Die goldene Mitte

Die lustigsten Geschichten passieren manchmal am Telefon. Man darf ja nicht vergessen, dass die Anrufer oft alte Leute sind, oder sie sind durch die Trauer verwirrt oder einfach nur irritiert und durcheinander, weil sie nicht wissen, was in den Tagen rund um eine Bestattung alles passiert.

Das Telefon düdelt, ich nehme ab, melde mich und ohne Namensnennung brubbelt jemand los:

„Sie hatten uns doch gesagt, daß unsere Mutter heute verbrannt wird.“

„Wie war Ihr Name?“

„Martha.“

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Sind Urnen aus Maisstärke giftig?

Ich hab da mal ne blöde Frage. Es gibt doch sonne Urnen aus Maisstärke. Heisst dass das man die theoretisch essen könnte?
Oder sind die Giftig?

Es gibt in der Tat Urnen, die auf der Basis von Maisstärke hergestellt werden.
Dies geschieht, um eine Urne zu bekommen, die sich im Erdreich unter dem Einfluß von Feuchtigkeit gut zersetzen kann. Das Material wird komplett von Bodenorganismen zersetzt.
Die Urnen sind damit ökologisch unbedenklich.
Sie können auch für Bestattungen in Beisetzungswäldern verwendet werden.

Überhaupt gibt es…
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Antonia und das Auge

Die Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens sind das Gold des Betriebes.

Gute Mitarbeiter sind schwer zu finden und wenn man diese gefunden hat, muss man sie an sich binden.
In Frau Büser hatte ich eine Mitarbeiterin in gesetzterem Alter, was ja auch seine Vorteile hat. Frauen mussten nicht zum Bund, Damen im Alter von Frau Büser menstruieren sich nicht von Krankschreibung zu Krankschreibung und werden auch nicht schwanger. So formulierte es zumindest mal ein Sarghändler.

Aber das waren nicht die Gründe, weshalb ich Frau Büser so schätzte.
Nein, sie hatte den Betrieb zu ihrem Territorium erklärt. Ich hatte schnell bemerkt, wie arg sie sich für ihren Beruf einsetzte und mit welchem Elan sie an die Arbeit ging.
Sie war der Hauptfeldwebel im Betrieb, der die Marschrichtung vorgab, was die täglichen Abläufe anbetraf.
Sie teilte die Arbeiten im Büro ein, überwachte die Termine und hatte bei jedem Sterbefall im Kopf, was noch zu erledigen war.
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Urne nach Kanada, geht das?

Ich wohne in Kanada, mein langjaehriger Partner in Deutschland (Baden Wuertemberg) Er moechte feuerbestatted werden, die Urne soll dann nach Toronto, zur Beisetzung, geflogen werden. Wie kann ich ihm diesen Wunsch erfuellen?
Fuer Ihre Hilfe waere ich Ihnen sehr dankbar.

Das sollte überhaupt kein Problem sein.
Sie werden Ihrem Bekannten diesen Wunsch leicht erfüllen können.

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Meine Mutter sah als Leiche erschreckend aus

Meine Mutter ist vor einer Woche für uns alle völlig überraschend gestorben.
Schockstarre bei uns.
Heute konnten wir sie beim Bestatter nochmal im offenen Sarg sehen. Vorher konnten uns nicht von ihr verabschieden und wollten sie nochmal sehen.
Aber dann! Ihr Mund stand weit offen.
Sie befindet sich seit 5 Tagen bei der Bestattung.
Das kann doch nicht sein, dass es nicht möglich ist, den Mund zu schließen. Oder gibt es so etwas?
Und wenn ja, wäre es nicht angebracht gewesen, uns das zu sagen?
Sollte ein Bestatter nicht wissen, dass das nicht unbedingt das letzte Bild ist, dass man von einer über alles geliebten Toten im Kopf haben will?
Ich habe mich jetzt halbwegs gefangen und bin fassungslos.
Da ich aber niemandem unrecht tun möchte, wäre ich über eine Information sehr dankbar.
Tieftraurige Grüße,

Das ist völlig unüblich.
Bestatter sind stets bemüht, den Verstorbenen das Aussehen einer schlafenden Person zu geben.
Dazu gehört, daß die Augen und der Mund geschlossen sind.
Im Zuge der Totenstarre ist es manchmal nicht sofort möglich, den Mund zu schließen, und es kann auch dazu kommen, daß er dann, selbst wenn die Starre nachgelassen hat, nicht zu bleiben will.
Aber hierfür beherrscht jeder gute Bestatter gleich mehrere Techniken und es gibt einige unterstützende Materialien und Tricks.

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Herr Tilto -4-

Zlata war die große Liebe seines Lebens. Mit ihr war er durch Dick und Dünn gegangen und hatte sie auf Händen getragen. Jeden Wunsch hatte er ihr von den Augen abgelesen.

„Noch bevor mein vegetatives Nervensystem meinen Herzschlag und meine Atmung kontrollierten, steuerten sie meine Gedanken zu Zlata. Ich habe seit 1962 keine eine einzige Sekunde nicht an sie gedacht. Sie ist ein Teil von mir, so wie meine Lunge, mein Herz, mein Gehirn…“

Er machte eine Pause. Aus feuchten Augen schaute er mich an, nahm meine Hand und drückte sie. Dann sprach er Worte, die es mir eiskalt den Rücken hinunterlaufen ließen.
„Und doch bin ich froh, dass sie endlich tot ist.“

„Wie bitte?“, entfuhr es mir und ich gebe zu, dass das nicht besonders professionell war. Doch trotz meiner Ausbildung, trotz meiner Erfahrung, bin doch auch ich zunächst erst einmal nur Mensch.

Herr Tilto lächelte gequält. „Ja, so ist es. Sie mögen mich verurteilen, mein Herr; Sie mögen mich verdammen, vielleicht habe ich das sogar verdient, aber so wahr ich hier sitze, ich bin froh, dass diese Frau endlich tot ist.“

„Und was…“, begann ich eine Frage, doch er wischte sie mit einer Handbewegung fort, sprang auf und begann im Zimmer auf und ab zu laufen.
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Herr Tilto -3-

„Na, was?“

„Tiltová, Mostová!“

„Ja, ich habe das verstanden und ich hab’s, glaube ich, auch richtig aufgeschrieben.“

„Nein, begreifen Sie es nicht?“, er lachte, dann hielt er inne, schlug sich an den Kopf und meinte: „Ach, ich bin ja so dumm, sie werden die slawischen Sprachen nicht kennen.“

„Nein, wirklich nicht, wenn, dann nur Schimpfwörter…“

„Ja, Tilto kommt aus dem Litauischen, mein Opa war von da, und bedeutet Brücke.“

„Ah, ja…“

„Und Most ist Tschechisch und bedeutet auch Brücke!“

„Das ist ja witzig. Da hat Herr Brücke Frau Brücke geheiratet.“

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