Sofort

„Hallo? Ist da das Bestattungsinstitut?“

„Ja.“

„Sie müssen sofort kommen, meine Mutter ist gestorben.“

Ich frage, ob der Arzt schon da war und kündige an, daß es etwa 45 Minuten dauert, bis wir da sind.

„Das geht nicht! Die muß sofort hier weg. Unter einem guten Service stelle ich mir etwas anderes vor.“

„Schneller geht es nicht. Ich kann meinen Leuten sagen, daß sie sich etwas beeilen sollen, aber eine halbe Stunde wird es in jedem Fall.“

„Die muß hier weg, ich bleibe keine Minute länger mit der Leiche hier in der Wohnung. Sagen Sie mal, sind Sie immer so inkompetent?“

„Da passiert nichts. Gehen sie doch einfach in ein anderes Zimmer und warten sie dort auf das Eintreffen meiner Leute.“

„Nein, wenn das bei Ihnen so lange dauert, dann rufe ich woanders an. Sie wissen ja gar nicht, wie man mit Kunden umgeht.“

Zwei Stunden später ruft die Dame wieder an.
Sie hat es bei Pietät Eichenlaub versucht, die haben ihr gesagt, man komme am Sonntagmorgen. „Decken Sie ein Tuch drüber.“
Ein anderer Kollege sagte, seine Fahrer seien gerade unterwegs, es könne gut zwei Stunden dauern und ein dritter Kollege kam nicht in Frage weil: „Der hat sogar gefragt, ob wir heute noch eine Beratung wünschen. Das nenne ich ja mal voll die Abzocke!“

„Kein Problem, ich schicke meine Männer los, es wird etwa 45 Minuten dauern.“

„Ja, wie jetzt? 45 Minuten? Das hätte es doch vor zwei Stunden schon gedauert!“

„Es dauert immer 45 Minuten. Die müssen ja erst herkommen, das Fahrzeug übernehmen und dann noch zu Ihnen fahren.“

„Ja, aber ich hatte vor zwei Stunden doch schon mal angerufen.“

„Und Sie glauben, die sitzen seitdem hier auf gepackten Koffern und warten darauf, ob Sie nochmal anrufen?“

„Ich sag ja, Sie haben einen schlechten Service.“

„Dann sollen wir jetzt nicht kommen.“

„Doch, die anderen sind ja noch viel schlimmer.“

Also gut… Aber ich sag jetzt schon, daß ich Sandy die Beratung machen lass…

Fehler durch Lektorin Anya bereinigt.

Download PDF PDF erzeugen
  • Veröffentlicht am: 6. Juli 2008
  • 13 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

13 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Oh mann… zuerst dachte ich, die hat nur Panik vor dem Tod und dem toten Körper, aber gegen Ende des Berichtes drängt sich schwer der Verdacht auf, dass diese Dame zu den permanent Unzufriedenen gehört, die auf alles meckern… hach, da würde ich Sandy gerne mal erleben! :)

  2. Auweia…
    Ich glaube aber, daß man mit solchen Menschen konfrontiert wird – sobald man einen Job mit Kundenkontakt (in welcher Art auch immer) hat. Und da kann man dann erklären, was man will – die bleiben unfreundlich und davon überzeugt, daß man auf der Nudelsuppe dahergeschwommen ist und sie abzocken will.

    Ich wünsche dem Undertaker jetzt aber trotzdem einen schönen Sonntag!

  3. @Tom, sind die Regeln, wie nicht barfuß rumlaufen etc. seit Antonias Abschied eigentlich Geschichte? Schließlich hat das Sandy doch garnicht gefallen.

  4. Es gibt Menschen, denen ist jeder Cent zu viel und denen kann man nichts recht machen. Das merkt man im dienstleistungsbetrieb eben wohl besonders…

  5. Hm… Sollt da nicht eher Frau Büser die Beratung machen? Ich hab das Gefühl, die ist für solche Fälle bestens geeignet…

  6. Die beschwert sich wahrscheinlich auch beim Pizza-Dienst, wenn der nicht spätestens eine Minute nach der Bestellung bei ihr vor der Tür steht :)

  7. Witzigerweise durfte sie jetzt 2 Stunden und 45 Minuten auf die Abholung warten, anstatt nur 45 Minuten, so sie denn gleich den Auftrag bei dir gelassen hätte, hihi.

  8. Tut mir leid das Buch ist zur Zeit nicht lieferbar !

    Wie ??!! Ich brauch das aber jetzt !

    Ich kann es ihnen aber nicht bestellen, weil es nicht lieferbar ist !

    Können sie da nicht mal anrufen, ich brauche das Buch doch jetzt.

    Anrufen bringt da nichts, dadurch druckt der Verlag das auch nicht schneller.

    Das ist ja eine Unverschämtheit, das werd ich mir merken, nicht mal den einfachsten Service bieten sie hier!

  9. Ich will, dass die Sonne im Westen aufgeht
    ESA: das ist unmüglich, weil …
    Aber Sie beschäftigen sich doch mit ..
    ESA: Deshalb geht die Sonne trotzdem im Osten auf.
    Was ist das für eine Einstellung? Schliesslich leben Sie doch von öffentlichen Geldern, also auch von meinem!!
    Ich hatte mal einen Chef, dessen zehnter Satz war: „Das muss aber gehen!“
    Gruss aus Frankfurt am Main
    Hajo

  10. Meine Güte…die tut ja wirklich so, als würd die gute Frau jeden Moment wieder aufstehen und Leute beissen, die dann genauso werden…
    Gab es da nicht schonmal einen Text zu: Dass Menschen ihre (Hier Verwandten-Bezeichnung einsetzen) jahrelang pflegen und sie dann nach dem Tod keine Stunde mehr im Hause halten wollen?
    Die ganze Leichengift-Geschichte (mit Betonung auf „Geschichte“) dürfte da ja auch eine kleine Rolle spielen…

  11. Warum?

    Ich hätte dann gesagt, dass man frühstens Sonntagabend kommen kann. Gibt doch nur Stress mit dem Weib.

Schreibe einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Bitte beachte die Nutzungsbedingungen des Bestatterweblogs!

Du bist ein Troll? Fein! Dir kann geholfen werden. Klicke hier!

Dein Kommentar ist nicht erschienen? Dann klicke bitte hier für weitere Informationen!

Diese Smileys kannst Du nutzen, und das bedeuten die Zeichen oben in der Textbox.