubenbildung, kann man davon ausgehen, daß der Sarg komplett zusammengebrochen ist. Dann ist aber der Leichnam auch schon vergangen und es sind allenfalls noch Knochen vorhanden.

Schneewittchen einst im Sarge lag

Etwas länger ist die folgende Geschichte, aber es ist ja Wochenende :-)

Lange graue Haare hat er, obwohl er erst um die dreißig Jahre alt ist. Ein bißchen komisch sieht er schon aus, mit seinen roten Turnschuhen und der grünen Hose. Ständig fährt er mit einer Hand durch die Haare, die ihm in die Stirn fallen, mit der anderen Hand nestelt er immer in der selbstgestrickten Umhängetasche herum, die an seiner rechten Seite hängt. Der Gurt dieser Tasche läuft quer über seine Brust.

„Diesen hier nehmen wir!“, ruft er aus, freut sich sichtlich und entblößt eine Reihe gelber Pferdezähne und lacht meckernd. Dabei deutet er auf einen unserer Särge. Deshalb ist er nämlich gekommen; seine Mutter ist verstorben und zwar in einem Altersheim im Siegerland, wo sie die letzten beiden Jahre lebte, ganz in der Nähe ihrer Tochter, also seiner Schwester. Und genau diese Schwester, eine Frau Doktor Hildegard Rabenacker-Sommerloch hatte bei mir angerufen. Wir möchten doch bitte einen Fahrer losschicken, die Verstorbene aus dem Siegerland hierher überführen, es käme ihr Bruder bald vorbei, der einen Sarg aussuchen würde und in genau diesem Sarg müsse die Mutter geholt werden.

Nun hat er also einen Sarg ausgewählt, die größte Truhe, die wir haben, das Modell Kennedy, ein amerikanischer Klappsarg. Die Dinger heißen Klappsärge, nicht weil man sie zusammenklappen kann, wie ein Klappfahrrad, sondern weil der zweigeteilte Deckel bei der offenen Aufbahrung am oberen Teil aufgeklappt werden kann. Überhaupt sind diese amerikanischen Särge von besonderem Luxus geprägt. Das Öffnen und Schließen des Deckels geschieht nicht profan durch manuelles Klappen, sondern es gibt kleine Kurbeln, die man einstecken kann und mit denen der Deckel sanft gleitend zugekurbelt werden kann. Mit dieser Kurbel kann man auch den Rahmen auf dem dem der Verstorbene liegt, hinauf und hinunter kurbeln. Bei der Aufbahrung hebt man ihn am oberen Ende etwas an, dann liegt er schöner da.
3000 Euro soll der kosten und das ist für einen solchen Ami-Sarg ein wahres Schnäppchen.

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Sozialbestattungen

Ich habe vor Kurzem einen Bericht im TV gesehen, wo es um Anonyme Sozialbestattungen ging. Da hieß es, die Bestatter bekamen früher ihr Geld sofort, im Zeiten von Harz 4 müßen sie aber heute bis zu einem Jaahr auf ihr Geld warten. Einige Bestatter hätten bereits soviel Außenstände, dass sie schon in finanzielle Probleme geraten. Nun meine Frage: Müßt ihr die Bestattung durchführen (Zwangsverpflichtung) oder habt ihr die Möglichkeit dieses abzulehnen. Es kann ja nicht angehen, das der Mittelstand die Armutsbekennungen der Behörden auffangen muß. Mir ist schon klar, dass irgend ein dubioser Unternehmer auf den Zug aufspringen kann und dies trotzdem macht. ODer gibt es so etwas wie einen Interessenverband der Bestatter, der so etwas unterbindet?

Das sind mehrere Fragen auf einmal, die ich einzeln beantworten möchte:

1. Gibt es einen Interessenverband der Bestatter?
Ja, es gibt einen Bestatterverband, eigentlich sogar mehrere. Wie immer, wenn es solche Verbände gibt, reklamieren gerne alle für sich, die Stellvertreter Gottes auf Erden zu sein. Der eine Verband wird nicht müde, zu behaupten nur seine Mitglieder seien seriös und ein anderer Verband ist in den Augen vieler nichts anderes als der Zusammenschluss der Bestattungshäuser einer bestimmten Firmenkette. Ein weiterer Verband, der einmal als Licht am Horizont des ganzen Filzes schien, ist wegen der dubiosen Machenschaften seines Vorsitzenden inzwischen in der Bedeutungslosigkeit versunken.
Wir gehören keinem dieser Verbände an, weil man das weder muss, noch einem das, unserer Meinung nach, in irgendeiner Weise nutzt.

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Spass bei der Arbeit – Bestatter lacht sich tot

Da fragt mich jemand:

Super Blog! Gab es eigentlich auch mal einen richtig lustigen Moment während deiner Tätigkeit als Bestatter?

Es gibt tagtäglich etwas zu lachen und hier bei uns im Hause heisst es anerkanntermaßen, dass es keinen Beruf gibt, der soviel Spaß bereitet und Grund zum Lachen bietet, wie unser Beruf.
Oberstes Gebot ist allerdings, daß wir die Würde der Verstorbenen und die Trauer der Angehörigen achten und respektieren.
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Ein Bestattungshelfer, der sich beispielsweise einmal über den kleinen „Schniedel“ eines Verstorbenen in meinem Beisein lustig machte, brauchte am nächsten Tag gar nicht wiederkommen.

Wir müssen im Kopf immer fein säuberlich trennen, wann es sich um einen Sterbefall handelt, der in irgendeinem aktuellen Bezug steht oder ob der Sterbefall jetzt in einem anderen Kontext erwähnt wird. Niemals würden wir uns auf die Kosten des Toten belustigen oder auf Kosten der Kunden lustig machen.
Aber selbstverständlich bleiben auch uns besondere Vorkommnisse in Erinnerung und wir amüsieren uns oft noch Jahre später über bestimmte Vorfälle.

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