Praktikum beim Bestatter

Frau Büser kommt in mein Büro und sagt: „Chef, da draußen steht ein Mann und will ein Praktikum bei uns machen.“
Das ist nichts Ungewöhnliches. Der Beruf des Bestatters hat in den letzten Jahren an Attraktivität gewonnen und sehr viele junge Menschen interessieren sich dafür. Nie war die Nachwuchslage in unserer Branche besser als zur Zeit.
Während andere Branchen auf „Job-Börsen“ und „Azubi-Messen“ um Auszubildende regelrecht buhlen, sind viele Bestatter inzwischen sogar ein bißchen genervt von den vielen Anfragen nach Ausbildungsplätzen.
Fernsehserien wie „Six feet under“, das Bestatterweblog und andere mediale Berichterstattungen haben den Menschen diesen Beruf entzaubert und enttabuisiert, so daß viele die grundlegende Abscheu vor dem Thema abgelegt haben und die interessanten und abwechslungsreichen Seiten dieses Berufes kennenlernen wollen.

Aber diese Botschaft von Frau Büser ist noch aus einem anderen Grund etwas Besonderes, Frau Büser ist nämlich nicht allein gekommen, sondern Antonia und Sandy befinden sich in ihrem Schlepptau und grinsen mich über die Schultern der Büserin hinweg an.

„Wir brauchen keinen Praktikanten“, sage ich kurz und will nach meiner Kaffeetasse greifen, da sagt Antonia: „Och Mönsch, Chef, gucken’se sich den doch mal an!“
Und Sandy fügt hinzu: „Der sieht aus wie George Clooney!“

„Welcher 16- oder 17-jährige sieht aus wie George Clooney?“ frage ich erstaunt: „Die sehen von hinten aus wie russische Kriegsgefangene in Opas letzter Gartenhose und von vorne wie der bunte Königspapagei mit einer nach oben geklebten Haartolle, aber nicht wie George Clooney.“

„Der schon“, bestätigt Frau Büser und deshalb werde ich dann doch neugierig und will mir den Hollywood-Star mal näher anschauen.

Die Hühner wollen hinter mir her, doch ich bleibe abrupt stehen, drehe mich auf dem Absatz um und verscheuche die neugierigen Weiber mit einem „Husch, husch!“

In der Halle steht, was soll ich sagen, da steht George Clooney.

Als der Mann mich sieht, geht ein Lächeln über sein Gesicht und er hält mir die ausgestreckte Hand entgegen: „Guten Morgen, mein Name ist Willi Terporten.“

Es ist also doch nicht George Clooney und wenn ich ehrlich bin, reicht die Ähnlichkeit des etwa 60-jährigen, schlanken Mannes auch nicht einmal für einen George-Clooney-Doppelgänger-Wettbewerb. Aber so auf den ersten Blick, kantiges Kinn, volle graumeliertes Haar, große Erscheinung; doch, die Frauen haben recht, irgendwie sieht er schon so ähnlich aus.

Ich bitte ihn mit einer Handbewegung zum Sofa in der Halle, lasse ihn Platz nehmen und setze mich in einen der Sessel.

„Ja also, um es kurz zu machen“, sagt er, „ich suche eine Praktikantenstelle.“

„Sie? In Ihrem Alter?“

„Machen Sie sich keine Sorgen, ich werde Ihnen nicht im Weg sein, ich muß ein sechswöchiges Praktikum machen, das kostet Sie nichts und ich käme eigentlich auch gar nicht her.“

„Was?“

„Ja, ich würde vielleicht mal zwei, drei Tage hier reinschnuppern, damit ich ein paar Eindrücke bekomme und hinterher etwas in meinen Praktikumsbericht schreiben kann, aber ansonsten wäre ich zu Hause bei meiner Frau und meinem Enkelkind.“

Dabei zieht Herr Terporten seine Brieftasche heraus und zückt das Bild eines goldigen kleinen Mädchens. „Jasmina“, sagt er, „mein ganzer Stolz. Sie kann jetzt schon Bagger und Garten sagen.“

„Ich verstehe nicht ganz, um was es geht.“

„Also, ich bin Versicherungskaufmann und möchte mit 62 Jahren in Rente gehen. Die Gesellschaft für die ich gearbeitet habe, hat mir ein attraktives Angebot gemacht und so konnte ich vor einem Jahr mit 60 ausscheiden. Ein Jahr haben die mir noch meine Bezüge voll weiter gezahlt ohne daß ich dafür etwas arbeiten mußte. Jetzt würde ich noch ein Jahr Arbeitslosengeld bekommen und dann eben mit 62 in Rente gehen.“

„Und?“

„Ich habe also zwei Jahre zu überbrücken. Ein Jahr zahlt die Firma, ein Jahr das Arbeitsamt.“

„Ja, weiter!“

„Und kurz nach Ende des ersten Jahres kam dann mein Jobvermittler auf die Idee, mich mit lauter angeblich besonders interessanten Jobs zu bombardieren. Immer unter der Androhung, mir meine Bezüge zu sperren, bestellte der mich in wöchentlichen Abständen ein, ließ mich stundenlang warten und servierte mir dann Jobs als Lagerarbeiter, aber 120 Kilometer entfernt, oder als Putzkraft in einem Supermarkt. Ja sogar als Versicherungskaufmann oder Finanzberater wollte der mich unterbringen, aber wenn ich den Firmen meine Bewerbungen schickte oder mich dort vorstellte und die mein Geburtsdatum gesehen haben, dann haben die nur abgewinkt oder mich ausgelacht. Einer hat gesagt: ‚Bis wir sie eingearbeitet haben, gehen Sie in Rente.‘
Dann hat mich mein Sachbearbeiter in die erste Maßnahme geschickt, IT-Lehrgang. Gut, kann man gebrauchen, obwohl ich am PC eigentlich ganz fit bin. Sechs Wochen jeden Tag bei einem zertifizierten Schulungszentrum. Danach mußte ich mich wieder bewerben und als auch diese Bewerbungen nichts brachten, kam die zweite Maßnahme, der Staplerschein. Ich kann also jetzt auch Gabelstapler fahren. Die nächste Maßnahme, die bald kommen soll, das ist der Schweißlehrgang. Und danach bieten die noch eine Kurzausbildung zum Haustechniker, also Hausmeister, an.
Ich bin dann also ein 62-jähriger staatlich geprüfter Hausmeister mit IT-Kenntnissen, Staplerschein und Schweißlehrgang. Wie gesagt, ich bin Finanzwirt und habe immer nur bei der Versicherung gearbeitet.
Jetzt ist der Sachbearbeiter in Elternzeit und seine Vertreterin sieht das alles etwas lockerer und hat mal den Hausmeisterlehrgang gestrichen. Dafür bin ich jetzt wieder in der Schule.“

„In der Schule? Mit 61 Jahren?“

„Ja, genau. Ich muß jetzt dreimal die Woche in ein Fortbildungszentrum, wo man mir und 16 anderen Arbeitslosen das Schreiben von Bewerbungen beibringt. Unter den 16 anderen Teilnehmern sind zwei ehemalige Personalleiter, ein Sparkassendirektor und der ehemalige Inhaber eines mittelständigen Maschinenbauunternehmens, der seinen Betrieb seinem Sohn überschrieben hat, sich dann anstellen ließ, um noch ein paar Jahre für die Rente zusammen zu bekommen und dann, so wie ich, noch ein Jahr Arbeitslosengeld mitnehmen wollte. Ich meine, wir haben unser ganzes Leben eingezahlt, ich war nie arbeitslos, nicht einen Tag. Und jetzt hat uns das Fortbildungszentrum in Berufspraktika geschickt. Wir müssen uns eine Praktikantenstelle suchen, dann kommt unsere Ausbilderin mit mir hierher und schaut sich an, ob ich mich auch hübsch bewerben kann.
Dann muß ich sechs Wochen einen Beruf kennenlernen und danach einen Bericht darüber schreiben, warum ich gerne in dem Beruf arbeiten würde.“

„Ist ja der Hammer!“ entfährt es mir.

„Ja, das ist es. Ich bin 61 Jahre alt, ich gehe in 6 Monaten in Rente… Ich weiß gar nicht, was der Quatsch soll. Gut, den Schweißlehrgang nehme ich noch mit, das kann man immer gebrauchen, wir haben ein Haus, da ist bestimmt mal was zu schweißen. Aber ansonsten schicken die mich und die anderen Vorruheständler von einer Maßnahme zur nächsten, nur damit wir aus der Statistik der Arbeitslosen raus sind. Ich will gar nicht wissen, wie viele Arbeitslose in solchen Maßnahmen stecken und gar nicht mitgezählt werden. Und was das alles kostet! Solche Lehrgänge sind ja nicht umsonst, die Institute lassen sich das sehr, sehr gut bezahlen.“

„Und jetzt müssen sie einige Wochen ein Praktikum machen und wollen das pro forma bei uns machen?“

„Ja, das geht schon in Ordnung. Der Abteilungsleiter vom Schulungsinstitut hat mich und den Sparkassendirektor und die anderen Älteren zu sich gerufen und klipp und klar gesagt, daß er uns versteht, aber auch nichts dagegen machen kann, daß wir in dieser Maßnahme stecken und ihm wäre es egal, ob wir die Praktika wirklich machen oder nicht. Hauptsache, ich darf mich im Beisein meiner Lehrerin bewerben und bekomme hinterher einen Stempel auf meine Praktikumsbescheinigung.“

Zwei Tage später kommt Herr Terporten mit einer etwa 25-jährigen Frau. Die junge Dame ist sehr freundlich und hält sich, Notizen machend, im Hintergrund, während Herr Terporten und ich eine klassische Bewerbungssituation durchspielen.
Ein zufriedenes Lächeln umspielt ihren Mund, als ich Herrn Terporten die Hand reiche und sage: „Dann versuchen wir es mal miteinander.“

Tatsächlich arbeitet Herr Terporten dann volle 14 Tage bei uns. Er findet den Betrieb und die Arbeit so interessant, daß er mir mehrmals sagt, dieser Beruf hätte ihm auch Spaß gemacht.
Er bekommt seinen Stempel und bringt mir am nächsten Tag eine Flasche Rotwein als kleines Dankeschön.

Schönen Ruhestand, Herr Terporten!

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  • Veröffentlicht am: 18. Juli 2013
  • 59 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Geschichten, Menschen

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

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  1. Hahahaa klasse :) Willkommen in Deutschland! :-) Und bevor jetzt jemand sagt: Das stimmt eh nicht, das hat er sich ausgedacht! NEIN, mit Sicherheit nicht. Das kann ich bezeugen, sowohl privat als auch beruflich habe ich mit dem Thema zu tun und es ist GENAU SO! Punkt, aus. Und wer es nicht glaubt, sollte mal sowas wie „Fakt“, „Frontal“ und so etwas schauen und sich mal die monatliche Arbeitslosenstatistik nehmen und diese mal genau durchleuchten. Da wird man ganz schnell drauf kommen, dass wir kurz vor Vollbeschäftigung stehen (Schönrechnung sei Dank :D ) und wie viele Personen in Maßnahmen etc. sind und somit nicht vermittelt werden und somit auch nicht arbeitslos sind.

    • Jepp, es ist tatsächlich so – und nicht anders! Traurig das Ganze, aber wahr! Ich war eine zeitlang für eine Zeitarbeitsfirma tätig (also nicht über, sondern bei) und kann das nur bestätigen. Alles ganz „normal“.

    • Kann ich auch unterschreiben – ich war über 10 Jahre sozusagen Kollegin dieser jungen Dame und kenne ähnliche Fälle, ja ganze Kurse, die uns vom Arbeitsamt so eingebrockt wurden.
      CNC-Fortbildungen, die voll waren mit Bäckern, Metzgern, Arzthelferinnen – und genau einem Metallbauer, der aber wieder frisch aus der Ausbildung kam, nur halt nicht übernommen wurde.
      Kurse für 55+ mit hauptsächlich Frauen, die zwar schon wieder arbeiten wollten, aber mit 59 keine Karriere hinlegen wollten. Erkläre dann mal der jungen, motivierten Kollegin Mme. Soz-Päd, die sich um die Praktikumsakquise kümmerte, warum eine 60jährige, die einfach einen Bürojob suchte, den sie gut erledigen kann, in einem jungen, hippen Radiosender, der jemand mit kreativem Potential und Karrierewunsch sucht, NICHT gut aufgehoben ist. „Aber da hat sie doch tolle Aufstiegschancen!“ *argh*

    • Jupps, das war bei meinem Schwiegervater genauso… er hat mit 63 mit einer Abfindung freiwillig gekündigt und die Rente mit 64 eingereicht.
      Glücklicherweise musste er „nur“ ein Bewerbungstraining machen (Schweißkurs hätte ihm bestimmt auch gefallen!)… und wurde danach mit Jobangeboten bombardiert.
      Glücklicherweise hat das aber aufgehört, nachdem er dem Jobcenter gesagt hatte, daß er eh die Rente mit 64 eingereicht hat :-)

  2. Ich werde das mit dem „Praktikum beim Bestatter“ Mal im Kopf behalten.
    Ich könnte ja in den nächsten 3 Jahren bis zur Rente auch gekündigt werden. Und bis zum nächsten Bestatter brauche ich nur ein paar Minuten mit dem PKW. Notfalls geht es auch mit dem Fahrrad.

  3. Nirgendwo steht geschrieben, dass Jobcenter nach den Regeln der Logik und des gesunden Menschenverstandes arbeiten müssen.
    Und dass der von dir beschriebene Fall durchaus kein extremes Beispiel ist, kann ich aus persönlicher Erfahrung bestätigen.

  4. Das wirklich Schlimme an der Sache ist, dass alle wissen, dass es so läuft. Inklusive der Fallmanager. Die würden auch am liebsten alle den netten Herrn bis zu seinem Renteneintritt in Ruhe lassen und so lange Arbeitslosengeld zahlen. Dürfen sie aber nicht, weil sie von oben herab gezwungen werden, derart das Steuergeld zu verbrennen. Dass das viel mehr kostet, als dem guten Herrn sein letztes Jahr in Ruhe Zuhause zu lassen, wissen auch alle. Aber juckt keinen, ist ja nur das Geld des doofen Steuerzahlers. Hauptsache wir haben in der Statistik „Vollbeschäftigung“ stehen.

    • Genau, Hauptsache irgendwo anders „hinverwaltet“ damit die Statistik stimmt. Selbst erlebt. Abgeschoben in Seminare zum „Bewerbungen richtig schreiben“ und raus bist du aus der Arbeitslosenstatistik.
      Huhu, aber auf „online-Bewerben“ wg. zeitgemäß usw. angesprochen konnten die Seminarleitenden keine Antworten geben.

  5. Es ist echt traurig. Ich hab übrigens einen Bekannten, der ausgebildeter Fachinformatiker ist und in irgendwelche IT-Lehrgänge geschickt wird. Traurig.

      • als ich nach der ausbildung nicht direkt nen job hatte wurde ich zu meinem (ersten und einzigen) gespräch zum arbeitsamt gebeten. 18jahre, ausbildung in privatschule auf kosten der eltern, ergo keinen pfennig/cent in der tasche. nach 2h des wartens bekomm ich 1 (EIN!!) angebot. für ein UNBEZAHLTES praktikum als grafiker. was 0,0 mit meiner ausbildung zusammenhängt. kaum zu hause, hab ich genau dasselbe angebot vom amt im briefkasten. WOZU HAB ICH DANN STUNDEN MEINES LEBENS DORT VERSCHWENDET?!

        ach, und um das ganze noch grandioser zu gestalten war der platz schlappe 650km weit weg. is klar!

  6. So weit sind wir runter gekommen in Deutschland Traurig, traurig!

  7. Hm… bin ich die einzige, die es bedenklich findet, dass diese sicher sehr lieben, netten und auch fleißigen Herren mit dem Jahr Arbeitslosengeld vor der Rente die Solidargemeinschaft auch irgendwie ausnutzen? Eigentlich müssten sie ja Rente bekommen, weil sie nicht mehr vor haben zu arbeiten. Das gäbe aber sicher große Abzüge, weil ihnen ja ein Jahr „fehlt“. Stattdessen beanspruchen sie Geld, das eigentlich für Menschen gedacht ist, die wirklich mehr oder minder unverschuldet ihren Job verloren haben… So richtig fair finde ich das ja nicht, wenn deshalb dann wieder die Sozialabgaben für alle steigen… (Und die würde sicher sinken, wenn nicht jeder Deutsche zwanghaft versuchen würde immer so viel wie möglich für sich selbst beim Staat abzugreifen…)
    Da kann ich es ein wenig verstehen, wenn die Arbeitsagentur versucht, den Herren ihren Ruhestand ungemütlich zu machen, so lange sie noch nicht im Ruhestand sind. Wollten sie nicht arbeiten, müssten sie sich auch nicht arbeitssuchend melden… Dämlich ist es natürlich, dass sie in diese für den Steuerzahler teuren Maßnahmen müssen. Aber täglich beim Amt melden oder ähnliches fände ich schon sinnvoll, um diesem Missbrauch des Arbeitslosengeldes ein Ende zu bereiten…

    • Dein Gedanke ist gar nicht so falsch. Allerdings ist es nunmal so, daß diese Leute tatsächlich arbeitslos sind und demnach Anspruch auf diese Leistung haben.
      Die Tatsache, daß sie gar nicht mehr vermittelt werden wollen und nie mehr arbeiten wollen, haben sie mit doch recht vielen, viel jüngeren Menschen gemeinsam. Nur sagen sie es offen.

    • Elli, du begibst dich auf sehr dünnes Eis. Viele AG wollen sich doch gar nicht mehr einen erfahrenen alten Arbeitnehmer einstellen. Wer heute nicht mehr jung und hipp ist punktet auch mit jahrzehntealter Branchenerfahrung nicht mehr. Sorry, auf der einen Seite wird Arbeiten bis 67 gefordert, andererseits bekommt man zum Teil ab 40+ keinen vernünftigen Job mehr. Und die Arbeitsämter haben genug Mittel wie z. Bsp. überraschende telefonische Einladungen aufs Amt um Schwarzarbeit zu erschweren. Täglich auf dem Amt melden, geht es noch? Wer soll dann die Fahrtkosten zum Amt bezahlen, auch der Steuerzahler?
      Erst denken, dann schreiben.
      Populistischer Stammtischquatsch.

      • Nein, das tut Elli nicht. Wir haben in Deutschland ein gesetzliches Rentenalter, das der Herr Terporten schlicht nicht erreicht hat. Er wollte sich eine schöne Zeit in der sozialen Hängematte bereiten und hat sich verzockt.
        Er verplempert auch kein selbsteingezahltes Geld, wie Dod1977 zu bemerken geruhte, sondern das der Solidargemeinschaft. Immerhin haben wir noch einen Generationenvertrag.
        Natürlich rechtfertigen diese Tatsachen nicht die Absurdität des Vorgehens der betreffenden Ämter.

        • Der Herr ist übrigens auch Teil dieser Solidargemenschaft.

          • Wirklich? Ich finde es nicht sehr solidarisch, sich persönlich einen Vorteil verschaffen zu wollen.

            • Einen Vorteil hat er sich dadurch VERDIENT, dass er sein ganzes Arbeitsleben lang in eine Versicherung einbezahlt hat, die er jetzt ein Jahr lang nutzen wollte.

            • Man kann es ja nun drehen und wenden wie man will und man kann das Verhalten des Arbeitnehmers in diesem speziellen Fall dreist finden, oder gerecht – diese Greschichte zeigt ja, wie krank das System ist. Von dem Grundgedanken „Fördern und Fordern“ ist nichts übrig, es geht nur noch darum die Arbeitslosenzahl zu drücken, egal wie, egal was es kostet.

              Wenn ich kurz darüber nachdenke wie die echte Arbeitslosenquote aussehen würde, wenn man diese sinnfreien Beschäftigungstherapien herausrechten würde… da bekomme ich ernsthaft Angst.

            • nein, hat er nicht.
              Denn mit genau der Argumentation könnte ich alle 2 Jahre einen Stein auf meine Windschutzscheibe werfen und bei meinem Onkel … oder allen anderen Werkstätten Umsatz generieren.
              Und wie würde das bezeichnet?
              Das Geld aus der ALV ist für Leute die unverschuldet Arbeitslos sind. Wer sich nur hat Kündigen lassen um ein bisschen länger nicht zu Arbeiten und die Zeit bis zur Rente abzusitzen gehört nicht in diesen Personenkreis.

    • Elli, ich kann deine Aussage durchaus nachvollziehen und in der Tat hast du Recht: Ist das Verhalten wirklich okay?

      Auf der anderen Seite steht: 40 Jahre gearbeitet, nie arbeitslos gewesen, ausgebrannt weil ausgebeutet…
      Ich kenne auch hier einen persönlichen Fall, wo jemand sehnsüchtig rechnet, wann er kündigen kann. 15 Jahre ohne Gehaltserhöhung (Chef sagt: wenn es dir nicht passt kannst du ja gehen), 10 Stunden am Tag im Außendienst unterwegs, mit 61 machen da die Knochen (und Nerven) auch nicht mehr mit.
      Da wird gerechnet, wann man kündigen kann und mit Arbeitslos + gewisse Abzüge bei der Rente ergibt das bspw. mit 63 Eintritt in die Rente.

      Anderes Beispiel: Wie sollen Bauarbeiter bis 65 bzw. später 67 durchhalten, wenn die körperlich bereits jetzt mit 55/60 verbrannt sind? Nicht jede Firma kann Bürojobs bis zum Renteneintritt anbieten.

      Alles nicht so einfach…

      • Ich bin noch jung und habe Illusionen, aber wenn mein Körper eines Tages nicht mehr fit genug für die Arbeit ist, die er erledigen soll, bin ich doch arbeitsunfähig und bekomme deshalb Geld. Im Idealfall habe ich sogar vorher eine Berufsunfähigskeitsversicherung abgeschlossen, die in solchen Fällen zahlt. Wenn meine körperlichen Schäden aus der Arbeit resultieren dürfte sogar die Unfallversicherung zahlen. Da wüsste ich nicht, weshalb ich deshalb die Arbeitslosenversicherung ausnutzen soll. Je länger ich darüber nachdenke, desto dreister finde ich dieses Ausnutzen und noch schlimmer finde ich, dass es fast alle total in Ordnung finden und anscheinend viele das tun.
        Aber ich arbeite wirklich im Büro und kenne da vor allem Kollegen die schon mit Ende 50 einfach keine Lust mehr haben, dabei könnten sie ihren Job wirklich noch gut erfüllen und helfen mit ihrer Erfahrung uns Jüngeren sehr. Auf der anderen Seite erlebe ich meine Großeltern, beide um die 80 und ihr Leben lang in der Landwirtschaft tätig. Ihr Leben lang? – Richtig, sie haben als Kind angefangen und arbeiten selbstverständlich bis heute mit, auch wenn sie das sicher nicht müssten. Für sie gehört Arbeit einfach zum Leben dazu. Da lassen sie sich auch vom neuen Knie oder dem Grauen Star nicht von abhalten. Es ist also wohl auch möglich in höherem Alter noch körperlich zu arbeiten…
        Dennoch gönne ich jedem seinen wohlverdienten Ruhestand! Jeder sollte einen schönen Lebensabend mit ausreichender finanzieller Versorgung genießen können. Aber das geht eben nur, wenn man auch lang genug für diese finanzielle Sicherheit vorsorgt. Also sollte man sich doch wirklich bemühen, seinen Job bis zum Renteneintrittsalter auszufüllen. Wenn es körperlich nicht geht, hat die Solidargemeinschaft schließlich Möglichkeiten geschaffen, nicht mehr an der Arbeit leiden zu müssen und dennoch versorgt zu sein.

    • Elli, ich geb dir Recht. Leider nutzen viele diese Möglichkeit aus, weil sie kein Bock mehr haben zu arbeiten. Dabei gibt es nunmal leider Gesetze, die Dinge regeln, dass muss man einfach akzeptieren. Ich finde es auch zum Kotzen

  8. Elli, der Herr hat Zeit seines Lebens in die Arbeitslosen*versicherung* eingezahlt. Versicherung. Er verplempert zudem nur das von ihm zuvor in größeren Mengen selbst eingezahlte Geld. Und eigentlich wäre es gar nicht so viel, wenn das Amt ihn einfach das Jahr lang in Ruhe lassen würde, teuer wirds erst durch die Maßnahmen.

    Erinnert mich an meine Frau, die eine SAP-Schulung für die Jobsuche hätte gebrauchen können (sie ist Fachinformatikerin), diese aber vom Amt nicht bekam – keine Mittel und so. Am gleichen Tage wurde diese Schulung einem Bekannten beim gleichen Amt bewilligt – er als Lagerist konnte damit nur leider sehr wenig anfangen. Nun ist er SAP-geschulter Elite-Lagerist und sie IT-Fachfrau mit Gabelstablerschulung. Praktisch.

    • Zerdepperst Du auch kurz vorm Tod noch alle Fenster und setzt das Auto gegen die Wand, um zu viel gezahlte Haftpflicht und Vollkasko zurück zu bekommen?

          • Wenn Du Dein Zeug vorsätzlich zerdepperst, um haftpflicht und Vollkasko auszunutzen, zahlt Dir die versicherung nichts.

            • Aha. Aber beim vorsätzlich arbeitslos werden soll sie es?

    • Erinnert mich an meine Erfahrungen mit dem Amt (allerdings länger als 10 Jahre her), die jedem Bäcker, Metzger & Co. eine MCSE-Schulung verpaßt haben und mir als Informatiker, der eigentlich den Wisch benötigte, um bei einem Arbeitgeber angestellt zu werden. Laut deren Aussage war der Wisch auschlaggebend für die (Nicht-)Einstellung, wollten mir aber nichts schriftlich geben. Aber (unnötige) Bewerbungstrainings noch und nöcher durfte ich machen. :-(

      ich habe mich dann in die Selbtständigkeit geflüchtet.

    • Auch ITler müssen ab und an größere Lasten bewältigen. Heutzutage in Form von Laptops und Kaffetasse. Wogegen Lageristen wissen müssen, was die blöde Software schon wieder in ihrem Lager angerichtet hat.
      Is doch logisch.

    • Das Argument ist doch Kokolores. Ich baue ja auch nicht einen Totalschaden mit meinem Auto, weil ich ja mein Leben lang Versicherungsbeiträge bezahlt habe.

      Die Leute vergessen einfach den Sinn und Zweck einer solidarischen Versicherungsgemeinschaft. Bewusst und mit voller Absicht. Das ist schäbig.

    • Das Argument ist doch Kokolores. Wir vergessen einfach den solidarischen Gedanken hinter einem solidarischen Versicherungssystem, weil es uns grad so in den Kram passt. Die Versicherungen danach sanieren kann dann die nächste Generation. Ich finde das Verhalten zum Kotzen.

  9. Bei uns in der Firma werden die 63Jährigen so in den Ruhestand geschickt.
    Ein Jahr zahlt der AG, ein Jahr das Jobcenter. Das ist so mit dem Jobscenter abgesprochen, damit Plätze für Junge frei werden.
    Wenn das bei uns geht, dann muß das auch bei Herrn T. gehen.

    Herr T. wird ja kaum selbst gekündigt haben, sondern gekündigt worden sein. So ist er also ein Arbeitsloser wie alle anderen Arbeitslosen auch und hat den Anspruch auf die Leistung der Versicherung für die er 40 Jahre bezahlt hat.

    Dass das dem jetzt alles zeitlich gut in den Kram passt, ist ja nur der Nebeneffekt.
    Das ist Schikane vom Amt und künstliche Bereinigung der Statistik.

    • ”Also, ich bin Versicherungskaufmann und möchte mit 62 Jahren in Rente gehen. Die Gesellschaft für die ich gearbeitet habe, hat mir ein attraktives Angebot gemacht und so konnte ich vor einem Jahr mit 60 ausscheiden. Ein Jahr haben die mir noch meine Bezüge voll weiter gezahlt ohne daß ich dafür etwas arbeiten mußte. Jetzt würde ich noch ein Jahr Arbeitslosengeld bekommen und dann eben mit 62 in Rente gehen.”

  10. Ich habe einen über 60 jährigen Griechen über etliche Wochen in einem Praktikum in meiner Abteilung beschäftigt, um seinem Sohn einen Gefallen zu tun. Auch auf Druck vom Arbeitsamt.

    Bei dem war klar, daß er gleich danach in Rente geht und dazu zurück nach Griechenland umzieht.

  11. wirklich traurig finde ich, dass jüngere Arbeitslose, die noch viele Jahre auf dem Arbeitsmarkt vor sich haben [wollen] nicht ohne weiteres Fortbildungsmaßnahmen aufgedrückt bekommen. Sowas habe ich durchweg nur von älteren Arbeitslosen zu hören bekommen.

    • So ist es leider,ich knapp 50 Jahre alt bekomme innerhalb kürzester Zeit 3 mal ein Bewerbungstraining aufgedrückt mein lieber Sohn 23 Jahre alt schiebt in der Zeit eine ruhige Kugel und amüsiert sich das ich über diesen veralteten Mist,Uralt-Rechner und WIN 98 im Jahre 2012, am schimpfen bin.

      • Hey, dann kannst du immerhin noch mit Antiquitäten handeln.

        • Da ich Privat Linux Mint nutze wüsste ich nicht wieviel Euro ich für deren WIN 98 hätte bekommen können .Ist das eine so wertvolle Antiquität???

          :)

  12. Ich, 57, habe meinen Arbeitsplatz bei einem bestatter verloren, weil er für mich für mehrere Monate eine kostenlose Praktikantin bekam und diese dann stundenweise – wenn Bedarf ist – tätig ist. Habe inzwischen 70 !! Bewerbungen seit Jahresbeginn geschrieben und befinde mich dzt in einer Fortbildungsmaßnahme zur „teilqualifizierten Bürofachkraft“. Auch ich mußte jedes Monat bei meiner Tante im AA antanzen, die dann meine Bewerbungslisten genau geprüft hat, aber dass es dafür auch Kostenersatz gibt, hat sie mir erst auf meine Nachfrage eingestanden – von selber durfte!!! sie mich nicht darauf aufmerksam machen – Fazit: 100 € ade weil nicht rechtzeitig den Antrag dafür gestellt.
    Und wenn eine/r behauptet, dass die 60+-jährigen einen auf faule Sau machen, damit sie in Rente kommen – die sollen sich erst mal jeden Fall genau ansehen, bevor sie den ersten Stein werfen. Ich kenne eine Menge 20+-jähriger die vorsätzlich Harz4 beziehen um so der Arbeit zu entgehen.
    Wenn dann einer, der sein Leben lang in diese Solidargemeinschaft eingezahlt hat, sich mal auf diese Leistungen beruft, wird gleich ein Hallo gemacht – und ich bin immer noch guter Hoffnung, wieder von der Straße weg zu kommen – weil ich dort nicht hingehöre. Diese jungen Schnepfen vom AA werden nur dann befördert, wenn sie wenig Fehler machen und viele „VV´s“ (Vermittlungsvorschläge) versenden – ob die auf den Empfänger passen fragt keine Sau – hauptsache sie tun so als ob sie was getan hätten. Das ist mein Resumee nach 6 Monaten.

  13. Gut gemacht Tom,

    leider ist das Realität.
    Armes Deutschland,sollten lieber das Geld in unsere Kinder stecken.

  14. also diesen „kurs“ in dem man angeblich lernt wie man richtig Bewerbungen schreibt habe ich insgesammt 9 mal machen müssen. Jetzt war ich 3 wochen Arbeitslos und in den drei wochen wurde mir sofort eine Umschulung angeboten. Ich bin froh das ich so schnell wieder arbeit gefunden habe wer weiss was ich hätte alles machen müssen.

  15. Ups, sorry, das sollte hierher:

    Man kann es ja nun drehen und wenden wie man will und man kann das Verhalten des Arbeitnehmers in diesem speziellen Fall dreist finden, oder gerecht – diese Greschichte zeigt ja, wie krank das System ist. Von dem Grundgedanken “Fördern und Fordern” ist nichts übrig, es geht nur noch darum die Arbeitslosenzahl zu drücken, egal wie, egal was es kostet.

    Wenn ich kurz darüber nachdenke wie die echte Arbeitslosenquote aussehen würde, wenn man diese sinnfreien Beschäftigungstherapien herausrechten würde… da bekomme ich ernsthaft Angst.

    • Dass das System krank ist, damit haben Sie vollkommen recht, Tinchen. Es wird aber nicht besser davon, wenn sich jeder sein persönliches Schlupfloch sucht. Es ist wichtig und richtig, Leuten, die unverschuldet in die Arbeitslosigkeit gelangt sind, solange zu helfen, bis sie wirtschaftlich wieder handlungsfähig sind.
      Es ist unbestritten, dass das Arbeitsamt teilweise mit hirnlosem Aktionismus Geld verbrennt, das anderweitig besser investiert wäre. Aber VERDIENT, wie Sie schreiben, hat sich Herr Terporten ein bezahltes Sabbatjahr nicht. Er hätte Glück haben können, dass es so läuft…

  16. Die Schweiz ist da auch nicht besser.

    Noch läuft es ziemlich hemdsärmelig. „Schreib jeden Monat deine 8, 10 oder 12 Bewerbungen, und wir werden dir das Geld nicht kürzen.“ Und erst relativ spät schauen sie darauf, dass die Bewerbungen auch ordentlich abgefasst werden.

    Gleich nach dem Abi habe ich mich arbeitslos gemeldet, während andere da gerne ein halbes oder ein ganzes Jahr bei Hotel Papa/Mama wohnen und die Freizeit geniessen. Ich hatte letzteres nicht zur Verfügung.

    Und dann meint die Arbeitsvermittlung, mich in einen Kurs stecken zu wollen. Ein Thema: „Der Umgang mit dem Stellenverlust – wie weiter?“. Und wie man Bewerbungen schreibt. Naja, dann hab ich studiert. :)

    Die Arbeitsämter leisten keine Hilfe an die Arbeitslosen – etwa, damit sie schneller an einen Job kommen. Sie verwalten bloss die Arbeitslosigkeit und arbeiten für die Jobstatistiken. Man könnte eigentlich genau so gut ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen, anstelle diesen Zirkus mit all seinen Gesetzen und Vorschriften, Kontrollen und Gesprächen mit dem Amt zu veranstalten.

    Ich denke übrigens, dass Vollbeschäftigung ein Desaster für die Unternehmen desaster – darum wird sie von der Politik und von der Wirtschaft gar nicht beabsichtigt. Ein gewisse Zahl an Arbeitslosen hilft den Arbeitgebern dabei, die Lohnkosten tief zu halten. Auch ist die Masse der Arbeitlosen eine Personalreserve, die auf Staatskosten konjunkturelle Schwankungen abfedert. Noch besser, wenn dann die Arbeitsämter die Arbeitlosen in Kurse und Ausbildungsgänge schicken…

    Vielleicht sehe ich die Welt auch nur falsch. ;)

  17. Wie kann man ein so langes Gespräch mit derart ausladendem Inhalt so detailliert und lückenlos wiedergeben? Lief da ein Tonband mit? Alles etwas unglaubwürdig.

  18. Genauso kenne ich das AA und die Arge, selber hilflos und keine so genannte Maßnahme ist dämlich genug!!!!

  19. Ich möchte es vorweg sagen, ich schreibe diese Geschichte nicht, um Mitgefühl zu erregen. Es geht mir darum, die Situation eines Harz vier Empfängers auf zu zeigen, damit alle die noch nie davon betroffen waren, eine Vorstellung bekommen. Ich habe gerade meine Frau verabschiedet, die glückliche, sie geht zur Arbeit. Ich erledige den Abwasch, gucke dann auf der Seite der Agentur für Arbeit nach Stellen, die es nicht gibt. Als ich von Feinkost Albrecht zurückkomme, war der Brief Zusteller schon da. Die Klappe des Briekastens wird an ihren maximalen Öffnungswinkel gedrückt, so dick ist der Brief Stapel. Es sind heute außergewöhnlich viele Absagen, fünf an der Zahl. Leider haben wir in unserem jungen, dynamischen und an maximaler Effizienz orientiertem Team keine passende Stelle mehr für sie. Als Krönung der guten Nachrichten fiel ein kleiner Umschlag aus dem Stapel, als ich ihn weg legen wollte. Das recycelte Papier lies mich nichts Gutes ahnen. Die Muräne hatte mir eine Einladung geschickt, zum alle sechs Monate statt findenden Gespräch. Manche nennen es auch Hausschlachtung. Am Montag der darauf folgenden Woche war der große Tag, ich hatte keine Lust überhaupt auf zu stehen. Um acht Uhr war der Termin, ich war schon zwanzig Minuten vorher da. Bei diesem Gespräch muss man sich rechtfertigen warum man noch keine Arbeit gefunden hat, und was man aktiv dagegen unternimmt. Die Anzahl der Bewerbungen wird kontrolliert und durch gesprochen, vierundzwanzig in sechs Monaten waren damals Pflicht. Besser man hatte das doppelte, und auf keinen Fall unter der vorgeschriebene Anzahl. Ich ging auf das Gebäude zu, ich bin Musik Fan und zu Alltagssituationen gehen mir manchmal Melodien durch den Kopf. Ich hörte gerade die auf einer Mundharmonika gespielte Musik eines sehr bekannten Western Films. Ich ging die Treppe hoch, und setzte mich auf die Bank. Während ich in meiner Tasche guckte, ob ich die Unterlagen vollständig habe, und nach Verbandsmaterial, um die Bisswunden notdürftig versorgen zu können, wurde es laut. Der Kunde im Nachbar Büro hatte seinen Termin verschlafen und zu wenig Bewerbungen. Er bekam zwanzig Prozent und jede Menge Bewerbungsvorschläge. Hier muss ich dem Kollegen Nemere Recht geben, es gibt Leute, die einfach nicht zu vermitteln sind. Wie kann man, wenn so viel Zeit da ist, seinen Termin vergessen, und dann noch mit viel zu wenig Bewerbungen zum Gespräch auf kreuzen? Ich war auch ein wenig neugierig, die Muräne war mir vor ein paar Monaten als Sachbearbeiterin zugeteilt worden, ich hatte sie noch nie gesehen. Vor meinem geistigen Auge hatte ich eine Art Mutti Typ leicht adipös, die sich und die Welt aber vor allen Dingen ihre Kunden hasste. Da ging die Tür des Büros auf, in das ich hinein musste. Mein Vorgänger hatte keine auffälligen Verletzungen, und ging noch aufrecht, das ließ sich ja gut an! Als ich das Büro betrat, war ich sehr erstaunt, die Stimme passte nicht zu dieser Frau. Sie war sehr hübsch, und als sie mir ihre Hand gab war es nicht unangenehm. Sie eröffnete das Gespräch, und erzählte mir dass sie aus dem Osten stammt, und Sozial Pädagogik studiert hätte. (Ihre Stimme hätte sehr gut zu einer Mähdrescher Fahrerin in der Ernst Thälmann Brigade Getreide Drusch gepasst). Im weiteren Verlauf des Gesprächs erzählte sie mir Freude strahlend, dass sie für mich eine ganz tolle Maßnahme hätte!!! Ich sagte, dass ich mich freue, die Wahrheit will dort niemand hören. Sechs Monate soll sie dauern. Und dann Herr XXX sehen wir uns ja auch schon wieder, und sprechen über die erreichten Ziele. Die Verabschiedung hielt mich davon ab, mich vor Vorfreude auf dem Boden zu wälzen. Ich hatte schon zwei von diesen Kursen zur statistischen Bereinigung mit gemacht. Zwei Ziele werden in diesen Maßnahmen auf jeden Fall immer erreicht, die Arbeitslosen werden immer frustrierter und die Konten der Veranstalter immer voller. In der allerersten Maßnahme hatte ich gelernt mit einem Computer um zu gehen, der Rest ist Schweigen und hat mich nicht weiter gebracht. Acht Vermittlungsvorschläge, so heißt das im Amtsdeutsch hatte sie mir mit gegeben. Mein Glück war, das ihr Drucker leer war, und sie das Papier aus einem anderen Raum holen musste. Sie kündigte mir aber an, an dem nächsten Tag noch welche ab zu schicken. Auch wenn man die meisten Anschreiben gespeichert hat, und nur die Adresse ändern muss, ist es doch nervig. Zumal es nicht von Erfolg gekrönt ist, weil die meisten Stellen gar nicht passen. Um es vorweg zu sagen, bei dem letzten Bombardement von Vermittlungsvorschlägen war diese Stelle dabei, die ich auch heute noch habe. Der alte knorrige Sicherheitsmann, der das Objekt leitete, gab mir den Vorzug vor einem fast dreißig Jahre jüngeren Mann. Was ihn von mir überzeugt hat, war die Tatsache, dass ich in meiner alten Firma zwanzig Jahre beschäftigt war, und das sehr gute Zeugnis. Jetzt waren alle zufrieden, die Muräne, das sie mich doch noch losgeworden ist, und ich, weil endlich wieder eine Arbeit vorhanden war. Als ich von dem Vorstellungsgespräch nach Hause kam, setzte ich mich erstmal hin, und döste ein. Ich hatte wieder einen Traum. Ich stand mitten auf einem Weg, der durch riesige landwirtschaftliche Flächen führte. Eine Blaskapelle zog an mir vorbei, in der Mitte ein Aktivist Schlepper der einen Anhänger zog, auf ihm stand der Arbeitsminister und warf Vermittlungsvorschläge in die nicht vorhandene Menschen Menge. Er rief: Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Erleichterung verschaffen!! Dahinter marschierten Soldaten die sangen, die Arge hat immer Recht! Ich fing einen Umschlag auf, und öffnete ihn, ein weißer Zettel mit der Aufschrift Niete war dort drin. Als der Zug außer Sichtweite war, kehrte wieder Ruhe ein. Nach einer Weile hörte ich einen großen Motor dröhnen, ich blickte angestrengt in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Dann erkannte ich einen Fortschritt Mähdrescher der näher kam. Als der Mähdrescher in meiner Höhe war, hielt er an, und ich fragte ob er mich in das nächste Dorf mitnehmen könnte. Die Fahrerin sagte ja, irgendwo hatte ich diese Muränen artige Stimme schon mal gehört!? Die Fahrerin war sehr hübsch, ein Kopftuch umhüllte ihr apartes Gesicht. Sie fragte, ob wir nicht eine Pause an der Scheune dahinten machen sollten, ja gerne sagte ich, ich bin auch sehr erschöpft!!!! An der Scheune angekommen, stieg ich von dem Mähdrescher ab und rannte voller Vorfreude auf das Tor zu. Es öffnete sich plötzlich, und vor mir stand meine Frau! Sie trug eine Vopo Uniform, und drosch mit einem Gummiknüppel auf mich ein, du treuloser Hund, schrie sie. Ich blickte mich Hilfe suchend zur Fahrerin des Mähdreschers um. Sie stand plötzlich hinter mir mit einem riesigen Schraubenschlüssel in der Hand, und rief: Jetzt geben wir dir den Rest!!! Ich wachte schweiß gebadet auf, und machte mich erstmal frisch inclusive Hemdenwechsel. Dann kochte ich Kaffee, meine Frau würde gleich von der Arbeit nach Hause kommen. Als ich ihr erzählte, dass ich wieder Arbeit hatte, war sie sehr glücklich, meine Augen wurden feucht! Aber das war eine Heuschnupfen Attacke, was trieb ich mich auch zur Erntezeit in einer Kolchose rum…….

  20. Ja,Ja, was man so alles erlebt bei der Arge, fast wie ein Abenteuer Urlaub!!

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