Home Kontakt Impressum/Datenschutz Service-Portal Shop

Dr. Fu Man Chu

Es ist 4.45 Uhr morgens und schon wieder einmal habe ich eine Nacht ohne Schlaf hinter mir. Das heisst, lügen soll man ja nicht, von 1 bis 2 habe ich gepennt, dann musste ich raus. Um halb drei in der Früh fuhr ich mit, eine Verstorbene daheim abzuholen. „Bitte holen Sie meine Mutter sofort, die hat bei uns gelebt und ich möchte gerne, dass sie schon fort ist, wenn meine beiden Kinder morgen früh wach werden.“

Die Mutter war ein Tannenbäumchen, wie wir es nennen, oben ganz schmal und unten ganz breit. Auf den ersten Blick denkt man, das könne mal leicht werden, schlägt man aber die Bettdecke zurück, sieht man, dass das eine Täuschung war. Bestatter bekommen jeden Toten überall hinausgetragen, so eng kann ein Treppenhaus gar nicht sein, daß wir das nicht schaffen. Wir haben da so unsere Tricks.

Dieses Treppenhaus war aber besonders eng, die Angehörigen haben zugeschaut, also heisst es, die Trage immer schön waagerecht halten und immer mal wieder ganz weit runterbücken, dann wieder gestreckt hochstemmen und das mit 80 Kilo auf der Trage. Geht ordentlich in die Arme.

Weiterlesen

Grabpflege

Wer übernimmt im allgemeinen die Grabpflege, an wen wende ich mich am Besten? Wie läuft das dann ab und was wird wie und wie oft gepflegt? Und, natürlich: was darf so was kosten?

Das Grab hat der Grabnutzungsberechtigte in Ordnung zu halten. Das ist i.d.R. derjenige, der das Grab angekauft hat, bzw. auf den der Grabvertrag mit der Friedhofsverwaltung lautet.

Da die Familien immer weiter auseinander leben, gibt es oft in der Nähe des Friedhofes niemanden der das Grab dauerhaft pflegen kann. Neben einer jahreszeitlich wechselnden Bepflanzung ist es frei von Unkraut zu halten und natürlich muss die vorhandene Bepflanzung gepflegt und gegossen werden. Gegebenenfalls müssen die Randstreifen neben dem Grab mit saubergehalten werden, das ist örtlich verschieden. Zu berücksichtigen sind immer die örtlichen Gegebenheiten, die Regelungen unterscheiden sich kommunal oft recht stark. Auch spielt es beispielsweise eine Rolle, ob die Grabstätte unter einem Baum liegt, der ganzjährig Blütenblätter, Fruchthülsen und Laub abwirft.

Weiterlesen

Wenns mal schief geht

Er kommt aus Dubai, ist aber kein Araber, sondern ein Deutscher, der dort als Ingenieur arbeitet und hat sich 2 Wochen Urlaub genommen, um seine alte Mutter zu beerdigen. Geld spielt bei ihm keine Rolle, er will gute Sachen, nicht protzig, aber seine Mutter soll dennoch das Beste bekommen. Ach ist das schön, da freut sich auch meine Kaufmannsseele.

Ein Grab habe er schon ausgesucht, es liegt auf einem Friedhof in einer kleinen Gemeinde, rd. 20 km entfernt. Später, wenn er mal nicht mehr im Ausland weile, wolle er in diese Gemeinde ziehen und könne dann das Grab besuchen. Aber bis dahin solle ich mich doch um alles kümmern, das Aufstellen des Grabsteines, das Anlegen des Grabes und auch für die Grabpflege wolle er im Voraus bezahlen.

Ich telefoniere mit Steinmetz und Gärtner dort in der anderen Gemeinde, erfrage die Preise, rechne alles zusammen und was unterm Strich herauskommt, erschreckt sogar mich. In dieser Gemeinde ist es so, dass ein einfacher Grabstein nicht genügt, sondern alle Gräber, zumindest in dieser Abteilung des Friedhofes, bekommen eine schwarze hohe Steinumrandung, am oberen Ende einen dreifach gestuften Sockel und ein stehendes Grabmal von fast zwei Metern Breite. Das kostet. Ich glaube von Svarowsky wäre das genauso teuer…
Auch der Gärtner schlägt zu, jedes einzelne Jahr -drei Mal wechselnde Bepflanzung, Gießen, Säubern usw.- kostet 290 Euro, auch ein stolzer Preis.
Nein, der Dubai-Ingenieur will das aber so und zahlt fast 8.000 Euro für das Stein-Gedöns und knapp 6.000 Euro für zwanzig Jahre Grabpflege im Voraus. Für die Anschaffung des Grabes und 30 Jahre Laufzeit legt er auch noch einmal fast 4.500 Euro hin.
Damit ist für ihn nach 14 Tagen alles erledigt, er bedankt sich überschwenglich bei mir, sehr zufrieden sei er gewesen und alles sei reibungsloser und besser gelaufen, als er es jemals erwartet habe. Für die Mitarbeiter lässt er hundert Euro da, die freuen sich.

Das war vor einem Jahr.

Weiterlesen

Anfragen wegen Werbung und Sponsoring

Ich habe ja den ganzen Tag den Rechner an. Wir haben ein Branchenprogramm auf dem ich meine Aufträge verwalte, wir nutzen ICQ und Yahoo, um über alle Räume hinweg miteinander Kontakt zu halten, wir haben Webcams zur Überwachung der Räume und ich muss auch sonst so einiges am Computer machen.

Zwischendurch immer mal wieder was für das Weblog zu schreiben, kostet mich weniger Zeit, als manche denken mögen. Dafür bleibt hier nichts liegen und uns schimmelt auch niemand weg. Wie man an den Zeiten sieht, zu denen die Artikel erscheinen, setze ich mich auch abends und nachts manchmal hin und tippe was für das Weblog. Wenn ich von einem Auftrag wiederkomme, ist das Erste was ich mache immer das Eintippen des Auftrages in die Auftragsverwaltung, danach bin ich sonst immer ganz gern bei Wikipedia auf den „zufälligen Artikel“ gegangen, jetzt blogge ich eben. Das bringt einen ganz gut wieder runter.

Es gehen ja auch sehr viele Mails ein, nicht alle kann ich beantworten, ich bitte um Verständnis. Was sich aber mehrt, sind Anfragen, ob ich nicht mit meinem Unternehmen für bestimmte Veranstaltungen als Sponsor auftreten möchte oder aber in bestimmten Medien werben möchte.
Wenn ich meinte, werben zu müssen, dann würde ich es hier in meinem Weblog tun, tue es aber nicht. Und Sponsoring für Veranstaltungen, die nicht im unmittelbaren Einzugsbereich meiner Firma liegen, ist allenfalls witzlos.

Diesbezügliche Anfragen sind also sinnlos.

Sind Leichen eingefroren?

Erneut erreichte mich die Frage einer Leserin. Wenn auch Du Fragen hast, dann scheue Dich bitte nicht sie zu stellen.

Frage:

Bei wieviel Grad wird der Leichnam aufbewahrt wenn er in der Kühlkammer liegt? Werden die eingefroren? Sind das minus 30 Grad oder was?

Wir bewahren Verstorbene bei 4 Grad Celsius auf. Das hat sich nach unseren Erfahrungen als die beste Temperatur erwiesen. Das Einsetzen der Verwesung wird ausreichend lange gehemmt und die Geruchsbildung unterdrückt. Bei höheren Temperaturen geht das schneller, bei niedrigeren besteht die Gefahr, dass der Leichnam gefriert. Das ist einerseits vom „Handling“ her unpraktisch und andererseits bildet die Zellflüssigkeit beim langsamen Gefrieren nadelspitze Kristalle, die die Zellwände durchstechen.
Wird der Leichnam dann wieder aufgetaut, setzt die Verwesung aufgrund der zerstörten Zellen oft umso rasanter ein.

Manchmal müssen Leichen tiefgefroren werden, etwa wenn sie zum Zwecke der rechtsmedizinischen Untersuchung länger aufbewahrt werden müssen.

In anderen Ländern, etwa in bestimmten Regionen Kanadas, werden Leichen über die Wintermonate regelmäßig eingefroren und dann bestattet zu werden, wenn im Frühjahr die Böden wieder aufgetaut sind.
Das ist zum Beispiel in einigen Regionen Kanadas so der Fall.
Meist wird hier dann die Feuerbestattung gewählt. Das heißt, der Verstorbene wird zeitnah eingeäschert und die Urne dann bis zum Frühjahr aufbewahrt.
Dann findet die Bestattung der Urne bei besserem Wetter statt.
Hat der Verstorbene oder haben seine Angehörigen aber auf einer Erdbestattung bestanden, dann hängt es davon ab, wie stark der Boden gefroren ist. Oft wird mittels eines Gasbrenners das Erdreich aufgetaut und die Bestattung dann durchgeführt.
Kann das aber nicht realisiert werden, bleibt der Verstorbene bis ins Frühjahr eingefroren.

Zum blauen Bock

Markenzeichen der TV-Äppelwoi-Wirtschaft „Zum Blauen Bock“ war ja immer der Bembel, jener irdene Apfelweinkrug mit dem springenden Bock drauf. Manch einer von uns erinnert sich noch daran, wie die „Frau Wirtin“, Lia Wöhr, mit dem Bembel schlenkernd herbeischlenderte, um den plauderfreudigen Heinz Schenk ein wenig im Fortgang der Sendung zu beschleunigen. Wenn Oberkellner Schenk dann mal nicht so zügig fertig wurde, hatte Frau Wirtin den Bembel auch schon mal unter den Arm geklemmt und wippte mit dem Fuße.

Warum erzähle ich das? Das ist ja nicht das TV-Weblog hier.
Na, ich fühlte mich heute an dieses Bild erinnert. Ich war auf einer Urnenbeisetzung. Die Witwe war alleine, niemand wäre mit ihr mitgegangen, da habe ich mir gedacht, es wäre doch gar nicht verkehrt, wenn ich ihr meine breiten Schultern zum Anlehnen leihe.

Um 14 Uhr war der Termin, wir sind kurz vorher da. Um genau 14 Uhr kommt der Friedhofswärter aus seinem Kabuff. Er trägt eine grüne Gärtnerlatzhose, ein kariertes Baumfällerhemd und gelbe Gummistiefel. „Können wir?“

„Nee“, sage ich, „könnten Sie sich vielleicht noch was anderes anziehen?“

Weiterlesen

Netz um die Urne

Erstmal tolles Blog, bin hier (fast) täglich am reinschauen… Weiter so ;-)

So: Wenn wir schon bei Fragen sind, hätte da auch mal eine:

Ich war letzt bei ner Urnenbeisetzung in der Mauer dabei. In dem “Mauerfach” stand schon eine andere Urne (die des Mannes der Verstorbenen), allerdings war diese in einer Art Netz (sah so ähnlich aus, wie ein Netz in dem Orangen/Zitronen/Zwiebeln verkauft werden, nur schwarz und ja ich weiß, komischer Vergleich *g*). Jetzt ist die Frage, wozu ist sowas gut und passiert das mit jeder Urne?

Erstmal danke für Dein Lob :-)

Was Du da beschreibst ist in meinen Augen ein klassischer Beisetzungsfehler.

Um eine Urne in das Erdloch abzusenken, befinden sich auf beiden Seiten üblicherweise zwei kleine Knöpfe oder Schlaufen. An diesen kann man beidseitig eine Schnur aus der Überurne herausziehen und an diesen die Urne ins Loch absenken.

Manche Urnen und insbesondere die reinen Aschenkapseln haben keine solche Beisetzungshilfen. Hier verwenden die Friedhofsmitarbeiter eine Art Netzschlauch. Er ist, wie Du korrekt beschreibst, einem Zitronennetz nicht ganz unähnlich. Das etwas flexible Material ist dunkel, auf einer Rolle und wird stückweise abgeschnitten, unten zugeknotet und da hinein gibt man die Urne. Mithilfe dieses Netzes wird die Urne dann in die Erde versenkt. Geschickte Friedhofsmitarbeiter bringen es fertig, sich dann hinunterzubeugen und mit einem Handgriff das Netz zu entfernen, oft wird das aber auch nicht gemacht oder erst später, wenn die Angehörigen weg sind.

Das alles bezieht sich auf eine Beisetzung der Urne im Erdreich. Um die Urne in eine Urnenwand einzustellen, bedarf es einer solchen Beisetzungshilfe nicht. Wieso auch? Es gibt kein Loch, in das man die Urne ablassen müsste.
Dass diese im vorliegenden Fall dennoch benutzt wurde und dann auch noch nicht einmal entfernt wurde, ist für mich eher in den Bereich der Nachlässigkeit des städtischen Personals einzuordnen.

Kosten 2

Im Zuge meines vorletzten Artikels haben mich sehr viele E-Mails erreicht. Ich schlage zum Teil die Füße über dem Kopf zusammen, weil die Hände schon ganz wund sind…. Was mir da an Bestatterrechnungen übersandt wurde, ist teils unglaublich.

Ich betreibe ein traditionelles Bestattungshaus im mittleren Preissegment. Immer wieder kommen Kunden und sprechen vom „Sargdiscount“, von dem sie im Fernsehen gehört hätten und wo es alles für 2 Euro geben soll. Vielleicht haben solche Extrem-Billigbestatter in großen Städten wie Berlin eine Nische, durchaus denkbar. Wo viel gestorben wird, wie in einer Millionenstadt, ist vieles rationeller abzuwickeln, als in einer mittleren Großstadt oder gar auf dem Land.

Keinesfalls beabsichtige ich, mich auf eine Kostendiskussion einzulassen. Das was wir berechnen, empfinde ich als fair und korrekt. Wir sind ein kaufmännisches Dienstleistungsunternehmen und nicht die Wohlfahrt. Wir müssen Geld verdienen, darum machen wir das ja auch.
Mein Bestreben ist es, Transparenz in die Sache zu bringen und zu erklären, warum was wie ist und gemacht wird.

Ich mache in diesem Weblog keine Werbung für mein Unternehmen und habe keinen wirtschaftlichen Nutzen davon, deshalb muss ich mich auch für nichts rechtfertigen. :-)

Wenn ich mir aber so anschaue, was mir das per E-Mail mitgeteilt wurde, dann bin ich doch schon verwundert, was andere Kollegen zum Teil so auf die Rechnung schreiben. Wer also eine Bestatterrechnung hat, kann mir die jederzeit zusenden, ich schaue mir die gerne an.
Außerdem würde ich, wenn genügend Material zusammenkommt, gerne mal eine Übersicht erstellen, wie teuer das Sterben in Deutschland ist und als wie teuer es empfunden wird.

Wer mir also eine Rechnung oder Aufstellung der Kosten zusenden möchte, kann das gerne tun: undertaker@europa-host.de

Ich garantiere, dass ich keine Namen von Instituten und Personen veröffentlichen werde. Im Wesentlichen interessieren mich die Städte, wo das Ganze spielt und die einzelnen Rechnungspositionen, am Besten noch mit den städtischen und sonstigen Nebenkosten, bis hin zum Grabstein. Je mehr ich da bekomme, umso aufschlussreicher kann die Übersicht werden.