Was passiert mit der Urne? Es kommt ein Sarg hinzu

Was passiert mit einer Urne, die sich in einem einstelligen Mehrpersonengrab befindet, wenn jetzt ein Sarg ins Grab kommt?

urnealt1.jpg

Hallo, lieber Peter,

sag mal, wie ist das eigentlich:
Gestern ist der Opa meiner Freundin verstorben.
Dieser soll im 1-stelligen Wahlgrab beigesetzt werden.
Es ist wohl ausgelegt für einen Sarg und bis zu vier Urnen sagte man mir damals mal.

Die Oma liegt dort als Urne seit 2011.
Der Opa wünschte wohl eine Erdbestattung.

Was passiert mit der „aufgewühlten“ Urne?

Wird die hinterher auf den Sarg gestellt? Oder unter den Sarg „neu“ vergraben?

Kannst Du da was zu sagen?

Genau.
Exakt so wird es gemacht. Nämlich entweder oder.

Entweder kommt die Oma einen Stock tiefer oder obendrauf.
Bei der Beerdigung wird man die Urne nicht zu sehen bekommen.

Nachdem dann jetzt ein Sarg und eine Urne drin sind, ist noch Platz für drei weitere Urnen.
Läuft in etwa 10 Jahren die Mindestruhezeit für die Oma ab, ist wieder Platz für eine Urne mehr.
Theoretisch können also beliebig viele Verstorbene ins Grab.
Ist die Ruhezeit für den Opa abgelaufen, kann auch wieder ein Sarg in die Erde.
Vorausgesetzt ist natürlich immer, dass man die Grablaufzeit mindestens um die Dauer der Mindestruhezeit verlängert und bezahlt.

Es stellt sich in diesem Zusammenhang und auch bei Urnenumbettungen immer die Frage, was von einer Urne noch übrig ist.
Das hängt natürlich vom Material der Urne und den Bodenverhältnissen ab.

Aber gleichgültig, aus welchem Material die Schmuck- und Überurne ist, es zählt letztlich die Blechurne im Inneren, die Aschenkapsel.
Und in 99% aller Fälle ist diese aus Blech.
Das bedeutet, daß diese in einem feuchten und luftdurchlässigen Boden gut wegrosten kann. Nach 8-12 Jahren könnte da schon nichts mehr übrig sein.
In stockigen Lehmböden und in Sand kann so eine Dose Ewigkeiten überdauern.

Das oben gezeigte Bild zeigt laut Wikipedia eine Überurne mit enthaltener Aschenkapsel nach 15 Jahren.
Man erkennt deutlich, daß sich lediglich eine dicke Korrosionsschicht um die Schmuckurne gebildet hat. Der Inhalt dürfte vollkommen intakt sein (soweit man bei einem eingeäscherten und zerkleinerten Menschen von intakt sprechen kann).

Bild Urne: Boonekamp – Own work, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3925672

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  • Veröffentlicht am: 24. August 2016
  • 1 Kommentar
  • Veröffentlicht in: Frag den Bestatter

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

1 Kommentar » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. bei uns ist die Aschekapsel zu 100% immer biologisch abbaubar.
    Ebenso die Schmuckurne, da bei uns nur biologisch abbaubare Urnen bestattet werden dürfen.
    In der Regel ist nach ca. fünf bis sechs Jahren nix mehr da.

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