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FAQ und Archiv

Eine geeignete Lösung, um wichtige Begriffe und oft erklärte Fragen besonders zu kennzeichnen, habe ich noch nicht gefunden.
Bislang habe ich mal folgende Veränderungen vorgenommen:

1. Suchfeld in der Sidebar nach oben gesetzt
2. Archive um eine Übersichtsseite ergänzt
3. FAQ-Funktion eingebaut

Wer Fragen stellen möchte, kann das direkt über die FAQ-Seite oder wie gewohnt per E-Mail tun.
Immer mal wieder nehme ich mir die Liste der Fragen vor, die inzwischen unendlich lang geworden ist. Aber ich komme derzeit nicht dazu, alle Fragen zu beantworten. Wer eine wichtige Frage gestellt hat, die er wegen einer bevorstehenden Bestattung zeitnah beantwortet haben muss, soll sich bitte mit dem Zusatz „dringend“ im Betreff nochmals per E-Mail melden.

Es kommen auch tagtäglich neue Leser hinzu und ich bekomme immer wieder die gleichen Fragen gestellt (z.B. Wird der Sarg mitverbrannt?). Wer eine Frage stellen möchte, sollte bitte unbedingt vorher die Suchfunktion bemühen und auch mal einige der als Ergebnis angezeigten Artikel (auch die Kommentare) überfliegen, oft war die Antwort schon da.

Arabica

Frage an Tom: Sag mal, welchen Artikel oder welche Ware müsst ihr am meisten einkaufen? Särge, Urnen, Hemden oder Desinfektionsmittel? Oder was?

Antwort: Kaffee

Gegenüber 3

Die „Pietät Eichenlaub“ hat in den letzten Tagen ihren Stützpunkt gegenüber weiter ausgebaut. Die alte Reklame vom Tapetengeschäft hat man von den Fenstern gekratzt und von innen Lamellenvorhänge (Vertikalblenden) angebracht. Der Fenstersims, also die Auflage innen, ist so schmal, daß dort kein Platz für die Ausstellung von Waren ist. Also haben die Eichenlaubs nur zwei Schautafeln an Nylonfäden aufgehängt. Die eine enthält ein Werbeplakat für eine Sterbegeldversicherung und die andere den selbstgeschriebenen Text:

TEST
[[Testartikel]]
TEST-ENDE

Beratungen rund um die Uhr
Tel. 123xyz321

Gestern Abend bin ich mal spionieren gegangen. In der Tür hängt ein Schild mit der Aufschrift:


Wir sind hier nicht ständig erreichbar!
Bitte rufen Sie uns an unter:
123xyz321
Es kommt sofort jemand!

Im Inneren des Ladens hat man die Wände mit den branchenüblichen Postern (Sonnenuntergang, Weg durch den Wald, einsamer Wanderer blickt aufs Meer) dekoriert und einen Tisch mit vier Stühlen aufgestellt. In der Ecke steht ein Schreibtisch und eine Drehsäule mit Formularen und Prospekten.

Wie es aussieht, wollen die nur einen Stützpunkt haben, um direkt bei uns gegenüber, bzw. in Friedhofsnähe auch was zu haben. Offenbar ist nicht an eine regelmäßige oder gar ständige Anwesenheit gedacht.

So ähnlich funktionieren auch unsere beiden Filialen außerhalb. Allerdings sind wir schon seit einem halben Jahr dabei, dieses Konzept zu überdenken. Wir werden, um aus dem Nähkästchen zu plaudern, noch ein halbes Dutzend Filialen eröffnen. Die entsprechenden Verhandlungen und Planungen laufen schon. Hierbei werden wir Rentner und andere geeignete Personen (Zuverlässigkeit, Zeitaufwand, Anwesenheit usw.) die im eigenen Haus einen entsprechenden Raum haben, unter Vertrag nehmen. An der Straße, also am Zaun, werden wir einen beleuchteten Schaukasten aufstellen. Die Kunden in den entsprechenden Ortschaften haben dann nicht nur einen Hinweis auf uns, sondern können quasi rund um die Uhr einen Termin mit dem Berater direkt vor Ort ausmachen.
Ab Mitte Oktober laufen die ersten Schulungen mit den künftigen Beratern und Beraterinnen.

Ich muss jetzt doch mal überlegen, wo die Eichenlaubs ihre Filialen haben und ob da nicht bei einer auch gegenüber was frei ist. ;-)

Aber tatsächlich hat sich meine erste Aufregung gelegt. Wenn die nur einen Reklameschaukasten gegenüber unseres Hauses auf hätten, würde mich das ärgern. So eine Präsenzfiliale kann keine wirkliche Konkurrenz für uns sein. Außerdem habe ich diese Filialen von Eichenlaub schon im Dutzend auch wieder verschwinden gesehen.

Alte Kameraden

Bezüglich des Wortes „Kameraden“ kamen neulich einige Fragen auf. Ein paar Leute mutmaßten, es könne sich um den Angehörigen alter Seilschaften gehandelt haben. Ich weiß nicht, um was für Kameraden es sich in diesem speziellen Fall gehandelt hat, aber für Leute, die der Wehrmacht oder gar der SS angehört haben könnten, waren die alle zu jung.

Es reicht ein einfaches Nachrechnen (Kriegsende minus jüngste Teilnehmer ergibt Geburtsjahr, plus Lebenserwartung 78) 1945 – 16 = 1929 + 78 = 2007. Damit wird klar, daß -bis auf ganz wenige Ausnahmen sehr alt gewordener ‚Kameraden‘- die meisten schon gestorben sein dürften.
In der Vergangenheit hatten wir häufiger mit Verstorbenen zu tun, die ihr Blutgruppe eintätowiert hatten oder bei denen an der entsprechen Stelle deutlich die Reste davon zu sehen waren. Es ist mir/uns auch nicht aufgefallen, daß an den Bestattungen auffällige Personen teilgenommen hätten, die man dem Kreis der „Kameraden“ zuordnen hätte können. Selbst wenn alte Kriegsteilnehmer noch lange überlebt haben, dürfte es sehr unwahrscheinlich sein, daß noch viele ihrer Kriegskameraden leben, diese auch noch in der hiesigen Region wohnen und auch noch vom Tod des Kameraden erfahren und dann die beschwerliche Reise zur Bestattung auf sich nehmen.

Weil so oft danach gefragt wurde: Wir haben also noch niemals eine SS-Bestattung oder eine NSDAP-Bestattung, jedenfalls haben wir davon nichts mitbekommen.

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Danke dass Sie ihr Rohr blasen lassen

Ich bin immer wieder erstaunt, mit welcher Akribie viele Menschen die Beerdigung planen. In meiner Familie waren wir eigentlich immer darauf bedacht, diesen Tag möglichst schnell und ohne großes Brimborium hinter uns zu bringen. Bei manchen deiner Kunden habe ich das Gefühl, das wäre der große Tag in ihrem Leben, an dem alles perfekt sein muß und den bereits die Schattierung der Blumen vollends ruinieren könnte. Bei einer Hochzeit kann ich das ja noch begrenzt verstehen. Aber einen Verstorbenen will ich nur würdevoll unter die Erde bringen und da häng ich mich nicht dran auf, wenn die spargelfarbenen Tulpen nun altschneeweiße Rosen waren. Ich seh das wohl etwas zu profan…

Möglicherweise hat sich in diesem Bereich das Anspruchsdenken in den letzten Jahren auch etwas geändert. Wir stellen zunehmend fest, daß die Menschen sehr kritisch sind und penibel genau auf die Ausführung achten.

Neben dem Anspruchsdenken hat das aber auch etwas mit dem Rechnungsschock zu tun. Jeder in der Branche (und in anderen Branchen) kennt das nur zu gut: Kommt die Rechnung, wird händeringend nach irgendeinem Mangel gesucht, der dann einen saftigen Abschlag oder gar das Nichtzahlen rechtfertigen soll.

An der Tatsache, daß Bestattungen heute sehr viel individueller gestaltet werden, haben aber nicht zuletzt auch die Bestatter selbst mitgewirkt. Wir zumindest versuchen, ähnlich einem Weddingplanner bei Hochzeiten, diese Familienfeier so perfekt und persönlich wie möglich zu gestalten.
Man darf nicht vergessen, daß für viele Familien eine Trauerfeier sogar einen höheren Stellenwert hat, als eine Hochzeit. Heiraten kann man theoretisch beliebig oft, das Sterben hat etwas Endgültiges und die Emotionen sind sehr viel schwertragender. Eine Heirat hat etwas Leichtes, Fröhliches und feiert den Start in eine glückliche Zukunft, von der jeder der Feiernden hofft, daß er noch ein Stück weit diesen Weg begleiten kann.
Das Begleiten bei einer Beerdigung beschränkt sich oft auf diesen einen Tag, diesen einen Weg und deshalb muß alles aus unserer Sicht perfekt sein, der Akt ist nicht wiederholbar, Fehler kaum wiedergutzumachen. Geht bei einer Hochzeit irgendetwas schief, ist das oft für die Betroffenen auch eine Katastrophe, aber man kann wenigstens den Versuch unternehmen, es hinterher durch eine passende nette Geste wieder geradezurücken. Bei Trauerfeiern ist das sehr viel schwieriger.
Die Beschwingtheit einer Hochzeit zum Beispiel lässt auch schneller mal über eine kleine Panne hinwegsehen, als das bei den ohnehin traurigen Anlässen der Fall ist, mit denen wir es zu tun haben.

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Pietätwaren

Was sind eigentlich Pietätwaren? Ich lese diesen Begriff immer wieder in Deinem Weblog.

Pietätwaren sind Bestatterartikel. Es sind die Gegenstände, die Bestatter an ihre Kunden weiterverkaufen und die sie für ihre Arbeit im Bestattungsinstitut benötigen. Klassischerweise gibt es Sarglieferanten und Pietätwarenlieferanten. Während erstere vorwiegend Särge und Sargzubehör liefern, liefern die Pietätwarengroßhändler den ganzen Rest. Oftmals haben aber auch die Sarghändler etliche Pietätwaren im Angebot, wie auch die Pietätwarenhändler meistens einige Sargmodelle anbieten.

Zu den Pietätwaren gehören u.a. folgende Artikel:

Sargzubehör:
Griffe
Schrauben
Sargmatratzen
Innenausstattung
Füll- und Schüttmaterial
Stoffe, Litzen, Bänder

Urnen:
Standardurnen
Designerurnen
Spezialurnen
Aschenkapseln
Beisetzungshilfen

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Farblehre

Gestern am Nachmittag sagte eine Kundin zu mir: „Die Rosen sollen bitte in poprot sein, ja!?“

Poprot? Wie bitte sieht poprot aus? Ist das ein knalliges Rot oder was?
Mit schon fast an Entrüstung grenzender Überraschtheit reagierte sie auf meine Frage, was denn poprot ist. Sie beschrieb es mir dann, so wie man vielleicht einem Blinden Farben beschreibt; ich hatte keine Ahnung, was sie meinte. Deshalb riet ich ihr, doch am besten mal eben selbst zum Gärtner zu gehen, das sind nur ein paar Meter, und sich dort ein paar poprote Blumen auszusuchen, damit bei der Farbwahl ja nichts schiefgeht.

Vor Jahren habe ich mal auf der Innenseite einer Schranktür in meinem Büro eine Liste hängen gehabt, auf der ich solche etwas absonderlichen Farbwünsche für Blumen, Särge und sonstige Pietätwaren notiert habe. In einem Ordner habe ich diese vor ein paar Tagen wiedergefunden:

Altschneeweiß
Herbschwarz
Bittermandelbraun
Zartblasshellrosa
Mediumschwarz
Schnepfengrün
Lufthansablau
Paprikaschotig
Schottenfarbig
Moschusgelb
blaurotlila
Spreckelgrau
Spargelhell

Immerhin kann man bei solchen Farbangaben ja noch nachfragen, was die Leute jetzt genau meinen. Schwieriger wird das schon, wenn sie sagen: „Bei Musikantenstadl stehen manchmal vorne so Blumen, diese Farbe meine ich.“

Wir machen ja immer irgendwie alles möglich, aber manchmal ist es schon einfacher, wenn die Kunden auf unser bewährtes Angebot: „Blumen der Jahreszeit nach Wahl des Gärtners“ zurückgreifen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Der Gärtner nimmt das, was an diesem Tag besonders günstig ist, man bekommt immer recht viel für sein Geld und man kann nicht unangenehm überrascht sein, weil man keine gefestigten Vorstellungen hat.

Je komplizierter und detaillierter der Blumen- und Farbwunsch der Angehörigen ist, umso schwieriger und kostspieliger kann die Umsetzung werden.
Im Zweifelsfall ist es dann besser, direkt zum Gärtner zu gehen und aus dem vorhandenen Angebot etwas auszuwählen

Weltrekord

Das war rekordverdächtig! Um 8 Uhr rauschte heute Morgen ein älterer Herr in unser Büro, um einen Sterbefall anzumelden.
Unter dem Arm trug er einen sogenannten Vorsorgeordner, in dem er und seine Frau alles akribisch festgelegt hatten, ohne vorher jemals bei einem Bestatter gewesen zu sein.

Sogar die Grabstelle hatten sich die beiden schon ausgesucht und insgesamt gab es für mich nichts weiter zu tun, als die Dinge von deren Liste abzuschreiben, in unser Formular zu übertragen und ihm zu zeigen, wie unsere „mittleren Särge“ aussehen.
Er unterschrieb nach 12 Minuten die Vollmacht und konnte wieder gehen.

Alles, aber wirklich auch alles ist bereits festgelegt und er braucht nun nur noch seine Liste abzuarbeiten. Zum Gärtner und zum Pfarrer geht er jetzt noch selbst.

Nicht, daß mir etwas daran gelegen wäre, daß es so schnell geht. Aber ich finde es durchaus gut und richtig, wenn die Menschen sich beizeiten schon mal über das Thema unterhalten. Man muß ja nicht alles so exakt festlegen wie diese Leute, aber doch wenigstens mal sagen, ob man lieber verbrannt werden will oder nicht.

Ich höre es ja jeden Tag, daß vor allem die Witwen sagen, ihr Mann habe immer gesagt: ‚Wenn ich mal tot bin, steckt mich in eine Apfelsinenkiste und verscharrt mich irgendwo!‘
Oder: ‚Gebt bloß kein Geld aus! Alles ganz einfach, am Besten im Wald verscharren!‘

Ja und dann ist er tot und die arme Frau sitzt mit diesen mehr oder weniger unerfüllbaren Wünschen bei uns und muß nun gucken, was sie mit ihrem „lieben Franz“ macht.

Kaum einer spricht gerne über den Tod und deshalb wird das oft gänzlich vermieden oder nur mit gespieltem Scherz gesagt oder zur Erleichterung bewusst übertrieben oder gar veralbernd besprochen. („Schmeißt mich einfach in den Rhein!“)

Wir erleben das jeden Tag, daß die Witwe keine Ahnung hat, ob beispielsweise eine Einäscherung gewünscht wurde. Vorsichtshalber entscheidet sie sich für eine Erdbestattung aber dann kommt später eine Tochter oder ein Sohn und behauptet, der Vater habe immer verbrannt werden wollen. Oft haben wir den Eindruck, daß es sich hierbei eher um einen kostenbedingten Sinneswandel handelt. Die Witwe ändert dann den Auftrag, bleibt aber unsicher, ob sie das Richtige getan hat.

Ich rate ja immer, eine Bestattungsvorsorge abzuschließen, aber wenn man das nicht möchte, sollte man wenigstens bei passender Gelegenheit mal über die wichtigsten Dinge sprechen: Organentnahme, Art der Bestattung.