Petra – keine Ahnung

Das Mädchen ist dick und häßlich. Seine Unterlippe ist durch immerhin stolze acht Piercingringe entstellt, es glotzt durch dicke, ewig nicht geputzte Brillengläser und kaut unablässig ein nicht vorhandenes oder sehr winziges Kaugummi, während sie mit herunterhängender Unterlippe, was ihr einen grenzenlos dämlichen Gesichtsausdruck verleiht auf ein quer gehaltenes Handy starrt, auf dem sie mit dicken Fingern mit bis zum Gehtnichtmehr abgekauten Fingernägeln irgendwelche Frösche antippt.
Sie trägt ein verflecktes, speckiges T-Shirt in Schweinchenrosa mit der Aufschrift „Ich hab auch Titten, also glotz mir nicht immer in die Augen!“

Als Anhänger der Testosteron-Klasse kann ich nicht anders, als dieser blöden Aufschrift Folge zu leisten und schaue enttäuscht wieder weg. Das bißchen was da an sekundären Geschlechtsmerkmalen weniger hervorsticht als vielmehr zwischen Doppelkinn und Wampe verschwindet, ist eher unspektakulär.
Ohne aufzuschauen greift das etwa 22-jährige Mädchen mit der bloßen Hand auf eine vor ihr auf dem Küchentisch stehende Kuchenplatte und nimmt sich ein reichlich lang schon der Küchenwärme ausgesetztes Stück Schwarzwälderkirsch.
Zwei-, dreimal gestopft, dann schmatzend die dicken Fingerchen abgelutscht und anschließend am Bezug der Eckbank trockengewischt, bleiben erhebliche Sahnespuren rechts und links der Mundwinkel.

„Muttiiiii!“

„Ja, Petra?“

„Luuuft!“

„Ach Gottchen, mein Kindchen – kommt sofort.“

Ich verstehe den Dialog zunächst nicht, lerne dann aber recht schnell, daß das Kommando ‚Luft‘ in etwa bedeuten soll: „Liebe Mama, ich bin gerade so mit Kuchenessen und Handyspielen beschäftigt und nun ist dummerweise meine Tasse leer, würdest du mir bitte noch etwas Kakao nachschenken?“

Petra, das ist die unverheiratete und noch zu Hause wohnende Tochter von Frau Brinkmann.
Frau Brinkmann ist etwa 1,60 m groß, zierlich und hat langes graues Haar, das sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hat. Das graue Haar und ihre etwas dunkle Hautfarbe geben ihr, auch wegen ihrer etwas herben Gesichtszüge, ein wenig das Aussehen eines alten Indianderhäuptlings. Sie ist nicht dumm, eloquent und sehr betrübt; erst vor einigen Tagen hatte sie erfahren, daß sie an Krebs erkrankt ist. Den Namen der Krankheit spricht sie, wie viele Krebskranke, nicht aus, sondern sagt nur ‚die Krankheit‘ oder ‚das was ich da habe‘.

Sie möchte gerne eine Bestattungsvorsorge bei mir abschließen, will das alles geregelt ist, „damit sich da dann keiner mehr kümmern muß und überfordert ist“. Das sagt sie mit einem deutlichen Seitenblick auf ihre Tochter Petra, die schon wieder „Luft“ ruft und dieses Mal bedeutet das Kommando: „Liebe Mutter, die ehemals gut bestückte Kuchenplatte ist leer und ich möchte noch mehr in mich hineinstopfen.“
Frau Brinkmann unterbricht das Gespräch mit mir nicht, sondern schiebt wortlos, ohne hinzublicken eine Schale mit Weihnachtsgebäck direkt vor Petra hin; das Mädchen hätte das Gebäck auch selbst erreichen können, dazu wäre aber der Ansatz einer Bewegung nötig gewesen und außer den Lippen und den Fingern bewegt das Mädchen nichts. Stattdessen läßt sie laut und auch ansonsten vernehmbar einen fahren, entschuldigt sich nicht einmal dafür und Mutter Brinkmann zieht nur die Augenbrauen hoch, wedelt kurz mit der neben ihr liegenden Apotheken-Umschau durch die Luft und fährt fort, mir zu erklären, wie sie sich ihre Bestattung vorstellt.

Eine einfache Feuerbestattung wünscht sie sich, damit sich niemand (wieder der Seitenblick auf das schmatzende Mädchen) um das Grab kümmern muß. „Eine einfache Steinplatte mit meinem Namen drauf und fertig.“
Bezahlen will sie das alles mit einer kleinen Sterbegeldversicherung, die aber nicht ausreicht und deshalb hat sie über Jahre hinweg jeden Monat noch einen kleinen Betrag beiseite gelegt.

„Erb ich dann was?“ fragt Petra unvermittelt ohne ihr Spiel zu unterbrechen.

„Aber sicher, mein Kind, alles was mir gehört, gehört dann Dir. Es gibt doch sonst keinen. Wir zwei haben doch nur uns, seit Papa gestorben ist.“

„Bei dem hab ich aber nichts geerbt“, sagt Petra in motzigem Ton.

„Da war ja auch ich die Erbin. Wir haben doch sowieso nicht viel, was hätte da noch an Dich fallen sollen. Aber die paar Sachen von Wert, die Papa hatte, die sind doch noch da, das bekommst Du doch eines Tages auch alles.“

„Hauptsache ich kann hier wohnen bleiben und der Fernseher bleibt hier. Ich hol mir dann Kabelfernsehen.“

Sie holt sich dann Kabelfernsehen…
Sie hätte auch sagen können: „Wegen Dir haben wir jetzt noch kein Kabelfernsehen, ist gar nicht schlimm, wenn Du mal tot bist.“

Nur, wer soll dann auf „Luft“ reagieren.

Petra furzt noch einmal, grinst, steht dann doch auf und geht mit watschelndem Gang zur Küchentür: „Ich geh mal einen abseilen.“

Als Frau Brinkmann und ich alleine sind, kann ich nicht anders und frage: „Kommt Ihre Tochter denn alleine zurecht?“

„Die? Ja sicher! Die kann alles, die ist bloß zu bequem. Petra ist mit dem Tod ihres Vaters nicht zurecht gekommen und deshalb kümmere ich ich ganz besonders um sie. Aber die kann, wenn sie will.“

Ich habe den Eindruck, daß Frau Brinkmann den Verlust ihres Mannes auch nicht wirklich verarbeitet hat und seitdem alle Fürsorge und Energie in das Mädchen investiert hat, wodurch dieses zu einer bequemen, stets umsorgten Faulsau geworden war.

Frau Brinkmann und ich unterhalten uns noch etwa eine halbe Stunde, Petra ist nicht zurückgekommen, sondern der inzwischen laut aufgedrehte Fernseher im Wohnzimmer verrät ihren derzeitigen Aufenthaltsort.

Es vergehen drei Monate, ich hatte Frau Brinkmann ihre Unterlagen zugesandt und dann nichts mehr von ihr gehört. So ist es mir am liebsten, es soll ruhig viel Zeit vergehen, bis ich die Vorsorgekunden eines Tages kalt und starr auf meinem Tisch liegen habe.

Doch dann steht eines Tages Petra bei uns in der Halle, trägt das gleiche Titten-Shirt wie vor drei Monaten und wirkt durch rosafarbene, fellbesetzte Moonboots ein wenig lächerlich.
„Was muß ich jetzt machen? Bei Ihnen ist doch alles. Die Mutti ist jetzt tot.“

Das erste Gespräch hatte Mitte November stattgefunden und inzwischen war es Mitte Februar. Ich biete der jungen Frau einen Platz in einem der Beratungsräume an, hole mir die Akte und erkundige mich dann nach Frau Brinkmann.
„Sach ich doch! Die ist tot!“

„Ja, aber wann und wo und wie ist sie gestorben?“

„An Weihnachten.“

„Wie an Weihnachten?“

Vor meinem geistigen Auge sehe ich eine durch Heizungsluft aufgedunsene und halb verweste Leiche im heimischen Ehebett liegen, Schrecken kriecht in mir hoch.

„Also an Weihnachten ist’se umgefallen und ins Krankenhaus gekommen.“

„Und dann?“

„Keine Ahnung, ey.“

„Wie keine Ahnung?“

„Ja was weiß ich denn? Die war dann im Krankenhaus, ich hab ihr Nachthemd und Kulturbeutel gebracht und dann hatte ich ja so jede Menge zu tun.“

„Was denn?“

„Na, alles Mögliche. Neuer handyvertrag, gucken Sie mal, das hier hat einen größeren Bildschirm.“

„Und ihre Mutter?“

„Die war ja in gute Händen und so. Die machen da doch im Krankenhaus alles. Krankenhäuser sind nicht so mein Ding.“

„Aber Sie haben Ihre Mutter doch besucht?“

„Ja, sach ich doch! Als ich ihr das Nachthemd, den Morgenmantel und den Kulturbeutel gebracht habe.“

„Danach nicht mehr?“

„Nee.“

„Wie jetzt, nee?“

„Ja nee eben, keine Ahnung, wozu denn, die sorgen da schon für sie. Ich hab doch keine Ahnung von Medizin. Ich kenn nur Sarkoidose, weil das bei Dr. House immer vor kommt. Und das hatte sie ja nicht. Ich hab immer gewartet ob die irgendwann nach hause kommt, aber dann kam gestern der Anruf, daß die tot ist. Wann ist denn die Beerdigung?“

„Das müssen wir jetzt erst alles einmal in Ruhe besprechen.“

„Ja, dann aber schnell, ich will noch in die Stadt, ich muß zu Kabel-Ultra, wegen dem Anschluß.“

„Jetzt machen Sie aber mal einen Punkt! Zuerst bringen wir mal Ihre Frau Mutter anständig unter die Erde, das Kabelfernsehen hat wohl noch etwas Zeit.“

„Okay, Sie haben ja Recht, die machen erst um sieben zu.“

Viel zu besprechen gab es nicht. Das Meiste hatte Frau Brinkmann selbst verfügt und Petra interessierte sich nicht weiter für meine Vorschläge und auf Fragen antwortete sie fast ausschließlich mit dem Satz: „Machen Sie das so, wie Sie meinen, mir ist das egal, keine Ahnung.“

„Sind Sie traurig, daß Ihre Mutter gestorben ist?“ frage ich schon ein wenig in provozierender Absicht.

„Ich kenn das doch noch vom Papa. Viel Aufregung und es kostet einen Haufen.“

„Ja aber, trauern Sie?“

„Och, schon, ist natürlich doof, so ganz alleine.“

„Und wovon leben Sie jetzt? Hartz IV?“

„Was? Nee, ich kann jetzt ans Geld vom Papa ran. Das ist festgelegt, da krieg ich jeden Monat 2.000 Euro. Das reicht für ewig.“

„So viel Geld hat Ihr Vater hinterlassen?“

„Der hatte doch diese Gießerei und die hatte er verkauft.“

„Na, dann kommen Sie ja gut ‚rum.“

„War’s das dann?“

„Ja.“

„Und das mit der Beerdigung machen Sie alles?“

„Ja, ich sage Ihnen später noch den Termin durch.“

„Termin? Muß ich da etwa irgendwo hin?“

„Na ja, ich meine, Sie werden doch zur Beerdigung wollen.“

„Ist doch eh nur ne Feuerbestattung. Nee, wenn dann das Grab später mal fertig ist, dann geh ich mal hin. Aber doch nicht zu dem Trallala mit Pastor und so.“

„Das ist die Beerdigung Ihrer Mutter!“

„Ich trauere in meinem Herzen, glaub ich. Des Drumherum will ich nicht. Machen Sie das so, wie Mutti das bestellt hat und gut ist’s.“

„Muß ich dann noch irgendwas bezahlen?“

„Nein, das ist alles abgedeckt.“

„Bleibt da was übrig?“

„Kann sein.“

„Okay, ich komm dann in drei Wochen und hol mir das. Tschüß!“

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  • Veröffentlicht am: 9. Dezember 2012
  • 47 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Geschichten, Menschen

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

47 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Wenn mein Sohn irgendwann so kaltschnäuzig wird, erwürge ich ihn eigenhändig… und danach mich, weil ich es ihm nicht anders beigebracht habe. Traurig!

  2. Die wird sich noch umgucken, wenn sie selber mal älter ist und der Diabetes zuschlägt.

    • Da muss sie evtl. nichtmal soviel älter werden. Mittlerweile bekommen selbst Kinder schon Diabetes.

  3. *koppschüttelt*

    Da fällt mir nix mehr ein… außer: Ich hoffe mal, dass das ne Eigentumswohnung ist, wo die Sahnefreundin lebt, o.ä., sonst wird das mit den 2.000€ schnell eng. Ständig neues Handy und neuer Fernseher läppert sich doch, besonders wenn man sie in schweinchenrosa bestellt.

    Hat der liebe Gott nicht gerade mal eine Hand frei zum Versohlen? (E. Kästner)

    • solche – nein danke;
      aber erzieht man sich solche Schratzen nicht selber heran indem man ihnen alles abnimmt und alles aus dem Weg räumt und ihnen alles durchgehenläßt und ihnen keine Grenzen aufzeigt….
      Ich wette die war noch kein einziges Mal am Grab der Mutter – wegen Kabelfernsehn und so – bin ja jetzt mit 10 000 Sendern so beschäftigt – habe keene Zeit für so nen Sch… .
      Die würde ich in einen Steinbruch schicken und kommen keine Steine raus, kommt auch keine Verpflegung rein – da krieg ich so´n Hals !!

  4. 2000 Piepen sind schon mal was. Noch.
    Vorausgesetzt, das Geld reicht wirklich ewig (was ich mir beim Verkauf einer Gießerei durchaus vorstellen kann), wird sie doch in einigen Jährchen dank Inflation echt Spaß damit kriegen, wenn ihr Vater nicht an sowas gedacht hat…

  5. Eine schöne Adventgeschichte hast du dir da ausgedacht.
    Musst Du dir ja ausgedacht haben.

    Hast du dir doch ausgedacht……….?

    Ach neeeeee!

    Gibts nicht was mit gutem ende, der Gemüsefrau, Sandy und ein paar Tränen?
    Nur so’n Wunsch.

  6. Muss die Mutti von uns gehen,
    kann ich Kabelfernsehen sehen…

  7. Ist es nicht niedlich, das fette, furzende Altmetalllippengesicht. Ich kanns förmlich riechen. Ups, ach ne, ich glaube da ist mir einer entwischt. Sauerei. ;-)

    Schön wenn für die flatulierende Furzmarie gut vorgesorgt wurde, so hat sie noch etwas Zeit bis sich bei ihr der Erziehungsfehler bemerkbar macht. Irgendwann ist sie das Moos los und der Pleitegeier umkreist sie. Wenns ganz dumm läuft wird er schon früher durch ihre Fäulnisgase angelockt. ;-)

  8. Das arme Kind. Da hat die Mutter (und vielleicht auch schon der Vater) aber was angerichtet…
    Aber ist ja eh egal, man stirbt drüber weg…

    Salat

    • Wenns nicht ironisch gemeint ist, dann schliesse ich mich dieser Meinung an.

      Sicherlich trägt das Mädel auch ihren Anteil an ihrer Gefühlslosigkeit und Abhängigkeit. Aber so wie der Text geschrieben wurde, scheint mir, als ob es bei dem Mädel einiges aufzuarbeiten gibt. Ist nicht gut, wenn man seine Kinder nur verhätschelt, aber nicht lebenstauglich erzieht.

  9. Ja so sind die Mamis,immer eine Entschuldigung für das Versagen der Brut auf den Lippen.
    Meine Frau verhätschelt Junior auch gerne und nimmt ihn in Schutz,wenn sie dann mal 14 Tage oder drei Wochen bei ihrer Freundin urlaubt dann besucht er seinen alten Herrn nicht weil man bei dem nicht schnorren kann oder er ruft Mami an das er Hunger hat (neues Handy etc kaufen ist ja wichtiger als Lebensmittel) und sie gibt dann mir am Telefon zu verstehen das ich dem Kleinen(er ist 23) was zu Essen geben soll sonst gäbe es ein ernstes Gespräch wenn sie Heim kommt. Er bekommt dann sein Futter,Papi weiss ja was er nicht gerne isst*fiesgrinse*

  10. Wie sagte Mutter Evelyn bei Two an a half men so treffend: „Der liebe Gott hat und mit Kindern gesegnet, damit der Tod nicht so eine Enttäuschung für uns ist.“

  11. Evtl. ist diese Tochter ja eine Soziopathin…oder schlicht und einfach zu faul um Gefühle zu haben…

  12. Luhuhuuuft!

    (Bei dem miesen Service kann man glatt der Meinung sein, Antonia müsse über Nacht die Beratungen übernehmen, sonst holen die Nichtbedienten noch die Kalten ab und rufen zusammen beim Kabeldrücker an.)

  13. Öh. Krass. Entweder hat die keine Gefühle oder die ist psychisch total blockiert….wie heftig.

    • Weder noch. Einfach nur egoistisch und gedankenlos. Gibt es massenhaft, solche Menschen.

      • Die Mutter ist aber doch zumindest ein Teil des Problems.

    • Ja, die gibt es, ob massenhaft, weiß ich nicht, aber genug. Und wenn man ungefähr der Hälfte der Kommentare glauben schenken darf, ist es meistens Schuld der Eltern. Aber vielleicht sollte man eher nach Ursachen fragen als nach Schuld, denn Ursachen kann man abhelfen oder es zumindest versuchen, bei Schuld ist das nicht so einfach, da müsste man ja vergeben.

      Weder der Mutter noch dem Vater oder dem Bestatter hilft es, wenn sie Trauer vorgibt, zu der sie offenbar nicht fähig ist, aus welchen Gründen auch immer. Wenn sie mit ihrem Verhalten irgendjemandem schadet, dann vor allem sich selbst. Wenn sie’s nicht vorher lernt, wird das Geld irgendwann alle sein, und wird sie es lernen müssen.

      Natürlich ist sie eine unsensible Dumbratze, aber ich weiß nicht, ob sie mir unsympathischer ist als ein Haufen verlogener Verwandtschaft, der auf einer großartig inszenierten Beerdigung Krokodilstränen verdrückt und sich hinterher gegenseitig beim Streit ums Erbe die Augen aushackt. Da scheint mir Petra doch irgendwie ehrlicher.

  14. Ihr Eltern von Heute:

    Erntet die Früchte EURER Lenden!
    Das versagen von Erziehung, Wertevermittlung und Sozialer Kompetenz

    Geniale Story, ein Spiegel der Gesellschaft von Heute und Morgen…

    Treffend und schön zwischen den Zeilen geschrieben…

    Gefällt mir! So traurig mich die Story auch stimmt…

  15. Mir blutet das Herz….

    Bitte Tom, sag, dass dahinter nicht nur eine „Petra“ steckt…

  16. *kopfschützttel* leider ist sowas Realität, das erleb ich durch den Pflegeberuf immer wieder…verstehen tu ichs net, ich hätt alles drum gegeben meine Eltern vor ihrem Tod nochmal zu sehn und mich zu verabschieden und net nur vor der Urne zu sitzen…

  17. Was für ein widerliches ekelhaftes … (gibts ja eigentlich keine Worte für)! Da kommt mir alles hoch!
    Natürlich ist auch die Mutter mit Schuld… aber trotzdem, einfach nur unglaublich!
    Ich wünsche dem Balg einen schmerzhaften Tod! Ohne Kabelfernsehen, ohne Handy – allein!

  18. Meine Güte!
    Was sind das für Menschen? Wie wird man zu solch einer „Person“? Unbegreiflich.

    Wenn ich daran denke, wie ich letztens mit meiner Mutter über Geld sprach und sie meinte, wir würden ja einiges erben, wenn sie beide mal tot sind… da meinte ich, seid lieber noch 20-30 Jahre gesund und fit. Das ist mir ganz ehrlich wichtiger, da erb ich lieber nichts.

  19. Manchmal, wenn man so ein Ausmaß an kindlicher (und im Kopf ist sie offenbar noch ein Kind) Ignoranz vor sich hat, möchte man sie schlicht übers Knie legen. Dann denkt man einen Moment nach und will die Eltern übers Knie legen. Natürlich gilt das nicht immer, manchmal haben wundervolle Eltern ganz fürchterliche Kinder und aus schrecklichen Familienverhältnissen gehen erstaunliche Menschen hervor. Ich wünsche der jungen Frau jedenfalls, dass sie es rasch schafft erwachsen zu werden, bevor es zu spät ist.

  20. Die Petra wird auch noch realisieren, das sie jetzt ganz alleine ist. Der TV wird ja keinen sozialen Kontakte ersetzen.

  21. das ganze in einem Wort: Abstumpfung.

    Ichbin sicher in der Geschichte steckt ein erschreckend wahrer Kern. Aber lieber Tom, es ist fast Weihnachten und ich wünsche mir ganz doll eine irre kitschige, frei erfundene Fortsetzung mit einem Happy End.

  22. Ich faß‘ es nicht *schüttelt mit dem Kopf*.
    Bei mir wäre sie mit „Luhuft!“ rufen und rumpupen nicht weit gekommen.

    Ich habe ja schon vieles erlebt – gerade mit der eigenen „lieben“ Verwandtschaft aber so etwas…da verschlägt es mir die Sprache.
    Entweder hat sie den Tod ihrer Eltern noch nicht so realisiert oder – es gibt einen anderen Grund für ihr Verhalten.

  23. *Messer in Hosentasche aufspringt*
    ARRRGGGGHHH…

  24. Hättste das Rüsselschwein mal zu ihr geschickt. Damit sie das Heulen lernt. Naja, eine von beiden. :-D

  25. „Keine Ahnung“ trifft es sehr gut, finde ich. Verurteilen: irgendwie schon, aber irgendwie auch nicht. Rechtfertigen, verstehen: irgendwie schon, aber irgendwie auch nicht.

  26. Mich würde mal interessieren, wie viele derjenigen, die hier das Mädchen der Gefühllosigkeit bezichtigen, mit 22 Jahren den zweiten Elternteil verloren haben.

    Ich kann sie verstehen. Ich kann verstehen, dass man den Besuch bei der Mutter im Krankenhaus hinausschiebt, weil man nicht bereit ist, sich mit ihrem baldigen Ende auseinanderzusetzen. Dass man in dem Moment, wenn der Bestatter am Küchentisch sitzt eine Mauer in sich hochzieht und alles tut, um nicht auch noch bedauert zu werden. Dass man sich emotional schon zu Lebzeiten verabschiedet, weil man hofft, das macht es einfacher.

    Manche Leute stellen eine Fassade auf, indem sie alles so tun, wie man es gesellschaftlich erwartet damit man sie in ihrem Schmerz in Ruhe lässt. Manche stellen lieber eine Fassade der Gleichgültigkeit auf, damit man sich von ihnen abwendet. Was dahinter jeweils stattfindet, sollte man sich nicht anmaßen zu wissen.

    • So sehe ich das auch. Trauern ist ein Gefühl, keine Füllstandsanzeige, die von außen zu überprüfen und zu bewerten wäre.

      Zudem: Gefühle sind oft unlogisch, manchmal für andere erschreckend und nicht immer nachzuvollziehen und dennoch immer echt und unausweichlich so, wie sie sind. Wer Glück hat, kann tun und lassen, was er will. Aber niemand kann fühlen, was er möchte. Erst recht sollte sich niemand verpflichtet fühlen müssen, zu empfinden, was andere von ihm erwarten.

      • Du kannst nicht fühlen was du möchtest? Was möchtest du fühlen? Wer hindert dich daran? Was hindert dich daran?
        Wenn du bereits darüber nachdenken musst, was die anderen wohl von dir in welcher Situation von dir erwarten, BEVOR du in eine Situation kommst, dann sperrst du dich ein…
        Dann bist du doch nicht du?
        Sondern eine Marionette an den Fäden der Erwartungen von anderen, welche ja nicht zwingend von dir richtig eingeschätzt werden..

    • Da bin ich Grundsätzlich anderer Meinung und Erfahrung:
      Kleinkinder sehen, wie wir Erwachsene mit verschiedenen Situationen und Gefühlen umgehen, prägen es sich ein, ahmen es nach und machen es zu einem Teil der Persönlichkeit. Andere Einflüsse kommen mit den späteren Lebensjahren dazu, die Grund“Einstellung“ wird aber durch das Vorleben der Eltern vorgegeben. Was wiederum auf unsere Petra angewandt heisst: die Trauer über den Verlust des Vaters wurde nie „richtig“ verarbeitet, da die Mutter sich nicht mit ihr damit auseinandergesetzt hat, sondern ziemlich Sicher in der Kammer still getrauert hat.
      Tod, Verlust eines Menschen bedeutet immer mehr als nur den Partner zu verlieren. Jeder den einen Menschen gehen lassen musste, kann das bestätigen.

      Was ist richtig und was ist falsch?
      Heute masst sich niemand mehr an, Stellung zu beziehen, was sollen die Nachbarn, der Arbeitskollege, die lieben Verwandten denken!
      Dabei geht es doch oder sollte es zumindest gehen, Stellung zu beziehen und dafür Einzustehen. Klipp und Klar zu sagen was falsch oder richtig ist. Jedes bisschen Menschenverstand scheint heute abhanden gekommen zu sein und zeigt wie sehr wir unsere Kinder zum Nachteil „verschandeln“
      Die Mutter hat den Partner verloren, Petra ihren Vater und wurde durch die Fürsorge der Mutter verhätschelt, eingelullt und verschandelt…anstatt gestärkt, selbstbewusst und mit einer schönen Erinnerung an den Vater zurückgelassen zu werden! Jetzt lullt sich Petra mit Kabel TV ein..

      Es ist wirklich Einfach! Ich weiss es und ich denke mit einem lächeln an meinen verstorbenen kleinen Bruder gerne immer wieder zurück, an die Zeit die ich mit ihm verbringen durfte, auch wenn sie nur sehr kurz war. Meine Augen werden wässerig und ich geb mich dem Gefühl hin, dass ich ihn heute, nach 29 Jahren vermisse und ich danke meiner Mam für die Stärke und Trost zu dieser Zeit, als sie einen ihrer Söhne verloren hat. Und meinen anderen Geschwistern und mir VORGELEBT hat was Trauer ist, was Tod bedeutet und das man sich für Gefühlsausbrüche nicht zu schämen braucht…und Trauer ein Prozess ist, an dem man wächst und Stark wird. Stark um zu sienen Gefühlsregungen zu stehen , nicht um eine möglichst dicke Mauer aufzubauen..

      Ups…der Text ist länger geworden als ich dachte..und eigentlich noch lange nicht detailiert genug ausgeführt..
      naja ;-)

    • Das kann ich alles verstehn. Aber es geht doch auch anders! Eine Freundin von mir zB, hat auch sehr früh beide Eltern verloren (erst Papa dann Mama, so wie in der Story) und musste sich gleichzeitig noch um den blinden Opa kümmern. Sie ist einer der wunderbarsten Menschen die ich kenne!

      Ich kann – wie gesagt – das Verhalten von Petra nicht nachvollziehen! Sie führt sich auf die das letzte Arschloch auf Erden!

  27. Die hat sich in ein paar Monaten zu Tode gefressen, wetten?

  28. Ich dachte nach dem ersten Lesen auch erst, dass die Story einfach erfunden sein muss, so gefühlskalt gegenüber dem Tod der eigenen Mutter kann doch keiner sein, nicht mal eine verwöhnte, egoistische, faule und gefräßige Jungerwachsene. Dann dachte ich andererseits, dass in diesem Blog (Bestatter-)Geschichten aus dem wahren Leben niedergeschrieben werden, so, wie sie tatsächlich passieren. Also ist es höchstwahrscheinlich auch so, wie es aus der Erinnerung niedergeschrieben wurde, passiert.

    Ich habe mal für „Petra“ (was bestimmt nicht ihr richtiger Name ist, gell), die Geschichte mit einer Art Happy End weiter gesponnen:
    In fünf Jahren muss sie in die Klinik, weil Bewegungsmangel und zu häufiges Fernsehen ihre Folgen zeigen. Sie liegt im Krankenhaus, weil sie aufgrund von Schmerzen in den Armen und in der Brust den Notarzt rufen musste. Nun hat sie Zeit zum Nachdenken und hat den Kampf um den Fernseher, der im Mehrbettzimmer ist, aufgegeben. Sie denkt an ihre Mutter, an ihren Vater und ihre verlorengegangene Zeit. Nun bricht alles, was sie in sich reingefressen hat, ein und sie braucht Hilfe, um das alles aufer- und verarbeiten zu können.
    Es gelingt ihr, sie nimmt ab und nimmt am gesellschaftlichen Leben teil. Später wird sie die im Blog genannte Zeit als „Durchhänger“ bezeichnen.

  29. Heftig. Was kann/will man da reaistisch erwarten? Das sie zur Beerdigung erscheint, traurige Musik auf dem Smartphone abspiel und ihrer Mutter taktsynchron Salut furzt?

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