Tot wie lebendig – Leichenfund in Messie-Wohnung

…Erst kam so ein komischer Geruch aus der Wohnung. Ein paar Tage später kamen Maden unter der Tür durch. Der Hausmeister hat daraufhin die Tür mit Silikon oder so abgedichtet. Und weitere Wochen später hat sich mal irgendjemand besonnen, daß da etwas nicht stimmen kann…
Ehrlich, da fängt man doch an zu hoffen, daß das eine Legende ist. Oder?

Das will ich gerne mal kurz aufgreifen, auch wenn diese Geschichte schon viele Jahre her ist und sich nicht einmal in einem Hochhaus zugetragen hat. Im Gegenteil, sie spielt in einer Wohnung im sogenannten „Gartengeschoss“ was nichts anderes ist, als ein Kellergeschoss, bei dem man hintenraus auf den Hof gucken kann.

Auf der linken Seite wohnte ein Student, in der Wohnung auf der rechten Seite ein „komischer Kauz“. Der lief Jahr und Tag mit einer Russen-Fellmütze herum. Er hatte immer drei Mäntel übereinander an und hortete in seiner Wohnung Müll und Unrat. Da kam es häufiger vor, daß der Student bei der Hausverwaltung anrufen musste, spätestens immer dann, wenn wieder einmal messing- bzw. goldfarben-glänzende Käfer unter der Wohnungstür auf der anderen Seite durchkamen oder wenn der Geruch zu stark wurde.

Regelmäßig schickte die Hausverwaltung dann einen Hausmeister und eine „Entwesungsfirma“ vorbei. Die haben dann die Bude des komischen Kauzes entrümpelt und allen Müll in einem Container entsorgt.
Man sprühte dann kräftig irgendwelche Chemikalien und gut war es wieder.

Irgendwann war das schon fast Routine geworden und der Hausmeister war dann auch mal dazu übergegangen, die Fugen der Tür immer mal wieder mit diversen Dichtungsmassen abzudichten. Mal mit Schaumgummilippen, mal mit Klebestreifen usw.
Es hat damals auch deutlich über 6 Wochen gedauert, bis man dann mal näher nachgeschaut hat und den Wohnungsbewohner tot vorgefunden hat. Kommentar des Studenten: „Der hat tot auch nicht anders gerochen, als lebendig.“

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  • Veröffentlicht am: 22. Oktober 2007
  • 5 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Frag den Bestatter

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

5 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Ich könnte neben so einem Messi nicht wohnen. Wenn mir da schon das Ungeziefer über den Flur läuft. *schauder*

  2. Da man niemanden zu einer Behandlung zwingen kann, sofern er nicht sich oder andere aktiv gefährdet, muss der Betroffene in diesem Müll hausen und das Umfeld leidet mit.

    Das ist so eines dieser Probleme, die mich fassungslos und hilflos machen. Zwangseinweisung würde in solchen Fällen vielleicht helfen, öffnet andererseits Tür und Tor für Missbrauch.

  3. Verflixt nochmal, das ist jetzt schon das Dritte mal. Da sitze ich ganz stolz und bewundere meine vielseitigen Sammlungen von Dingen aller Art. Ihr müßt wissen, meine Interessen sind sehr vielfältig. Auch züchte ich kleine bunte Haustiere, bloß den neidischen Nachbarn gefällts nicht! Und da dringen schon wieder Fremde Leute bei mir ein und enteignen mich. Die haben doch keine Ahnung wie wertvoll das alles ist, auch meine Zoologischen Studien. Jetzt kann ich wieder von vorn anfangen, schluchtz, das überleb ich nicht. Hätt ich bloß Freunde, die mir helfen würden gegen die Bande….

  4. Ist doch wirklich traurig – Messi hin oder her – das es immer wieder vorkommt, daß Menschen ewig lang tot in der Wohnung liegen, ohne das Verwandte oder Freunde vorbeischauen. Wie einsam müssen manche Menschen sein??? Oder haben sie diese Einsamkeit bewußt gewählt?

  5. So einen Fall hatten wir über einem unserer Läden mal. Da kamen die Maden durch die Decke zu uns runter, fragt mich nicht, wie. Das da drüber war aber ausgerechnet so eine Art Seniorenwohnheim!

    Geruchstechnisch habe ich von Kunden auch schon so einiges erlebt. Ich bin Schweißmief gewöhnt, Urin und schichtweisen Zigarettenrauch, meinethalben auch alles drei zusammen, aber es gibt wirklich einige Leute, die haben tatsächlich lebendigen Leibes einen unglaublichen Faulgestank an sich, den schaff ich nicht.

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