Wenn ich als kleines Kind mal einen Krümel am Mund hängen hatte, machte Tante Röschen immer die Handtasche des Schreckens auf.
In dieser Handtasche, die enorme Ausmaße hatte, befanden sich neben den überlebenswichtigen Konservenvorräten (der Russe könnte ja kommen), auch ein Stofftaschentuch von der Größe einer Tischdecke.
Das wickelte sie dann um ihre gar nicht schlanken Finger, bis nur noch ein Zipfel hervorlugte, und den Zipfel machte sie dann naß.
Mit Spucke!
Und mit diesem vollgesabberten Witwenlumpen wischte mir die Tante dann im Gesicht herum. Ekelhaft!
Aber nicht deshalb war die Handtasche der Tante die Tasche des Schreckens, sondern weil aus dieser Tasche immer so ein grauenvoller Gestank empor stieg.
„Tante Röschen“, frug ich eines Tages: „Sachma, ist in Deiner Tasche irgendwann mal ein Wiesel verendet?“
„Goldig, der kleine Peter“, lachte sie und fragte zurück, wie ich denn darauf käme.
„Na, weil’s aus Deiner Tasche so erbärmlich stinkt.“
Große Aufregung im gesamten Kaffeekränzchen. Alle versammelten alten Frauen öffneten ihre Handtaschen und der Höllengestank multiplizierte sich. Wie auf ein geheimes Kommando aus der 4711-Zentrale zogen alle alten Weiber ein Fläschchen Tosca aus ihren Taschen. „Aber Peter, das ist doch Tosca!“



