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Umweg über Niederland und Schweiz, Vorsorge, Patientenverfügung

Meine Eltern sind 76/77 und wollen so langsam mal was wegen ihrer Bestattung regeln. Beide möchten eine Feuerbestattung und danach die freie Verfügung über die Urne für die verbliebenen Angehörigen.

Wenn ich das richtig verstanden habe, ist das nur möglich, wenn die Feuerbestattung in den Niederlanden stattfindet, da man dort die Urne nach 30 Tagen in Empfang nehmen und damit machen kann, was man will – außer sie nach Deutschland mitzunehmen… Das ist aber kein Problem… es gibt in den Niederlanden genug feine Plätze, an denen man die Asche verstreuen kann…

Die Preisfrage ist:
Wie formuliert man ein solches Schreiben korrekt, so dass es von einem Bestatter auch definitiv anerkannt wird?

Reicht ein „einfaches“ Schreiben mit Adresse, Datum und Unterschrift, oder muss sowas auch noch vom Notar beglaubigt werden?

Wir kennen verschiedene Arten von vorsorglich verfassten Verfügungen. Sehr in Rede steht derzeit z.B. die Patientenverfügung. Darüberhinaus ist auch die Vorsorgevollmacht in der Diskussion und wir kennen natürlich auch das Testament.

Ich bin kein Notar, könnte mir aber vorstellen, daß eine entsprechende Erklärung in den meisten dieser Verfügungen ihren Platz finden könnte und auch so vom Bestatter anerkannt würde.
Jedoch ist ein Testament z.B. grundsätzlich nicht geeignet, um letztwillige Verfügungen bezüglich seiner Bestattung kundzutun, denn Testamente werden ganz regelmäßig erst so spät nach der Bestattung eröffnet, daß darin enthaltene Wünsche bezüglich der Bestattung zu spät bekannt werden, da die Bestattung längst erfolgt ist.
Viele andere Vollmachten verlieren mit dem Tode des Betreuten ihre Wirkung.

Ich würde bei einem Bestatter eine Bestattungsvorsorge abschließen und die entsprechenden Wünsche dort vortragen und niederschreiben lassen. So ist wirkungsvoll sichergestellt, daß die Wünsche berücksichtigt werden.

Es ist nicht richtig und leider wird das auch so von vielen Bestattern falsch erklärt, daß die Einäscherung im Ausland stattfinden muss. Das würde ja schon wegen des Transportes des Verstorbenen beispielsweise nach Holland oder in die Schweiz enorme Kosten und einen erhöhten Aufwand bedingen.

Richtig ist, daß die Einäscherung so heimatnah wie möglich erfolgt und dann lediglich recht kostengünstig die Urne mit der Totenasche ins Ausland geschickt wird. Damit gilt dann das Bestattungsgesetz des Landes, in dem sich die Asche dann befindet. Es kann mit ihr völlig legal so verfahren werden, wie es in diesem Land eben erlaubt ist.
Selbstverständlich kann man die Asche auch vollkommen legal wieder nach Deutschland bringen.
Entweder komplett oder nachdem ein Teil der Asche für einen anderen Zweck entnommen worden ist (z.B. Diamantfertigung, Verstreuung im Ausland usw.).
Nur unterliegt die nach Deutschland gebrachte Asche selbstverständlich wieder dem deutschen Bestattungsgesetz, das derzeit ausschließlich die Bestattung auf einem Friedhof oder auf hoher See vorsieht.

Man wird auch nicht bestraft, wenn nur noch ein Teil der Asche vorhanden ist, weil die Entnahme ja völlig korrekt nach geltendem ausländischem Recht erfolgte. Auch für die Einbehaltung der Asche und eine Aufbewahrung auf dem deutschen Kaminsims, wird man nicht bestraft, da dies keine Straftat ist, es handelt sich meines Wissens lediglich um eine Ordnungswidrigkeit, die natürlich Ordnungsgelder nach sich ziehen könnte, in den meisten Fällen aber nur -und das selbstverständlich nur, wenn die Behörden zufällig davon erfahren, oder man sich saudumm angestellt hat- darin gipfelt, daß die Herausgabe der Asche zu Beisetzung angeordnet wird.

Vielfach wird so getan, als handele es sich bei dem „Umweg über ‚Holland'“ oder der „Schweizer Lösung“ um etwas Illegales, Verrufenes oder Geheimnisvolles.
Das ist aber Unsinn. Wenn jemand beispielsweise in einem Land verstirbt, in dem Verstorbene -sagen wir es mal überspitzt- von Ameisen gefressen werden dürfen, dann gilt er nach den Gesetzen dieses Landes als ordnungsgemäß bestattet, wenn die letzte Ameise den letzten Krümel gegessen hat.
Diese Form der Bestattung ist für uns zwar befremdlich und wäre hier in Deutschland nicht erlaubt, nach den Gesetzen des Landes wo dies geschah, ist es aber völlig legal.
Kommt die Urne mit der Asche nun in die Niederlande oder in die Schweiz, dann kann eben nach den dortigen Gesetzen damit verfahren werden.
Kommt die Urne dann wieder nach Deutschland zurück, müßte nach den deutschen Regelungen vorgegangen werden.

Ansprechpartner in diesen ganzen Dingen ist am Besten ein Bestatter. Der kommt auch ins Haus und kann, wenn man sich sowieso schon mit der Abfassung von Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht beschäftigt, auch gleich die Bestattungsvorsorge aufnehmen. Eine notarielle Beurkundung einer Bestattungsvorsorge ist nicht notwendig.

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Peter Wilhelm26. Juni 2012

12 Kommentare von 140170.

  1. @Fragesteller: ganz wichtig ist auch eine Vollmacht für alle Konten auf einem Formular der jeweiligen Bank (gültig über den Tod hinaus!). Gibt es Konten bei verschiedenen Banken, dementsprechend viele Vollmachten. Aus Erfahrung weiß ich, daß uns diese Vollmachten jede Menge Zeit und Briefverkehr erspart hätten…
    @Tom: genialer Blog, bitte nie aufhören ;-)

  2. Mal angenommen man lässt einen Teil der Asche zu einem Diamanten pressen. Kann die deutsche Behörde darauf bestehen diesen zu bestatten? (Ich weiss selbst das das weit hergeholt ist :) )

  3. nicht nur Unterhaltsames hier, auch wirklich viele Informationen. Tom hat recht … Aufklärung und Erklärung in der Zeit, spart Ärger in der Not und in der Trauer … Danke

  4. Enstchuldigt wen nich das nicht ganz verstehe. Also ich lass meinen zB. Vater hier in Deutschland einäschern und die Asche nach Holland schicken? Das macht doch kein Postunternemhen mit. Was wenn das Paket in irgendeinem Postzentrum geöffnet wird? Im Prinzip verschicke ich doch „menschliche Überreste“. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man eine Urne einfach soo außer Landes schaffen kann. Wenn mein Vater nun eingeäschert wird, bekomme ich die Urne doch gar nicht ausgehändigt.
    entschuldigt bitte wenn ich etrwas falsch versehe/verstanden habe

  5. Warum sollte das nicht gehen. Wenn ein Deutscher im Ausllnd verstirbt und hier beerdigt werden soll, muss er ja auch irgendwie hierher kommen.

    Dazu muss ja auch die Asche oder ggf. auch die einbalsamierte Leiche selbst eingeführt werden, was ja offenbar kein Problem darstellt.

    Genausowenig sollte es daher ein Problem sein, „menschliche Überreste“ aus Deutschland ins Ausland zu schaffen.

  6. Es ist kein Problem. Laut Tom ist das gang und gäbe. Man darf ja nicht vergessen das in dem Paket ja erst mal die Urne steckt. Und ich denke mal das das als solches zu erkennen ist, bzw auch die nötigen Papiere beiliegen.

  7. Es ist auch oft eine Kostenfrage wenn jemand im Ausland verstirbt. Da ist die Urnenvariante sicherlich günstiger
    als die Sarg/Zinksarg Variante:

    Die Kremierung, sofern man Grenznah wohnt und anschließende Verstreuung werden oft und gerne genutzt. Zumal man in Deutschland zu „Lebzeiten“ eine eindeutige Willenserklärung für einen Verstreuung erstellt haben muss. Das kann man mit einer Verstreuung im Ausland umgehen geschickt umgehen.

  8. wo liest man den bei der anfrage raus das wer die asche in die hand bekommen will?

    zur freien verfuegung koennte ja auch einfach bedeuten ab ins urnengrab, ab in nen anonymes urnengrab ….

    bin nimma da tuts mit der asche was ihr wollt .. :)

  9. @igel: Das lese ich z.B. aus dem Teil „nach Deutschland mitnehmen“. Das bedeutet doch eindeutig, daß der Fragesteller davon ausgeht, er müsse/könne die Urne selbst mitnehmen.

    Ansonsten verstehe ich Deinen Kommentar leider nicht.

  10. Der Punkt ist doch daß man in Deutschland vom deutschen Krematorium und vom deutschen Bestatter aufgrund der deutschen Regelungen/Gesetze/Bestimmungen als Hinterbliebener die Asche/die Urne nicht in die Hände bekommt und außerdem in Deutschland Bestattungs-/Friedhofszwang besteht.
    Daeshalb der aufgezeigte Umweg der Urne über`s Ausland.
    Dann kann der Verstorbene auch auf den Kaminsims ;-)
    Und wenn man den Pakettransporter am Krematorium sieht werden dann halt die „Blechbembel“ (TOM, ich liebe dieses Wort) abgeholt.
    Deshalb am besten alles vorab per Bestattungsvorsorge regeln und immer fleißig Bestatterblog lesen.
    B. A.

  11. Argh.
    Kaufe ein „we“.
    Immer fleißig „Bestatterweblog“ lesen, selbstverständlich.
    Sorry, Zwerg tippt mit. Und erwischt dabei die Enter-Taste vorm Kontrollieren…
    B. A.

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