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Gesetze und Richtlinien

In den nächsten Tagen und Wochen werde ich mal in loser Folge verschiedene Gesetze und Richtlinien hier zitieren.
Das mag für den einen oder anderen doch mal ganz interessant sein, die anderen können es ja einfach überblättern.

Update: Die Kategorie „Gesetze und Richtlinien“ wurde nach „Kommune, Verwaltung, Gesetze“ verschoben. 16.2.2008

Die Haubenlerche

Bin ja eigentlich kein Morgenmuffel. Im Grunde bin ich gerade morgens ein fröhlicher und aufgeweckter Mensch, vor allem dann, wenn man mich die ersten 1-2 Stunden nicht anspricht, mir ständig Kaffee reicht und mir am besten einfach aus dem Wege geht…

Kurz nach Acht jedenfalls sollte mir keiner begegnen und mir was vorsingen wollen.

Doch heute kam exakt um zwei Minuten nach Acht Frau U. zu mir, um sich zu bewerben. Die Damen vorne im Büro dachten, es handele sich um eine verabredete Besprechung und brachten Frau U. zu mir. Es zeigte sich dann, daß Frau U. Sopranistin ist und gerne hin und wieder auf unseren Beerdigungen singen würde.
Jetzt kommt es aber selten vor, dass sich die Menschen auf dem Friedhof etwas von einem Sopran wünschen, wenn schon dann muss es ein Tenor oder Bariton sein. Frau U. ließ sich aber nicht davon abhalten, mir etwas vorzusingen. So spontan, daß ich mich beinahe mit Kaffee vollgekleckert hätte. Wie eine Haubenlerche trällerte sie mir etwas vor.

Es dauerte auch nur knapp 8 Sekunden, dann standen auch schon die Damen vom Büro bei mir im Zimmer um sich davon zu überzeugen, daß ich der guten Frau U. nichts tue. Die freute sich aber sehr über den unerwarteten Zuwachs an Zuhörern und tirilierte in höchsten Tönen.

Schrecklich!!!!!!

Frau U. kann ja bestimmt schön singen, aber doch nicht morgens kurz nach Acht in meinem Büro!

Betriebsordnung für Feuerbestattungsanlagen

Betriebsordnung für Feuerbestattungsanlagen
RdErl. d. RMDI vom 5. 11. 1935 (RMBliV S. 1363)

§ 1

Für den Betrieb der Feuerbestattungsanlage ist der Betriebsleiter verantwortlich.

§ 2

(1) Leichen dürfen nur angenommen werden, wenn der Einlieferer die Leiche und sich selbst zweifelsfrei ausweist. Die Leichen müssen in Holz- oder Zinksärgen gebettet sein. Die Särge müssen möglichst frei von unverbrennbaren Metallverzierungen (Beschläge, Griffe) und von einer Größe und Beschaffenheit sein, die einmal bei der Einführung in die Einäscherungskammer keine Schwierigkeiten bereitet und sodann eine rauch- und geruchfreie Verbrennung gewährleistet.
(2) Folgende Maße der Särge sollen nicht überschritten werden:
Länge: 2100 mm
Breite: 750 mm (in Ausnahmefällen bis 800 mm)
Höhe: 720 mm (ausschließlich etwaiger Füße)
(3) Am Kopfende eines jeden Sarges soll sich ein Firmenschild des Einlieferers befinden, auf welchem Vor- und Zuname, das Geburts- und Sterbedatum des Verstorbenen sowie Tag und Stunde der Trauerfeier deutlich vermerkt ist.
(4) Befinden sich Wertgegenstände an der Leiche, so hat der Einlieferer darauf hinzuweisen und der Abnehmende sich von dem Vorhandensein derselben zu überzeugen.
(5) Die Einlieferung einer Leiche ist in ein Buch (Einlieferungsbuch) mit folgenden Angaben zu vermerken:
a) Vor- und Zuname der eingelieferten Leiche,
b) Name (Firma) des Einlieferers,
c) Tag der Einlieferung,
d) ob und welche Wertsachen sich an der Leiche befinden.
Der Abnehmende und der Einlieferer haben die Richtigkeit der Angaben im Buch durch Unterschrift zu bescheinigen.

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Ein Toter zuviel 4

Jetzt müsste die Überschrift „Ein Toter mehr“ heißen, denn wir haben den Auftrag. Ich kann beim besten Willen nicht herausfinden, ob die im Nachbarort jetzt in unsere Filiale gegangen wären oder ob sie zum dortigen Dorfbestatter gegangen wären. Sie sind gleich hier in die Hauptfiliale gekommen und haben ein Paket gebucht. Zweimal habe ich gefragt, zu wem sie gegangen wären, aber die Antworten waren irgendwie nur verwirrend bzw. verworren.

Egal, die wollen ein Gesamtpaket. Neben der Möglichkeit, sich alle Produkte individuell zusammenzustellen, kann man bei uns nämlich auch ein Paket aus vier Klassen buchen. Die heißen Schlicht, Standard, Gehoben und Premium.

Die heutigen Kunden haben „Gehoben“ gebucht und keine besondere Wünsche. Da läuft bei uns die Maschinerie wie geölt und wahrscheinlich ist schon am Montag die Beerdigung.

Im Paket „Schlicht“ ist die Überführung, ein einfacher Pappelholzsarg, ein Talar, die Decke und das Kissen, ein Gesteck für den Deckel und alles an Nebenleistungen enthalten. Bei „Standard“ ist der Sarg besser, das Gesteck größer, es kann eigene Kleidung verwendet werden, und Decke und Kissen sind feiner. Beim Paket „Gehoben“ ist dann bei einer weiteren gesteigerten Ausstattung noch eine Zeitungsanzeige und ein Kranz, sowie der Trauerdruck mit 50 Trauerkarten enthalten. Außerdem ist eine offene Aufbahrung bei uns im Haus enthalten. In der „Premium“-Ausstattung gibt es dann eine große Sargtruhe, eine edle Innenausstattung, eine Sargausschmückung mit Blumen, Deckelgesteck, Kranz, Zeitungsanzeige, Trauerdruck, Aufbahrung und Trauerfeier bei uns.

Diese Pakete werden seltener von Kunden gebucht, die direkt bei uns im Büro sitzen. Wer aber von außerhalb so etwas regeln muss, der ist dankbar, wenn er sich anhand dieser „Pakete“, die wir in einer Übersichtstabelle zufaxen können, einen Überblick verschaffen kann.

Bunter Sarg 2

In der Mittagspause will ich eben noch die Fortsetzung schreiben:

Mutter und Sohn sind gestern bei mir gewesen, leider sind die wirklich so jung wie ich befürchtete. Der Junge mag etwa 10 gewesen sein und die Frau gerade mal Anfang 30. Der Vater und Ehemann war gestern Mittag im Krankenhaus verstorben und hatte sich gewünscht, in einem grünen Sarg beerdigt zu werden, mit Blattmotiven drauf.

Mutter und Sohn waren erstaunlich gefasst und ich hatte schon fast den Eindruck, daß die Trauer ziemlich verdrängt wurde. Es stellte sich dann aber heraus, daß der Vater ganze zwei Jahre einen schweren Kampf gegen den Krebs gekämpft hatte und man seinen Tod wirklich als Erlösung empfindet.

Der Mann hat die letzten Monate auf der Palliativ-Station des Krankenhauses zugebracht und nach meinen persönlichen Erfahrungen und nach dem was mir die beiden gestern erzählt haben, möchte ich mal ausdrücklich sagen, was für segensreiche Einrichtungen diese palliativen Einrichtungen sind. Wer mehr darüber wissen möchte, findet hier einen Link zum entsprechenden Wikipedia-Artikel.

Wenn Menschen aufgrund von Krankheiten sowieso sterben müssen, und leider ist das in vielen Fällen so absehbar und unausweichlich, dann ist es ein wunderbarer Gedanke, daß ihnen die verbleibende Zeit so angenehm und schmerzfrei wie möglich gestaltet wird. Ihnen wird das harte, kalte Sterben, angeschlossen an den Maschinenpark der Intensivmedizin erspart.

Viele Palliativstationen bereiten die Angehörigen und den Patienten sehr gefühlvoll und einfühlsam auf das Sterben vor, das dann nicht mehr als großer Schock empfunden wird, sondern -so merkwürdig sich das auch anhört- gemeinsam erlebt bzw. durchlebt wird.

Das war zumindest in diesem Fall der Grund dafür, daß der letzte Schritt, die Bestattung, nunmehr als rein technischer Akt empfunden wird und recht sachlich angegangen wird.

Genaue Vorstellungen hatten die beiden nicht. Sie hatten grüne Farbe besorgt, eine Dose und ein paar Tuben, etliche Pinsel und stellten sich einfach eine grüne Grundierung mit aufgemalten Blättern vor. Einer der Fahrer hat sich um die beiden gekümmert, er war in der Nähe, hat ein bißchen geholfen und wohl so etwas wie einen Narren an den beiden gefressen. Später hörte ich dann, der habe sich dann noch einen Kittel angezogen und richtig mitgeholfen. Die drei seien zusammen auch noch fortgefahren.

Heute Morgen sagte man mir, ich solle mir den Sarg doch mal anschauen, was ich dann auch tat.
Der Sarg ist jetzt dunkelgrün gestrichen und die oberste Deckelplatte ist komplett mit echten Blättern bedeckt. Mit dem Tacker sind die schuppenartig befestigt. Sieht richtig gut aus! Sowas fände ich auch schön.

Unser Fahrer ist mit den beiden noch in den Wald gefahren und sie haben zwei Plastiksäcke voll Blätter gesammelt. Mit den restlichen Blättern ist der Sarg innen ausgepolstert worden, sodaß wir keine Sargmatratze benötigen.

Die Idee mit dem Laub als Innenpolsterung will ich mal im Hinterkopf behalten, das ist okölogisch, okönomisch und kommt vielleicht bei den einen oder anderen Kunden ganz gut an.

Ein Toter zuviel 3

Wenn das so weitergeht, müssen wir den vielleicht noch zerteilen, damit jeder in der Familie zum Zug kommt. Die Kinder sind sich uneins, die einen wollen auf keinen Fall daß noch irgendwelche Kosten hinzukommen, was der Fall wäre wenn der Verstorbene nochmal überführt werden muss und die anderen wollen unbedingt, daß es ein anderes Institut vom Nachbarort macht.

Außer unserer Filiale gibt es aber im Nachbarort nur noch einen Dorfbestatter. Den habe ich vorhin mal angerufen, er weiß aber von nichts. Jetzt meint meine Frau, daß die sich möglicherweise um des Kaisers neue Kleider streiten, daß die nämlich mit dem „anderen Bestatter“ unsere Filiale meinen…

Vielleicht sollte ich die Betreffenden einfach mal herbestellen, damit man „zu Potte kommt“.

Ein Toter zuviel 2

Jetzt haben wir es. Der neu Verstorbene ist ein Cousin des vorher Verstorbenen und war wohl sehr herzkrank. Der ist schon mal „mit dem Flieger“ aus Spanien wieder nach Hause gebracht worden, weil er dort krank geworden war.

Er stammt aus dem Nachbarort und es könnte gut sein, daß die Familie einen dortigen Bestatter mit der Sache betraut.
Mal sehen, ob wir den Mann noch überführen müssen. Der eine Teil der Familie scheint der Meinung zu sein, daß wir das machen sollen wo er doch schon mal bei uns ist und der andere Teil der Familie meint, man solle den Bestatter nehmen, den man früher schon immer genommen hat.

Ein Toter zuviel

Manchmal schlägt Bruder Hein auch auf Friedhöfen, bei Trauerfeiern oder in der Kirche zu.
Dann kann es passieren, daß wir dorthin ausrücken müssen, um einen jüngst Verstorbenen abzuholen.

Davon erzählt diese Geschichte:

Eine Mitarbeiterin erreicht mich auf dem Handy und teilt mir mit, bei einer Trauerfeier sei etwas Fürchterliches passiert.

Mir fährt der Schreck in die Knochen, denn wenn die Mitarbeiter mich während der Betreuung einer Trauerfeier anrufen, heißt das meistens nichts Gutes. Blumen vergessen? Sarg auseinandergefallen? Leiche verwechselt? Falscher Friedhof? Pfarrer nicht gekommen? Orgel explodiert? Das sind dann so die Gedanken, die mir durch den Kopf schießen…

„Da ist einer gestorben“, flüstert Sandy, meine Mitarbeiterin vor Ort, in ihr Handy.

„Ja und, deshalb sind wir doch da?“

„Das ist aber ein anderer.“

„Wie ein anderer?“

„Nach der Trauerfeier sind die Trauergäste vorne aus der Kapelle vom Friedhof raus und einer von denen hat einen roten Kopf gekriegt und ist tot umgefallen.“

„Wie, tot umgefallen?“

„Einfach so. Der Notarzt kommt jeden Augenblick.“

„Soll ich rauskommen?“

„Nee, ich mach das schon, aber der Wagen muss dann erst den fahren.“

Bei dieser Trauerfeier handelte es sich um eine Sargfeier, wie sie vor allem im Osten sehr populär ist. In der Trauerhalle wird eine Feier mit dem Sarg gemacht, dann gehen die Trauergäste hinaus und unsere Leute laden den Sarg ein, um ihn zum Krematorium zu bringen. Jetzt wird der Sarg etwas warten müssen und der bereitstehende Bestattungswagen fährt dann zuerst den Toten.

Kurz darauf bekomme ich nochmals Bescheid. Der Mann hat wohl einen schweren Herzanfall oder -infarkt bekommen, den dritten oder vierten schon. Nachher wird er zu uns gebracht und dann schauen wir mal, ob die Angehörigen uns den Auftrag erteilen.