Friedhofs Knigge

Wie benimmt man sich nun eigentlich auf einem Friedhof?
Es gab früher mal Zeiten, da war das jeden so ziemlich klar. Das waren die Zeiten, als die Friedhofskultur noch hochgehalten wurde. Es waren aber auch die Zeiten, in denen die Menschen früher starben. Das brachte es mit sich, daß die Angehörigen oft schon im Kindes- oder Jugendlichenalter mit auf den Friedhof gingen. So lernten sie von den Älteren, was man anzieht, wie man sich verhält und was man besser bleiben lässt.

Heute sieht das oft anders aus. Die Themen Tod, Sterben und Bestattung sind zwar nicht mehr mit dem großen Tabu belegt, wie früher, aber die Menschen sind noch mehr der Freizeit und dem Erleben zugewandt als je zuvor.
Mit Fragen rund um den Friedhof mag man sich in einer so leichtlebigen Zeit nicht befassen.

Der Duisburger Trauerredner Dirk R. Schuchardt hat sich Gedanken zu diesem Thema gemacht und einen kleinen „Friedhofs-Knigge“ verfaßt.

Mehr dazu kann man hier nachlesen:

http://ehrensacheblog.de/kleiner-friedhofs-knigge/

Tot oder lebendig – wie ist es bestellt um die deutsche Friedhofskultur?

„Wenn man die Inschriften auf den Friedhöfen liest, fragt man sich unwillkürlich, wo denn eigentlich die Schurken begraben liegen.“

Der vor allem für seine Paraderolle als Inspektor Clouseau bekannte Schauspieler Peter Sellers soll diese Worte einst gesagt haben. Was er damit gemeint hat, ist klar und gilt auch bei uns in Deutschland: Wir sind es gewohnt, auf Grabsteinen würdevolle und ehrerbietende Inschriften zu lesen, die dem oder der Verstorbenen die letzte Ehre erweisen und ihn oder sie im besten Lichte ruhen lassen. Solch klassische Inschriften gehören neben der Steinmetzkunst, der Errichtung von Grabsteinen, dem Schmücken der Gräber sowie besonderen Ritualen an Feiertagen und der Anerkennung des Friedhofs als sozialen Treffpunkt zur deutschen Friedhofskultur, die nun sogar zum immateriellen UNESCO- Weltkulturerbe erhoben werden soll.

Doch genau wie sich unsere gesamte Gesellschaft wandelt, gilt das auch für unsere Friedhöfe. Leben ist Veränderung und Tod bzw. die Beschäftigung damit scheinbar ebenso. Auch fällt auf, wie rasant diese Veränderungen sich mitunter vollziehen.

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Was ändert sich konkret (oder hat sich schon geändert)?

  • Die Erdbestattung, die ohnehin seit längerem nicht mehr die einzig wählbare Beisetzungsform ist, verliert seit einigen Jahren zunehmend an Bedeutung.
  • Seebestattungen und vor allem Urnenbestattungen werden immer beliebter: Urnengräber, Friedwälder, Grabeskirchen sind gefragte alternative Bestattungsformen.
  • Die vieldiskutierte Schere, die unsere Gesellschaft durchzieht, zeigt sich auch bei den Bestattungen: Auf der einen Seite gibt es einen Trend zur Individualisierung der Grabmale, auf der anderen Seite aber auch den Trend zur Anonymität.
    Übrigens lässt sich dieser Wandel auch an Traueranzeigen in den Zeitungen ablesen. Galt die Traueranzeige lange als konservative Textform, die sich so gut wie gar nicht veränderte, findet dort mittlerweile ein „buntes Durcheinander“ statt mit Bildern, Zitaten, Sprüchen, Fotos etc.
  • Der Friedhof als Ort der Gemeinschaft und der gesamten Trauergemeinde sowie christliche Bestattungsformen und –rituale verlieren an Bedeutung, viele Menschen trauern heute „anders“ (Trend Online-Friedhof, „freie“, weltliche Trauerfeiern).

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Wenn die Leiche zu dick ist

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In Werne sollte ein Bestatter eine Verstorbene abholen.
Als er am Einsatzort ankam, stellte der Bestatter fest, daß die Verstorbene deutlich über 200 Kilo wog.
Das war für den Bestatter und seinen Mitarbeiter zu viel.

So wandte sich der Bestatter in seiner Not an die Polizei. Die Polizei konnte zwar nicht direkt helfen. Allerdings wußte man, daß die Feuerwehr eine Drehleiter mit einem Spezialkorb für extrem schwere Lasten besitzt.
So rückte dann die Drehleiter des Löschzugs 1 der Freiwilligen Feuerwehr, sowie ein Löschfahrzeug und ein Rüstwagen, insgesamt besetzt mit neun Feuerwehrleuten zum Einsatzort aus.

Allerdings konnte auf den Einsatz von schwerem Gerät verzichtet werden. Sechs Feuerwehrleute, zwei Bestatter und eine Spezialtrage waren alles, was man benötigte, um die Frau würdevoll und anständig aus der Wohnung zu transportieren.
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Bestattungschaos in Venezuela – Leute bringen die Toten in Koffern zum Krematorium

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Die katastrophale wirtschaftliche Lage hat dazu geführt, daß im einstmals reichsten Land Lateinamerikas sogar das Klopapier in den Läden knapp wird.
Engpässe gibt es aber auch beim Material für Särge. Holz und Metallbeschläge sind kaum noch aufzutreiben. Stagnierende Importe und die weltweit höchste Inflation haben zu dieser Situation geführt.

Mittlerweile sind Bestattungen für die Venezolaner so teuer, daß sie sich diese nicht mehr leisten können.
Vor so manchen Friedhof spielen sich grauenvolle Szenen ab. Angehörige tragen ihre Verstorbenen in großen Reisekoffern zum Begräbnis oder ins Krematorium.
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Plötzlicher Todesfall: Welche Finanzierungsmöglichkeiten bestehen?

Ein Todesfall ist fast immer ein unerwarteter Schicksalsschlag – der zudem auch finanziell erhebliche Konsequenzen nach sich zieht. Denn eine Beerdigung kostet in Deutschland mindestens rund 7.000 Euro, die von den Hinterbliebenen getragen werden müssen. Wer kein Kapital vererbt, wird seine Nachkommen mit diesen Kosten belasten müssen. Welche Alternativen gibt es hierzu?



Beerdigungskosten setzen sich aus vielen Einzelpositionen zusammen



Eine Bestattung in Deutschland ist für die meisten Menschen unerwartet teuer: Die Leistungen des Bestatters allein schlagen mit etwa 1.500 bis 2.000 Euro zu Buche. Hier sollte auch immer verglichen werden, ob die Leistungen des Bestatters nicht überteuert sind. Darin enthalten sind neben den Verwaltungskosten der Sarg sowie die Überführungen und die Totenbekleidung. Weiterhin müssen für Fremdleistungen wie die obligatorische Kaffeetafel, den Trauerredner, den Totenschein und das Orgelspiel insgesamt weitere 2.000 Euro ausgegeben werden. Für Beisetzungsgebühren, Grabnutzung für 20 Jahre sowie die Verwendung der Trauerhalle werden rund 3.000 Euro fällig – was aufsummiert die bereits zu Beginn abgeschätzten 7.000 Euro ergibt.
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Sandy und die Fackel

Sandy und ich sind als Abordnung unseres Bestattungshauses zu einem Grillfest eingeladen.
Der Chef des örtlichen Blumengeschäfts, Friedhofsgärtnermeister Harald Niedlich, hat ein paar seiner Freunde und die Friedhofsbediensteten, sowie „die ganze Belegschaft vom Bestatter“ zu sich in den Garten eingeladen.
Meine Frau hat leider keine Zeit und so springt Sandy, die langbeinige, schwarzhaarige Amerikanerin als Tischdame für sie ein.
Die Adresse habe ich mir, so wie Herr Niedlich sie mir durchgegeben hat, auf einen Zettel geschrieben.

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„Vunn hinne nei, wo mein Betrieb ist, do an der Birke, wo’s net weitergeht, das sieht man schon, da geht’s halt nei.“

Ich finde die Stelle nicht auf Anhieb, was unter anderem daran liegt, daß es rund um das Gärtnereigelände so an die 80 ausgewachsene Birken gibt, nur ist keine davon auch nur in der Nähe irgendeines Eingangs.
So fahre ich also bereits zum dritten Mal um das ganze Betriebsgelände herum, ohne einen bebirkten Einlass zu finden. Da zeigt Sandy auf ein Schild am Wegesrand, es ist ein Pfeil mit der Aufschrift „Eichbaum“, einer hier bekannten Biermarke.
Warum auch nicht? Ich folge dem Schild und tatsächlich befindet sich am Ende der Straße das Eichbaum-Bier ausschenkende Gasthaus „Zur Birke“ und nicht weit davon finden wir dann auch endlich eine Zufahrt zu einem Gartengrundstück.
Und noch besser: Es ist sogar der Garten von Gärtnermeister Niedlich.
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Der Praktikant

Mann“, sprach die Allerliebste eines Tages zu mir und ich reagierte, wie es für einen eheerprobten Mann geziemt, ich stellte meine Ohren auf Durchzug. Dabei verfällt mein Gehirn in einen „Die-Frau-redet-Modus“ und ich kann dabei im Kopf ganze Romane entwerfen oder Schillers Glocke rückwärts aufsagen. Gleichzeitig sorgt mein vegetatives Ehesystem dafür, daß mein Kopf in etwa 20-sekündigen Abständen nickt, und mein Mund sagt „Ach was?“ oder „Was Du nicht sagst?“ und fragt „Und sonst?“. Und wenn der Redefluß verebbt, sagt mein Mund den abgespeicherten Satz:

„Oh Liebste, ich vernahm Deine wohlgesetzten Worte, finde Dich gar liebreizend, und was immer Du auch anziehen magst, es wird Dich kleiden, wie keine andere. Das was Du mich zu tun batest, werde ich gewissenhaft erledigen und Du wirst in allem keinen Grund zu Schimpf und Beischlafentzug finden. Gehabe Dich fürweil wohl, mein holdes und geliebtes Weib.“

Wiegesagt, ich kann dabei im Kopf den ganzen Conrad-Katalog herunterbeten, Primzahlen deklinieren und lateinische Verben multiplizieren.

So, nun gibt es aber so einen Schwachpunkt, der auch Ihnen, meine lieben Leserinnen und Leser, sehr bekannt ist. Ich habe eine Schwäche für alles, das piepst, blinkt und das mit Batterien gefüttert wird.
Kurzum, fließt Strom durch, ist es meins.

Zauber der Lyrik

So drangen durch die Deklination der Conrad-Bestellnummern die Worte Solar und Strom an mein Fischhirn und es vermeldete an die Großhirnrinde: Peter, das Weib spricht interessant!
Die Ohren gingen auf und eine Millisekunde später empfing mein Verstand die Botschaft der Allerliebsten.
Die bestand darin, daß das Stromwerk bei ihr angerufen hatte und uns eine Solaranlage aufs Dach prömpeln wollte.

Das veranlaßte mich dann dazu, selbst dort einmal anzurufen, denn unter anderem hatte die Botschaft des Weibes den Satz enthalten: „Wir müssen dafür alle unsere Speisen bei denen abgeben.“

Nein, so war es dann doch nicht. Herr Bolderheimer vom E-Werk erklärte mir, daß wir an einem Pilotprojekt teilnehmen könnten.
Man würde uns Solar-Panels aufs Dach zimmern und wir könnten davon so viel Strom selbst verbrauchen, wie wir möchten. Den Rest, also den ungenutzten Solarstrom, müßten wir allerdings ohne Gegenleistung ins Netz einspeisen. Dafür würde die Anlage nichts kosten und nach 12 Jahren in mein Eigentum übergehen.

Das klang doch interessant. Also vereinbarte ich einen Besuchstermin.

Zur verabredeten Zeit, zwei Tage später, kam dann ein junger Mann auf einem Fahrrad. Ja, er sei der Jonas Pitsch und komme in Vertretung des Herrn Bolderheimer.

„Is‘ ja klar, daß mein Chef bei dem Wetter das Auto genommen hat, das hat nämlich Klima. Und ich muß das Dienstfahrrad nehmen. Boah, ist das heiß!“

„Möchten Sie einen Schluck trinken?“

„Au, das wär‘ geil.“

Also holte ich ihm eine Karaffe frisch gefilterten Trinkwassers, schön gekühlt, mit zwei Scheiben unbehandelter Zitrone.

„Wie, Cola haben’se keine?“
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