Zombies

Sommerloch-Zombiefrage

Hallo Herr Undertaker,

ich würde gern ihre persönliche Meinung zu Zombies erfahren.
Ist es für sie aus naheliegenden, beruflichen Gründen nicht unerträglich, wenn die Toten unbegraben auf Erden wandeln und auch noch Scherereien machen?
Und: Gibt es einen Notfallplan für Bestatter, sollten Zombies in größeren Mengen auftreten?

mit würdevollen Grüßen
D.

Diese Frage ist mir schon sehr oft gestellt worden.
Und der Fragesteller hat Recht. Das ist tatsächlich ein großes Problem für uns Bestatter. Eine würdevolle Behandlung und sachgerechte Versorgung der Verstorbenen macht es unabdingbar notwendig, dass diese auch stillhalten.

Einmal abgesehen von Zombies haben wir auch großen Ärger mit so genannten Untoten, Wiedergängern und Vampiren.

In unserem Hause begegnen wir der Situation dadurch, dass die Kühlzellen innen keine Klinken haben und die Untoten somit die Kühlräume gar nicht verlassen können. Das wäre für uns ja außerdem besonders peinlich, wenn uns für die Bestattung eine Leiche abhanden kommt, weil sie noch mal so ein bißchen bei C&A Leute beißen will oder als Fledermaus durch die Gegend flattert.

Früher haben wir uns deswegen große Sorgen gemacht und zentnerweise Holzpflöcke, Kruzifixe (also Kreuze von der Firma Kruzi, die von Maggi heißen Maggifixe) und Knoblauch verbraucht. Heute tackern wir einfach die Leichenhemden ringsherum am Sargboden fest und Ruh‘ ist. Notfalls schäumen wir die Kiste mit Montageschaum aus, das hilft immer.

Mit freundlichen Grüßen ins Sommerloch!

Undertaker

Quincy und die Leichenschau

Wir kennen alle Jack Klugman, der zuerst als unaufgeräumter Sportreporter in „Männerwirtschaft“ mitspielte und dann als Dr. Quincy ohne Vornamen die Bildschirme erobert. Dr. R. Quincy ist Coroner, also ein amtlich bestellter Leichenschauer. Seine Rolle wurde aus Gründen der Dramaturgie um die Aufgaben eines Detektives bzw. Ermittlers erweitert.

Bei allem, was ich im Folgenden erzähle, ist zu berücksichtigen, daß es in den USA zahlreiche Unterschiede von Staat zu Staat und sogar von County (Bezirk) zu County gibt. Ähnlich ist die Situation der Leichenschau in Deutschland. Auch bei uns ist die Leichenschau nicht bundeseinheitlich geregelt. Ich versuche einmal wiederzugeben, wie es im Allgemeinen ausschaut, wobei das in Eurem Bundesland (Staat, Gruß an alle fernen Mitleser! :-) ) ganz anders aussehen kann.

Beginnen wir mit dem Aufgabenbereich eines Coroners.
Der Coroner ist in den USA (ihn gibt es in nahezu allen englischsprachigen Ländern in dieser oder ähnlicher Form) ein Angestellter des Staates oder Bezirkes und kommt einem Beamten gleich. Seine Aufgabe ist im Allgemeinen die Feststellung des Todes, der Todesumstände und der Todesursache. In einigen Staaten wir der Coroner auch bei der Feststellung des Geisteszustandes lebender Personen hinzugezogen. In vielen Staaten muss immer der Coroner die Leichenschau durchführen, in anderen Staaten der USA genügt es, wenn der Hausarzt den Tod bescheinigt und der Coroner wird nur hinzugezogen, wenn berechtigte Zweifel an der Todesursache bestehen.

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Die kannte sich aus!

Sagt die Tochter einer Verstorbenen heute Morgen am Telefon zu mir: „Dann hätten wir noch einen Wunsch. Können Sie meine Mutter bitte kalfatern.“

Ich bin ja nun auf ein altsprachliches Gymnasium gegangen und verstehe die meisten Fremdwörter ganz gut, so irgendwie war mir im Hinterkopf, dass das Kalfatern etwas mit Teer und Pech zu tun hat. Jedenfalls wusste ich, dass wir sowas nicht machen, schon gar nicht mit Verstorbenen.

„Wie bitte?“ frage ich nach, weniger um etwas Neues von ihr zu erfahren, als um Zeit zu gewinnen, das Wort „kalfatern“ schnell in Wikipedia einzutippen. KALFATERN: (auch: Kalfaten, arab. kafr „Asphalt“ und kalafa) ist eine Tätigkeit beim Schiffbau, bei der die Nähte zwischen hölzernen Schiffsplanken mit Werg oder Baumwolle und Pech oder Gummi abgedichtet werden. Das Werg bzw. die Baumwolle wird mit Kalfateisen unter Gebrauch eines Kalfathammers in die Nähte geschlagen, bevor diese mit Pech oder mit einer Spezialgummimasse verschlossen werden.

„Ja, wir haben das in der Familie besprochen. Wir wollen dass meine Mutter kalfatert wird.“

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Warum wir nicht mogeln (können)

Wenn der Deckel erst mal auf der Kiste ist, kann keine Sau mehr kontrollieren, ob wir korrekt gearbeitet haben.
Hat der Tote auch die richtige Kleidung an oder wurden die Klamotten einfach so mit in den Sarg geworfen?
Wurde er überhaupt anständig in den Sarg gelegt oder mehr oder weniger einfach hineingekippt?
Ist die bezahlte Innenausstattung mitsamt Decke auch im Sarg?
Wenn der Sarg gleich ins Krematorium kommt, wurde überhaupt der bestellte Sarg genommen oder ein billiges Schlichtmodell?

Ja, da gibt es massig Möglichkeiten zu schummeln, zu betrügen und zu tricksen. Kontrollieren kann das keiner.

Wir machen sowas aber nicht. Zum einen ist unser Geschäft seit Generationen am Markt und ein einziger ruchbar gewordener Vorfall dieser Art würde die Bemühungen der Vorväter zunichte machen. Zum anderen ist das einfach unmoralisch, ethisch verwerflich und strafbar.
Es entspricht überhaupt nicht meiner Mentalität irgendjemand bescheißen zu wollen. Wir können schon bei ganz normaler Kalkulation, selbst wenn die Leute alles ganz günstig haben wollen, immer unseren Schnitt machen; wozu sollten wir auch nur das Geringste tun, um die Leute auch noch zusätzlich zu bescheißen?

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Kein Blechschaden

Wären unsere Särge aus Blech, hätten wir heute einen riesigen Blechschaden zu beklagen…
Was ist geschehen? Unser Sarglieferant ist mit dem LKW gekommen und lieferte 60 Särge. Drei meiner Männer luden die in Windeseile ab, weil der LKW-Fahrer sehr in Eile war. Zuerst einmal alles auf den Hof. Dann sagt einer, es sähe etwas nach Regen aus und somit galt es, sich besonders zu beeilen, damit die Särge ins Trockene kommen.

Unser Sarglager ist sowieso ziemlich voll, aber die 60 Särge habe ich genommen, weil mir der Lieferant in einer „Sommeraktion“ gute Rabatte eingeräumt hatte. Also mussten die Männer umschichten. Im Lager sieht das so aus: Die teureren Särge, Särge mit besonderen Formen und Körperformsärge stehen jeweils mit Deckel aufeinander. D.h. der Deckel liegt auf seinem Unterteil und so stehen 3-4 Särge aufeinander, jeweils eine graue Transportdecke als Schutz dazwischen.

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In hellster Aufregung

Ich komme gerade von einer Beratung zurück. Mal wieder hat die Familie ohne mich gefrühstückt und mal wieder habe ich mir ein kaffeeähnliches Industrieprodukt bei McDonalds mitgenommen. In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist der gute Herr K. verstorben, in einem Krankenhaus in der Nachbarstadt.
Die Witwe und ihre etwas schnippische Tochter waren in „hellster Aufregung“ und haben schon heute Morgen um kurz nach Fünf angerufen. Es müsse sofort jemand kommen. Unser Mann am Telefon war so gnädig, einen Termin für acht Uhr zu machen und mich schlafen zu lassen.

Als ich dort ankam, waren die Damen schon höchst nervös und froh, daß endlich jemand kommt.
Ich denke mir dann immer „in der Ruhe liegt die Kraft“ und versuche die Leute etwas runterzubringen. Jetzt bin ich ja da, jetzt brauchen sie sich nicht mehr aufregen, sich um nichts mehr zu kümmern, können sich ganz ihrer Trauer widmen, nur nicht aufregen bitte.

Ja aber das könne doch nicht sein, dass der Vater nachts um zwei sterbe und der Bestatter sich erst um acht blicken lässt.
Mein Gott, der ist morgen auch noch tot, denke ich und sage aber: „Wir können da ja heute sowieso nichts machen, im Krankenhaus liegt ihr Vater doch gut und morgen früh, wenn die Verwaltung dort wieder besetzt ist, erledigen wir das mit den Papieren und erledigen die Überführung.“

Nein, sie sei in hellster Aufregung und jetzt müsse was geschehen. Nun gut, ich erkläre den beiden Damen den Ablauf und die weiteren Schritte, das sollte ihnen helfen, aus der Ungewissheit herauszukommen und etwas durchatmen zu können. Bei der Mutter wirkt es auch, sie ist beruhigt und würde am Liebsten jetzt gleich alles weitere besprechen.

Ich hole meine Mappe heraus. Auch mir wäre es sehr recht, wenn die einen Sarg heraussuchen würden und die Kleidung die der Verstorbene anziehen soll. Dann können wir Montag früh alles schon erledigen.

„Nein, Sie wollen doch nur meine helle Aufregung ausnutzen und mir jetzt einen besonders teueren Sarg aufschwatzen!“ wehrt sich die Tochter und schiebt den Katalog weg.

Ich sage, dass das nicht meine Absicht sei, es aber auf der anderen Seite die Sache durchaus erleichtern würde, wenn wir wenigstens die zwei, drei wichtigsten Fragen klären könnten, schließlich sei ich ja jetzt schon mal da.

Alles andere ist mir ja egal, das kann man dann später auch noch klären, aber den Sarg, die Klamotten und der Friedhof auf den er soll, das wüsste ich schon ganz gern. Denn ausgerechnet dieses Krankenhaus hat einen Raum, in dem wir den Toten herrichten können. Wissen wir, welchen Sarg und welche Klamotten der bekommt, können wir das gleich mit dahinnehmen und ihn dort einbetten und gleich auf den Friedhof bringen. Sagen mir die beiden jetzt nicht was und wo, dann müssen wir den Mann erst mit der Trage holen, zu uns ins Bestattungshaus fahren, ihn in die Kühlung stellen und nachher nochmals in den Sarg umbetten und erneut durch die Gegend fahren.
Das ist für uns unpraktisch und für die Angehörigen auch teurer. Das sage ich auch mal ganz vorsichtig.

„Nein, jetzt nicht!“

Sie will lieber morgen früh zu mir ins Büro kommen und sich die Särge mal in echt ankucken. Naja, das ist ja noch ein Argument, das ich gelten lasse, denn obwohl die Bilder groß und schön sind, sehen die Särge dann im Original immer etwas anders aus. Und wenn die Schnippische recht früh kommt, dann holen unsere Männer den Vater eben anschließend.

Weil, sagt die Schnippische, vorher wolle sie nämlich noch zur Verbraucherzentrale und sich beraten lassen, damit ich sie nicht übers Ohr haue.

Der Mutter wird das zunehmend peinlich, das sehe ich, doch die Tochter beendet das Ganze, vertagt sich auf morgen und ich sitze wenig später am Drive In von McDonalds und frage mich, warum die schon um kurz nach fünf bei uns angerufen haben.

Jetzt bin ich wieder zu Hause und wieder geht das Telefon. Unser Bereitschaftsmann stellt mir die Witwe/Mutter von soeben durch:
„Meine Tochter ist jetzt weg. Wissen Sie was? Ich komme heute Mittag zu Ihnen und suche alles selbst aus, meine Tochter ist da etwas schwierig, die hat mal angefangen Jura zu studieren, hat das aber abgebrochen.“

Das erklärt Vieles.

Halloween

Ist doch noch ziemlich lange bis Halloween (31.10.). Gestern hat aber die Managerin eines grossen Kinopalastes angerufen und zwei schwarze Särge bestellt. Die möchte sie für die Gruselnacht an Halloween als Deko haben.

Wir würden ja mehr verdienen, wenn wir ihr die Särge verkaufen würden, aber wie ich schon mal beschrieben habe, ist es uns zu heikel, weil wir nicht wissen, was nach der Aktion mit den Särgen passiert. Also habe ich vorgeschlagen, dass wir die Särge für die paar Tage ausleihen. Das kostet bloss den Transport und die Leihgebühr.

Leihgebühr? Was verlangt man für das Ausleihen von zwei Särgen?

Ich habe mich mit der Kino-Managerin auf jeweils 20 Kinokarten geeinigt. Mann, was war die Freude bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern groß!

In Anbetracht der Diskussion um den Gothic-Sarg, soll dies einmal zeigen, dass wir keineswegs auf stur schalten, sondern es immer eine Frage der Glaubwürdigkeit und der Sinnhaftigkeit des Gegenübers ist.

Wann sackt das Grab?

Wenn jemand verstorben und begraben in einem Sarg 2 Meter unter der Erde liegt, dann verwest er ja dort. Einmal würde mich interessieren, wie lange das dauert und wenn auch das Holz des Sarges vergammelt ist, dann sackt das Grab doch einige Zentimeter ab, oder stelle ich mir das falsch vor? Oder sackt es immer mal wieder etwas ab, dass man es gar nicht merkt?

Der Leichnam verwest. Das bedeutet, dass vor allem die fleischlichen Anteile des Körpers vergehen. Übrig bleiben die Knochen. Für Erdbestattungen wählt man festere Särge als für Feuerbestattungen. Damit ist der Gedanke verbunden, daß zuerst der Leichnam vergehen soll, bevor das Holz des Sarges zu faulen beginnt und schließlich der Sarg zusammenfällt.

Wie lange dauert es? Es hängt wesentlich von der Bodenbeschaffenheit und der Belüftung des Grabes ab. In manchen Regionen ist der Leichnam nach wenigen Jahren vergangen (8-12 Jahre) in anderen Regionen sind Ruhezeiten von bis zu 40 Jahren notwendig. Im ungünstigsten Fall kommt es zur Mumifizierung oder zur Bildung von Wachsleichen.

Wie schnell ein Sarg zusammenfällt hängt ebenfalls von den Bodenverhältnissen, aber auch vom verwendeten Holz ab. Harte Eiche und sehr stark harzhaltige Nadelhölzer halten länger als harzfreie Weichhölzer.

Nach der Beisetzung wird das Grab von Friedhofsmitarbeitern aufgefüllt und es wird ein Sarghügel angelegt. Dieser Hügel wird in Verlaufe weniger Wochen komplett nachsacken, weil sich das aufgefüllte Erdreich setzt. Oftmals entsteht jetzt schon eine Kuhle, die mit zusätzlicher Erde aufgefüllt werden muss. Ein weiteres Mal beginnt die Erde zu sacken, wenn Regen und Frost wirken und wenn die Erde zwischen die Füße des Sarges unter den Sarg rutscht.
Manchmal entstehen auch Risse im Sarg, sodass Erdreich in diesen eindringt, was abermals zu einem Absacken des Grabes führt.
Nach Jahren wird der Sargdeckel einbrechen und dann wird es relativ schlagartig zu einer Grubenbildung an der Oberfläche kommen.

Auch nach Ablauf der Ruhezeit, selbst wenn nach weiteren Jahren dieser Abschnitt neu mit Gräbern belegt wird, finden sich im Erdreich noch Knochen, Reste vom Sarg und oft auch von der Bekleidung und Sargausstattung. Entweder belässt man diese dort oder vergräbt sie an anderer Stelle des Friedhofs.

Mit dem ersten Einsacken des Grabes ist nach einigen Monaten zu rechnen. Hier ist dann die Erde nachgesackt, aber der Sarg noch nicht geborsten.
Nach einem bis drei Jahren kann das Holz nachgeben und ein weiteres Einsacken beobachtet werden.
Kommt es dann nach vielen Jahren zu einer massiven Grubenbildung, kann man davon ausgehen, daß der Sarg komplett zusammengebrochen ist. Dann ist aber der Leichnam auch schon vergangen und es sind allenfalls noch Knochen vorhanden.