Ungewöhnlich aber machbar

Frau Simatowsky hat ihren Mann vor drei Wochen beerdigen lassen müssen und nun hat sie gesehen, daß die Arbeiter auf dem Friedhof just in dieser Reihe anfangen, die ersten Gräber „plattzumachen“.

Damit meint sie, daß die Friedhofsmitarbeiter einige Gräber in der Reihe herrichten. Sie räumen den Grabschmuck von der Beerdigung ab, legen einen schlichten Grabhügel an, markieren die Wege und Abstände zwischen den frischen Gräbern und stellen die Sachen, die noch nicht vergammelt sind und in schöne Schalen gepflanzt sind, wieder oben drauf. Danach muß man rund ein halbes Jahr warten, bis die Erde richtig gesackt ist und kann dann einen Steinmetz und, wenn man will, auch einen Gärtner beauftragen, das Grab richtig anzulegen.

Frau Simatowsky ruft heute schon ganz früh bei uns an, damit wir ja den Arbeitern zuvorkommen. Denn sie will auf jeden Fall die ganzen Schleifen von den Kränzen und Schalen haben. Da möchte sie sich die schönen glatten Stellen abschneiden und aufbewahren.

Ich kann sie beruhigen. Erstens ist das Grab ihres Mannes ganz gewiss noch nicht an der Reihe und selbstverständlich ist es auch nicht verboten, sich die Schleifen mit nach Hause zu nehmen.

Der Wunsch ist durchaus schon mal an uns herangetragen worden, wenn auch nicht oft, aber vorgekommen ist das schon mal.

Das ganze Wochenende war sie nervös, ob das denn klappen würde. Klappt! Machen wir.

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  • Veröffentlicht am: 7. Juli 2008
  • 10 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
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Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

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  1. „Danach muß man rund ein halbes Jahr warten, bis die Erde richtig gesackt ist und kann dann einen Steinmetz und wenn man will auch einen Gärtner beauftragen, das Grab richtig anzulegen.“

    Meine großmutter ist Anfang April beerdigt worden, nachdem sie ein paar Tage vorher gestorben war und letzte Woche kam der neue Stein drauf.
    Kommt wohl auf den Boden an.

  2. Warum holt sie die Schleifen denn nicht selbst ab ?

    Das Absenken des Grabes kann man beschleunigen, indem man den billigsten Feuerbestattungssarg nimmt, und jeden Tag kräftig gießt. Dann dauert es garantiert kein halbes Jahr.

  3. @DorienG:
    Es kommt auf mehrere Faktoren an. Der Boden und auch das Wetter gehören dazu, aber wenn so kurz nach der Beerdigung schon das Fundament für den Grabstein gesetzt werden kann, dann ist wahrscheinlich der Friedhof recht großzügig angelegt und damit die Grabstelle groß genug, dass der Grabstein „oberhalb“ vom Sarg steht – soll heißen, dass direkt unter dem Grabstein gar nicht gegraben wurde und das Fundament so auf gewachsenem Boden ruht, der sich nicht setzen muss.

  4. Warum holt sie die Schleifen denn nicht selbst ab ?

    Wie sieht das denn aus, wenn sich Frau Simatowsky an den Kränzen zu schaffen macht? Und die Leute das sehen? Dafür zahlt man doch ;-)

  5. @Aki: daran hab ich noch nicht mal gedacht, Du hast recht, die kann von Glück sagen, wenn nicht ein aufmerksamer Bürger ihr nicht diskret per rufnummernunterdrücktem Handy die Polizei auf den Hals hetzt wegen Grabräuberei. Man müßte den möglichen Mißbrauch unterbinden, dass sich jemand an einem fremden Grab oder an einem, an dem die Verwandtschaft es nicht wünscht, sich zu schaffen macht. Einfach indem derjenige gut sichtbar einen Ausweis tragen muß, auf dem die Grabnummer und die Gültigkeitsdauer eingetragen sind. Den Ausweis könnte man für 10 Euro Gebühren auf dem Friedhofsamt bekommen, was dort zwei Planstellen sichert. (Eine die den Ausweis herstellt, eine die auf den Friedhöfen kontrolliert und Busgelder einstreicht.)

  6. Wir verdichten maschinell, da wird gar kein Hügel mehr angelegt. Nach spätestens 4 Wochen wird das Grab abgeräumt und dann kann man loslegen – Bepflanzung, Stein, Kreuz…

  7. ich habe oft genug gesehen dass gerade die leute die es besonders eilig hatten ihren kleinen schrebergarten anzulegen und mit stein und einfassung zu versehen (damit alles seine ordnung hat, was sollen den die leute denken!) ein paar monate später mit aufgerissenen augen vor dem grab standen das in etwa so tief eingesunken war wie der hügel hoch gewesen wäre. tja.

    @markus: maschinell verdichten? hält das der sarg denn aus wenn man da mit der rüttelplatte drüberrumpelt? wenn nicht fände ich das ein wenig pietätlos so kurz nach der beisetzung, und nüchtern betrachtet könnte man den toten dann ja gleich in tücher gewickelt begraben.

  8. [quote=“martin“]ich habe oft genug gesehen dass gerade die leute die es besonders eilig hatten ihren kleinen schrebergarten anzulegen[/quote]

    Schrebergarten ist gut,

    (inkl.Gartenzwerge etc.oder 8))

  9. @martin: diese „Wie sieht denn das aus“-Mentalität ist für mich ein zweischneidiges Schwert. Einerseits nervt es mich, wenn ich es schon lästern höre, die Angehörigen oder Gärtner wären ja auch ne faule Bande, nur weil ein, zwei Monate nach der Beerdigung das Grab noch nicht piccobello aussieht. Dass jemand vielleicht keine Lust hat, jede Woche erneut einen halben Sack Erde für die nachfolgenden Setzungen nachzukippen, kommt den Läastermäulern nicht in den Sinn.
    Andererseits gibt es zunehmen auch genug Zeitgenossen, die in ihrer Mentalität wohl ein bisschen zu wenig vom „wie sieht denn das aus?“ verinnerlicht haben. Kann ich mir jedenfalls nicht anders erklären, wenn ich mir manche Gräber so ansehe – da müssen die Angehörigen völlig schmerzfrei sein.

    @Markus: maschinell verdichten; wirklich ernst gemeint oder was? Kann ich aus gärtnerischer Sicht nur als völlige Verfehlung abtun, interessanterweise sollten das die verdichtenden Personenkreise aber eigentlich genauso sehen. Abweichungen würden mich aber auch nicht wundern, gibt ja auch genug Gärtner die ein Ankratzen mit der Fräse als ausreichende Bodenlockerung ansehen für Flächen, die ich vorher über Wochen bei Regen mit schwerem Gerät malträtiert habe…

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