Lager

Aus einem Kundenanruf:

Habt ihr meinen Vater noch auf Lager oder wurde der schon zum Friedhof gebracht?

Tja, so kann man das auch sagen.

Fehler durch Lektorin Anya bereinigt.

Bewerbung

Aus einer Bewerbung, die exakt so heute bei mir eingegangen ist:

Für die Stelle als Bürokaufmann oder Frau möchte ich mich hiermit bewerbern. Ich habe grosses Interesse an Menschen und Sachen. Im Februar 2007 habe ich in ein Praktikum bei einer Tankstelle erste Erfahrungen auf dem Gebiet der Menschen gemacht und möchte diese auch in Sie einbringen.

Ich habe den PKW-Führerschein und für Mofa. Ich wohne derzeit in XYZ, bin 18 Jahre alt und meine Mutter auch bei der ich zurzeit noch wohne. Meine Hobbys sind Musik und Computer. Ich kann als Fremdsprachen Englisch und natürlich Deutsch. Deutsch habe ich gute Kenntnisse, Englisch weniger.

Es würde mich freuen wenn Sie mich zu einem Vorstellungsgespräch einladen und behalten würden, da ich schon immer den inneren Wunsch verspürt habe mit toten Menschen was zu machen. Ich bin gewiss der geeignete Kanidat.

Hmmm, mal sehen, ob ich den nehme.

Schon wieder beklaut

Man kann es fast nicht glauben und meine Mitarbeiter und ich schütteln vermutlich morgen noch den Kopf.
Heute Morgen hatten wir drei Beratungsgespräche mit trauernden Familien. Insgesamt sind so 12 Personen bei uns gewesen.
Und jetzt fehlen im Ausstellungsraum zwei Rosenkränze an der Wand. Definitiv muss einer von den Angehörigen die Dinger geklaut haben.

rosenkranz.jpg

Diese Rosenkränze sind ein sehr preiswertes Produkt, das wir von einem Kloster in Allgäu direkt beziehen. Die Nonnen verdienen sich dort etwas Geld mit der Herstellung von Devotionalien. Wir kaufen dort Rosenkränze mit weißen oder schwarzen Perlen, kleine Kruzifixe und bestickte weisse Schleier. Diese Gegenstände nutzen wir in verschiedenster Weise. Die Schleier beispielsweise eignen sich sehr gut, um das Gesicht eines Verstorbenen leicht zu verhüllen. Man erkennt ihn dann zwar noch, aber der Anblick des Todes ist etwas gemildert. Rosenkränze und Kreuze geben wir gläubigen Verstorbenen auf Wunsch der Angehörigen in die Hände.

Diese Produkte sind so preiswert, dass wir sie meistens den Familien nicht in Rechnung stellen. Ausgerechnet sowas wird uns heute geklaut. Machen können wir nichts, schließlich sind auch wir auf jeden Auftrag angewiesen.

Lack und Leder

Gestern Abend gegen 20 Uhr klang es aus dem Telefon: „Der Paul ist tot.“
Die Frauenstimme klang sehr überzeugend, aber die Adresse, die uns genannt wurde, klang weniger vertrauenserweckend.
Es ist nicht gerade das Rotlichtviertel der Stadt aber wir wissen alle, was es dort für Läden und Clubs gibt. Sicherheitshalber haben wir wie immer zurückgerufen und uns vergewissert, aber es schien alles in Ordnung zu sein.

Vor Ort sahen wir dann, dass es sich bei der Adresse tatsächlich um einen Sauna-Club handelte, in dem Frauen ihre Dienstleistungen erbringen. Paul lag oben unterm Dach in seinem Bett und war kein Freier. Paul war das Faktotum des Hauses, ein älterer Mann, der sich seit Jahren um die Damen des Hauses gekümmert hatte. Wie man uns erzählte, hatte er saubergemacht, Brote geschmiert, Besorgungen gemacht usw.
Und gestern ist er dann eben verstorben, natürliche Todesursache, Papiere in Ordnung.

Wir können ja nicht für Gotteslohn arbeiten und deshalb musste auch die Frage berechtigt sein, wer denn für die Beerdigung aufkommt.
„Na wir“, tönte eine ziemlich große Frau in Lack und Leder. Heftiges Nicken reihum und fragende Blicke. Ich habe dann kurz erfragt, um was es sich im Einzelnen handeln solle und vorsichtshalber ein Auftragsformular bereitgehalten. „Es muss kein Pomp sein, aber wir wollen auch nicht sparen.“ Na gut! Ich habe es ausgerechnet, die Summe genannt und wenig später legten mir die Damen reihum Geld in bar auf den Tisch, alles in allem genug, um den Paul anständig unter die Erde zu bringen.

Find ich gut!

Spanien

Gerade am Telefon:

„Sagen Sie mal, kann man eigentlich auch in Spanien sterben?“

Ich muss das Lachen unterdrücken und erkundige mich, um was es geht.

„Ja wir fahren morgen nach Spanien und ich schreibe meinen Kindern alles für den Notfall auf. Jetzt will ich wissen, ob die bei Ihnen anrufen können, falls wir in Spanien sterben, ob Sie uns dann abholen oder wie das so geht.“

Natürlich können die Leute in Spanien sterben; und wir holen sie, kein Problem.

Rufnummerunterdrückung

Ach, was bin ich froh, dass es jetzt die Rufnummernübermittlung gibt. Seitdem es diese feine Einrichtung gibt, hat die Zahl der Spassanrufe rapide abgenommen.

Manche fanden es ja witzig, vor allem nachts, bei einem Bestatter anzurufen und irgendeinem Saufkumpan einen Sarg an die Haustür liefern zu lassen. Uns ist es etwa 5 – 6 x im Jahr passiert, dass wir solche Anrufe bekamen, manchmal auch von Jugendlichen.
Wir sind aber noch nie auf sowas reingefallen, weil wir automatisch eine Rückrufnummer verlangen und immer zurückrufen.

Etwas komisch kam uns vor einigen Wochen vor, dass wir einen Toten in einem Zirkus abholen sollten. Aber die Sache war echt. Der Mann hatte während der Vorstellung einen Herzanfall erlitten, war daran verstorben und der Arzt hatte „natürliche Todesursache“ angekreuzt; also Abholung am Manegenrand.
Nebenbemerkung: Die ganze Zirkuscrew war zur Beerdigung gekommen.

Share your memories

Der Trend geht ja allgemein zur Feuerbestattung. Dieses Jahr wird wohl das erste Jahr hier bei uns sein, in dem mehr Feuer- als Erdbestattungen durchgeführt werden. Bislang lagen die Erdbestattungen immer mit einer hauchdünnen „Mehrheit“ vorne. In den neuen Bundesländern sieht das übrigens anders aus, da wird seit Jahrzehnten überwiegend eingeäschert.

urnen.jpg

Im Zuge der zunehmenden Feuerbestattungen gibt es auch immer häufiger den Wunsch zu anonymen Bestattungen. Hierbei wird die Urne an einem nicht näher bestimmten Tag an einem oft auch nicht näher bezeichneten Platz auf dem Friedhof beigesetzt. Je nach Kommune kann das ein Wiesenfeld sein, ein Baumhain oder eine unterirdische Gruft. Manchmal wissen die Angehörigen in welchem Teil des Friedhofs die Urne ungefähr liegt, der exakte Platz bleibt jedoch ungenannt. Das hat seinen Grund: Die Friedhofsverwaltungen wollen auf diese Weise vermeiden, dass einige Familien doch anfangen, die Stelle zu pflegen oder zu schmücken. Anonym ist eben anonym und man macht das ja in der Regel genau aus dem Grund, dass man keine Grabpflege treiben muss/will.

Weiterlesen

Bestohlen

Sowas gibt es doch gar nicht!
Heute Nachmittag sind wir bestohlen worden. Wir wurden zu einem Sterbefall in die Nachbarstadt gerufen. Unsere Fahrer fahren mit dem Bestattungswagen vor, öffnen die Heckklappe und nehmen die Trage, um den Verstorbenen aus der Wohnung zu holen. In der kurzen Zeit, in der sie abwesend waren, hat uns jemand die Metallsperre gestohlen, mit der die Trage dann im Wagen fixiert wird.

Das ist eine 60cm lange Vierkantstange aus Edelstahl mit zwei Metallschrauben. Es kann entweder nur ein Dummerjungenstreich sein oder ein Schrottsammler hat zugeschlagen. Irgendein Privatmann kann mit dem Spezialteil nichts anfangen.

Die Herstellerfirma, die für den Ausbau dieses Bestattungswagens zuständig ist, liefert das Teil für 180 Euro. Da muss ich am Montag erst mal gucken, ob das mitversichert ist.

Ärgerlich, sowas!