Soll ich mir etwas von der Asche meiner Eltern klauen?

Vor zwei Jahren sind meine Eltern gestorben. Damals saß ich leider in Haft. Ich hab meine Vater gar nicht, meine Mutter nur kurz auf der Beerdigung meines Vaters in Begleitung zweier netter Herrn aus den Reihen der Justiz sehen können ohne zu ahnen das es das letzte Mal sein würde.
Klar, ich war auf den Beerdigungen, beide sind feuerbestattet worden, und obwohl ich sehr weit weg wohne, besuche ich das einfache Rasengrab der beiden regelmässig. Es klingt was blöd, dennoch hätte ich sie gern näher bei mir, was damit zusammenhängen mag das ein persönlicher Abschied nicht möglich war und die Trauerfeier an der Urne mir zu abstrakt war. Lange rede kurzer Sinn: Ich spiele mit dem Gedanken ob ich mir nicht etwas der Asche der beiden besorge und bei mir aufbewahre. Dies entspringt zum einem den Wunsch, beiden “näher” zu sein, auch wenn diese Nähe nur fiktiv ist – mir ist klar das die Asche nicht die Menschen darstellt.
Zu meiner Schwester habe ich ein schlechtes Verhältnis und ich befürchte, sie könnte die Asche an einen mir unbekannten Ort umbetten oder noch seebestatten lassen, damit ich dort nicht hin kann.
Soll ich in einer buchstäblichen Nacht- und Nebelaktion mir etwas der Asche der beiden aneignen? Können mir daraus strafrechtliche Konsequenzen erwachsen? Noch bin ich auf bBewährung draussen, deswegen…
Danke vorab für jede Antwort.
Ich lese deinen blog seit nunmehr 4 Jahren und finde, das du da einen richtig guten Job machst.

Ich höre immer wieder solche Geschichten, offenbar kriselt es in sehr vielen Familien und leider ist es so, daß derjenige, der sich um die Bestattung gekümmert und sie bezahlt hat, oft auch meint, er habe nun ein besonderes Recht an dem Andenken an die Verstorbenen.
Das ist aber natürlich Quatsch. Wenn die Eltern sterben sind die Kinder bestattungspflichtig und bestattungsberechtigt. Also auch Du. Ob Du nun irgendetwas zur Bestattung beigetragen hast oder nicht, spielt keine Rolle. Es sind Deine Eltern und somit finde ich, hast Du das gute Recht, am Grab Deiner Eltern trauern zu dürfen.
Wenn Du dich mit anderen Trauernden nicht verstehst, mußt Du ja nicht unbedingt auf den Friedhof gehen, wenn diese auch da sind. Man muss auch den Konflikt nicht hochschaukeln, indem man nun Kränze oder Schalen hinstellt oder vorhandenen Blumenschmuck umdekoriert oder wegnimmt; das sind nämlich auch immer so Streitpunkte.

Die Urnen jetzt noch einmal umbetten zu lassen, dürfte gar nicht so einfach sein. Aus diesem Grunde teile ich Deine Befürchtung nicht, daß die Gräber auf einmal verschwunden sein könnten.
Jedoch: Irgendwann sind die Gräber sowieso einmal weg, nämlich wenn sie abgelaufen sind.

Viel wichtiger, als eine Reliquie von den Verstorbenen physikalisch bei sich zu haben, ist es doch, daß man ihr Andenken im Herzen bewahrt und sich ihrer erinnert.
Das kann man aber überall tun, selbst wenn die Gräber längst weg sind.

Von einer nächtlichen Ausgrabung würde ich abraten.
Wenn Du Dir eine Reliquie schaffen willst, entnehme doch etwas von der Graberde, in der Deine Eltern liegen. Mit dieser Erde sind sie jetzt verbunden.

Veröffentlicht von

Hallo! Ich bin Peter Wilhelm, Buchautor und Publizist. Hier erzähle ich Geschichten aus dem Bestatteralltag und informiere als Experte und Sachverständiger über die Themen Bestattung, Tod und Trauer. Ich leiste keine Steuer-, Rechts- oder medizinische Beratung! Informationen über mich findet man u.a. hier und hier. Ich lebe mit meiner Familie in der Nähe von Heidelberg. Ich mag gerne Schaschlik und liebe Kaffee.

22 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich glaube er meinte DAS da:
    § 168
    Störung der Totenruhe

    (1) Wer unbefugt aus dem Gewahrsam des Berechtigten den Körper oder Teile des Körpers eines verstorbenen Menschen, eine tote Leibesfrucht, Teile einer solchen oder die Asche eines verstorbenen Menschen wegnimmt oder wer daran beschimpfenden Unfug verübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

  2. Ja das mit der Graberde ist eine wunderbare Idee.
    Ich habe eine spezielle Kerze und ein Foto des Gedenksteines für anomyme Bestattungen von meinem Bruder stehen.
    So habe ich ihn in meiner “Nähe”, die eigentliche Grabstätte ist sehr weit weg. Jedes Mal wenn ich hinfahren möchte, werde ich sehr krank.
    Tom du hast gute Ideen, danke dafür.

  3. In “Genosse Don Camillo” (wo Don Camillo verkleidet in die Sowjetunion der 50er Jahre reist) sucht einer der Mitreisenden das Grab seines gefallenen Bruders und findet nur ein riesiges Winterweizenfeld vor. Da nimmt er sich dann 3 Weizenpflänzchen in etwas Erde mit. Die Stelle rührt mich jedesmal fast zu Tränen.

  4. Eine nicht ganz unähnliche Geschichte: die Brüder definieren Geschwisterliebe als die Steigerungsform von Hass, der Vater weiß darum und ordnet seine Angelegenheiten selbst, testamentarisch. Bestattungswald, Kostenfragen vorher geregelt und Summe selbst bereitgestellt. – Einige Jahre vergehen. Mittlerweile haben beide Brüder einen Zweig von dem Baum unter dem der Vater bzw. dessen Asche ruht bei sich, der eine getrocknet, der andere in Kunststoff eingegossen.
    Da die Pflanzen entsprechende Nährstoffe aufnehmen und weiter verteilen ist da ganz sicher auch ein winziges Stück vom Vater dabei.;)
    Wer also in Bio bei Stoffkreisläufen etwas aufgepasst hat, weiß: die Natur kennt nur das ewige Leben. Halt in unterschiedlichen Formen, aber nichts ist einfach weg.

  5. Vie weniger aufwändig und ohne strafrechtliche Konsequenzen wäre es einen Hausaltar/Ahnenschrein/Gedenkecke zu Hause herzurichten. Da kann man ein Foto von den Beiden hinstellen (oder von jedem ein Foto), legst wenn möglich persönliche Gegenstände (z.b. Papas Armbanduhr, Mamas Lieblignstasse) oder Geschenke die man mal von ihnen erhalten hat und die einen an sie erinnern dazu. Natürlich nur, wenn man sowas hat oder es ohne Streit und Ärger erhalten kann.

    Eine Freundin hat so eine Gedenkecke, das ist für Besucher einfach nur ein kleines Eckregal mit Blumenvase und Kerze und Foto. Manchmal spielt sie eine seiner Lieblingscds ab. Dort ist er für sie lebendiger als im Grab. Die Idee mit der Graberde find ich gut, die kann man dann in ein hübsches Gefäß geben und dekorativ plazieren wenn man mag. Viel wichtiger finde ich aber den Platz in deinem Herzen für deine Eltern.

    Mal rein theoretisch überlegt… Du müsstest also erstmal eine weitere Strecke fahren; bräuchtest mindestens einen Spaten um die Urnen auszugraben, dann lassen sich Urnen auch nicht mal eben so einfach aufknacken, dann müsste man aus beiden Urnen in zwei getrennte, leichte, bruchsichere, gut verschließbare Gefäße etwas Asche umfüllen. Evtl. noch beschriften um zu wissen wo jetzt Papas und wo Mamas Reste drin sind. Urnen wieder zurück legen. alles wieder zuschaufeln und Spuren verwischen, weil logischerweise haben jetzt nicht wirklich sooo viele Menschen ein Motiv da umzugraben. Rasenplatte wieder drauflegen und hoffen dass man keine Erd- und Dreckspuren am besten noch mit Fussabdrücke hinterlässt – auch wenn es hier kein CSI und Co gibt, aber ich glaube grad Leute auf Bewährung sind in den Köpfen der Menschen/Polizei vermutlich permanent Verdächtig weil man hat ja schon einmal was ausgefressen. Die letzte Herausforderung ist dann ja noch aus dem abgeschlossenen Friedhof rauszukommen, fass man nicht zuvor schon gesehen und erwischt wurde. So ein Grad buddelt man sicher nicht innerhalb einer halben Stunde oder weniger einmal aus und wieder zu.

    Lieber eine persönliche Gedenkecke zu Hause, Fotos, Erinnerungen, o.ä.

    lg P.

  6. Für die Eltern die kleine Gedenkecke/altar, für die Schwester gleich danaeben die Voodoo Puppe :)

  7. Jetzt zu buddeln ist sowieso unpraktisch, wegen der Kälte und des mangelnden Regens in letzter Zeit. Der Boden ist knochentrocken und steinhart.

    Wenn Du die Schwester piesacken willst (soll ja unter Geschwistern vorkommen..), stell´eine schöne Schale aufs Grab. Das bringt sie ganz legal auf 180 Sachen.

    Grüße Smilla

  8. Ein bisschen Graberde mitnehmen (ein sehr schöner Gedanke!) und im Austausch dafür etwas in das Grab legen was Sie mit Ihren Eltern verbindet.
    Ein Brief, eine Erinnerung an die Kindheit oder das Elternhaus, ein Bild, ein Stein … was auch immer Ihnen am Herzen liegt.

  9. Warum wird hier so gehässig gegen die Schwester kommentiert?

    nichtverstehend,
    Salat

  10. Geschwisterliebe, Geschwisterhiebe.
    Die Gedenkeckenidee ist gut. Bißchen Graberde, hübsche Blume rein. Bin auch nicht so der Friedhofsgänger.

  11. @Salat

    “Zu meiner Schwester habe ich ein schlechtes Verhältnis und ich befürchte, sie könnte die Asche an einen mir unbekannten Ort umbetten oder noch seebestatten lassen, damit ich dort nicht hin kann.”

    Es gibt solche Menschen, warum auch immer. Und das ist einfach nicht nett. Zum anderen darf er wie Tom oben schon schrieb, auch um seine Eltern trauern: Es sind auch seine Eltern. Man muss den Konflikt nicht hochschaukeln, aber ich bin der Meinung, dass man sich auf dem Friedhof nicht verstecken muss, nur weil die Schwester ein Problem mit dem Bruder hat. Wir haben auch so einen Fall in der Familie, der Bruder ist mein Vater und ich bringe immer etwas zum Grab meiner Großeltern. Auch wenn meine Tante dann tobt und die Sachen in den Müll wirft.

    Gewitter reinigen die Luft, ich halte nichts von ewig wabernden Problemen und schlechten Stimmungen. Und schon gar nichts vom Verstecken oder Einschränken von Rechten.

  12. Smilla, beachte aber mal die Reihenfolge:
    er schreibt *erst*, daß er gerne etwas Asche von seinen Eltern hätte, DANACH, daß er Angst hat, die Schwester bette die Urnen um. Vielleicht nur, damit er das Grab nicht schänden kann, weil die Asche eh weg ist?

    Letztlich wissen wir überhaupt nicht, wer was zu dem schlechten Verhältnis beigetragen hat. Und besser wird das bestimmt nicht, wenn man sich dann noch überlegt, wie man den Konflikt am besten hochschaukelt.

    Salat

  13. @Salat

    So könnte es natürlich auch sein, auf die Reihenfolge habe ich überhaupt nicht geachtet. Das wäre dann ja eine ganz andere Sache!

  14. @Smilla: Eben. Ganz davon abgesehen kann es *immer* ne ganz andere Sache sein, als man denkt. Daher meine Aussage: ich versteh nicht, wieso dermaßen gegen diese Schwester kommentiert wird, die wir gar nicht kennen und beurteilen können.

    Salat

  15. Mal schauen ob wir noch näheres erfahren. Rechne aber eher nicht damit. Solche Familiengeschichten gibt es überall, und ob da ein Familienmitglied inhaftiert war oder WdG (Weiß der Geier)…
    Bei hochkochenden Emotionen, und das passiert in solchen Ausnahmesituationen wie Trauerfällen aus meinen Erfahrungen heraus sehr häufig, muss der nichtigste Anlass für jahrelang aufgestaute Wut, Familienstreitereien u. ä. herhalten.
    Vorenthalten des Beerdigungsortes bzw. des Termines ist da nur eins von vielen Mitteln. Blumen rausreißen, Gestecke auf ein fremdes Grab legen, alles bekannt.
    “Aber wenn bei ihnen im Institut jemand namens XYZ anruft dürfen sie nix sagen!” und ähnliches erlebe ich öfter.
    B. A.

  16. Wenn der Einsender der Frage auch weiterhin Wert darauf legt, “in Begleitung von Herren aus den Reihen der Justiz” und nur zu solchen besonderen Anlässen in die Öffentlichkeit zu treten, sollte er sein Vorhaben vielleicht doch umsetzen.

  17. …du solltest nur dann Graben, wenn du nicht mehr auf Bewährung bist.

    • Holmes, ich denke Sie liegen richtig mit Ihrer Schlussfolgerung!

Kommentar verfassen

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Bitte beachte die Nutzungsbedingungen des Bestatterweblogs!

Du bist ein Troll? Fein! Dir kann geholfen werden. Klicke hier!

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>