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Auch Rocker können weinen

Der Boden hat regelrecht vibriert, als die Motorräder sich dem Friedhof näherten. Ein Landwirt hatte einen Acker in der Nähe mit Stroh bestreut und dort konnten die Mitglieder der div. Motorradclubs ihre Maschinen abstellen. Schön weit voneinander getrennt die Anhänger der „3-Zimmer-Küche-Bad“-Goldwings und die Harley-Fahrer.

Insgesamt hatte man eher den Eindruck, die Leute kommen zu einem Biker-Treffen als zu einer Beerdigung. Aber warum sollte das bei denen anders sein, als bei normalen Familien auch, wo die Trauer des Anlasses oft durch die Wiedersehenfreude unter entfernt wohnenden Verwandten überdeckt wird.

Zur vorgesehenen Stunde gab meine Mitarbeiterin, die die Gesamtkoordination inne hatte, über das Funkgerät das Kommando und während auf dem Friedhof die Totenglocke geläutet wurde, startete unser Bestattungswagen etwa 300 Meter entfernt in einer Seitenstraße seine Fahrt. Die Sichtblenden waren entfernt, sodaß man einen ungehinderten Blick auf den Sarg mit den Blumen werfen konnte.

Langsam näherte sich das Fahrzeug und als es sichtbar wurde, verstummte auch jegliches Palaver. In einer stummen Prozession schlossen sich nach und nach über 300 Biker und Bikerinnen dem Bestattungsauto an, angeführt vom Pfarrer, der Familie und den engsten Freunden des Verstorbenen. Einige Bikergruppen trugen Kränze, Blumengestecke in Herz- und Kreuzform und eine Abordnung trug eine etwas zerfetzte Jeansjacke wie eine Reliquie. Es war die Kutte des Verstorbenen mit den Colors, wie man mir erklärte, also dem Abzeichen und den Farben seines Clubs.

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Einbalsamierung – Embalming

In meinem Weblog ist bereits mehrfach vom Einbalsamieren eines Verstorbenen die Rede gewesen und ich habe an den Reaktionen gemerkt, dass hierüber sehr viel Unklarheit und Unwissen herrscht. Das wundert niemanden, denn diese Technik gilt bei vielen als ausgestorben, weil sie da in erster Linie an Mumien denken und die moderne Einbalsamierungstechnik ist bei uns in Deutschland weitestgehend unbekannt.

In diesem Zusammenhang hier möchte ich einen Einblick in die Einbalsamierungstechniken geben, wie sie im westlichen Kulturkreis, vornehmlich aber in den Vereinigten Staaten von Amerika eine zunehmende Rolle spielt.

Sinn der Einbalsamierung
Einbalsamierungen wurden und werden aus den unterschiedlichsten Gründen durchgeführt. In früheren Zeiten standen kultische oder religiöse Gründe im Vordergrund, etwa weil man glaubte, der Verstorbene müsse möglichst intakt auf die lange Reise in eine andere Welt gehen, um es einfach zu sagen.
Heute haben Einbalsamierungen einen praktischen Sinn, nämlich einen Verstorbenen so zu behandeln, dass der Verwesungsprozess weitestgehend aufgehalten, zumindest aber deutlich verlangsamt wird. Internationale Bestimmungen beispielsweise machen es erforderlich, daß Verstorbene, die ins Ausland überführt werden oft einbalsamiert sein müssen. Dabei steht das optische Ergebnis deutlich im Hintergrund. Anders ist das bei amerikanischen Bestattern. Sie erwecken seit Generationen den Eindruck, man könne einen Verstorbenen nicht mehr offen aufbahren, wenn er nicht vorher entsprechend behandelt wurde. Es wird den Angehörigen gesagt, für eine Aufbahrung oder Trauerfeier am offenen Sarg, wie sie in Amerika durchaus üblich ist, sei eine Einbalsamierung zwingend notwendig. Als Alternative bieten die Bestatter dort allenfalls noch die unverzügliche Einäscherung an.
Dies ist in der amerikanischen Geschichte begründet.

Geschichte der Einbalsamierung in den USA
In den großen Kriegen innerhalb der USA war eine Vielzahl von Toten zu beklagen, die über Tausende von Meilen in die Heimat transportiert wurden. Teils per Kutsche, oft per Bahn gingen die einfachen Körperformsärge auf die tage- und wochenlange Reise. Was schließlich in den Heimatorten ankam, waren oftmals durch den Transport und das mehrmalige Um- und Verladen stark ramponierte Särge mit stinkenden, weit in Verwesung befindlichen Kadavern. An einigen Verladestationen weigerte sich oftmals auch das Bahnpersonal, die oft nach Hunderten zählenden Särge umzuladen, weil aus vielen Flüssigkeiten austraten und der Gestank unerträglich war.
Militär- und Landärzte waren es, die zuerst mit einfachen Einbalsamierungen begannen. Durch die Entleerung der hohlen Körperorgane und das anschließende Befüllen derselben mit konservierenden und wohlriechenden Substanzen konnte die Situation für alle Beteiligten entscheidend verbessert werden.
Im Verlaufe der Zeit wurden zunächst mechanische, später elektromechanische Geräte entwickelt, die entsprechend geschultem Personal erlaubten, auch die Körperflüssigkeiten durch Konservierungsstoffe unterschiedlicher Zusammensetzung und Konzentration zu ersetzen.
Hier ist die Grundlage für die Tatsache zu finden, daß die Einbalsamierung in den Vereinigten Staaten für nahezu alle Verstorbenen, die mehr als einen oder zwei Tage über der Erde bleiben sollen, zum Standard wurde.

Unterschied zu Deutschland
In Deutschland ist das anders. Zum einen herrschen bei uns vielfach andere klimatische Verhältnisse und zum anderen hat sich die Bestattungskultur bei uns anders entwickelt. Legt man in den USA großen Wert darauf, daß Verstorbene, selbst nach schwersten Krankheiten und Verstümmelungen, im Sarg liegen und aussehen wie zu ihren besten Zeiten, nimmt man in Deutschland doch eher hin, daß Verstorbene schlicht und ergreifend einfach tot aussehen. Mit anderen Worten: In den USA werden die Toten hergerichtet wie Filmschauspieler und sehen aus wie das blühende Leben und in Deutschland vermittelt man lediglich den Eindruck, dieser Mensch schlafe oder liege friedlich da.
Außerdem ist es ganz einfach so, daß hier bei uns eher hingenommen wird, dass sich ein Leichnam verändert, anders riecht und aussieht, sich anders anfasst usw., während man in den USA über die gesamte Zeit der offenen Aufbahrung ein absolut intaktes und gleichbleibendes, äußerst positives Erscheinungsbild beansprucht.

Die typischen Zeichen des Todes und die damit einhergehenden Veränderungen, sowie die Entwicklung von Gerüchen usw. gehören nach dem allgemeinen Vorstellungsbild in unseren Gefilden zum Tod dazu, wären aber in den USA als unerwünscht einzustufen. Würde man eine nach deutschen Vorstellungen hervorragend hergerichtete Leiche einer amerikanischen Trauergesellschaft präsentieren, wäre das Entsetzen vermutlich riesengroß.

Hinzu kommt, dass in den USA nicht nur eine Aufbahrung in einer engen Friedhofszelle oder gar hinter Glas üblich ist, sondern die Abschiednahme am offenen Sarg erfolgt und zwar oft in einer Art und Weise, die das sehr nahe Herantreten der Trauergäste und das Berühren des Verstorbenen beinhaltet. Selbst die Ansprache des Pfarrers und der übrigen Redner erfolgt vor dem geöffneten Sarg und für Amerikaner wäre es geradezu unvorstellbar, daß es hierbei auch nur zu der geringsten Geruchsentwicklung kommen könnte.

Auch gibt es in den USA nicht die bei uns geltenden Regeln, daß Verstorbene zügig bestattet werden sollen/müssen. Von der Überführung des Verstorbenen in die Räume eines Bestattungsinstitutes bis zur eigentlichen Beisetzung vergehen oftmals bis zu 14 Tage, und während dieser Zeit ist in den Aufbahrungsräumen des „Funeral Homes“ eine beinahe durchgängige „Besuchbarkeit“ des Verstorbenen gegeben.

Diese unterschiedlichen Bedingungen und Erwartungshaltungen, aber auch die hierzulande nicht verstummende Kritik an den hier ebenfalls zunehmenden Einbalsamierungen, führen dazu, daß das Einbalsamieren bei uns noch weitestgehend in den Kinderschuhen steckt.

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Gleich kommt es

Ich bin nicht faul und ich habe meine Leser nicht vergessen.

Aufgrund der vielen Nachfragen arbeite ich gerade immer mal zwischendurch an einem sehr umfangreichen Artikel über die Einbalsamierung, den ich Euch heute noch, perfekt zum Wochenende- präsentieren werde.

Auch die Biker-Beerdigung kommt noch.

Also Geduld bitte :-)

Für heute…

…habe ich die Nase voll. Lauter so Kleinkram hat mich den ganzen Tag auf Trab gehalten. Da kam noch urplötzlich ein Sarglieferant, der eigentlich erst morgen kommen wollte und wir konnten das ganze Lager umräumen, um Platz zu schaffen. Dann musste noch ein Verstorbener eingelötet werden und natürlich sind uns zwei Lötkolben „abgekackt“ und ich konnte los, einen neuen besorgen. Außerdem waren die Knollenanker alle und ich konnte auch noch beim Sarghändler anrufen und für morgen welche nachbestellen.

In der Filiale 2 sind heute die Maler eingerückt:

wasserschaden5.jpg

Da ein paar Särge, die der Lieferant gebracht hat, auch für diese Filiale sind, konnten wir einen Teil der Särge aus der dazugehörigen Lagergarage wieder in den Showroom räumen und sie jetzt mit Folie vor dem Maler schützen.

Eine Frau tauchte auf und verwickelte mich in einen halbstündigen Streit darüber, ob die Blumen auf dem Sarg ihres Mannes am letzten Freitag eher lachsfarben oder zartblassrosabispink waren. Ich sage: „Ja aber Sie haben die Blumen doch selbst ausgesucht.“

Sie sagt: „Aber Sie hätten mir sagen müssen, dass in der Friedhofskapelle blaue Fenster sind, da kommen die Farben ja ganz anders heraus.“

Ja ja…
Ich weiß schon was kommt!

„…und deshalb werden wir jetzt Ihre Rechnung nicht bezahlen. Wir haben uns ja so über die Blumen aufgeregt, daß uns die ganze Trauerfeier nicht gefallen hat. Mein Sohn hat gesagt, daß wir da einen seelischen Schmerz hatten und deshalb Schmerzensgeld bekommen und deshalb zahlen wir Ihre Rechnung nicht.“

Klar, vorher auf den Putz hauen: ‚Für meinen Mann ist das Beste gerade gut genug!‘ und dann hinterher nach einem Vorwand suchen, um nicht bezahlen zu müssen.

Hey Leute, nicht sauer sein, die Biker-Story habe ich fast fertig, aber jetzt haue ich mir zwei, drei Bierchen unter die Mütze, gucke noch 2 Folgen von „Six Feet Under“ und hau mich dann in die Falle. Bin schon seit 5 Uhr auf.

Marias Beerdigung und Betreuung von Trauerfeiern

Gestern hatten wir die beiden größeren Bestattungen von Maria und dem Biker.
Bei Maria spielten sich herzergreifende Szenen am Grab ab, dieser letzte Schritt, die endgültige Abschiednahme durch das Absenken des Sarges in das Grab hat es in sich.
Mit etwas Verspätung trafen die Autos der Familie ein und wie gewünscht zog der Pfarrer mit der Trauergemeinde direkt vom Tor zum Grab, wo der mit weißen Rosen geschmückte kleine weiße Sarg schon über dem Grab stand. Der Pfarrer hat sich sehr kurz gefasst und schon nach wenigen Minuten den Friedhofsmitabeitern das Signal gegeben, daß sie den Sarg ablassen können. Anschließend hat jeder ein Schäufelchen Sand ins Grab geworfen und die etwa 45 Trauergäste sind zu Marias Eltern in die Wohnung gefahren. Keine Ahnung, wie die das dort bewerkstelligt haben, so groß ist die Wohnung nämlich nicht.
Ich bin froh, daß Maria nun ihre letzte Ruhe gefunden hat, die Situation ist auch für uns sehr beklemmend. Soviel ich weiß, will der Vater von Maria mit seiner Frau nun für drei Wochen nach Italien fahren, um etwas Abstand zu gewinnen; sicherlich keine schlechte Idee.

Bevor ich jetzt zur Biker-Beerdigung komme, möchte ich die Frage beantworten, wieviele Mitarbeiter von uns bei einer Beerdigung dabei sind und was so etwas kostet. Ich gebe es zu, wenn es eine 08/15-Bestattung ist, also altes Mütterchen, eine in Beerdigungen geübte ältere Trauergemeinde und eine uns bekannte Mannschaft an Friedhofsmitarbeitern, dann muss von uns keiner mit zum Friedhof. Ab dem Moment, in dem wir den Verstorbenen in die Aufbahrungszelle des Friedhofes stellen, ist unsere Arbeit nämlich im Grunde erledigt. Und das hat nichts damit zu tun, daß wir weiter nichts mehr machen wollen, sondern wir dürfen es nicht.
Die Friedhofsordnungen der meisten Gemeinden schreiben nämlich vor, daß jegliche gewerbliche Tätigkeit auf den Friedhöfen untersagt ist. Gärtner und Steinmetze können aber nicht anders, sie müssen dort gewerblich tätig sein und dafür kassieren die Gemeinden vielfach Konzessionsgebühren, die auch schon mal an die 3.000 Euro pro Jahr heranreichen.
Alles was mit der Totenbesorgung zu tun hat, ist von dieser Regelung meistens ausgenommen, d.h. die Aufbahrung, evtl. notwendige Nacharbeiten usw. können wir durchaus durchführen, aber alles andere wird oft mit Argusaugen überwacht. Wir haben Friedhöfe, da sind wir die einzigen großen Zeremonienmeister und können uns frei entfalten; auf anderen Friedhöfen ist es uns schon untersagt, einen Mitarbeiter an das Kondolenzpult zu stellen. Bei der einen Gemeinde können wir bei größeren Beerdigungen umfangreich bestuhlen und bei schlechtem Wetter Baldachine und Schirme aufstellen, bei einer anderen Gemeinde wurde es uns schon verboten, für die gehbehinderte Witwe einen simplen Klappstuhl am Grab aufzustellen.

Die allermeisten Beerdigungen laufen ja nach einem doch recht eingeübten und vorgegebenen Schema ab. Da reicht es, wenn einer von uns mal eben hinfährt, kurz vor dem Beginn der Trauerfeier nach dem Rechten schaut und gut ist es. Dafür berechnen wir auch nichts.
Ist jedoch eine größere oder kompliziertere Trauerfeier zu erwarten, ist während der gesamten Zeit jemand von uns anwesend, bleibt vom Anfang bis zum Ende, überwacht alles, kümmert sich um die Trauergäste und sorgt dafür, daß alles reibungslos abläuft. Auch das kostet nichts.
Sowieso ist ja immer jemand anwesend, wenn die Familien das Auslegen eines Kondolenzbuches bestellt haben.

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Kreisgrenze

Mit etwa 50 Sachen muss er gegen den Baum gefahren sein, war wohl sofort tot, aber trotzdem haben die Retter ihn aus dem Autowrack herausgeschnitten und nebenan auf eine Wiese gelegt, wo sich noch der Notarzt um ihn bemüht hat. Als ich zur Unfallstelle komme, sehe ich, dass das Dach des Mercedes durch die schweren hydraulischen Scheren der Feuerwehr abgetrennt worden ist, der Verstorbene liegt unter einem weißen Tuch, überall sind benutzte Latexhandschuhe verstreut. Ich hebe das Tuch ein bißchen, schön sieht er nicht aus, vielleicht 75 Jahre alt, ziemlich korpulent, nun denn.

Schmidt fährt den Bestattungswagen rückwärts heran, öffnet die Klappe und zieht die Fahrtrage heraus. Ich suche nach einem Beamten, der mir die Papiere für die Überführung geben kann und bekomme sie. Das ging ja problemlos, denke ich.

Die Fahrtrage wird auf Bodenniveau abgesenkt und wir wollen den Mann gerade aufladen, da sagt einer der Feuerwehrmänner, die mit dem Wegpacken ihrer Gerätschaften beschäftigt sind: „Wo liegt der denn? In A-Stadt oder in B-Stadt?“

Ich sage: „Wieso?“

„Na guck doch mal genau, da vorne steht ein kleines Schild am Straßenrand ‚Kreisgrenze‘, und wenn ich mir das so betrachte, steht das Auto genau auf der Grenze und der Tote liegt halb in A-Stadt und halb in B-Stadt.“

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Wassereinbruch 5

Die haben jetzt Folgendes festgestellt, das Wasser ist tatsächlich in erster Linie in die Gipsplattenzwischendecke eingezogen und wenn die nicht herausgerissen worden wäre, hätte die herunterkommen können. Ansonsten scheint die Decke nicht durchfeuchtet zu sein. Jetzt will man die Stellen an der Wand und an der Decke mit Heizstrahlern schnelltrocknen und wenn alles gut geht, kann am Donnerstag schon der Maler rein und die Wände machen. An die Decke kommen dann keine Gipsplatten mehr, sondern graue Aluprofile mit eingelassenen Punktstrahlern. Neue Gardinen haben ich auch noch ausgehandelt und wenn das alles brav bezahlt wird, will ich mal alles auf sich beruhen lassen. Der Hausbesitzer will das übernehmen und sich dann mit seiner Versicherung und der Versicherung vom Wasseropa über uns einigen.

Ich glaube, da sind wir mit ’nem blauen Auge davongekommen.

Ein kleines Foto, das die durchgebogene Decke vorher zeigt. An der Schiene für die Beleuchtung sieht man es deutlich, finde ich:

wasserschaden1.jpg