Die Nacht der langen Messer

Chef, wir haben ein Problem!“

Mit diesen Worten betrat Manni mein Büro und hielt mir seine ausgestreckte Hand hin. Auf seiner Handfläche lag etwas. „Gucken Sie sich das mal an!“

Ich schaute und sah kleine schwarze Stäbchen, vielleicht 2 bis 3 Millimeter lang. „Und?“, fragte ich.

„Ratten, Chef, Ratten, ganz eindeutig!“

Ich schaute wieder auf Mannis Hand, setzte vorsichtshalber die Brille auf und betrachtete diese schwarzen Klümpchen näher. „Nee, Manni, das sind keine Ratten, das sind kleine schwarze Klümpchen.“

„Aber Chef, das hier ist Rattenkacke. Die habe ich in der Werkstatt gefunden, direkt bei den Hobelspänen.“

Hobelspäne, auch als Kleintierstreu bekannt, verwendeten wir in großer Menge. Wir polsterten und füllten damit die unteren Teile der Särge. Manni konnte also durchaus Recht haben. So ein Material ist bei Nagetieren sicher sehr beliebt, um Nester zu bauen, oder so.
Aber bauen Ratten Nester?

„Gibt’s denn sonst noch Hinweise auf die Anwesenheit von Ratten?“

„Ja, Chef. Dem Otto haben die Biester gestern eine Stulle geklaut. Eben noch lag die Stulle auf dem Tisch in unserem Aufenthaltsraum, wir mußte nur für zehn Minuten weg, und als wir wiederkamen, waren nur noch ein paar Krümel da. Und neben dem leeren Butterbrotpapier lagen auch diese kleinen schwarzen Köttel.“
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Ich will Sie! – Weshalb ich nicht häufiger auftrete

Die Anfragenden:

Wir

  • eröffnen im September unser Café
  • haben dieses Jahr 25jähriges Jubiläum unseres Bestattungshauses
  • feiern den 60. Geburtstag unseres Bestattermeisters
  • haben im Oktober Kirchenfest
  • sind im Juli mit unserem Umbau fertig
  • haben eine tolle kleine Buchhandlung
  • führen eine schöne Bücherei
  • machen ein tolles Seminar

und

  • würden Sie gerne für eine Lesung buchen
  • möchten Sie unbedingt für einen Abend einladen
  • würden uns wahnsinnig freuen, wenn Sie zu uns kommen könnten
  • können ohne Ihren Auftritt bei uns nicht mehr leben
  • wären so stolz, wenn Sie bei uns zu Gast wären
  • hätten gerne einen Vortrag mit großer Präsentation

Bitte

  • teilen Sie uns kurz mit, ob Sie Zeit haben. Geld spielt keine Rolle.
  • sagen Sie mir Bescheid, ob Sie kommen können. Geld spielt keine Rolle.
  • schreiben Sie mir doch eben, ob das klappt. Geld spielt keine Rolle.
  • prüfen Sie, ob der Termin bei Ihnen frei ist. Geld spielt keine Rolle.

Der Autor:

Schickt eine nette Mail. Bestätigt, daß der Termin noch frei ist und daß er den Termin vorerst mal blockiert.
Nennt einen durchaus bezahlbaren Preis.1
Freut sich.

Die Zeit:

  • vergeht
  • Wochen rinnen davon
  • Monate gehen ins Land

Die Anfragenden:

– melden sich nicht

Der Autor:

Fragt nach einigen Wochen mal nach, was den los ist; ob es bei dem Termin bleibt, ob er mit Rücksendung der schriftlichen Bestätigung rechnen darf.

Die Anfragenden:

– 52 % melden sich gar nicht, nie wieder, niemals mehr
– 15 % sind baff erstaunt, daß das was kosten soll
– 8 % erinnern sich nicht, jemals eine Anfrage gestellt zu haben
– 5 % verbitten sich diese dauernden Werbemails, sie wollen keinen Auftritt, wie ich denn auf sowas komme!
– 3 % müssen leider absagen, weil die Oma in den Brunnen gefallen ist, die Katze Durchfall hat, sie gegen Masernimpfungen sind, Trump gewählt wurde…
– 3 % wollen gerne den Auftritt, aber meinen, ich solle doch Geld mitbringen und dankbar sein, daß sie mich bekannt machen
– 2 % schicken dann die Unterlagen zurück, der Auftritt findet wie geplant statt
– der Rest verläuft im Sande: Fax nicht angekommen, Mailserver abgestürzt, Hund hat den Vertrag gefressen, habe-jetzt-anderes-zu-tun

1 Auf die Gefahr hin, draufzulegen, habe ich auch schon mal probehalber nur 100 € verlangt. Hilft auch nix. „Passt leider aufgrund Ihrer hohen Gagenforderung nicht in unser Budget.“

Amerikanische Gräber

Guten Tag,
ich habe eine Frage zu amerikanischen Friedhöfen. Bzw. wie die Gräber angelegt sind. In diesem speziellen Fall, geht es um das Grab von Sharon Tate. Auf dem Holy Cross Cemetary sieht man ihren Grabstein im Boden eingelegt. Aber es gibt nicht, wie bei uns, das eigentliche Grab vor dem Grabstein. Oder ist es dort so, dass man quasi über dem Sarg steht und der Grabstein, dass Kopfende des darunter befindlichen Sarges darstellt? Sharon Tate wurde nicht eingeäschert, daher frage ich mich, wo ihr Sarg zu finden ist – bzw. der Erde übergeben wurde.
Ich danke Ihnen für eine rasche Antwort.
Liebe Grüße
Frank

Auf den meisten Friedhöfen in den Vereinigten Staaten werden Gräber für die Ewigkeit angelegt. Das bedeutet, daß sie nicht -wie bei uns- nach einer gewissen Zeit ablaufen, weil dann der Verstorbene weg ist oder als weg gilt.
Da in den USA viele Verstorbene einbalsamiert werden, ist auch generell eine sehr lange Liegezeit notwendig. Hinzu kommt, daß die Särge oft nicht direkt in die Erde gestellt werden, sondern in betonierte Kästen. Außerdem verwenden die Amerikaner vielfach Metallsärge, die so gut wie gar nicht vergehen. Weiterlesen

Erdbewegungen

Hallo Peter!

Ich habe einen Film für Dich und die Mitleser gefunden.
„Erdbewegungen“ ist eine 1,5 stündige Dokumentation über den Totengräber von Ottmanach in Kärnten.
Ein Heimatfilm der ganz besonderen Art, den ich in seiner Schlichtheit sehr bewegend finde. Manfred Bockelmann, der Bruder von Udo Jürgens (die Familie stammt von dort) kommt ausführlich zu Wort.
Sehr gelungen ist auch die Musik von Naked Lunch, ebenfalls Kärntner.
Vielleicht kannst du den Film für die BlogleserInnen verlinken.

https://www.google.at/?gws_rd=ssl#q=erdbewegungen+film&spf=1496164616473

melancholische Grüße aus dem Süden…

Der Mörder ist nicht der Gärtner

Wir haben einen Garten. So ein Garten ist etwas Schönes. Bietet das kleine Stück Grün doch Raum für Erholung, Entspannung und Erbauung. Dabei ist das Stück gar nicht so klein, und deshalb kam ich vor geraumer Zeit auf die Idee, einen Gärtner anzuheuern.
Es stellten sich diverse Damen und vor allem Herren vor und meine Wahl war schnell getroffen.

„Du spinnst wohl!“, kommentierte die Allerliebste meine ebensolche Wahl und meinte: „Die dürre 18-jährige kriegt ja keinen Sack Torf hoch. Und vor lauter Titten wird die auch den Rasenmäher vor sich nicht sehen können.“

Mir tat es leid um die junge Frau, die sicherlich den einen oder anderen Euro dringend hätte gebrauchen können. Und wenn’s ihr mal zu schwer geworden wäre, ich wäre ihr bestimmt zur Hand gegangen.
Aber gut, ich mußte Herrn Deiters nehmen. Einen 60-jährigen, zwei Meter großen dünnen Mann, dessen weiße Haare abstanden, als wolle er Kinder erschrecken. Herr Deiterst pflegte bei der Arbeit zu sprechen, vorzugsweise mit sich selbst, oder mit anderen Personen, die ihm innewohnten.
Doch über seine Arbeit kann ich gar nichts Negatives sagen. Das liegt in erster Linie daran, daß er eigentlich so gut wie nichts gearbeitet hat.
Die ersten Tage seiner Beschäftigung hatte der Kinderschreck damit verbracht, einen neuen Rasenmäher, einen elektrischen Kantenschneider, Spaten, Schaufel, Heckenschere und eine Schubkarre anzuschaffen. Die Sachen kaufte er auf seine Rechnung und sagte mir, daß er sie dann immer zu seinen verschiedenen Einsatzorten bei den unterschiedlichsten Kunden mitnehmen wolle.

So, das war’s.
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Sarg doppelt berechnet? Bestatterin eine Betrügerin?

Dass Bestatter Särge günstiger einkaufen, als dass sie sie wieder verkaufen, ist bekannt. Und es ist normal. Bestatter sind Kaufleute und erzielen durch den günstigen Ankauf und den teureren Verkauf von Gegenständen einen Teil ihres Gewinns.
Ich bekomme viele Mails, die sich mit der Frage beschäftigen, wie es denn sein kann, dass der „böse“ Bestatter einen Sarg für sagen wir 100 € einkauft und dann den Angehörigen dafür 300 € berechnet. Das sei doch wohl Betrug.

Mich erinnert das immer an diese Geschichte hier:

Jutta: Was macht eigentlich Dein neuer Freund so beruflich?
Betty: Ach der, der verkauft Jeans bei Ebay.
Jutta: Toll! Verdient er damit viel?
Betty: Ja, er kauft sie in großen Mengen günstig ein und verkauft sie dann einzeln teurer weiter.
Jutta: Mein Gott, das ist ja Betrug!

Weshalb Bestatter einen durchaus hohen Aufschlag weiterberechnen, habe ich in ganz vielen Artikeln hier im Bestatterweblog schon erklärt. Ob das heute immer noch zeitgemäß und sinnvoll ist, lasse ich mal dahingestellt. Zumindest über die Höhe des Aufschlags könnte man nämlich herzerfrischend diskutieren.

Woher ein Bestatter seine Särge bezieht, ist höchst unterschiedlich. Er kann sie beispielsweise direkt von der Sargfabrik beziehen. Oder er kauft sie bei einem Pietätwarenhändler, der Bestatter mit allen möglichen Waren und Utensilien beliefert.
Auch Sarggroßhändler gibt es, die Särge verschiedener Hersteller just in time liefern. Und viele Bestatter beziehen Särge auch aus dem mittel- und osteuropäischen Ausland, weil sie dort noch günstiger sind.
Es kann aber auch sein, dass das Krematorium oder ein Überführungsdienst den Sarg gleich mitbringt. Das kommt vor allem dann vor, wenn es sich sowieso nur um den sogenannten „einfachen Verbrennungssarg“ handelt. Der ist fast überall gleich.
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James Bond Nummer 3 ist tot – Roger Moore verstorben

Für viele war es der beste James Bond aller Zeiten. Jetzt ist Roger Moore im Alter von 89 Jahren gestorben.
Ich persönlich fand Sean Connery besser, aber das ist natürlich auch Geschmacksache. Aber Roger Moore war auch klasse, ohne Frage. Er gab einen tiefgründigeren James Bond mit viel britischem Humor und tollen Action-Szenen. Leider ging manches vom britischen Humor in der deutschen Übersetzung verloren. Tipp für die Besitzer von DVDs: Schaut Euch das mal im Original an!
Seine Bond-Filme entstanden zu einer Zeit, als die James Bond Filme noch nicht komplett im Dunkeln spielten und noch nicht mit ohrenbetäubendem Lärm glänzten.

Der dritte Bond war er, weil nach Sean Connery noch George Lazenby einmal den James Bond gab.

Nicht immer hat die deutsche Übersetzung Roger Moore geschadet.
Als er 1970/71 gemeinsam mit Tony Curtis in „Die 2“ agierte, floppte diese Serie in den USA, wurde aber in Deutschland aufgrund der deutschen Synchronisation zu einem großen Erfolg.
Das deutsche Dialogbuch legte den Schauspielern für die damalige Zeit „fetzige Sprüche“ in den Mund, was die Serie aus dem Einerlei anderer Serien deutlich hervorhob.

Während es sich im englischen Original zwar auch um eine Krimiserie mit Humor handelt, wurden für die deutsche Fassung flapsige und witzige Sprüche („Hände hoch – ich bin Achselfetischist!“, „Sleep well in your Bettgestell!“, …) ergänzt. Außerdem gab es Anspielungen auf die deutsche Sendeanstalt oder das Fernsehen als solches. So kommentierte Danny Wilde das Halten im Parkverbot mit der Bemerkung: „Mach’ ich vorm ZDF auch immer so.“ In einer anderen Folge fiel folgender Kommentar: „Lass doch die Sprüche, die setzen ja die nächste Folge ab!“
Rainer Brandt erzählte in mehreren Interviews, dass sich Tony Curtis, der Deutsch verstand, nach dem Dreh der ersten Staffel, drei Folgen der deutschen Fassung schicken ließ und davon so begeistert war, dass er eine Weiterführung der Serie unter der Bedingung anregte, dass Brandt nun auch die Originaldrehbücher schreiben sollte. Dieses Vorhaben scheiterte laut Brandt aber daran, dass sich Curtis und Moore zerstritten.Wikipedia „Die 2“

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