Plötzlicher Herztod

Daß Menschen ganz plötzlich und unerwartet versterben, erlebe ich Tag für Tag. Manchmal denke ich so ganz still für mich: Besser so! Ich muß immer wieder an den Mann denken, der im Spanien-Urlaub aus einer Gaststätte kam, Arm in Arm mit seiner Frau über den Gehweg schlenderte und rief: „Ach, was ist das Leben schön!“ Dann fiel er tot um.
Besser als langes Siechtum ist das allemal.

Wenn aber einer, auch noch in recht jungen Jahren, dem Tod noch einmal von der Schüppe gesprungen ist, kann man auch drei Kreuze schlagen und recht froh sein, daß es nochmal glimpflich abgegangen ist.

Doch:

…dann schreibt mir ein Leser:

Ein Freund (44) von mir hat am vergangenen Mittwoch einen Hinterwandinfarkt erlitten. Offenbar war es aber noch mal ganz glimpflich abgegangen, denn die Kardiologen haben ihn nach einer eingehenden Untersuchung mit Auflagen wieder nach Hause entlassen.
Er hätte es gut überstanden, solle sich auf ganz wenig Alkohol (nicht mehr als 2 Radler am Tag) beschränken, möglichst sofort mit dem Rauchen aufhören und seine Medikamente regelmäßig nehmen.
Man kann sich vorstellen, daß wir alle sehr erleichtert waren.
Heute früh mußte ich leider vom Tod dieses Freundes erfahren. Herztod.
Wir sind alle doppelt geschockt!

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  • Veröffentlicht am: 17. August 2008
  • 8 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

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  1. Hmmm… ich bin einer, den es beinahe erwischt hätte… Ich bin froh, daß ich noch eine Chance bekommen habe, aber die anschließende „siechende“ Zeit war auch nicht schön…

  2. Ich weiß nicht, ich verstehe diese allgemeine Sehnsucht nach dem plötzlichen Tod nicht. Es gibt ja noch etwas zwischen Siechtum und plötzlichem Umfallen, nämlich das bewusste Sterben. Meist liegt es natürlich daran, dass man eine bestimmte Krankheit hat, und ja, ganz ohne Leid wird sowas auch nicht vonstatten gehen. Aber ich möchte bewusst mitbekommen, dass sich mein Leben dem Ende nähert. Sich so ein, zwei Monate hindurch auf den Tod vorzubereiten halte ich für wesentlich besser.
    Nicht zu vergessen, dass es für die Angehörigen schrecklich ist, wenn es plötzlich passiert. Obiges Beispiel mit dem Spanien-Urlauber finde ich schrecklich, wie muss es der armen Frau dabei gegangen sein? Ich will nicht so sterben, dass meine Lieben darunter leiden müssen und sich nichtmal mehr verabschieden können.

  3. Ein mir sehr lieber Mensch ist am Gehirnschlag verstorben. Nach gut 48 h hat man die Maschinen ausgestellt.

    Für mich war es die schlimmste Todesart überhaupt. Am Tag ihrer Beerdigung hätte sie eigentlich Kaffee bei mir trinken sollen. :°(

    Salat

  4. Maligne Herzrhythmusstörung, eine der möglichen fatalen Konsequenzen eines Herzinfarktes. Besonders gefährlich sind die ersten drei Tage. Aber auch die erste Woche ist nicht ohne.

    Wenn er nach dem Infarkt eine Woche unter Monitorüberwachung im Krankenhaus geblieben wäre, hätte man ihn vermutlich ziemlich problemlos retten können. Warum das nicht geschah, bleibt offen.

  5. Vielleicht sollte ich etwas deutlicher werden.

    Es werden Medikamente verordnet und von den Krankenkassen bezahlt, bei denen 10.000 Menschen das nehmen müssen, damit 3 Menschen pro Jahr weniger sterben. An bestimmten Krankheiten, an irgendwas stirbt der Mensch ja früher oder später.

    Als Krankenhausaufenthalte noch pro Tag bezahlt wurden, blieben die Menschen eher länger dort. Ob in jedem Fall berechtigt oder nicht – niemand wäre nach einem Herzinfarkt während der ersten Woche entlassen worden.

    Inzwischen werden Krankenhausaufenthalte aber nach Diagnosen bezahlt, im Grundsatz. Das Krankenhaus bekommt gleich viel Geld, egal ob es den Patienten am 4. Tag oder am 9. Tag entläßt. Also entläßt es ihn eher am 4. Tag, weil das weniger Kosten verursacht.

    Ich vermute, dass das wesentlich mehr Tote zur Folge hat, als durch die zu Anfang erwähnten Medikamente verhindert werden.

  6. Vor fast genau einem Jahr hatte mich erwischt. während des Wartens auf den Notarzt unter irren Schmerzen, starkem Ganzkörperschweißausbruch, wartete ich bewußt darauf, dass ich gleich bewußtlos würde, und wie das sein wird, wenn ich gleich über mir schwebe, und beobachte wie mein Arbeitskollege mit der Reanimation beginnt. Ich dachte auch daran, was jetzt wäre, wenn sie es nicht rechtzeitig schaffen würden. Es war mir zwar nicht egal, doch war ich innerlich bereit es zu akzeptieren, da ich ohnehin nichts dagegen machen könnte, wenn es mir so vorbestimmt sein sollte. Eineinhalb Stunden nach Beginn hatte ich schon zwei Stents implantiert und die Schmerzmittel konnten abgesetzt werden. Nach sechseinhalb Wochen konnte ich wieder zur Arbeit. Heute bin ich froh, dass ich vor kurzem meinen Ruhestand antreten konnte und somit jetzt Dauerurlaub habe. Ich lebe bewußter und plane spontaner. Ja und vor allem: Ich lasse mich nicht mehr hetzen und mit Aufgaben überhäufen.

  7. Ein schöner Tod ist für mich, nach einem erfüllten Leben abends friedlich einzuschlafen und morgens nicht mehr aufzuwachen. Das mag zwar für die Angehörigen auch „plötzlich“ kommen, aber in einem gewissen Alter doch nicht unbedingt unerwartet.

    Für die Angehörigen ist es meistens sehr schwer, wenn jemand einfach so mitten aus dem Leben gerissen wird, auch wenn er vor seinem Tod nicht lange leiden musste.

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