Schutzkleidung

Jetzt mal ehrlich. Gestern wurde im Nachbarhaus eine alte Frau abgeholt und die Bestatter haben ich neben ihrem Wagen so weiße Schutzanzüge mit Kaputzen angezogen, Überzieher für Schuhe und Handschuhe. Das ist ja wohl man etwas übertrieben. Wenn sich die Männer so ekeln haben sie dem falschen Beruf.

Bestatter müssen sich bei der Ausübung ihrer Arbeit vor allerlei Kontaminationen schützen. In Deiner Aufzählung kamen ja sogar die Atemschutzmasken nicht vor, die hätten wir auch noch.

Je nachdem was wir am Sterbeort vorfinden und welche Erkrankungen der Verstorbene hatte, kann es durchaus angeraten sein, nicht nur mit dunklem Anzug und mit Handschuhen ausgerüstet zu sein.

Es gibt folgende Gründe, daß sich Bestatter einen kompletten Satz Schutzkleidung anziehen:

  1. Infektionsgefahr
    Wenn der Arzt Hinweise darauf gibt, der Verstorbene könne hochinfektiös sein, sind schon zum Selbstschutz entsprechende Maßnahmen bei der Bergung, dem Transport und der Lagerung des Verstorbenen notwendig, so daß eine Übertragung der Krankheit sicher ausgeschlossen ist.

  2. Befall mit Maden; Schmutz
    Wenn der Verstorbene längere Zeit in der Wohnung gelegen hat, kann es zu einem sehr umfangreichen Befall mit Larven und Ungeziefer kommen. Außerdem kann es sein, daß der Verstorbene – aus welchen Gründen auch immer – sehr verschmutzt ist und man sich insgesamt aus hygienischen Gründen komplett schützen möchte.
    Hierzu gehört auch die damit einhergehende Geruchsentwicklung.

  3. Tatortschutz
    Bei manchen Polizeieinsätzen ist es angezeigt, den Sterbeort bzw. den Auffindungsort sauber zu halten. Besonders seit Untersuchungen des am Ort verbliebenen genetischen Materials wichtige Spurenträger sein können, muß man Sorge dafür tragen, daß die hinzukommenden Personen das Tatortbild nicht noch weiter mit eigenen Spuren versehen.
    Solche Untersuchungen durch die Ermittlungsbehörden kommen immer mal wieder auch in völlig harmlosen Fällen vor, aber es muß ja irgendjemand manchmal erst herausfinden, ob es nun ein harmloser Fall war oder nicht.

  4. Zustand des Sterbeortes
    Es kommt immer häufiger vor, daß Verstorbene aus Wohnungen geborgen werden müssen, deren Gleichsetzung mit einer Müllkippe noch geschmeichelt wäre. Es gibt Wohnungen, die nicht nur vermüllt, sondern im wahrsten Sinne des Wortes von oben bis unten mit menschlichen oder tierischen Exkrementen besudelt sind. Auch hier ist es wohl verständlich, daß man sich schützen möchte.

Abschließend gesagt ist es also der jeweiligen Notwendigkeit und nicht dem Spaß geschuldet, wenn Bestatter sich eine dem Zwecke angepasste Schutzkleidung anziehen.

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  • Veröffentlicht am: 13. August 2008
  • 10 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

10 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. … naja, und dann kann man sich auch noch der illusion hingeben,man werde von strahlendweißen engeln geholt und nicht den „men in black“ … sofern man sich in seinem zustand dann noch illusionen machen kann…

  2. Dass der Bestatter nicht aus Spaß die weißen Anzüge trägt, nur um mal einen Kontrast zu dem schwarz zu haben, hätte sich jeder mit ein bißchen Fernseherfahrung auch so denken können.

  3. In dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin, hatten wir auch mal so einen Fall. Ein Alkoholiker ist nach seinem (letzten) Exzess in einer Lache aller zuvor noch ausgeschiedenen Flüssigkeiten mit Herzstillstand zusammengebrochen und da ein, zwei Wochen gelegen. Da ist sogar die Feuerwehr nur mit Atemschutz reingegangen.

  4. Solche Leute habe ich ja echt gefressen. Hat wahrscheinlich keinerlei Einblick in die Arbeit der Bestatter, sieht sie einmal jemand im Nachbarhaus abholen, hat keinerlei Detailkenntnis, warum die sich so verkleidet haben, kann aber direkt beurteilen, ob die ihren Beruf verfehlt haben.

  5. Ekel ist ein lebensnotwendiges Gefuehl.

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,561852,00.html

    Und nur weil sich ein Bestatter mal ekelt bei einer Leiche, heisst das doch nicht, dass er ein schlechter Bestatter sein muss?
    Mir gefaellt auch nicht absolut _jeder_ Aspekt meines Berufes. Trotzdem mache ich meinen Job sehr gut.
    Weil ich ihn TROTZDEM mit der noetigen Sorgfalt und Hingabe mache.
    Auch wenn es mir nicht permanent super gefaellt.

  6. Natürlich steht die Gesundheit des Bestatters an 1. Stelle. Ich kann durchaus nachvollziehen dass dies in einigen Fällen so gehandhabt werden muss.

  7. mal ein ganz anderer aspekt … hier steht zwar nichts zur uhrzeit aber nachts ist der normale bestatter geneigt seine arbeit schnell aber pietätvoll zu machen. dazu gehört bestimmt kein unnötiges an und ausziehen

  8. an numner 3: amen bruder. wer will schin mitbekommen das er von den menschen in schwarz in eine eledige holzkiste verfrachtet wird… da stelle ich mir doc lieber vor das der weg zum himmel über ein großes Meer führt und das ih halt in nem Containerschiff verfrachtet werde…bei de n heutigen Anschlägen wärs kein Wunder

  9. Wenn die Jungs wegen mir oder einem meiner Angehörigen zu so einem Aufwand genötigt wären, bekämen sie an ihrem Chef vorbei jeder noch einen Fünfziger.

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