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Kombi

Ich feg mich gleich unter den Kühlschrank!

„Bestattungshaus yxz, grüß Gott!“

„Ja, hier Meier, unser Vater ist tot.“

„Ja, war denn der Arzt schon da?“

„Der war schon da.“

„Gut, dann notiere ich mir jetzt Ihre Adresse und dann kommen wir vorbei, um den Verstorbenen abzuholen.“

„Das brauchen Sie nicht.“

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Polizeieinsätze

Hier ist es so, dass die Polizei ihre Toten immer durch ein festes Unternehmen abholen liess. Das hat uns und einem Kollegen nicht gefallen. Wenn also irgendwo ein Mordopfer gefunden wird oder ein Unfalltoter zu beklagen ist, kam immer Bestatter XYZ und holte den Verstorbenen ab. Logischerweise erhielt der auch in 90% der Fälle den Auftrag für die Bestattung, wo doch der Verstorbene schon bei ihm war.

Warum immer dieses eine Unternehmen genommen wurde, ist unbekannt, das war schon immer so. Böse Zungen sagen, dass der eine oder andere amtliche Bedienstete dadurch gewisse Vorteile gehabt habe, aber das kann ich nicht bestätigen, weder positiv noch negativ.

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Düdelidü

Ich hätte ja nie gedacht, dass mir mal sowas passiert… Heute nachmittag, es ist ganz ruhig in der Firma, gehe ich noch einmal zur Kontrolle durch die ganzen Räume, bevor ich nach Hause fahre. Ich schaue auch in die Kühlkammer, drei Verstorbene liegen dort. Eine Verstorbene fix und fertig eingebettet im Sarg, einer nur in Laken gewickelt auf einer Zinkwanne und ein dritter noch auf der Trage. Dieser Dritte war heute erst „reingekommen“, ist noch nicht behandelt, weil wir noch nicht wissen, was die Angehörigen für den ausgesucht haben.

Genau in diesem Moment passiert es, unter dem grauen Überzug der Trage fängt es an zu dudeln, der Tote hatte tatsächlich ein Handy in der Hosentasche. Ich habe mich lange schon nicht mehr so erschrocken.
Noch mehr hätte ich mich aber erschrocken, wenn der Tote rangegangen wäre :-)

Dicke Tränen

Meine Firma hat drei Filialen. Die Hauptfiliale in einer süddeutschen Stadt, zwei kleinere in Vororten. In der Hauptfiliale befindet sich die Verwaltung und Werkstatt, Ausstellungsraum und Beratungsbüros. In den beiden kleinen Filialen haben wir nur eine kleine Ausstellung und Beratungszimmer.

Dank der modernen Technik mit ISDN, Rufumleitung und Handys kann man uns natürlich immer erreichen und an allen Filialen sind Sprechanlagen an der Klingel, über die man jederzeit mit uns sprechen kann. Etwa 2-3 x im Jahr kommt das vor, dass jemand ausserhalb der Dienstzeit, ohne uns vorher anzurufen, direkt mit den Todespapieren in der Hand vor dem Bestattungshaus steht und klingelt.

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Lager

Aus einem Kundenanruf:

Habt ihr meinen Vater noch auf Lager oder wurde der schon zum Friedhof gebracht?

Tja, so kann man das auch sagen.

Fehler durch Lektorin Anya bereinigt.

Bewerbung

Aus einer Bewerbung, die exakt so heute bei mir eingegangen ist:

Für die Stelle als Bürokaufmann oder Frau möchte ich mich hiermit bewerbern. Ich habe grosses Interesse an Menschen und Sachen. Im Februar 2007 habe ich in ein Praktikum bei einer Tankstelle erste Erfahrungen auf dem Gebiet der Menschen gemacht und möchte diese auch in Sie einbringen.

Ich habe den PKW-Führerschein und für Mofa. Ich wohne derzeit in XYZ, bin 18 Jahre alt und meine Mutter auch bei der ich zurzeit noch wohne. Meine Hobbys sind Musik und Computer. Ich kann als Fremdsprachen Englisch und natürlich Deutsch. Deutsch habe ich gute Kenntnisse, Englisch weniger.

Es würde mich freuen wenn Sie mich zu einem Vorstellungsgespräch einladen und behalten würden, da ich schon immer den inneren Wunsch verspürt habe mit toten Menschen was zu machen. Ich bin gewiss der geeignete Kanidat.

Hmmm, mal sehen, ob ich den nehme.

Schon wieder beklaut

Man kann es fast nicht glauben und meine Mitarbeiter und ich schütteln vermutlich morgen noch den Kopf.
Heute Morgen hatten wir drei Beratungsgespräche mit trauernden Familien. Insgesamt sind so 12 Personen bei uns gewesen.
Und jetzt fehlen im Ausstellungsraum zwei Rosenkränze an der Wand. Definitiv muss einer von den Angehörigen die Dinger geklaut haben.

rosenkranz.jpg

Diese Rosenkränze sind ein sehr preiswertes Produkt, das wir von einem Kloster in Allgäu direkt beziehen. Die Nonnen verdienen sich dort etwas Geld mit der Herstellung von Devotionalien. Wir kaufen dort Rosenkränze mit weißen oder schwarzen Perlen, kleine Kruzifixe und bestickte weisse Schleier. Diese Gegenstände nutzen wir in verschiedenster Weise. Die Schleier beispielsweise eignen sich sehr gut, um das Gesicht eines Verstorbenen leicht zu verhüllen. Man erkennt ihn dann zwar noch, aber der Anblick des Todes ist etwas gemildert. Rosenkränze und Kreuze geben wir gläubigen Verstorbenen auf Wunsch der Angehörigen in die Hände.

Diese Produkte sind so preiswert, dass wir sie meistens den Familien nicht in Rechnung stellen. Ausgerechnet sowas wird uns heute geklaut. Machen können wir nichts, schließlich sind auch wir auf jeden Auftrag angewiesen.

Lack und Leder

Gestern Abend gegen 20 Uhr klang es aus dem Telefon: „Der Paul ist tot.“
Die Frauenstimme klang sehr überzeugend, aber die Adresse, die uns genannt wurde, klang weniger vertrauenserweckend.
Es ist nicht gerade das Rotlichtviertel der Stadt aber wir wissen alle, was es dort für Läden und Clubs gibt. Sicherheitshalber haben wir wie immer zurückgerufen und uns vergewissert, aber es schien alles in Ordnung zu sein.

Vor Ort sahen wir dann, dass es sich bei der Adresse tatsächlich um einen Sauna-Club handelte, in dem Frauen ihre Dienstleistungen erbringen. Paul lag oben unterm Dach in seinem Bett und war kein Freier. Paul war das Faktotum des Hauses, ein älterer Mann, der sich seit Jahren um die Damen des Hauses gekümmert hatte. Wie man uns erzählte, hatte er saubergemacht, Brote geschmiert, Besorgungen gemacht usw.
Und gestern ist er dann eben verstorben, natürliche Todesursache, Papiere in Ordnung.

Wir können ja nicht für Gotteslohn arbeiten und deshalb musste auch die Frage berechtigt sein, wer denn für die Beerdigung aufkommt.
„Na wir“, tönte eine ziemlich große Frau in Lack und Leder. Heftiges Nicken reihum und fragende Blicke. Ich habe dann kurz erfragt, um was es sich im Einzelnen handeln solle und vorsichtshalber ein Auftragsformular bereitgehalten. „Es muss kein Pomp sein, aber wir wollen auch nicht sparen.“ Na gut! Ich habe es ausgerechnet, die Summe genannt und wenig später legten mir die Damen reihum Geld in bar auf den Tisch, alles in allem genug, um den Paul anständig unter die Erde zu bringen.

Find ich gut!