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Pietätwaren

Was sind eigentlich Pietätwaren? Ich lese diesen Begriff immer wieder in Deinem Weblog.

Pietätwaren sind Bestatterartikel. Es sind die Gegenstände, die Bestatter an ihre Kunden weiterverkaufen und die sie für ihre Arbeit im Bestattungsinstitut benötigen. Klassischerweise gibt es Sarglieferanten und Pietätwarenlieferanten. Während erstere vorwiegend Särge und Sargzubehör liefern, liefern die Pietätwarengroßhändler den ganzen Rest. Oftmals haben aber auch die Sarghändler etliche Pietätwaren im Angebot, wie auch die Pietätwarenhändler meistens einige Sargmodelle anbieten.

Zu den Pietätwaren gehören u.a. folgende Artikel:

Sargzubehör:
Griffe
Schrauben
Sargmatratzen
Innenausstattung
Füll- und Schüttmaterial
Stoffe, Litzen, Bänder

Urnen:
Standardurnen
Designerurnen
Spezialurnen
Aschenkapseln
Beisetzungshilfen

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Farblehre

Gestern am Nachmittag sagte eine Kundin zu mir: „Die Rosen sollen bitte in poprot sein, ja!?“

Poprot? Wie bitte sieht poprot aus? Ist das ein knalliges Rot oder was?
Mit schon fast an Entrüstung grenzender Überraschtheit reagierte sie auf meine Frage, was denn poprot ist. Sie beschrieb es mir dann, so wie man vielleicht einem Blinden Farben beschreibt; ich hatte keine Ahnung, was sie meinte. Deshalb riet ich ihr, doch am besten mal eben selbst zum Gärtner zu gehen, das sind nur ein paar Meter, und sich dort ein paar poprote Blumen auszusuchen, damit bei der Farbwahl ja nichts schiefgeht.

Vor Jahren habe ich mal auf der Innenseite einer Schranktür in meinem Büro eine Liste hängen gehabt, auf der ich solche etwas absonderlichen Farbwünsche für Blumen, Särge und sonstige Pietätwaren notiert habe. In einem Ordner habe ich diese vor ein paar Tagen wiedergefunden:

Altschneeweiß
Herbschwarz
Bittermandelbraun
Zartblasshellrosa
Mediumschwarz
Schnepfengrün
Lufthansablau
Paprikaschotig
Schottenfarbig
Moschusgelb
blaurotlila
Spreckelgrau
Spargelhell

Immerhin kann man bei solchen Farbangaben ja noch nachfragen, was die Leute jetzt genau meinen. Schwieriger wird das schon, wenn sie sagen: „Bei Musikantenstadl stehen manchmal vorne so Blumen, diese Farbe meine ich.“

Wir machen ja immer irgendwie alles möglich, aber manchmal ist es schon einfacher, wenn die Kunden auf unser bewährtes Angebot: „Blumen der Jahreszeit nach Wahl des Gärtners“ zurückgreifen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Der Gärtner nimmt das, was an diesem Tag besonders günstig ist, man bekommt immer recht viel für sein Geld und man kann nicht unangenehm überrascht sein, weil man keine gefestigten Vorstellungen hat.

Je komplizierter und detaillierter der Blumen- und Farbwunsch der Angehörigen ist, umso schwieriger und kostspieliger kann die Umsetzung werden.
Im Zweifelsfall ist es dann besser, direkt zum Gärtner zu gehen und aus dem vorhandenen Angebot etwas auszuwählen

Weltrekord

Das war rekordverdächtig! Um 8 Uhr rauschte heute Morgen ein älterer Herr in unser Büro, um einen Sterbefall anzumelden.
Unter dem Arm trug er einen sogenannten Vorsorgeordner, in dem er und seine Frau alles akribisch festgelegt hatten, ohne vorher jemals bei einem Bestatter gewesen zu sein.

Sogar die Grabstelle hatten sich die beiden schon ausgesucht und insgesamt gab es für mich nichts weiter zu tun, als die Dinge von deren Liste abzuschreiben, in unser Formular zu übertragen und ihm zu zeigen, wie unsere „mittleren Särge“ aussehen.
Er unterschrieb nach 12 Minuten die Vollmacht und konnte wieder gehen.

Alles, aber wirklich auch alles ist bereits festgelegt und er braucht nun nur noch seine Liste abzuarbeiten. Zum Gärtner und zum Pfarrer geht er jetzt noch selbst.

Nicht, daß mir etwas daran gelegen wäre, daß es so schnell geht. Aber ich finde es durchaus gut und richtig, wenn die Menschen sich beizeiten schon mal über das Thema unterhalten. Man muß ja nicht alles so exakt festlegen wie diese Leute, aber doch wenigstens mal sagen, ob man lieber verbrannt werden will oder nicht.

Ich höre es ja jeden Tag, daß vor allem die Witwen sagen, ihr Mann habe immer gesagt: ‚Wenn ich mal tot bin, steckt mich in eine Apfelsinenkiste und verscharrt mich irgendwo!‘
Oder: ‚Gebt bloß kein Geld aus! Alles ganz einfach, am Besten im Wald verscharren!‘

Ja und dann ist er tot und die arme Frau sitzt mit diesen mehr oder weniger unerfüllbaren Wünschen bei uns und muß nun gucken, was sie mit ihrem „lieben Franz“ macht.

Kaum einer spricht gerne über den Tod und deshalb wird das oft gänzlich vermieden oder nur mit gespieltem Scherz gesagt oder zur Erleichterung bewusst übertrieben oder gar veralbernd besprochen. („Schmeißt mich einfach in den Rhein!“)

Wir erleben das jeden Tag, daß die Witwe keine Ahnung hat, ob beispielsweise eine Einäscherung gewünscht wurde. Vorsichtshalber entscheidet sie sich für eine Erdbestattung aber dann kommt später eine Tochter oder ein Sohn und behauptet, der Vater habe immer verbrannt werden wollen. Oft haben wir den Eindruck, daß es sich hierbei eher um einen kostenbedingten Sinneswandel handelt. Die Witwe ändert dann den Auftrag, bleibt aber unsicher, ob sie das Richtige getan hat.

Ich rate ja immer, eine Bestattungsvorsorge abzuschließen, aber wenn man das nicht möchte, sollte man wenigstens bei passender Gelegenheit mal über die wichtigsten Dinge sprechen: Organentnahme, Art der Bestattung.

Wir lassen uns das Singen nicht verbieten

Da kommt ein schwuler, alleinerziehender Neger, der mal Muselman war, aber zum jüdischen Glauben konvertiert ist und der offensichtlich ein Transsexueller ist und nicht lesen und schreiben kann, arbeitslos und Hartz IV-Empfänger ist, behindert ist und der in der Waffen-SS war in meinen Laden…

Ich hoffe das hat genug Haken und Ösen, damit man sich daran hochziehen kann.

Trauerflor

Wir haben ja alles Mögliche, was es so an Pietätwaren gibt. Dazu gehört auch eine Rolle mit Trauerflor. Das ist so ein schwarzes, gardinenartiges Gewebe und wir schneiden von der Rolle etwa 30 cm lange Stücke ab, wenn die Kunden das wünschen. Die kann kann man dann an die Antennen der Autos binden, um seine Zugehörigkeit zu einer Trauergemeinde zu bekunden. Manchmal machen wir damit auch Schleifen um Urnen usw.

Heute kam aber ein Mann in unser Büro und wollte einen Trauerflor für den Anzug. Ich wußte sofort, was er meinte: So eine schwarze Armbinde, die man sich an den Arm macht, um seine Trauer zu zeigen. Solche Armbinden trug man vorwiegend in den 20er bis 40er Jahren und auch noch kurz nach dem Krieg. Sie haben den Zweck, ganz normaler Ausgehkleidung einen gewissen Trauer-Touch zu verleihen und viele Menschen trugen diese Armbinden auch noch Monate nach dem Todesfall, sie gingen eben „in Trauer“.

Seitdem ich aber in der Branche bin, und das sind jetzt auch schon deutlich mehr als 20 Jahre, habe ich solche Armbinden nicht mehr gesehen, sie sind wohl -zumindest hier- völlig aus der Mode gekommen.

Der Mann heute wollte aber gleich zehn Stück davon, für sich und für seine Kameraden. Leider konnten wir ihm das Gewünschte nicht verkaufen, da wir solche Armbinden nicht haben. Jemand bot ihm an, Streifen vom Trauerflor von der Rolle zu schneiden und siehe da: der Mann war begeistert! Wir schnitten ihm zehn passende Stücke ab und er ließ sich eins davon gleich mit einer pompösen Schleife an den Oberarm binden.
Ich finde ja, das sieht ziemlich schwul aus, aber bitte: Der Kunde ist König.

Für die Rollenware habe ich auch keine eine Bezahlung verlangt.

Vorwiegend überwiegend

An manchen Tagen keimt in mir ein Groll auf, das kann ich keinem beschreiben.
Eine Kundin weiß kurz vor der Trauerfeier ihres Mannes nichts Besseres zu tun, als das Gesteck auf dem Sargdeckel einer Inspektion zu unterziehen. „Nelken! Ich wollte keine Nelken!“ ruft sie und zupft eine Nelke nach der anderen aus dem Bukett. „Das Grün ist auch nicht schön!“, und schon liegt das Grün ebenfalls am Boden.

Sandy, unsere Mitarbeiterin vor Ort, schaut ins „Drehbuch“ und dort steht klipp und klar: „Sarggesteck: Blumen nach Wahl des Gärtners (vorwiegend Nelken)“
Sie geht zu der Frau und zeigt ihr das. Da bekommt sie zur Antwort: „Ja meinen Sie, ich wüßte nicht daß ich das bestellt habe?“

„Warum reißen Sie dann die Nelken heraus?“

„Ich habe doch gesagt: ‚vorwiegend Nelken‘ und ‚vorwiegend‘ heißt ja wohl, daß ich ausdrücklich keine will.“

„Vorwiegend heißt für uns normalerweise, daß sie ausdrücklich extra viel Nelken wollen.“

„Nein, was Sie meinen das ist ‚überwiegend‘. Wenn man ‚vorwiegend‘ sagt, meint man gar keine bis ganz wenige.“

Naja, man lernt ja nie aus, oder?

Der Friedhofsgärtner von nebenan ist in die Bresche gesprungen und hat das gerupfte Sarggesteck mit Rosen aufgefüllt, dann war die ehemals Aufgebrachte wieder ganz handzahm.

Gegenüber 2

Mal so zur Sachlage, weil einige meinen, das könne gefährlich für uns werden.
Ich schätze die Situation so ein, daß die ganz sicher auch ein Geschäft machen werden, aber nicht mit unsere Kunden. Ein Teil der Kunden, die sowieso zu Pietät Eichenlaub gegangen wären, werden eben jetzt diese neue Filiale aufsuchen. Möglicherweise gräbt uns diese Filiale aber auch, eher durch Zufall, den einen oder anderen Kunden ab, aber nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit werden demnach auch einige Eichenlaub-Kunden bei uns reingehen.

Über den Preis können uns die Eichenlaubs sowieso nicht kriegen, denn wir sind in allen Belangen deutlich günstiger als die und haben dafür auch noch mehr zu bieten.
Ich habe keine Angst, daß die mir Geschäfte wegschnappen, aber ich fürchte, daß das Niveau sinkt. Wenn die jetzt mit schreierischer Reklame und bunter Werbung anfangen sollten, wirft das eher ein schlechtes Licht auf die ganze Branche.
Aber das ist normalerweise nicht die Art der Eichenlaubs. Die scheuen eher die Konfrontation und nehmen den Weg hintenherum.
Daß die mir jetzt so auf die Pelle rücken ist allerdings schon als Angriff zu verstehen.

Wir sind länger am Markt als die.
Wir sind günstiger als Eichenlaub.
Wir bieten mehr als Eichenlaub und
wir sind größer als Eichenlaub.

Hier in der Stadt ist Eichenlaub der Platzhirsch und liegt vor uns, aber mit unseren Außenfilialen decken wir ein so großes Gebiet ab, daß wir unterm Strich, was die Anzahl der Sterbefälle anbetrifft, weit vor denen liegen. Somit haben wir einen langen Atem.

Vor Jahren hatten wir es schon einmal mit so einer Knalltüte zu tun, der quasi um die Ecke ein Bestattungshaus aufgemacht hat. Das war so ein dubioser Heini, dem muss ich gelegentlich mal eine eigene Geschichte widmen.
Der ist aber auch wieder verschwunden.

-Wird fortgesetzt-

Weg damit!

Es ist 11.15 Uhr und wir sind mit einer Trauerfamilie auf dem Friedhof. Die Trauerfeier verläuft ohne Zwischenfälle, der Sarg wird zum Grab geschoben und abgelassen und der Pfarrer sagt seinen Spruch auf. Danach tritt der Witwer ans Grab, nimmt die kleine Schaufel, um etwas Sand ins Grab zu werfen und schmeißt mit einem kräftigen Schwung die Schaufel ins Grab!

Es poltert und am Grab herrscht Totenstille. Die Sargträger sind schon weg, die bleiben nie lange und der Weg zum Haupthaus ist weit. Was tun?

Unser Herr Janzer ist dann zum Grab gegangen, hat einen Fuß hinten auf die Innenverschalung im Grab gestellt, sich vorgehangelt und die Schaufel wieder herausgeholt.

Vielleicht sollten wir die Schaufel anbinden, so wie die Kugelschreiber auf der Post.