Sonderrechte für Helmut Kohl – Das geht ja gar nicht!

„Mit Erstaunen lese ich, daß Helmut Kohl zu Hause aufgebahrt ist und das für mehrere Tage. Das stinkt gewaltig nach einer Bevorzugung des Herrn Dr. Kohl. Wie man sieht, gilt hier wieder mal nicht gleiches Recht für alle.
In Rheinland-Pfalz muss eine Leiche in 36 Stunden begraben sein. Warum wohl nicht Herr Kohl? Mafia der politischen Bevorzugung!“

Die Aufbahrung eines Verstorbenen daheim ist eine alte Tradition.
In den Zeiten bevor es hauptberufliche Bestatter gab, war es sowieso Tradition, die Verstorbenen zu Hause bis zum Beerdigungstag aufzubahren.

Das örtliche Bestattungsgesetz schreibt vor, daß ein Leichnam spätestens nach 36 Stunden in eine Leichenhallte überführt werden muß.
Es heißt aber auch: „Die örtliche Ordnungsbehörde kann Ausnahmen von dieser Verpflichtung zulassen, wenn gesundheitliche Gefahren nicht zu befürchten sind und eine würdige Überführung gesichert ist.“

Dieses Recht gilt für jedermann und wird auch von ganz normalen Bürgern immer mal wieder in Anspruch genommen.
Es gibt hier also keinerlei besonderen Vergünstigungen für die Angehörigen des Herrn Kohl.

In Anbetracht des sogenannten „Leichentourismus“, der immer einsetzt, wenn eine prominente Person in einer öffentlichen Trauerhalle liegt, ist es möglicherweise eine gute Entscheidung hier das gesicherte Heim vorzuziehen.

INFO BOX

Fall aus der Schlagerszene im Jahr 1969 überliefert

Fälle von Einbrüchen in Leichenhallen gibt es im Bundesgebiet immer wieder. Rund um den mysteriösen Tod der Schlagersängerin Doris „Alexandra“ Nefedov („Mein Freund der Baum“) im Jahr 1969 in Schleswig-Holstein ist jedoch ein Detail überliefert. Demnach waren zu der Zeit zwei Jugendliche in die Leichenhalle eingebrochen, in der der Körper der Sängerin lag. Sie hätten die Tote noch ein letztes Mal sehen wollen, sagten sie später. Weil sie aber von der falschen Seite her in die Halle eingebrochen waren, und sie darauf der Mut verließ, waren sie gar nicht erst an die Leichenkammer gelangt. Quelle: Badische Zeitung

Man mag von Helmut Kohl als Mensch und als Politiker halten was man will, grundsätzlich steht ihm die gleiche Verneigung vor dem Toten und eine ehrende Haltung zu, wie jedem anderen Verstorbenen auch.
Über seine Lebensleistung mag man unterschiedlicher Meinung sein, aber er ist Mensch, Vater, Ehemann und Nachbar. Die Menschen, die ihn liebten und mochten haben einen Verlust zu beklagen; und der Respekt gebietet es, daß man angesichts der Trauer mit bösen Worten der Abrechnung sparsam umgeht.

Bildquelle: Von Konrad Adenauer Stiftung – Marie-Lisa Noltenius – http://www.flickr.com/photos/kasonline/7886352756/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25314756

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  • 22. Juni 2017 - 17 Kommentare - Lesezeit ca.: 1 Minute - Kategorie: Allgemein

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Veröffentlicht von

Hier erzählt und informiert der Schriftsteller Peter Wilhelm. Der Sachverständige ist Chefredakteur von "Bestatter heute". Der Satiriker veröffentlicht Satiren und
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Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor finden Sie u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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peter wilhelm autorenlesung

Peter Wilhelm
Peter Wilhelm23. Juni 2017

17 Kommentare von 138217.

  1. Es ist doch immer schön, wenn sich Familie und nahestehende Personen vom Verstorbenen persönlich verabschieden können.

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/helmut-kohl-walter-kohl-klingelt-vergeblich-an-seinem-elternhaus-a-1153349.html

    http://www.zeit.de/2017/26/eckhard-seeber-helmut-kohl-fahrer

    • @Christina: Das Verhalten der neuen Frau Kohl möchte ich gar nicht kommentieren.
      Es hat aber auch nichts mit meinem Artikel zu tun. Auch wenn Herr Kohl in einer Friedhofsleichenhalle aufgebahrt wäre, würde Frau Richter-Kohl Mittel und Wege finden, ihre merkwürdigen Interessen durchzusetzen.

      Es ist aber auch ein wenig kurz gedacht, jetzt alles auf diese Frau zu schieben. Ich persönlich weiß nichts über das Verhältnis von Helmut Kohl zu seinen Söhnen. Ich vermag es nicht zu beurteilen, inwieweit Frau Richter-Kohl ihre eigenen Interessen oder die des Verstorbenen durchsetzt.

      Nach dem Tod von Hannelore Kohl scheint da einiges aus den Fugen geraten zu sein.

      • @Peter Wilhelm:

        Gestern habe ich einen Spiegel-Artikel gelesen [http://www.spiegel.de/politik/deutschland/helmut-kohl-warum-der-europaeische-staatsakt-ein-affront-ist-kolumne-a-1153518.html] wonach die 2. Frau Kohl einen deutschen Staatsakt für Helmut Kohl verhindert hat und weshalb der europäische Staatsakt ein Affront für die Deutschen sein soll.

        Ich meine, mir persönlich isses ja egal, irgendwie bin ich mit Helmut Kohl als Kanzler nie so richtig „warm“ geworden, war immer traurig, dass wegen ihm Helmut Schmidt gehen mußte … meintewegen könnt auch ein europäischer Staatsakt in Ittoqqortoormiit durchgeführt werden, Ost-Grönland gehört ja auch zur EU, und dort würde er auch länger frisch bleiben.

        • @Christina:
          Nein, (Ost-)Grönland gehört nicht zur EU: http://www.stern.de/politik/ausland/-groexit—wie-groenland-1982-beschloss–aus-der-eu-auszutreten-6913234.html

  2. Walter Kohl und Ecki Seeber haben – wie in der Presse auch breit berichtet – bereits persönlich im Hause Kohl Abschied nehmen dürfen. Dass die Witwe die nun nicht jeden Tag im Haus haben will kann man auch verstehen – bei allen Vorbehalten, die ich gegen diese Dame hege.

      • @DL2MCD:
        Das ging schon, aber eben letzte Woche und nur einmal:
        http://www.berliner-kurier.de/news/politik—wirtschaft/verhinderte-versoehnung-kohl-sohn-erfuhr-aus-dem-radio-vom-tod-seines-vaters-27811016
        und
        https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/afxline/topthemen/hintergruende/article165650431/Abschied-von-Helmut-Kohl.html

  3. „„Mit Erstaunen lese ich, daß Helmut Kohl zu Hause aufgebahrt ist und das für mehrere Tage. Das stinkt gewaltig“

    …las ich da doch zuerst.

    Kann bei dem Wetter passieren. Aber nein, die Presse schreibt ja von einem unterkühlten Wohnzimmer…

  4. Hallo,
    jetzt ist es an der Zeit, dass auch ich meine Meinung schreibe. Vor einigen Jahren habe ich das Fachbuch des Bestatter Wesens ganz genau gelesen. Es ist mir unbegreiflich wie eine solche Aufbahrung, bei diesem Wetter, so viele Tage in Privaträumen ablaufen kann. Und wie die Medien schreiben, dass die „Abholung“ quasi geprobt wurde am Donnerstag. Dies klingt für mich einfach unglaubwürdig um es einmal freundlich auszudrücken. Hier wird die gesamte Republik „ver…..“
    Bei allen Fähigkeiten und Machbarkeiten die gute Bestatter beherrschen; keiner kann einen Toten bei diesem Wetter frisch halten. Hier hätte ein Thanatopraktiker ran müssen. Und der kann seine Arbeit ganz sicher nicht in Privaträumen erledigen.

    • @Thomas: Wir wissen leider nichts über die getroffenen Maßnahmen. Das Unternehmen, das traditionell die Familie Kohl in diesen Belangen unterstützt, verfügt aber über die notwendige Ausstattung und die gut ausgebildeten Fachkräfte, um auch eine gekühlte Aufbahrung zu Hause realisieren zu können.

    • @Thomas:
      Na es sagt ja auch keiner, dass er die ganze Zeit offen aufgebahrt war.. der Sarg ist ja schon am Montag oder Dienstag geliefert worden, und gestern wurde er ja auch abgeholt.
      Vielleicht ist er ja auch in einem Zinkeinsatz verlötet worden…!?

    • @Thomas:

      Selbst wenn hier Sonderrechte gemacht würden, meinst du solche mächtigen Menschen interessiert das? Niemand wird es wagen, sich diesen Leuten in den Weg zu stellen. Vor Jahren ist bei uns ein Fabrikant gestorben, da waren Sachen möglich, das dürfte sich kein Normalo leisten.

      • @Josef:
        Ja? Was denn zum Beispiel? Also ich kann nicht erkennen, dass zumindest im Fall Kohl gegen irgendwelche Vorschriften verstoßen wurde, und genau das implizierst Du ja mit Deinen verschwörungstheoretischen Andeutungen…

        • @Shivling:
          Ich habe geschrieben, selbst wenn hier Ausnahmen gemacht worden wären. Ich habe nie behauptet, das in dieser Sache bei Herrn Dr. Kohl Ausnahmen gemacht worden sind. Eine Verlängerung der Frist zur Aufbahrung in der Wohnung kann jeder Bürger beantragen. Es hat nichts mit Verschwörungstheorien zu tun, um zu wissen das bei bestimmten Leuten durchaus Bestimmungen großzügiger gehandhabt werden. Wie ich in meinem Post angedeutet habe, sind mir Tatsachen bekannt, wo eben solche Sachen gelaufen sind. Das war in meiner Stadt, und ich weiß das nicht von ungefähr, sondern war an diesem Fall ganz dicht dran, mit Infos aus erster Quelle.Ich kann da aber nur verhalten drüber schreiben, weil ich zur Verschwiegenheit verpflichtet bin. Im übrigen habe ich nichts gegen Leute denen es besser geht wie mir, das dazu um jede Neid Diskussion zu vermeiden. Meine Botschaft sollte sein, das eben bestimmte Leute Sachen durch kriegen, die für einen Normalo unerreichbar sind. In einem Bericht im Fernsehen über Sylt wurde ein Polizist befragt, wie sein Alltag so aussieht. Er sagte dann, man muss schon gucken, welches Auto man hier anhält. Weitere Infos zu den Ausnahmen was den Fall in meiner Stadt betrifft, würde ich dir dann an deine private Mail Adresse schicken, wenn du magst. Gruß Josef

  5. Herr Kohl ist nun tot und er möge in Frieden ruhen. Und damit Leichenruhe nicht gestört wird, sollte man auch speziell bei ihm auf dem Friedhof besondere Massnahmen treffen. Michael Jackson bekam auch so eine Absicherung, da kann keiner was klauen. Ich hatte zu Herrn Kohl auch keine besonders gute Meinung, was aber bei mir allgemein mit Politikern zu tun hat, die ja öfters Sonderrechte genießen, sollen sie. Und: jeder ist irgendwann tot und möchte dann in Ruhe gelassen werden. Daran bitte auch denken, bei all der Diskussion um ein gekühltes Wohnzimmer.Es wäre noch schneller gegangen, wenn er eine Kryonisierung gewollt hätte, da ist dann Eis sofort da und spezielle Fachkräfte, die seinen toten Körper bis in alle Ewigkeit so aufbewahren, wie es beschrieben ist unter der Thematik der Kryonisierung. Herr Kohl hätte sich auch das leisten können, wollte wohl nicht..

  6. Mich würde mal eine Aussage von Peter Wilhelm dazu interessieren, ob derartige Kapriolen, wie sie uns zur Zeit von der Familie Kohl vorgeführt werden, mittlerweile häufig vorkommen, aber nur nicht bekannt werden ?
    Immerhin steigt der Anteil an Patchwork-Familien ständig und da wird dann bei Todesfällen häufig sogar noch ein(e) lebende Expartner(in) vorhanden sein und vermutlich Ansprüche anmelden. Da muss doch inzwischen eine Industrie von Anwaltspraxen horrende Summen mit der Umfunktionierung von „Erbgut“ in Anwaltsvermögen verdienen.

  7. Der Ordnung halber möchte ich anmerken, dass hier zwei Leute unter dem Namen Thomas posten. Ich habe mich zu den Besuchen des Sohnes geäußert, der andere Thomas zur häuslichen Aufbahrung…

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