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Manchmal kommt es schneller…

…als man denkt.

Als die dieses Weblog begonnen habe, tat ich das mit der Intention, aus meinem Alltag zu erzählen und bereits erlebte Geschichten aufzuschreiben. Das alles soll gepaart sein mit Informationen über meinen doch recht eher ungewöhnlichen Beruf, der ja für die allermeisten Menschen etwas im Dunkeln liegt.

Mir war von Anfang an klar, daß sich hier eine Fülle von Informationen ansammeln würde und daß mein Angebot, Fragen zu stellen, sicherlich angenommen würde.

Inzwischen habe ich doch recht viele Artikel verfasst und es werden auch noch ganz viele mehr. (Und das allein aus den im ersten Absatz genannten Gründen und nicht um damit Reklame für meine Firma zu machen oder wie Horst Schlämmer irgendein Produkt zu promoten.)

Allerdings wird die Sache nunmehr langsam unübersichtlich. Nicht jeder neue Leser wird sich durch alle bisherigen Artikel wühlen (obwohl mir viele schreiben, daß sie genau das tun. Danke dafür.), weshalb sich Fragen wiederholen und bestimmte Themen immer wieder auftauchen.

Bis jetzt ist mir noch kein Weg eingefallen, das abzustellen.
Man könnte eine FAQ anlegen, aber die müsste ich mühsam mit Dutzenden bis Hunderten von Links spicken, was sehr mühsam wäre und ich müsste aufgrund der noch erscheinenden Artikel diese Links auch immer wieder anpassen.

Auch hatte ich daran gedacht eine Art Wiki-Funktionalität nachzurüsten, aber da habe ich noch kein passendes Plugin gefunden.

Die Suchfunktion ist für mich persönlich ein probates Mittel, um Texte wiederzufinden, aber ich weiß ja auch, wonach ich in etwa hier suche.

Also: Eine richtige Lösung ist mir noch nicht eingefallen.

Doppelurne

ich habe auch einmal eine Frage. Könnte man die Asche von zwei Leuten miteinander vermischen oder muss grundsätzlich alles getrennt beerdigt werden? Könnte sich zum Beispiel ein Ehepartner einäschern lassen, die Urne wird „zwischengeparkt“, wie du das so schön nennst, und wenn der zweite Ehepartner stirbt, wird seine Asche ebenfalls in die erste Urne gefüllt? Die Frage stellt sich natürlich auch wenn beide Ehepartner gleichzeitig versterben.

Meines Wissens ist das durch die Bestattungsgesetze ausgeschlossen. Auch rein technisch passen nicht zwei Verstorbene in eine herkömmliche Urne. Von einem Menschen bleiben etwa 2 Kilogramm nichtverbrennbare Rückstände übrig, die eine normale Aschenkapsel ziemlich vollständig ausfüllen.

Und Du?

Lieber Undertaker, wie würde deine Beerdigung aussehen? Möchtest du eingeäschert werden oder eine Erdbestattung. Was für eine Trauerfeier würdest du dir wünschen mit welcher Musik und welcher Zeremonie?

Das ist eine sehr persönliche Frage, die ich mir selbst noch nicht abschließend beantwortet habe. Da ich an der Quelle sitze, habe ich natürlich auch einen viel üppigeren Zugang zu den ganzen Möglichkeiten. Außerdem sprechen wir natürlich innerhalb unserer Bestatterfamilie unbefangener über das Thema. Von daher ändert sich das, was ich meiner Familie diesbezüglich mitteile, immer mal wieder.

Derzeit zieht meine Frau in Erwägung, aus einem Teil meiner Asche einen Diamanten pressen zu lassen und die restliche Asche an einem nur uns beiden bekannten Ort zu verstreuen.

Wer zum Thema Diamant und Verstreuen Fragen hat, findet die Antworten bereits im Weblog.

Pietät Eichenlaub hat die Leiche wieder

Mann oh Mann, in deren Haut möchte ich nicht stecken!
Seit gestern war ja das Unternehmen Pietät Eichenlaub heftigst damit beschäftigt, eine Leiche zu suchen und heute Morgen sollte die Aufbahrung sein. Das geht aber schlecht ohne Leiche. Also haben die einfach einen leeren Sarg auf den Friedhof gebracht und den Angehörigen vermittelt, man könne die Verstorbene unmöglich noch ansehen: viel zu aufgedunsen, Geruchsentwicklung usw. …
Durch den leeren Sarg waren die Eichenlaubs wenigstens abgesichert, falls die Familie sich telefonisch auf dem Friedhof erkundigt. In der Zwischenzeit haben sie wie wild herumtelefoniert und endlich auf dem Außerhalb-Friedhof jemanden erreicht (die Männer dort sitzen ja nicht immer am Telefon, sondern graben Gräber, wackeln an Grabsteinen, ärgern alte Leute usw.) Von denen haben die Eichenlaubs erfahren, welcher Bestatter die für den Friedhofswärter unbekannte Leiche „untergestellt“ hat und sie haben die Tote dort mit der Trage abgeholt.

Ja und gerade als sie die von der Trage in den Sarg umbetten wollten, kam die Familie, um die Tante zu besuchen…

Den Rest kann man sich denken, oder?

„Dumme Arschlöcher!“, soll noch das Mindeste gewesen sein, so erzählte mir der Friedhofswärter -den ich ganz zufällig angerufen habe-, was der eine Neffe den Männern von Eichenlaub an den Kopf geworfen hat. Man hat den Eichenlaubs jetzt aber den Auftrag entzogen, die durften ihren Sarg wieder mitnehmen und soviel ich weiß, liegt die Tante jetzt von einem Neffen bewacht auf der Trage, während der Rest der Familie beim Dorfbestatter von außerhalb ist, der die Tante ohnehin untergestellt hatte.

Wehe da schreibt wieder einer „schadenfroh!“ in den Kommentar!

Ich bin nicht schadenfroh, ich bin nicht schadenfroh, nur ein ganz kleines bißchen schadenfroh, oder vielleicht ganz arg….

Seebestattung für Herrn Wiegand

Gerade ist Frau Wiegand weg, sie hat den Tod ihres 72jährigen Mannes zu beklagen und ist sehr froh, daß wir alles für sie übernehmen. Ich höre das immer wieder: „Was? Das machen Sie auch? Das ist ja prima!“ Alles in Allem ist Frau Wiegand bis jetzt sehr zufrieden, denn als sie in mein Büro kam, erweckte sie zunächst den Eindruck, als habe sie da einen ganz besonderen Wunsch, der wohl nur schwer zu erfüllen sei.

Da war ich mal gespannt und rechnete schon mit irgendeiner Extravaganz, wie zum Beispiel der Verstreuung der Asche vor dem Reichstag oder so. Aber dann kam heraus, daß sie nur eine Seebestattung wünscht. Ha! Das ist doch nichts Besonderes! Aber gut, ich lasse es mir nicht anmerken, daß wir das mit Leichtigkeit bewerkstelligen können.

Herr Wiegand wird nachher vom Krankenhaus abgeholt und zwar direkt mit dem einfachsten Sarg, den wir haben. Niemand wird ihn zu sehen bekommen. Nach einer kurzen hygienischen Versorgung und dem Einkleiden in ein einfaches Totenhemd bringen wir den Verstorbenen dann direkt zum Krematorium. Wenn später am Tag alle Papiere vorliegen und alles gut geht, kann er im Laufe dieser Woche noch eingeäschert werden.

In der Zwischenzeit machen wir die Sache mit der Seebestattungsreederei klar. Frau Wiegand wünschte sich für ihren Mann eine Seebestattung in der Nordsee. Da haben wir eine Reederei, die das besonders gut macht und mit denen will ich telefonieren.

Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, daß Seebestattungen nur für Seeleute in Frage kommen. Im Grunde kann jeder diese Bestattungsform für sich wählen. Manche Kommunen verlangen einen Nachweis, daß der Verstorbene das gewünscht hat, deshalb lassen wir von Vorsorgepartnern beispielsweise immer handschriftlich den folgenden Absatz auf der Vollmacht ergänzen: „Ich wünsche eine Feuerbestattung mit anschließender Beisetzung der Asche auf hoher See. Ich habe eine besondere Verbundenheit zum Meer. Dies ist mein freier und ausdrücklicher Wille.“

Hier bei uns hat zwar noch nie irgendein Behördenmitarbeiter nach einer solchen Erklärung gefragt, aber es könnte ja immerhin passieren, daß da irgendwann mal ein Neunmalkluger anfängt oder daß der Vorsorgepartner mit seiner Vorsorge in eine andere Stadt umsiedelt, woe das strenger gehandhabt wird.
Liegt eine solche Erklärung nicht vor, genügt aber auch die glaubhafte Versicherung der Hinterbliebenen.

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Bestattungsgesetz BAYERN

Bestattungsgesetz (BestG)

Fundstelle: BayRS III, S. 452

Abschnitt 1
Leichenwesen und Bestattung
Art. 1
Bestattung

(1) 1 Jede Leiche muß bestattet werden, und zwar durch Beisetzung in einer Grabstätte (Erdbestattung) oder durch Einäscherung in einer Feuerbestattungsanlage und Beisetzung der in einer festen Urne verschlossenen Aschenreste in einer Grabstätte (Feuerbestattung), oder durch Einäscherung in einer Feuerbestattungsanlage und Beisetzung der Urne von einem Schiff auf hoher See (Seebestattung). 2 Leichen und Aschenreste Verstorbener müssen, wenn dieses Gesetz nichts anderes zuläßt, auf Friedhöfen beigesetzt werden.

(2) 1 Für Art, Ort und Durchführung der Bestattung ist, soweit öffentliche Belange nicht entgegenstehen, der Wille des Verstorbenen oder, wenn der Verstorbene noch nicht 16 Jahre alt oder wenn er geschäftsunfähig war, der Wille der Personensorgeberechtigten zu berücksichtigen. 2 Ist der Wille des Verstorbenen oder der Personensorgeberechtigten nicht nachweisbar, so kommt es auf den Willen der Angehörigen an, die auf Grund des Art. 15 Abs. 2 Nr. 1 für die Bestattung zu sorgen haben.
Art. 2

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Eichenlaub sucht eine Leiche

Irgendwie tut mir das ja gut. Für den Geschäftsführer von Eichenlaub muss das ein Gang nach Canossa gewesen sein, bei uns anzurufen.
Die „Pietät Eichenlaub“ hat heute am frühen Nachmittag eine Verstorbene aus einem Altenheim abgeholt. Dieses Altenheim liegt etwas außerhalb und die Eichenlaub-Leute hielten es wohl für wahrscheinlich, daß die Tote dort außerhalb auf dem kleinen Friedhof beigesetzt wird. Also haben die Fahrer die Verstorbene gleich mit der Trage dort auf dem Friedhof in die Kühlkammer gestellt.
(Hier in der Gegend haben alle Bestatter Generalschlüssel für die Friedhöfe.)

Später hat dann die Familie im Büro der Eichenlaubs aber einen ganz anderen Friedhof gewählt und so war es nix mit der schnellen Nummer, die Eichenlaub vorhatte. Die wären dann nämlich mit dem Sarg nach außerhalb gefahren, hätten auf dem Friedhof ruckzuck umgebettet und gut wär’s gewesen. Jetzt mussten sie die Verstorbene aber wieder von außerhalb holen. Als sie aber dorthin kamen, war die Verstorbene verschwunden. Ha!

Jetzt rief der gute Herr Eichenlaub (so nennen wir den Geschäftsführer, obwohl es keinen Herrn Eichenlaub gibt, das ist ein Konzern) bei uns an und erkundigte sich kleinlaut, ob wir eventuell die Tote haben.

Tja, die hätten wir beinahe gehabt!
Und das kam so: Ich weiß ja auch nicht, warum sich Friedhofswärter auch sonntags mal auf ihrem Friedhof herumtreiben, aber da außerhalb ist das eben so. Und da hat der gute Friedhofsmitarbeiter eine Leiche in seinen Kühlkammern entdeckt, die nicht vorschriftsmäßig gekennzeichnet ist. Ein kleiner Zettel mit den Lebensdaten und dem Namen der Verstorbenen und der Adresse des Bestatters reicht da vollkommen. Auf diesem Friedhof dürfen nur „angemeldete Leichen“ eingeliefert werden und nur ganz ausnahmsweise auch mal eine unangemeldete, wenn eben dieses Zettelchen da ist. Man kann Verstorbene nicht einfach so irgendwo abstellen, noch nicht einmal auf einem Friedhof.
Also hat er streng nach Dienstvorschrift den Bestatter angerufen, der für die Polizeiabholungen zuständig ist und das sind eben an diesem Wochenende wir. Da wir aber Anderes/Besseres zu tun hatten, als dem eine Verstorbene wegzuholen, habe ich die Sache auf später verschoben. Wir wissen ja: Die ist später auch noch tot.
Das war dem Friedhofsbüttel aber nicht schnell und wichtig genug und da hat er einen anderen Bestatter angerufen. So und welcher das ist, weiß ich nicht, wie man den Friedhofsmann jetzt erreicht, weiß ich auch nicht und wo man die Verstorbene hingebracht hat, kann ich auch nicht sagen.

Jetzt haben die Eichenlaubs aber ein Problem, denn die Familie möchte gerne morgen früh ihre Tante sehen.

Sterbegeld

Es ist jetzt schon über drei Jahre her, daß das Sterbegeld der gesetzlichen Krankenkassen abgeschafft wurde. Sowohl für den Bestatter, als auch für die Hinterbliebenen war das eine feine Sache.

Weit mehr als 120 Jahre lang gab es dieses Sterbegeld, das unter Bismarck zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse hinzugefügt wurde. In den 80er Jahren noch wurde, in Abhängigkeit vom Einkommen, im Schnitt ein Betrag von 4.200 DM ausbezahlt. Das reichte in vielen Fällen aus, um die komplette Bestattung, sofern sie einfacher bis durchschnittlicher Art war, zu bezahlen.

Im Zuge der Sparmaßnahmen der unablässig durchgeführten Reformen des Gesundheitssystems wurde dieser altgewohnte Zuschuß dann 1989 auf 2.100 D-Mark halbiert. Viele Bestatter reagierten, indem sie ihr günstigstes Leistungspaket um diesen Betrag herum ansiedelten. Logischerweise gaben dann in der Folge sehr viele Familien auch exakt diesen Betrag für eine Bestattung aus.
Mit der Kürzung kam es aber auch zu einem ganz gravierenden Einschnitt: Alle die nach dem 1.1.1989 erstmals gesetzlich versichert waren, erhielten gar kein Sterbegeld mehr.

Mit der Einführung des Euro wurde 1:2 umgerechnet und aus den ehemals 2.100 DM wurden 1.050 Euro. Vom Versicherten kaum bemerkt bedeutete das aber eine erneute Kürzung um rd. 43 DM.

Aber schon zum 1.1.2003 wurde das Sterbegeld erneut halbiert und es gab nur noch 525 Euro pro Sterbefall.
Ab diesem Zeitpunkt war das Sterben in Deutschland für viele richtig teuer geworden, denn 525 Euro reichten im besten Fall meistens gerade für einen einfachen Sarg aus, früher langte das Sterbegeld für die gesamte Bestattung.

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