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Suizid?

Hallo Tom,

ich lese regelmäßig die Todesanzeigen aus der Stadt wo ich früher gewohnt habe. Man will ja wissen, wen man nicht mehr besuchen muss.

Heute habe ich folgende Anzeige gesehen, die wie ich vermute, auf einen Suizid hindeutet.

Den Link sende ich, weil das Thema hier schon mal war und wenn ich mich recht erinnere, die Frage offenblieb, wie man bei Suizid eine Anzeige diskret gestaltet, bzw. sich bzgl. Kondolenz verhält.

Gruß
W.

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Peter Wilhelm22. Februar 2014

50 Kommentare von 140570.

  1. Klingt für mich nach nem Menschen mit sehr schweren Depressionen,aber so finde ich eine Anzeige wegen einem Suizid gut gewählt.

  2. Ich denke, die Anzeige bringt sehr gut hervor, auf wieviel Unverständnis ein depressiver Mensch in seinem Umfeld trifft und wieviel davon er erhoffen kann. Dass es manchmal schlicht nicht möglich ist, zu reden, sich selbständig „Hilfe“ zu holen und manchmal auch keine Hilfe von den nächsten Bezugspersonen zu erwarten ist. Denn mit welchem Ziel soll geredet werden? Damit der andere einem sagen kann, dass seine Wahrnehmungen nicht der Realität entsprechen? Wenn er sie doch fühlt!? Dass er sich nur zusammenzureißen braucht? Was man denn selbst sagen solle, schließlich habe man auch diese oder jene Schwierigkeiten…? Manchmal ist es eben unlösbar.

  3. *puuuuh* Also ich persönlich finde diese Anzeige jetzt nicht so gut gewählt. Zu wenig Verständnis, zuviel Schuld. Selbstmord ist ein ganz schwieriges Ding. Die Hinterbliebenen empfinden häufig eine Wut auf den Gestorbenen und ich finde, das schwingt hier mit. Wenn man schon kein Verständnis hat, dann sollte man vielleicht lieber gar nichts sagen.

  4. Ich finde diese Anzeige eine absolute Frechheit.

    Ich war selbst mal kurz vorm Suizid, weil ich die Schmerzen nicht mehr ertragen wollte.

    „Reden waere die bessere Art gewesen“ Soso, jetzt entscheiden als die anderen was besser gewesen waere. Wahrscheinlich sogar die Leute, die es soweit haben kommen lassen.
    Reden? Ich wollte reden, aber wenn man mir nicht zuhoert…

    Ich hab versucht, mit meiner Mutter zu reden und ihr klar zu machen, wie sehr sie mir weh tut mit ihrem Verhalten. Sie wollte es einfach nicht begreifen. Ich habe vor ihren Augen eine Gabel genommen und mir damit quer uebers Gesicht blutige Schrammen gezogen. Ihre Antwort: „Ach, spinn doch nicht rum!“
    Ich hab auf diese Art nach Hilfe geschrien und sie fand nur, ich solle mich nicht so anstellen.

    Genau solche Ignoranten und Besserwisser treiben einen Menschen in den Selbstmord.
    Genau solche Leute geben dann solche Anzeigen auf.

    Sie haben es zu Lebzeiten des Betroffenen nicht begriffen und sie haben es auch nach seinem Tod nicht begriffen.

  5. Statt „Wir sind traurig“ sollte da besser stehen „Wir sind sauer“.
    Ich finde die Anzeige böse. Sie klingt wie eine Abrechnung mit dem Toten.

  6. …fast jeder sucht die „Schuld“ gerne bei jemand anderen.Aber in erster Linie ist man doch(sofern erwachsen)für sich selbst verantwortlich.

    Mit der Gabel durch´s Gesicht ist auch nicht gerade ein tolles Argument…

    Ich kann den Inserenten gut verstehen.
    In unserer Familie gab es auch einen Suizid,und die Wut war teilweise größer als die Trauer.

    Schlimm,wenn man so viele Fragen hat,die aber für immer unbeantwortet bleiben…

  7. ich hätte das jetzt umgekehrt interpretiert:

    *wir* (die Überlebenden) haben zu lange geschwiegen, *wir* haben (uns an-)gelogen, dass es schon vorübergehen wird, *wir* waren zu Stolz das anzuerkennen etc.

  8. @ „anonym“ (12)
    *seufz* O alte Humanisten-Herrlichkeit, wohin bist du entschwunden?

    „Si tacuissent, humani [ja ja…] mansissent“ heißt: hätten sie geschwiegen, wären sie menschlich geblieben.

    P.S. Wenn einer benachruft wird, der aus deinem Geburtsjahr stammt, rührt dich das schon seltsam an.

  9. ich sehe schon, da gehen die meinungen echt auseinander.
    Ich finde diese Anzeige ehrlich gesagt schön. Sie ist ehrlich und sie drückt die Verweiflung und wohl offenen Fragen die zurück blieben aus.
    Ich verstehe die Anzeige auch so, dass, wenn derjenige etwas gesagt hätte, wäre es vielleicht nicht dazu gekommen.

    @immer noch da

    Es gibt einen Unterschied, wenn jemand depressiv ist und keine Hilfe annehmen will und es mich „sich ausmachen“ will und jemanden, der nach Hilfe schreit, aber sein Umfeld nicht in der Lage ist Menschliches Zuzulassen und/oder zuzuhören. Auch wenn jetzt dein Erlebnis nicht grade berauschend war bzw. du dich nicht verstanden oder erhört fühltest, trifft das nicht auf alle zu.
    Man sollte nicht urteilen, wenn man die Hintergründe nicht kennt.

    Ich finde das sehr gut gewählt. Lieber so, als eine Anzeige wie jede andere.

  10. Für mich las sich die Anzeige so, als wäre der obere Teil noch vom Toten geschrieben.
    Aber egal ob diese Interpretation oder die von Nr. 8: mich erschreckt der Frust und die Wut, die daraus spricht. Hoffentlich bleibts nicht dabei, sondern die Lebenden können das verarbeiten.

  11. @d:
    „Mit der Gabel durch´s Gesicht ist auch nicht gerade ein tolles Argument…“

    Ja genau. Wenn man suizidgefährdet ist, ist man ja auch entspannt, ruhig und generell zu rationalem Denken/wohldurchdachten Aktionen fähig, nech?

  12. Naja, eigentlich, ihr habt Recht… Ich haette _ihr_ die Gabel ins Gesicht rammen sollen.

    Is ja nicht so, als haette ich jahrelang versucht, rational zu argumentieren und sie war einfach nicht dazu in der Lage, Argumente nachzuvolliehen, weil sie keinen Bock hatte, sich mit mir auseianderzusetzen.

    Sie hat alles sofort auf die emotionale Ebene gezogen und da dachte ich, ich probier es auch mal emotional.
    Ich hab nicht bemerkt, dass sie nur ihre Gefuehle respektiert und nicht die anderer…

    Egal, ich find es ziemlich ignorant, wenn man sauer auf Leute ist, die sich selber umbringen. Das kann doch keiner nachvollziehen, welche Qualen ein depressiver Mensch durchmacht, der nicht selbst depressiv war. Aber immer schoen verurteilen…

  13. Interessant welche Spekulationen angestellt werden…
    ohne Hintergrundinformationen bin ich da mittlerweile sehr vorsichtig geworden.
    B. A.

  14. Ehrlich gesagt – furchtbar. Für mich klingt diese Anzeige einfach nur anklagend, Trauer oder ähnliches lese ich dort kaum raus.

  15. Leute, vielleicht geht es ja auch nicht um einen gewollten Suizid. Es soll ja zB auch Menschen geben, die allen eine schwere Krankheit verheimlichen und die Hinterbliebenen stehen am Ende da und fühlen sich verarscht. Der Bruder eines Bekannten von mir hatte jahrelang seinen Krebs verheimlicht und nichts dagegen getan, bis er dann kurz vor Ende ins Krankenhaus kam. Die Emotionen, die obige Anzeige vermittelt, kenne ich auch von dieser Familie.

  16. Wie die verschiedenen Mutmaßungen zur tatsächlichen Todesursache und der vorausgegangenen Geschichte zeigen, kann man die Anzeige in viele Richtungen interpretieren. Wirklich wissen werden wir wohl nie, was dahintersteht. Klar ist nur, dass die Hinterbliebenen damit, wie es gelaufen ist, offenbar nicht im Reinen sind. Der Tod eines recht jungen Menschen ist immer ein furchtbare Sache, egal welche Ursachen es haben mag. Dass die Hinterbliebenen hier offenbar angesichts der Umstände erhebliche Probleme damit haben, den Tod zu verarbeiten, macht es nicht besser. Die Trauerarbeit der Hinterbliebenen wird wohl alles andere als einfach.

  17. @ den einen anderen Stefan.
    [quote]Wirklich wissen werden wir wohl nie, was dahintersteht. Klar ist nur, dass die Hinterbliebenen damit, wie es gelaufen ist, offenbar nicht im Reinen sind.[/quote]
    Gute Zusammenfassung.
    B. A.

  18. Ich finde, dass man die Anzeige nur richtig verstehen kann, wenn man die Geschichte drumherum kennt.
    Auch ich habe eine schwierige GEschichte und war lange Zeit suizidgefährdet.

    Ein entfernterer Verwandter von mir hatte sich umgebracht, und in der Anzeige (oder es war die allgemeine Karte, ich weiß nicht mehr) stand schlicht „… und niemand hat Schuld“. Das hat mich beeindruckt.

  19. @“Ich“ (23) „…und niemand hat Schuld“ ist sehr oft richtig. Wenn man suizidgefährdet (Depression) durch die Gegend rennt, können die Gegenüber mit dem Zaunpfahl winken, weil sie helfen wollen – interpretiert wird es als Angriff. Wenn dich einer anlächelt sieht dein kaputtes Gehirn nur das Zähneblecken.
    Das ist ja das Gemeine!
    Aber ich denke zur Todesanzeige wie B.A., wir wissen nicht, was passiert ist…
    Ich lese nur einen großen Hader daraus. Wer mit wem und warum, das kann ich nicht erkennen.

  20. @immer_noch_da:
    Eine „absolute Frechheit“ ist es die Mutter mit so einem gestörten Verhalten unter Druck setzen zu wollen. Reicht es nicht, dass sie Dich geboren und aufgezogen hat?
    Wenn ich so einen Psychomist vor meienn Mutter gemacht hätte, hätte sie mir eine geknallt und mich aufs Zimmer geschickt mit der Auflage wieder raus zu kommen, wenn ich mich normal benehmen kann.

    DU ALLEIN bist für Dein Leben verantwortlich und wenn Dir niemand zu hört solltest Du darüber nachdenken warum das so ist. Außerdem kann man Menschen für das Zuhören bezahlen. Diese nennen sich Psychotherapeuten oder Psychiater.

    Wenn ich Krebs habe gehe ich auch nicht zu den Eltern, damit sie mich heilen und Depressionen etc. sind KRANKHEITEN und gehören in die Hände eines Menschen der gelernt hat diese zu heilen oder zu lindern.

    @all: Endlich mal eine ehrliche Anzeige.JA, Wut ist die richtige Antwort auf suizidale Leute. Ich meine, wir leben nicht in einem Land wo es keine Hilfe gäbe und im Notfall (selbst erlebt) haben die Kliniken eine Notfallambulanz wenn man nicht Wochen oder Monate auf einen Therapeuten warten kann.

    Wer sich umbringen will und Hilfe will und annehmen kann bekommt sie. Wer so krank ist, dass er sie nicht mehr annehmen kann der bringt sich halt um.

    Die Opfer sind die Angehörigen und denen gilt mein Mitgefühl.

  21. @26/Mo:
    Deine Aussage „DU ALLEIN bist für Dein Leben verantwortlich“ lasse ich für Gesunde gelten. Das Beschissene an einer Depression ist, dass der Betroffene eben nicht so funktioniert, wie man das von einem Gesunden erwartet, weil er es tatsächlich nicht kann. Die Aktion Gabel => Gesicht ist sicher keine Meisterleistung in Sachen klar verständliche Kommunikation, aber als Hilferuf doch deutlich erkennbar.

  22. Ich bin mir sicher zu wissen, um wessen Anzeige es sich da handelt, da ich aus der gleichen Stadt komme und diesen Nachruf kenne. Um seinen sehr unerwarteten Tod wurde in den letzten Tagen sehr viel spekuliert, auch Suizid wurde vermutet. Den Link an diesen Blog zu schicken und so von ganz hintenrum mal zu fragen, ob der Text der Anzeige auf Suizid hindeutet und man dann mit „Herr Lehrer, ich weiß was!“- erhobenen Fingern durch die Bloggerwelt laufen kann, um der Erste zu sein, der was kund tun kann, finde ich mit Verlaub, etwas arm.

  23. @Mo
    [ ] du weisst, wovon du sprichst.

    Meine Mutter hat mir nicht zugehoert, weil es ihr egal war, wie es mir geht, solange ich nach auszen hin funktioniere.
    Du hast keine Ahnung, was diese Frau mir angetan hat.
    Wenn jemand allein fuer sein Leben/sein Seelenheil zustaendig ist, koennen wir das mit der Erziehung ja gleich sein lassen. Weil, egal, ob man sein Kind beschimpft, ob man es ermutigt, ob man es lobt oder misshandelt – das Kind ganz allein entscheidet, was es daraus macht.
    Es hat mich 10 Jahre meines Lebens gekostet, mit vielen Therapien und Antidepressiva um mich psychisch einigermassen stabil zu machen.
    Und um gleich die Frage vorneweg zu nehmen. Ich war in Therapie, obwohl meine liebe Mutti mir das verbieten wollte.
    Mit 8 Jahren hab ich das erste Mal in meinem Leben daran gedacht, mich selbst umzubringen. Aber sicher, das liegt nur an mir, dass mir niemand zuhoeren wollte und ich nicht mit meiner Mutter reden konnte. Ich bin wahrscheinlich schon als Arschloch zu Welt gekommen.

    Ich klinke mich hiermit aus der Diskussion aus, es gibt mir hier zuviel Blinde die von Farben schwafeln.

  24. Noch ärmer ist es Kranke, und Depressionen sind nun einmal eine Krankheit, hier niederzumachen.
    Mo, ab auf dein Zimmer.
    Und komme erst wieder raus wenn du dich benehmen kannst.
    -kotz-
    B. A.

  25. @Slilia: Immerhin gibt die hier wiedergegebene Anzeige weder Namen, Daten, noch Ort wieder. Somit handelt es sich für den weitaus größten Teil der Leser nicht um eine „Herr Lehrer, ich weiß was“-Nummer und diejenigen, die die Anzeige zuordnen können, haben sie vermutlich sowieso gelesen und spekulieren ohnehin um die Umstände.

  26. Wenn die Anzeige schon hier ein solches Aufkommen an Kommentaren, Spekulationen und kontroversen Positionen losgetreten hat, wie muss es da erst am Standort der Lokalzeitung gewesen sein?

    Künftigen Hinterbliebenen wünsche ich die Größe, auf solches Spekulationsfutter in ihren Anzeigentexten zu verzichten und andere, effektivere Wege zur Verarbeitung ihrer – im Trauerfall wohl zwangsläufig überbordenden – Emotionen zu finden.

  27. @Tom: na, aber die Person, die sie Dir zugeschickt hat, hat eventuell (wissen kann ich es ja nicht) darauf spekuliert, eine eindeutigere Antwort zu bekommen. Die blieb jedoch aus, und das ist auch gut so.

  28. Danke, Big Al, du nimmst mir die Worte aus dem Mund.

    Mo? Geht’s noch? Wer gibt dir das Recht, so auf Depressive einzuschlagen?

  29. @immer_noch_da:
    Genau und Du bist sicher der einzige Mensch dem es so geht und deshalb weißt Du wovon Du sprichst. Deine Mutter mag für Dich bis zu Deinem 18. Lebensjahr verantwortlich gewesen sein ab spätestens seit dem ist es Deine Sache ob Du Psychowrack spielst oder dein Leben in die Hand nimmst (und JA ich weiß wovon ich rede aber das ist hier kein „wessenkindheitwarbeschissenerwettbewerb).

    @BigAl und Mafdet:

    Das Grundgesetz gibt mir das Recht meine Meinung kundzutun. Ich gebe mir auch das Recht zu behaupten zu wissen wovon ich rede da ich den Scheiß hinter mir habe und selbst als ich noch mitten drin war kotzten mich Leute in der Klinik an deren Satz typischerweise mit „Ich hatte eine schlimme Kindheit“ begannen. Genau, schlimme Kindheit, deshalb tyrannisiert man sein Umfeld, kriegt nichts geregelt und lässt letztendlich Angehörige zurück die trauern und die Welt nicht mehr verstehen. Super!…. aber die anderen sind Schuld weil man hatte ja eien schlimme Kindheit, wurde Vergewaltigt, nicht geliebt oder wasauchimmer… . Ich habe eine Freundin die wirklich jede Scheiße, weit mehr als ich, erlebt hat (Verwahrlosung, Misshandlungen, Missbrauch). Ja sie hat Spuren davon getragen. Sie hat Borderline, Depressionen und eine MPS. Sie hat zig Therapien gemacht, ihre Schule abgeschlossen, ein stabiles gutes Umfeld aufgebaut und studiert Sozialpädagogik um später Kindern die in ähnlichen Situationen sind helfen zu können. Ich kenne diverse Menschen die ihren Arsch hochgekriegt haben und trotz beschissenster Kindheit/Jugend ein lebenswürdiges Leben leben und sie haben alle eines gemeinsam, sie haben es nicht nötig Suizid zu „spielen“ und ihr Umfeld zu quälen das ihnen Halt und Liebe gibt. Oh jaaa, ich weiß verdammt gut wovon ich rede.

  30. Wenn du doch geschwiegen hättest…

    Troll, kümmer dich um dich selbst, da hast du genug zu tun. Von Seelenkrankheiten hast du soviel Ahnung wie ein Hering vom Fliegen. Q.e.d.

    @Tom: willst du nicht die Kommentare schließen? Das artet nur weiter aus hier.

  31. Ich find es schade, wenn geglaubt wird, dass es die eine allumfassende Wahrheit gibt. Genauso, wie das jeder die gleichen Möglichkeiten hat. Leid ist nicht vergleichbar und was für den einen ein gangbarer Weg ist, ist für den anderen unmöglich.

    Mir scheint es, als ziehe Mo seine Energie aus Hass und Verachtung für andere Schwache – damit er selbst nie schwach wird. Ich kenne auch einige Leute, die ihr Leben später in den Griff bekommen haben – nach den ein oder anderen ernstgemeinten Selbstmordversuch. Und letztlich ist es egal, wie schlimm etwas „objektiv“ war: Leid ist und bleibt subjektiv. Und wenn mir die Schuhe passen, tun sie es noch lange nicht jemand anderes.

  32. zur anzeige: man kann wirklich nur spekulieren was passiert ist, insofern finde ich es unpassend sich über den text aufzuregen – vielleicht hatten die leute schlicht allen grund um wütend auf den toten zu sein? so oder so war es jedenfalls ihr gutes recht die anzeige nach ihrer stimmung zu gestalten, warum sollte man in so einer situation noch falsche gefühle heucheln nur damit die leute nichts zu tuscheln haben?

    zur suiziddebatte: mir fehlt da auf beiden seiten die selbsterkenntnis. ja, gesunde haben keine ahnung wie es depressiven menschen geht. ja, depressive menschen fühlen sich oft unverstanden vom rest der welt. wen überrascht das? wenn es nicht so wäre dann wäre das ja keine anerkannte krankheit. wenn man nicht begreift dass der eigene standpunkt/das eigene empfinden nicht allgemeingültig sein kann ist eine debatte natürlich nicht möglich.

  33. Es ist amüsant, wie sehr sich man sich aufgrund einer Zeitungsanzeige doch belegen kann.
    Leute, zurück zum Thema.

    Um es mal neutral zu sehen: Diese Anzeige ist schon allein durch ihre Aufmachung interessant, anders als die „Standartanzeigen“. Sie fällt ins Auge.
    Auch den Text finde ich an sich nicht schlecht.
    Den Hintergrund wissen wir alle nicht, drum ist es schwierig zu erörtern, ob es nun anklagend oder auf die Angehörigen selbst bezogen ist.
    Egal in welche Richtung die Anzeige gedacht ist, ich finde sie drückt sehr viel Schmerz aus, auch wenn man das auf den ersten Blick vielleicht nicht sieht. Aber wer zwischen den Zeilen lesen kann/will wird es merken.

    Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und noch einen schönen Tag.

  34. Interessant, wie hier der schwarze Schuldpeter zwischen völlig Unbeteiligten hin und her geschoben wird. Und das ohne konkreten, die Leser betreffenden Realbezug. Eine anonymisierte Todesanzeige ohne jeden konkreten Hintergrund hat als Auslöser für Projektionen jedweder Art genügt: Projektionen, die ebenfalls keinen gemeinsamen Hintergrund haben und zu nichts Konstruktivem führen können.

    Zur Anzeige: man kann nur hoffen, dass die Hinterbliebenen den Tod verarbeiten können, ohne dass sie von Hinz und Kunz mit Moralurteilen belastet werden. Für alles andere ist es – leider – zu spät.

  35. @29 & 34 Slila

    So wie ich das sehe, wurde ja gar keine Frage gestellt sondern lediglich zu einem früheren Thema ein Beitrag bzw. Link gesendet.
    Man Du bist ja schlau wie ein Sack Bohnen, Respekt. Was Du alles weißt, hellseherische Fähigkeiten sehe ich da aber nicht wirklich. :-)

  36. @ Elena: Gerade Hass und Verachtung sind Eigenschaften die mir wesensfremd sind, vielleicht ist das der Unterschied zu denen die nichts auf die Reihe kriegen weil sie ihre Kraft in diesen Gefühlen verbrauchen. Kraft die in Depressionen sowieso wenig vorhanden ist.

    Genau das, nicht hassen sondern lieben, ist einer der Wege zur Gesundung. Die die einen aufgezogen haben lieben lernen, sehen was gut war (wir leben, wurden nicht getötet) und VERZEIHEN.
    Sowie…das Leben in die eigene Hand nehmen.

    Ja, Du hast absolut Recht, Leid ist subjektiv. Das zweifel ich auch nicht an. Die Anzeige jedoch als „Frechheit“ zu bezeichnen (Kommentar 5) und aus meienr Sicht einen Kommentar a la „Ichhatteeinesooooschlimmekindheit“ zu hinterlassen fand ich abstoßend. Die Gabelgeschichte empfand ich als mitleiderheischend und unpassend.

    Wer leben will lebt. Wer sterben will stirbt. Aber jeder ist für sich verantwortlich und nicht die Eltern, Familie, Freunde etc.
    Wie gesagt, mein Mitgefühl gilt den Angehörigen denn während der Totet tot ist werden die Angehörigen mit vielen Fragen und Trauer zurück gelassen. Ich denke dass manche sich wohl auch Vorwüfe machen ob sie nicht doch hätten was machen können, ob sie nicht doch hätten helfen können. Ich wünsche ihnen allen die Fähigkeit zu begreifen udn zu fühlen, dass sie niemals die Schuld tragen sondern nur der Selbstöter.

  37. @Mo:

    >Genau das, nicht hassen sondern lieben, ist einer der Wege…

    >…und selbst als ich noch mitten drin war kotzten mich Leute in der Klinik an deren Satz typischerweise mit „Ich hatte eine schlimme Kindheit“ begannen.

    Dann wünscht man sich ja wirklich nicht, dass du einen hasst, wenn das deine Liebe ist. ;-)

    Sei es drum, nur sieh bitte ein wenig hinter die Fassade und schließ nicht unbedingt von dir auf andere. Was dir Stabilität und Halt gibt und möglich ist, muss für jemand anderen nicht unbedingt wirkungsvoll oder schlicht nicht realisierbar sein. Oder manchmal erst nach langer Zeit, in der du ihn ja dann konsequenterweise zum kotzen findest, wenn er „Suizid spielt“, nicht wahr? Du musst das nicht mögen, aber deine Postings kommen sehr verächtlich und arrogant rüber. Nun, vielleicht braucht auch der Kleinste noch jemanden, auf den er herabsehen kann, um sich selbst besser und stärker zu fühlen, kann ich nicht beurteilen. Hoffentlich wirst du nie erleben müssen, dass „Arsch hochkriegen“ nicht mehr reicht oder einfach unmöglich ist. Denn es ist bitter, es auf diese Weise zu erfahren, weil du dann alleine bist, andere sich „angekotzt“ fühlen von deinem Unvermögen und sich abwenden und auch noch von Liebe daherreden. Ist so, denn du bist nicht der einzige Mensch, der solch eine Meinung in Worten oder Gesten herüberbringt und es zusätzlich noch erschwert, zu erfassen, wer wirklich an einem interessiert ist oder nur an dem Ideal, wie ich seiner Meinung nach funktionieren (können) muss, um einen anderenfalls fallenzulassen wie eine heiße Kartoffel.

  38. Von einem akut an Depressionen erkrankten Menschen zu erwarten, ganz normal Verantwortung für sein/ihr Leben zu übernehmen ist so ungefähr wie von jemandem mit Beinbruch einen Marathonlauf zu fordern. Aber das ist eben die Crux, Depressionen sieht man nicht, und die Reaktion vieler nicht Betroffener ist „stell dich nicht so an, reiß dich zusammen“. Was mehr schadet als hilft – und falls hinter der obigen Anzeige ein Suizid steht, haben es die Angehörigen leider auch nicht verstanden.

  39. Vielen Dank für die vielen, teils kontroversen Kommentare.
    Ich lese die meisten Kommentare nicht, überfliege sie nur und überlasse die Arbeit dem „Kommentarhausmeister“.

    Natürlich sind dieses Mal Kommentare dabei, die ich nicht unterschreiben würde, aber ich finde, man muß genug Rückgrat haben, um auch sehr abwegige Meinungen ertragen zu können.

    Beschimpft Euch nicht!
    Bleibt vom Ton her auf dem Teppich!

    Ich sehe derzeit keinen Grund, die Kommentare hier zu schließen.

  40. @Miss Marple:

    Zunächst verwechselst Du Ärger mit Hass. Nur weil mich das Verhalten eine Menschen ankotzt muss ich ihn ja nicht hassen. Ich kann mich aber über ihn ärgern.

    Lieben: Es ist nicht schön Sätze aus dem Zusammenhang zu reißen. Du vergaßt meinen danach folgenden Satz mit zu zitieren: „Die die einen aufgezogen haben lieben lernen, sehen was gut war (wir leben, wurden nicht getötet) und VERZEIHEN.“

    Ich spreche von der Liebe zu den Tätern aus der Kindheit. Von dem Mitgefühl zu den Tätern aus der Kindheit. Für mich und viele andere in meinem Umfeld war das ein Lösungsweg um mit der Vergangenheit abzuschließen. Das erfordert aber viele intensive Jahre der (guten-also für einen selbst passenden) Therapie.

    „Hoffentlich wirst du nie erleben müssen, dass „Arsch hochkriegen“ nicht mehr reicht oder einfach unmöglich ist.“

    Kenne ich. Dafür gibt es dann die Notfallambulanz in der Uniklinik.
    Es ist einfach nicht so, dass man allein gelassen wird. Es gibt sooooo viele helfende Stellen. Die Hilfe auch anzunehmen kann einem aber niemand abnehmen und das meine ich mit „Verantwortung übernehmen für das eigene Leben“. Nicht jeder ist gesund. Manche werden körperlich, manche psychisch krank. Aber es gibt die die rumjammern und stöhnen wie schwer alles ist udn die die sich in Bewegung setzen um sich selbst zu helefen oder dafür sorgen, dass andere ihnen helfen.

    „Von einem akut an Depressionen erkrankten Menschen zu erwarten, ganz normal Verantwortung für sein/ihr Leben zu übernehmen ist so ungefähr wie von jemandem mit Beinbruch einen Marathonlauf zu fordern.“

    Das ist aus meiner Sicht so nicht richtig. Es ist eher so als ob ich von jemandem mit Muskelkater einen Marathon fordern würde. Ja es tut höllisch weh, aber es hilft letztenendes.
    Nicht umsonst wird man in den Kliniken nicht mit Samthandschuhen angefasst sondern in den Hintern getreten. Bis hin zu Schlafentzug und tagsüber abgeschlossenen Zimmern damit man nicht im Bett herumgammelt sondern die Angebote wahrnimmt.
    Der Punkt ist doch aber, hängt ein Depressiver nur zuhause rum und spielt Mitleid und Suizid oder macht er den Schritt und sagt „Ich kann nicht mehr, ich geh in die Klinik, ich bin verantwortlich für mein Leben“.

    Ich weiß nicht wie die Erkrankung genau heißt aber in der Klinik gab es einen Mann, der hatte depressive Schübe. Er war super fit und lebensfroh aber er konnte sich vor diesen Schüben nicht wehren und in diesen Schüben konnte er schwer einen Suizid abwenden. Bei ihm bestand die Therapie darin ein stabiles Netzwerk aufzubauen so dass auch das Umfeld rechtzeitig spürt wann ein Schub da ist und ihn in die Klinik bringen kann.

    Aber er hat den Schritt gemacht und Hilfe gesucht udn eines haben die, die es geschafft haben und die ich kennen gelernt habe gemeinsam. Niemand von ihnen kramte die „schwierige Kindheit“ heraus, niemand erheischte Mitleid mit Narben oder „Gabelgecshichten“ und niemand von ihnen hegte Hass auf die Täter aus der Vergangenheit.

  41. @Mo: „Aus meiner Sicht“? Medizinische Fachkenntnis oder selbst betroffen? Korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber ich glaube, weder noch.

    Nein, Depressionen sind kein Muskelkater der Seele. Sie machen das Leben (den Marathon) nicht schwierig, sondern unter Umständen unmöglich, und es geht kaum zynischer als zu sagen, „wenn du dir nur genug Mühe gibst, dann schaffst du das schon“. Das sind genau die Sprüche, die am Ende einen Suizid zur Folge haben können, weil man eben nicht kann, aber immer wieder hört, dass man können müsste. Eben wie bei einem Beinbruch – „Komm steh auf, du strengst dich nur nicht genug an.“

    Ich mache dir das nicht zum Vorwurf. Wer diese schwarzen Löcher nicht selbst kennt, kann sich keine Vorstellung davon machen, und aus der Sicht eines Gesunden ist es einfach unglaublich schwierig, sich vorzustellen, dass es einen solchen Beinbruch der Seele wirklich gibt. Da ist es dann einfacher, sich eben „gesunde“ Erklärungen zu konstruieren („wieso, ich kann’s doch auch“).

  42. Suche und finde grad keine Antwort , was denn die Mutter für ihr Kind nach dieser Gabelaktion tun kann/ soll. Von Betroffenen wird manchmal sehr kurz gesprungen , empfinde ich so. „Opfer “ ihrer Kindheit kommen nicht zurecht , brauchen für alles Hilfe . Aber setzen gleichzeitig voraus , dass die Eltern Hilfe leisten können und mit allem lockerleicht klarkommen . Hmh ?! Eine Frage nach d e r e n Kindheit und Erfahrungen im Umgang mit starken Gefühlen hab ich noch nie gehört , echt noch nie !

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