Pietätwaren

Was sind eigentlich Pietätwaren? Ich lese diesen Begriff immer wieder in Deinem Weblog.

Pietätwaren sind Bestatterartikel. Es sind die Gegenstände, die Bestatter an ihre Kunden weiterverkaufen und die sie für ihre Arbeit im Bestattungsinstitut benötigen. Klassischerweise gibt es Sarglieferanten und Pietätwarenlieferanten. Während erstere vorwiegend Särge und Sargzubehör liefern, liefern die Pietätwarengroßhändler den ganzen Rest. Oftmals haben aber auch die Sarghändler etliche Pietätwaren im Angebot, wie auch die Pietätwarenhändler meistens einige Sargmodelle anbieten.

Zu den Pietätwaren gehören u.a. folgende Artikel:

Sargzubehör:
Griffe
Schrauben
Sargmatratzen
Innenausstattung
Füll- und Schüttmaterial
Stoffe, Litzen, Bänder

Urnen:
Standardurnen
Designerurnen
Spezialurnen
Aschenkapseln
Beisetzungshilfen

Firmenhygiene:
Desinfektionsmittel
Latexhandschuhe
Putzmittel
Hygieneausstattung
Geräte

Leichenhygiene:
Waschmittel
Desinfektionsmittel
Spezialmittel
Einbalsamierungsflüssigkeiten
Hilfsmittel und Geräte zur Einbalsamierung

Leichenkosmetik:
Augenkappen
Mundfüller
Kinnstützen
Kosmetikartikel
Wachse, Farben, Puder
Kleb- und Hilfsstoffe

Sarghygiene:
Duft- und Hilfsstoffe
Desinfektionsmittel
Lack- und Farbstifte
Reparatursets
Dichtmittel
Lötmaterial

Verstorbenenbekleidung:
Damen- und Herrentalare
Sarganzüge
Sargschuhe
Schleier
Handschuhe

Sargausstattung:
Decken
Kissen
Stützen und Polster

Bestatterkleidung:
Kittel
Hemden, Hosen, Jacken
Arbeitsschuhe
Handschuhe
Schlipse, Fliegen, Bäffchen
Mützen, Kappen, Helme
Mäntel, Capes

Devotionalien:
Rosenkränze
Handkreuze
Deckelkreuze
Grabkreuze
Weihwassersprengler
Weihwasserkübel
Bibeln
Gebetbücher, Gesangsbücher
religiöse Firmenausstattung

Friedhofsbedarf:
Schaufeln
Aushubgeräte
Sprechanlagen
Kunstrasen
Stühle, Schirme, Podeste
Rednerpulte
Sitzbänke

Firmenbedarf:
Kühlanlagen
Kühlsärge
Kühlkammern
Sanitäreinrichtung
Regale, Hubeinrichtungen
Lagereinrichtungen

Transportartikel:
Tragen
Fahrtragen
Sargwagen
Klappwagen
Kunststoff- und Zinksärge
Bodybags
Leichensäcke
Schaufeltragen

Formularartikel:
Kondolenzbücher
Kondolenzblätter
Gedenkalben
Papiere und Umschläge für Trauerdruck
Drucker, Software, Kabel
Mappen
Ordner
Darreichungsboxen

Dekorationsbedarf:
Kunstbäume
Dekoartikel
Schaufenstertafeln
Schaukästen
Türschilder
Firmenschilder

Ich bin jetzt nur mal im Kopf die Ausstellungsräume unseres Pietätwarengroßhändlers durchgegangen und habe nur die gängigsten Artikel aufgezählt. Es ist schier unglaublich, wie viele Artikel dort vorrätig sind! Viele der Artikel dort kenne ich kaum und brauche sie auch nicht, weil deren Verwendung bei uns nicht üblich oder notwendig ist.
Bekannt, aber z. B. unüblich sind weiße Stoffhandschuhe. In manchen Gegenden gehört es unabdingbar zur Beerdigungszeremonie, daß die Sargträger weiße Stoffhandschuhe tragen und diese nach dem Ablassen des Sarges nach kurzer Verbeugung ins Grab werfen.
Andere Artikel brauchen wir nicht, weil sie für Aufgaben gedacht sind, die wir nicht wahrnehmen. Dazu gehört der weite Bereich des Grabbaus. In manchen Regionen übernehmen Bestatter nicht nur auch die Aufgaben des Grabaushubs, sondern
z. T. die Verwaltung, Pflege und Instandhaltung ganzer Friedhöfe. Es ist klar, daß diese Kollegen einen ganz anderen Maschinen- und Fuhrpark benötigen.
Wir haben auch einen Friedhof, auf dem der Bestatter für den Grabaushub verantwortlich ist, geben das aber im Bedarfsfall immer an eine Fremdfirma, die auf so etwas spezialisiert ist.

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  • Veröffentlicht am: 14. September 2007
  • 18 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

18 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Eine Frage:

    […]

    Friedhofsbedarf:

    […]

    Sprechanlagen

    Doch nicht etwa, damit ein eventuell doch nicht Toter sich noch melden kann? :-D

  2. Sprechanlagen: Stimmverstärker für Pfarrer und Trauerredner

  3. […]

    Drucker, Software, Kabel

    […]

    Ein wenig übertrieben, oder? Dann sollte der Pietätwarengroßhändler am besten auch noch eine Tanke auf dem Gelände haben und Lederschuhe besohlen können…

  4. ist es nicht günstiger, eine "Sprechanlage" im Bedarfsfall bei Tonverleih (i.d.R.bei dem nächsten Veranstaltungstechniker) für relativ wenig Geld auszuleihen?

    So kann für jede Größe das entsprechende angebracht werden… Denke ich mal. Und Schwarz isses auch.

  5. so eine Sprechanlage kann auch nur ein Kasten zum Umhängen sein an dem ein Mikro und ein Lautsprecher angeschlossen wird und Batterie betrieben ist. Die Stimmenverstärkung reicht auch für größere Beerdigungen.

  6. On Topic:

    Du hast die Gummiknüppel vergessen.Als überzeugendes Argument für dich Erbstreitigkeiten doch bitte nicht am Grabe auszutragen.Ich sage nur "Erbschein" ;)

    Off Topic:

    "Und Schwarz isses auch"

    Nicht in allen Ländern ist Schwarz die Trauerfeier.Es gibt Länder in denen bei Beerdigungen Weiß oder Rot getragen wird um seiner Trauer ausdruck zu verleihen.

  7. Ich hab irgendwo (ich finde gerade den Link nicht) mal gelesen das jemand gerne eine Kamera in den Sarg des Verstorbenen eingebaut haben wollte, woduch das Bild aus dem Sarg auf einen in den Grabstein integrierten TFT gesendet werden sollte.

    Gibt es sowas tatsächlich? Oder war das Wunschdenken von jemandem?

  8. Man macht sich echt kein Bild davon, was alles zu dem Bereich Bestattungen gehört.

    Früher habe ich mir, so ehrlich muss ich sein, auch keine Gedanken darüber gemacht, aber seit ich dein Weblog lese, fasziniert mich das Gewerbe immer mehr. Doch eher wegen seiner doch großen Komplexität auf der einen und dem Umgang mit einem vermeidlichen Tabuthema auf der anderen Seite.

    Jetzt mache ich mir Gedanken, was nach meinem Ableben mit mir geschehen soll, denn durch diesen Blog bin ich dafür sensibiliert worden, wie wichtig es ist, seine Wünsche schon zu Lebzeiten kundzutun. Im Moment schwebt mir eine Bestattung ini einem Friedwald vor. Habt ihr soetwas schon einmal gemacht?

  9. @Malte: Auf den ersten Blick hast Du natürlich Recht. Aber es ist so, daß speziell die Trauerdruckpapiere von den allermeisten im herkömmlichen Handel erhältlichen Druckern nicht verarbeitet werden können.

    Die Papiere haben ein sehr hohes Gewicht, oft eine besondere Struktur, extreme Formate und vor allem sind sie bereits vorgedruckt. Das heißt: Schwarze Umrandungen und Symbole (Kreuze) etc. sind oft erhaben und sehr fett aufgedruckt oder gar aus Folie eingeprägt.

    Aus diesem Grunde bieten Spezialunternehmen besonders umgebaute Drucker extra für diesen Zweck an. Diese werden nicht im normalen Handel geführt, sondern eben auch bei Pietätwarenhändlern.

    Dazu gibt es eine spezielle Software und praktischerweise auch die notwendigen Kabel usw.

  10. @Thomas: Hierzulande nach meinem Dafürhalten: Wunschdenken.

  11. @Tobias + Icke: Korrekt. Wir leihen sowas manchmal bei einem Eventservice aus. So machten wir es beispielsweise bei der Rockerbestattung von neulich. Wenn es um richtige Beschallung geht, braucht man Equipment, das wir nicht haben.

    Hier ist die Rede von transportablen Geräten (es gibt welche zum Hinstellen mit Funkmikro und auch welche zum Umhängen) die die Worte des Redners so verstärken sollen, daß die Umstehenden alles besser verstehen können, dennoch aber keine lautstarke Beschallung des ganzen Friedhofs erfolgt.

  12. Wozu braucht man bei Sargzubehör Lötmaterial? Ich dachte, die sind aus Holz?

  13. Lötmaterial zum verlöten eines Metallsarges welcher, soweit ich weiss, Pflicht ist bei Überführungen ins Ausland oder vom Ausland hier her per Flugzeug.

    Soweit ich weiss muss der Sarg auch soweit verpackt sein, das dieser von aussen nicht mehr als Sarg erkennbar ist.

    Lief vor ein paar Wochen mal ein mehrteiliger Bericht über einen Bestatter auf Vox glaube ich. Da hatten sie einen solchen Fall.

  14. @Thomas Das war in den USA. Allerdings war keine Kamera im Sarg, sondern nur ein TFT im Grabstein, das (per Bewegungsmelder gesteuert) eine vor dem Tod aufgezeichnete Botschaft des Verstorbenen abgespielt hat.

    War auch in einigen TV-Serien zu sehen.

  15. Erstmal ein Lob für diesen Blog.

    Ich lese ihn jetzt schon seit ca. 1 Monat und finde es wirklich spannend, was du alles so in deinem Beruf erlebst. Vor allem die vielen und auch gut erklären Infos zum Bestatteraltag, Gesetzen und co. finde ich wirklich interessant. Soviel bekommt der Normalmensch ja leider nicht von so einem spannenden Beruf, wie dem des Bestatters, nicht mit.

    Nun aber zum Eintrag.

    Wozu genau wird überhaupt Mundfüller gebraucht?

  16. Z.b. als Ersatz für ein nicht mehr vorhandenes Gebiss.

    Such einfach mal nach Mundfüller hier im Blog. Wurde schon einiges drüber geschrieben.

  17. @Steffi: Danke für Dein Lob, das freut mich :-)

    Fragen stellst Du am besten über die FAQ-Funktion in der Kopfzeile des Blogs oder einfach per E-Mail, nicht unbedingt in den Kommentaren.

    Die Antwort habe ich Dir jetzt in die FAQ geschrieben. :-)

  18. nun etwas spät mein Kommentar, aber eine Frage die ich als auch SFU-Fan habe: Gibt es diesen "Salzstreuer" den sie in einer der ersten SFU Folgen mal hatten wirklich?

    Für die die es nicht kennen: Man schippt ja ein wenig Erde auf den Sarg, und da hatten die dann halt eine Art überdimensionierten Salzstreuer – mit "Erde" die er wie Sand aussah gefüllt – und damit wurde dann der Sarg ordentlich "gesalzt".

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