So geht es aber nicht

Ein älteres Ehepaar macht sich Sorgen, ob morgen bei der Beerdigung der Schwägerin und Schwester alles glatt geht. Sie wollen es nochmals durchsprechen und da ich sowieso unterwegs bin, fahre ich bei denen kurz vorbei. Ein paar beruhigende Worte für sie, vielleicht ein Stück vom Sonntagskuchen für mich…

Ich fahre dort vor, gehe zum Eingang und klingele. Die machen aber nicht auf. Ich klingele nochmals, keine Reaktion.
So geht es ein paar Mal, dann greife ich zum Handy und rufe dort an.

„Schätzlein!“

„Ja hallo, wir hatten einen Termin, ich stehe bei Ihnen vor der Tür.“

„Nee.“

„Doch wirklich!“

„Das kann nicht sein.“

„Doch ganz bestimmt, ich habe schon ein paar Mal geklingelt.“

„Es hat bei uns geklingelt, aber das sind doch nicht Sie.“

„Doch, ganz bestimmt, ich bin immer ich.“

„Mein Mann hat da ein Auto kommen hören und wir haben doch so einen Spiegel am Ende eines Besenstiels. Den hat er aus dem Fenster gehalten und gesehen, daß da ein fremdes Auto steht. Das sind nicht sie.“

„Ich bin heute mit einem anderen Auto da.“

„So geht das aber nicht. Sie waren doch letztens mit dem einen Auto da, so einem großen dunkelgrauen Auto.“

„Und heute komme ich eben mit einem grünen.“

„HERRMANN! MACH MAL AUF DAS IST DER MANN!“

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  • Veröffentlicht am: 6. Juli 2008
  • 15 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

15 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Naja, besser so, als wenn man jedem einfach mal so die Tür aufmacht. Dürfte ein Ehepaar weniger sein, bei dem Drücker Erfolg haben.

  2. ch die haben auch einen Spekulator. Mit dem Ding hast du ja Erfahrung.
    http://www.bestatterweblog.de/archives/Bestatter-im-SPIEGEL/1576#extended

  3. und dann liest man in der zeitung immer das gesudere von alten leuten „ach, die ostkriminalität ist so schlimm und die ausländer… man kann sich gar nicht mehr vor die tür trauen und schlafen muss ich mit dem messer unterm kissen.“ (hab ich wirklich so in einem kronen zeitung-leserbrief gelesen)

    antwort: „doch, man kann! die sonne scheint, die vöglein zwitschern, sie sind vom bild-zeitunglesen (in Ö kronen zeitung lesen) nur so paranoid, dass GLAUBEN, sie können nicht mehr vor die tür. was ist ihnen denn schon wirklich passiert???“

  4. @Lucie: Das ist aber gefährlicher. Denn wenn einer schon durch Benutzung eines grünen Autos vortäuschen kann, ein Anderer zu sein, dann braucht er nur Kreide fressen, und schon glaubt jeder an einer Gegensprechanlage, dass da nicht der Wolf, sondern die Mutter der sieben Geißlein steht. Und es sollte doch der Bestatter kommen.

  5. naja, verkehrt ist das misstrauen ja nicht.
    bei meiner oma steht seit dem mein opa nimmer da ist auch einmal in der woche einer vor der tuer und will die wasseruhr ablesen oder nach dem stromanschluss schauen.
    hat lange gedauert, bis wir ihr es eingetrichtert haben, dass nur sie die zaehler abliesst. (selbstablesung)
    langsam legt sich das langsam wieder bei ihr.
    zumindest an der klingel, dafuer trudeln nun mehr und mehr rechnungen ein fuer irgendwelche sachen, die sie angeblich gekauft haben soll.

    scheint wohl bei ziemlich vielen zu funktionieren…

  6. Hast Du Dich äusserlich so sehr verändert seit Deinem letzten Besuch dort, dass sie Dich nicht mehr erkannt haben?

  7. Ein Taxifahrer bekam einen Auftrag über Funk von der Zentrale. Zufällig befand er sich genau vor diesen Haus im Vorbeifahren, so dass er nur anzuhalten, zur Haustür gehen und läuten mußte.
    Der erstaunte Kunde meinte: „Nein, mit ihnen fahren wir nicht, wenn einer so rast, um einen Auftrag zu bekommen, ist uns das zu unsicher.

  8. Noch eins:
    Kunde kommt rein (liest von einem Zettel ab): „Guten Tag, ich hätte gerne 3 Meter 6 Quadrat Kabel“.
    Ich zeige ihm das Gewünschte im Kabelregal.
    Er befühlt das Zeugs, biegt es hin und her, betrachtet es. Dann greift er zur Rolle mit dem 1,5 Quadrat. „Sehen Sie, ich laufe schon den ganzen Tag herum, und suche 6 Quadrat
    Leitung, die so dünn ist wie diese.“
    Ich antworte: „So etwas gibt es nicht.“
    Er antwortet: „Aber vielleicht können Sie mir so etwas bestellen?“
    Ich: „Ich, nein, das ist unmöglich, das geht aus physikalischen Gründen nicht.“
    Kunde: „Ok, darüber lässt sich bestimmt reden. Ich zahle gerne etwas mehr.“
    Ich versuche ihn zu überzeugen: „Nein, wenn Sie 6 Quadrat benötigen, ist mit diesem Querschnitt immer eine bestimmte Dicke verbunden, es sei denn, sie nehmen keinen runden, sondern einen bandförmigen Leiter, aber so etwas
    ist nicht handelsüblich“.
    Kunde: „Nein, Sie haben mich falsch verstanden, ich will ein ganz normales rundes Kabel, nur nicht so dick. So etwas muss es doch geben.“
    Ich: „Nein, bei einem vorgegebenem Leiterquerschnitt mit vorgegebener Form ist die Dicke automatisch mit vorgegeben. Und die Isolierung kommt ja noch dazu. So etwas ist nicht herstellbar.“
    Kunde, leicht sauer: „Das höre ich heute schon den ganzen Tag. Wenn man nur will, kann man alles. Denken Sie doch einmal nach. Eine dünne Leitung könnten Sie viel besser verkaufen als eine Dicke, weil sie weniger auffällt, dezenter ist. Ein Riesenmarkt! Da lässt sich gut Geld mit machen. Zudem ist sie in der Herstellung billiger, weil Sie weniger Material brauchen.“
    Ich: „Da sprechen aber Naturgesetze dagegen. Das ist so nicht machbar!“
    Kunde (gereizt): „Ich will auch keine Gesetze brechen. Ich bin Anwalt, ich kann mir das nicht leisten. Mein Elektriker hat mir gesagt, laut VDE müssten hier 6 Quadrat hin, und dann kam er mit so einer hässlichen Wurst, und weil er zu faul ist, mir dünnere 6 Quadrat zu beschaffen, beschaffe ich die selber. WOLLEN SIE MIR JETZT SO ETWAS BESCHAFFEN ODER NICHT?“
    Ich: „Nein, begreifen Sie doch, es ist einfach nicht möglich, genauso wenig wie dieser Kugelschreiber einfach zur Decke fällt.“
    Kunde (wütend): „Das schlimme in diesem Lande ist die mangelnde Servicebereitschaft.“
    (greift den Kugelschreiber und wirft ihn gegen die Decke) „Sehen Sie, es geht, wenn man nur will!“
    Er verlässt wütend den Laden

  9. @Querschnitt: Du hättest dem Kunden den dezenten Hinweise geben müssen, dass sein Haus abbrennt, wenn er zuviel Strom durch eine zu dünne Leitung schickt. Ok, vorher fliegt die Sicherung raus, aber so Leuten trau ich auch zu, dass sie die Sicherung überbrücken: „Weil das muss doch gehen.“

    Klar geht das. Nur nicht sehr lange ;-)

  10. @Pizzablog: „…vorher fliegt die Sicherung raus…“ Nicht unbedingt, nur wenn ein Kurz- oder Erdschluss entsteht, was z.B. bei Einzelleitern nicht sein muss. Eher wird der zu hoch abgesicherte Leiter zur Schmelzsicherung.

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