Wann fängt eine Leiche an zu riechen?

Hallo,
nach welcher durchschnittlichen Liegezeit bei normaler Zimmertemperatur muss man damit rechnen, dass Leichengeruch wahrzunehmen ist?
LG, M.

Das hängt im Wesentlichen davon ab, wann die Leiche zu riechen anfängt.

Nein, mal im Ernst:
Es hängt vom Alter, dem allgemeinen Zustand und der Körperfülle, sowie den Vorerkrankungen und den eingenommenen Medikamenten ab, wie schnell ein Leichnam die Gase entwickelt, die wir gemeinhin als Leichengeruch wahrnehmen.

Desweiteren spielt auch die Empfindlichkeit und die Gewohnheit der Menschen eine Rolle, die diesen Geruch wahrnehmen. Leute, die das zuvor noch nie gerochen haben, können den Geruch oft nicht einordnen und ich hörte da schon Beschreibungen wie „Katzenklo“, „Mülltonne“, „süßlich parfümiert“, „sich zersetzendes Schweinefleisch“ usw.
Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die diesen Geruch bereits kennen und sofort kleinste Spuren davon wahrnehmen, weil schon bei der kleinsten Geruchswahrnehmung die Erinnerung an das vorherige Erlebnis wachgerufen wird.

Man kann Deine Frage also nicht genau beantworten. Ich habe schon Verstorbene gesehen, die nach ganz vielen Tagen kaum Geruch verströmt haben und solche, die schon nach 30 Stunden luftdicht transportiert werden mussten.

Aber von Seiten der Behörden ist es möglich ohne besondere Genehmigung einen Verstorbenen bis zu 36 Stunden zu Hause zu behalten. Grob gesagt bedeutet das, daß innerhalb dieses Zeitraums nicht unbedingt mit einer starken Geruchsbelästigung zu rechnen ist.
Sie könnte aber auch innerhalb dieses Zeitraumes schon auftreten, muß es aber nicht und auch in den Tagen danach ist nicht gesagt, daß sie zwangsläufig oder besonders stark auftreten muß.

Mit anderen Worten: Ganz genau kann man das nicht sagen. Es gibt Leichname, die schon im Sterbebett anfangen zu riechen. Andere wiederum transportiert man durch ganz Deutschland, hat diese noch 2-3 Tage in einem Bestattungshaus und es ist immer noch kein schlimmer Geruch wahrnehmbar.

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  • Veröffentlicht am: 17. März 2011
  • 15 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Frag den Bestatter

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

15 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. viel intersanter wird es,wenn man in ein haus kommt
    und schon im Eingangsbereich an hand des gruches sagen kann
    in welches stockwerk man gehen muß um die leiche zuholen.

  2. Leichen riechen gar nicht, weil mit dem Tode der Geruchssinn erlischt. ;-)

  3. [quote]sich zersetzendes Schweinefleisch[/quote]Passt doch wie die Faust auf’s Auge. Menschenfleisch und Schweinefleisch sind im Grunde das Gleiche.

  4. Off-Topic (ich finde den passenden Beitrag gerade nicht):

    http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,751578,00.html

    Jetzt darf wohl gestritten werden, ob das Angebot als solches sittenwidrig ist. Die Werbung dafür ist es wohl nicht.

  5. @3 Dark Funeral: Damit würde ich dann zu „Wetten daß“ gehen.

  6. Habe dieses Phänomen die Tage wieder live erlebt.
    „Person in verschlossener Wohnung“ nennt sich das ganze aus Sicht der Behörden ( Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei).
    Mit diversen Leuten vor der Wohnungstür (2*Polizei,3 Feuerwehr, 3*Rettungsdienst + Notarzt) standen wir vor einer solchen verschlossenen Tür, die meisten davon kennen den Geruch sehr wohl sehr gut.
    Jedoch nur einer hat den Geruch bereits wargenommen und mit einem “ Kannst Dir Zeit lassen beim Aufmachen, das rieche ich schon!“ als Kommentar.
    Auch kein Nachbar hat einen Geruch wargenommen…
    Interessantes Beispiel wie empfindlich und unterschiedlich vereinzelte Nasen doch arbeiten :)

  7. Kennt ihr den Ausspruch „Der Tod riecht süßlich“?
    Damit wird nicht der Geruch eines sich zersetzenden Körpers gemeint, oder?

    Ich habe das Phänomen vor genau 6 Wochen erlebt, als mein 25jähriger Bruder nachts im Schlaf verstorben ist. Er wurde am nächsten Morgen gefunden, in dem Zimmer riecht es seither streng süßlich. Ein eigener Geruch, den ich zuvor noch nie wahrgenommen habe.

    Kennt ihr das? Was genau ist das und wie geht das wieder weg? selbst Hardcore-Lüften hat nichts bewirkt, Textilien wurden auch zeitnah entfernt..

    Ich danke euch für eure Hilfe

  8. Aus beruflichen Gründen sollte ich bitte wissen – und zwar ernsthaft – ab wann Leichengeruch wirklich intensiv aus einem Zimmer in der hintersten Ecke eines gemeinschaftlich genutzten Ganges dringt. Vier Tage? Zehn Tage? – Ab wann wird der Leichengeruch wirklich intensiv spürbar?
    Gruß, D.E.

  9. Legt doch einfach ein frisches Stück Leber irgendwo hin, schaut dabei auf das Thermometer und riecht dann gelegentlich daran. Bei der relativ geringen Masse ist das allerdings nicht unbedingt besonders aussagekräftig, weil z. B. in zugiger Umgebung nämlich eine Vertrocknung stattfinden kann , die das Entstehen von Aasgeruch unterdrückt und nur zum Verschrumpeln führt (wie bei Stockfischen, vgl.auch natürliche Mumifizierung z.B. bei südamerikanischen Mumien), in hiesigen Breiten bei (Zimmer)- Temperaturen um die 20° C dürfte es jedenfalls nach allerspätestens nach drei Tagen, eher nach zwei, zunächst dezent an zu
    müffeln fangen und spätestens ein/zwei Tage später bei jedem, der Leichengeruch nicht gewohnt ist oder empfindlich darauf reagiert, eine Brechreiz verursachen, wie er entsteht, wenn man nach gut einer Woche Stromausfall einen Kühlschrank mit Grillgut öffnet, der zuvor unbemerkt seinen Geist aufgegeben hat.

    Eine fiese Ausbilderin in meiner Staatsanawaltssation währen meines Refrendariats hatte mich übrigens vor Jahr und Tag (ich nehme an, um mich zu ärgern oder selbst nicht die Unannemlichket zu haben), zu einer Wohnungsöffnung geschickt, bei der ich zwar Contenance bewahrte, aber hinterher gleich in die Büsche vor der Mietskaserne kotzte – ist echt nicht jedermanns Sache. Es ist nicht nur der Geruch, sondern auch der Anblick, der einem den Magen umdrehen kann.einem,e

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