Kann man sich ohne Sarg bestatten lassen?

Hallo ihr da,
Eigentlich ist es mir ziemlich egal, was mit meinem Körper passiert, wenn ich Tot bin.
Jedoch ich möchte einfach weder verbrannt, noch im Wasser, noch in einem Sarg bestattet werden.
Ich habe sowieso schon Platzangst und dann spricht es gegen mein Gefühl, wenn man meinen toten Körper irgendwann in eine Kiste einsperrt und vergräbt.
Am allerliebsten würde ich in ein weißes Tuch gewickelt einfach auf einem Friedhof, im Wald, oder sonst wo bestattet werden, ohne in einen Sarg gesperrt zu werden.
Jetzt meine Frage: Geht das überhaupt? Gibt es einen Friedhof ohne Sargpflicht, oder einen bestimmten Staat, in dem das erlaubt ist? Vielleicht sogar in Deutschland?

Klaustrophobie ist eine Sache, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Aus ihr können Angstzustände bis hin zum Schock entstehen.
Deshalb kann ich Dich gut verstehen, wenn Du allein bei dem Gedanken, einmal in eine enge Kiste eingesperrt zu werden, schon ein deutlich ungutes Gefühl hast.
Dieses Gefühl und die Vorstellung können so präsent sein, daß die Beschäftigung mit dem späteren Ableben noch unangenehmer ist, als es sowieso schon für die meisten Menschen ist.
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Ich muss mich bei Armin entschuldigen

Ich stehe heute Morgen auf und schaue vorne aus dem Fenster unseres Hauses. Und stellt Euch vor, wegen der bevorstehenden Osterfeiertage stehen überall die Mülltonnen draußen.

Nur unsere natürlich nicht, da ich mich dem zwanghaften allwöchentlichen Mülltonnenrausstellen konspirativ entziehe. Ich stelle die Tonnen einfach raus, wenn sie voll sind. Irgendwann wird dieses große Auto schon vorbeikommen, auf dem hinten so Männer draufstehen und die dann immer die Tonnen leer machen.

Aber jetzt, jetzt ist ja Ostern. Und nach Ostern wird ja bekanntlich die Welt untergehen und es wird auch nie wieder was zu kaufen geben; den Eindruck könnte man zumindest gewinnen, wenn man die Horden von Kunden sieht, die zu den Einkaufsmärkten ziehen.

Vielleicht ist es besser, denke ich, wenn man auch die Mülltonne mal raus schiebt, eventuell kommt ja das Müllabholauto auch nach Ostern nie wieder!

Ich gehe also runter und entdecke, daß neben meiner Garageneinfahrt irgendeine faule Sau einfach eine Plastikbox mit seinem Biomüll abgestellt hat.
So eine Frechheit!

Nun gut, ich gebe es zu, die Mülltonnen hier in der Gegend sind nicht besonders groß und ich weiß, daß manche Familien manchmal nicht wissen, wohin mit ihrem Abfall. Wir haben diese Probleme nicht, da wir genügend große Tonnen haben.
Vielleicht hat einer der Nachbarn darauf spekuliert und hofft, daß ich sein altes, verwelktes Gemüse noch mit in meine Tonne kippe.
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Opa Gleisberg -XIII-

Die Beamten kommen um 19.30 Uhr. Die Angestellten sind schon gegangen und ich habe schon die Jogginghose an und sitze vor einer Portion Spaghetti.
Es ist eine junge Beamtin mit kurzgeschnittenem roten Haar und ein bräsig aus der Wäsche schauender Älterer mit kantigem Kinn. Die Rothaarige, da bin ich sicher, hätte sich gut mit Sandy verstanden. Offenbar hat sie in dem Zweierteam die Hosen an, denn sie kommandiert den Bräsigen ein bißchen herum, wie es mir scheint.

Sie wollen den Toten sehen und ich ziehe die Fahrtrage aus dem Kühlraum. Während die junge Frau den Leichnam untersucht und fotografiert, interessiert sich der Ältere für ein Luftgewehr, das in der Werkstatt neben den Kitteln der Männer an der Wand hängt. Er schaut es sich genau an, macht es auf und schaut durch den Lauf. Dann sucht er auf der Waffe nach der Freigabekennzeichnung, findet sie und hängt das Gewehr wieder an seinen Haken. „Haben Sie noch mehr Waffen im Haus?“, will er wissen, aber bevor ich antworten kann, beginnt seine Kollegin in ein Diktiergerät zu sprechen. Sie diktiert einen kurzen Bericht, in dem sie schildert, wie der Verstorbene aussieht, was an äußerlichen Merkmalen und Verletzungen sichtbar ist und so weiter.
Der Kriminalbeamte deutet nochmals auf das Gewehr. Ich sage nur: „Für die Ratten.“
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Opa Gleisberg -XII-

Langsam beginnt er zu erzählen, erzählt auch mir die Geschichte, die er Sandy schon erzählt hat und spricht dann über den alten Herrn Gleisberg.

Der sei ein wunderlicher Alter gewesen, so ein alter Mann von der Sorte, die sich die Hose mit einem Strick zubindet und auch schon mal in Pantoffeln zum Einkaufen geht.
In seinem Stadtteil sei der recht bekannt gewesen. Aber keiner habe ihn deshalb schräg angeschaut, man wußte, daß Opa Gleisberg vor vielen Jahren seine Frau verloren hatte und nie richtig darüber weggekommen war. Kinder hatte das Ehepaar keine und aus dieser Ehe war nur das kleine Haus zurückgeblieben, in dem Herr Gleisberg nicht mehr leben mochte und das er deshalb vermietet hatte.

„Finanziell ging es dem gar nicht mal so schlecht. Der bekam eine kleine Rente, eine noch kleinere von seiner Frau und hatte die Mieteinnahmen. Wenn ich mal schätzen müsste, denke ich, dass die Olschewskis mit dem Pflegegeld so an die 2.000 Euro jeden Monat durch den alten Mann hatten. Soviel ich weiß, ist Frau Olschewski mit Opa Gleisbergs Bankkarte immer schön an den Automaten gegangen.
Aber was weiß ich schon, ich habe mich auf Schwester Dagmar verlassen.“
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Opa Gleisberg -XI-

Sandy kommt eine knappe halbe Stunde später wieder herein und hat Herrn Böttcher im Schlepptau. Seine Augen sind gerötet, er scheint geweint zu haben. An Sandy vorgeschobener Unterlippe erkenne ich, dass sie ihm wohl ihre Meinung gesagt hat.

Während der Mann vom Pflegedienst im Waschraum verschwindet, steckt sich Sandy ungeniert eine Zigarette an. Ich ziehe nur mal die Augenbrauen hoch, sage aber nichts. Normalerweise wird in den Beratungsräumen nicht geraucht, ausser wir sind der Meinung, das würde dem trauernden Kunden vielleicht die Situation erleichtern.
Aber wenn Sandy sich eine Zigarette ansteckt und dann auch noch ihre in Knobelbechern steckenden Füße auf den Tisch legt, dann ist das ein Zeichen des Triumphs.

„Also?“, ermuntere ich sie zum Reden.
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Opa Gleisberg -X-

Er hatte die letzten Worte laut gerufen und dabei die Augen weit aufgerissen. Ich verziehe keine Miene. Er fährt fort: „Wir waren doch immer wieder bei den Olschewskis. Uns hätte doch was auffallen müssen. Wir haben doch ein Berufsethos. So etwas hätte nicht vorkommen dürfen…“

Ich frage ihn: „Wie oft waren Sie denn bei den Olschewskis?“

„Wer? Meinen Sie jetzt mich persönlich oder den Pflegedienst? – Also ich war höchstens dreimal bei denen, ansonsten hat das Schwester Dagmar gemacht – das war ihre Tour. Ach, ich mache mir ja solche Vorwürfe!“

„Und diese Schwester Dagmar. Die kommt jeden Tag zu den Olschewskis und merkt nichts? Ich meine: Die Olschewski-Family hat den Opa in einem Loch hausen lassen und sich nicht um ihn gekümmert. Allein sein hygienischer Zustand hätte diese Schwester Dagmar doch alarmieren müssen.“

Böttcher springt auf, stößt dabei einen Beistelltisch um, was ihn nicht kümmert und rennt aus dem Zimmer.

Durch den Lärm wird Sandy angelockt, die in Windeseile da ist, um mich -ihren Chef- durch was weiß ich für Kampfkünste vor Ungemach zu bewahren. „Was’n los, Chef?“
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Opa Gleisberg -IX-

Eine Stunde später ist Herr Böttcher da. In seiner weiß-grünen Pflegekleidung hatte er anders ausgesehen, ich erkenne ihn in seiner Freizeitkleidung gar nicht sofort.

Er bringt ein kleines Sträußchen Blumen für den toten Opa Gleisberg, es scheinen selbst gepflückte Blumen zu sein.

Antonia nimmt ihm die Blumen ab und verspricht, sie dem Verstorbenen auf die Trage zu legen. Dann drückt sich Böttcher herum, druckst herum, geht nicht, verabschiedet sich umständlich, bleibt…
Ich nicke ihm zu, was bedeutet, er soll sich in den dicken Ledersessel in der Halle setzen. Das tut er auch. Ich selbst nehme auf dem Sofa Platz, lehne mich zurück und schlage die Beine übereinander.

Das tue ich bewußt, weil ich weiß, daß meine Gegenüber mir stets in Sitzhaltung und Bewegung folgen; sie tun das unbewußt, doch sie tun es. Und so gibt auch Böttcher die vornübergebeugte Haltung auf, nimmt die auf den Knien aufgestützten Ellenbogen hoch und lehnt sich ebenfalls im Sessel zurück. Ich kann insgeheim zählen, zehn, neun, acht… bei sieben hat auch er seine Beine übereinander geschlagen.

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Opa Gleisberg -VIII-

Insgeheim sortiere ich die Ereignisse. Also eins ist richtig, Herr Böttcher vom Pflegedienst hat bei uns angerufen. Als wir an der genannten Adresse ankamen, waren nur die anderen Olschewskis anwesend. Das waren Hottes Bruder und dessen Frau, die auch irgendwie, irgendwo da wohnen. Von Hotte weiss ich, daß er abends zwei, drei Stunden auf einer Tankstelle aufräumt und seine Frau, die kleine fetthaarige Lotteliesel trägt um diese Zeit Reklameblätter herum. Die holde, tätowierte und gepiercte Kinderschar war an diesem Abend unterwegs gewesen.

So – keiner von den Olschewskis hatte uns angerufen und bezahlen wollen sie jetzt auch nicht.

Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob die Bande eine ganz abgezuppte Truppe ist, die Alte zu Tode pflegen, um von deren Rente und Pflegegeld zu leben, oder ob die einfach nur doof und unfähig sind.
Herr Böttcher vom Pflegedienst, das ist klar, hält sie für erstes.

Olschewski mit der dicken, verdreckte Brille glotzt mich an, grinst dabei feist und bleckt seine drei Zähne. „Also, datt datt ma klar is‘, wir ham alles getan und zahlen tun wir nix. Kann uns keiner für zwingen tun.“
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