Wenn ein Kind stirbt

Wir haben im Februar unseren Sohn in der Schwangerschaft verloren. Nach mehreren künstlichen Befruchtungen bin ich im vergangenen Dezember endlich schwanger geworden. Trotz anfänglicher Blutungen sah es bei den ärztlichen Untersuchungen immer gut aus, alle Werte waren so, wie sie sein sollten. Ich fühlte mich so, wie eine schwangere Frau sich halt fühlt.

So beginnt die Geschichte, die Leserin Stephanie uns erzählt:

„Wir haben im Februar unseren Sohn in der Schwangerschaft verloren. Nach mehreren künstlichen Befruchtungen bin ich im vergangenen Dezember endlich schwanger geworden. Trotz anfänglicher Blutungen sah es bei den ärztlichen Untersuchungen immer gut aus, alle Werte waren so, wie sie sein sollten. Ich fühlte mich so, wie eine schwangere Frau sich halt fühlt.

Kurz vor der 12. Schwangerschaftswoche, also zum Ende der „kritischen“ Zeit, in der das Risiko für Fehlgeburten besonders hoch ist, erzählten wir unseren Familien von der Schwangerschaft. Alle freuten sich mit uns. Zwei Tage später bekam ich plötzlich ein seltsames Gefühl, ich kann es nicht anders erklären. Mein Bauch fühlte sich anders an als sonst. Das war an einem Montag. Ich rief bei meiner Ärztin an und bekam einen Termin für den nächsten Tag. Am Morgen darauf war mein Bauch plötzlich flacher als sonst. Ich war zwar erst in der zehnten Woche, aber durch die vorhergehende Hormonbehandlung war er sehr stark aufgebläht. Wir dachten uns nichts dabei, ich fühlte mich schwanger, mittags gingen wir noch mit der Familie ins Restaurant.
Auch meine Ärztin beschwichtigte uns, mein „Bauchgefühl“ seien nur Blähungen. Beim Ultraschall sahen wir ein gewachsenes Baby mit kleinen Ärmchen und Beinchen im Ansatz, wie ein Gummibärchen. Was wir nicht sahen war ein Herzschlag. Meine Ärztin schallte aus verschiedenen Winkeln und mit unterschiedlichen Einstellungen. Nichts.
Zurück an ihrem Schreibtisch erklärt sie uns, dass wir jetzt keine Entscheidung übers Knie brechen sollten. Sie gab uns Broschüren von gynäkologischen Kliniken mit, die Ausschabungen durchführen. Meine Frage nach einem natürlichen Abgang beantwortetet sie so: „Bitte nicht. Eine Patientin von mir hat vier Wochen darauf gewartet, dann hat sie an einer Fußgängerampel plötzlich einen Blutsturz bekommen.“ Das klang nicht wie etwas, was ich für mich haben wollte.

Mein Mann und ich sind gänzlich unterschiedlich mit unserer Trauer umgegangen. In der Trauergruppe für Eltern von Sternenkindern, in der wir uns mittlerweile gut aufgehoben fühlen, haben wir erfahren, dass das bei den meisten Paaren so ist.
Mein Mann ist sofort in Tränen ausgebrochen, es hat ihn geschüttelt und er hat sich für ein paar Tage aus allem zurückgezogen. Ich hingegen habe mich sofort in die Planung gestürzt. Zuerst den Eingriff, dann die Beisetzung. Wir hatten bereits im letzten Jahr ein Kind kurz nach positivem Schwangerschaftstest verloren. Ich hatte damals beschlossen, dass ich einen Ort zum Trauern haben möchte, falls so etwas noch einmal passieren sollte.“

„Nach intensiver Recherche zum Thema entschloss ich mich, dass eine sogenannte „kleine Geburt“ für mich chirurgisch und nicht natürlich, begleitet durch eine Hebamme, vonstatten gehen sollte. Es gibt Hebammen, die eine Fehlgeburt begleiten, so dass der Embryo von selbst abgehen kann. Ich wollte nicht mit meinem toten Kind im Bauch zu Hause sitzen und warten, dass es losgeht. Ich wollte in Ruhe trauern, nicht ständig mit dem Gedanken im Hinterkopf leben, dass das schlimmste Ereignis meines Lebens jetzt gleich passieren könnte.
Also vereinbarte ich einen Termin in einer Praxis. Die weitere Untersuchung bestätigte die Diagnose, ich bekam noch ein letztes Ultraschallbild mit, das jetzt eingerahmt in unserem Wohnzimmer steht.
Dann machte ich mich an die Bestattungsplanung. In unserem Bundeslang herrscht Bestattungspflicht für Kinder auch unter 500g Geburtsgewicht. Aber auch so hätte ich unserem Kind ein Grab geben wollen. Mittlerweile kann man in jedem Bundesland auch ein fehlgeborenes Kind bestatten lassen, auch wenn die Pflicht dazu nur in wenigen Bundesländern besteht.

Meine Mutter war einverstanden, dass unser Baby mit ins Grab meiner Großeltern darf. Sie meinte, speziell meine Oma (die uns vor sechs Jahren verlassen hat) hätte es sehr schön gefunden, wenn ihr Urenkel bei ihr liegen dürfe.
In meiner Vorstellung konnte ich unser Baby nach dem Eingriff einfach mit nach Hause nehmen und selbst beisetzen, das stellte sich aber nicht als so einfach heraus. Der Arzt weigerte sich, das „Schwangerschaftsgewebe“, wie er es nannte, jemand anderem als einem Bestatter auszuhändigen. Also mussten wir einen Bestatter finden, der uns half. Über meine Tante fanden wir schliesslich einen Bestatter, der uns unbürokratisch helfen wollte. Natürlich regelten wir die Formalitäten bei der Friedhofsverwaltung und leisteten auch alle notwendigen Zahlungen. Wir fanden ein kleines, hölzernes Behältnis, in dem wir unser Kind beisetzen wollten. Ich kleidete es noch mit einem Stofftaschentuch meines Großvaters aus. Dann ließen wir es dem Bestatter zukommen.

Am Morgen des Eingriffs, als alle Formalitäten geregelt waren, brach es endlich aus mir heraus. Ich weinte und schrie und schluchzte und jammerte. Zum ersten Mal konnte ich mein Kind betrauern. Ich wollte wohl erst alles regeln, musste noch ein wenig Zeit mit ihm verbunden verbringen, um es gehen lassen zu können. Erst als ich es sicher versorgt wusste, ließ auch mein Körper Trauer zu. Aus der Narkose erwachte ich weinend und kotzend. Ich hielt mir den leeren Bauch und wollte es einfach nicht wahr haben.

Das war freitags. Am Montag darauf haben wir – wieder „ausser der Reihe“ – einen Termin beim Standesamt bekommen, welches eigentlich für die nächsten vier Wochen ausgebucht war. Wir haben unseren Sohn (das haben wir beschlossen, nachdem ich „so ein Jungsgefühl“ in den letzten Tagen meiner Schwangerschaft gehabt hatte) in unser Familienstammbuch eintragen lassen. Dazu benötigte das Standesamt nur unsere Heiratsurkunde und ein Formular der Klinik über „chirurgische Entfernung von Schwangerschaftsgewebe“. Wir haben uns einen Namen ausgesucht, der jetzt ganz oben in unserem Familienbuch steht, wir als Eltern direkt darunter. Fühlt sich komisch an, Mutter zu sein, ohne ein Kind in den Armen halten zu können.

Noch am Tag des Eingriffs holte unser Bestatter unser Kind aus der Klinik ab und nahm es mit zu sich. Am Morgen der Beerdigung gab er meiner Mutter dann die kleine Holzkiste mit Baby darin mit. Er hat uns dafür nie etwas berechnet.
Er sagte mir am Telefon, er wolle uns nicht für ein zweieinhalb Zentimeter großes Baby einen Kindersarg verkaufen oder dafür irgendwelchen Papierkram anlegen, das müsse nun wirklich nicht sein. (Streng genommen muss es natürlich sein….ich denke Du weisst, wie er das meinte.)
Wir sind ihm dafür wirklich unendlich dankbar.

Unser Sohn liegt nun am Fußende des Grabes meiner Großeltern. Einen Grabstein haben wir bereits gefunden, er muss nur noch graviert und aufgestellt werden. Unser erstes Sternchen soll mit drauf vermerkt werden. Wir haben beschlossen, dass es ein Mädchen war.

Seit vor einigen Wochen der errechnete Geburtstermin verstrichen ist, kann ich wieder schwangeren Frauen begegnen, ohne in Tränen auszubrechen. Ich habe mir immer gedacht: „So weit wärst du jetzt auch.“ Mittlerweile kann ich mich einfach für sie freuen.

Im Laufe der Zeit habe ich viele Geschichten gehört von Familien, denen Ähnliches widerfahren ist. Manchmal erfährt man in Momenten der Trauer Hilfe von Seiten, von denen man es gar nicht erwartet hätte. Andersherum hätte man sich von manchen Menschen mehr Beistand erwartet.
Jedenfalls scheint man heute – Gott sei Dank – langsam aber sicher wegzukommen von dieser bescheuerten „Aber es war doch noch gar kein richtiges Baby“ /„Du kannst doch noch ein Kind bekommen“-Denke wegzukommen. Das halte ich für einen großen Fortschritt.

Danke für diesen tollen Blog und den Austausch, den zu zum Thema bietest!

Vielleicht findet meine Geschichte ihren Weg auf Deinen Blog. Ich würde mich freuen, wenn ich anderen Eltern in ähnlicher Situation vielleicht irgendwie damit helfen kann.

Liebe Grüße

© Stephanie

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  • 2. Oktober 2016 - 17 Kommentare - Lesezeit ca.: 7 Minuten - Kategorie: Geschichten

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Veröffentlicht von

Hier erzählt und informiert der Schriftsteller Peter Wilhelm. Der Sachverständige ist Chefredakteur von "Bestatter heute". Der Satiriker veröffentlicht Satiren und
Produkttests. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor finden Sie u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

peter wilhelm autorenlesung

Peter Wilhelm
Peter Wilhelm2. Oktober 2016

17 Kommentare von 138189.

  1. Hallo Tom,
    Stephanie schreibt von einer Bestattungspflicht für Föten unter 500 Gramm. Das war ja nicht immer so. Weißt du in welchem Bundesland und ab welchem Jahr hier diese Gesetzesregelung gelten? Gilt die Bestattungspflicht auch für gewollte Schwangerschaftsabbrüche?

  2. Danke für das Teilen deiner Eindrücke, liebe Stephanie!

  3. Hallo zusammen,

    danke, Peter, für die Veröffentlichung!
    @turtle of doom: gerne! Freut mich, dass es Leute gibt, die mit dem Thema etwas anfangen können.
    @Winny: schau mal hier, da sind ein paar Infos zusammengetragen:
    Da hat sich echt einiges was getan in den letzten Jahren.
    Wenn die Eltern das Kind nicht bestatten möchten, wird das bei uns in der Stadt einmal im Monat von der Stadt in einem Sammelgrab auf dem Hauptfriedhof gemacht.

  4. Ich kann mich erinnern vor vielen Jahren mal eine Beerdigung von einem Säugling miterlebt zu haben.Ich musste als Jungspund immer wenn ich meine Patentante besuchte auch das Grab meiner Geschwister aufsuchen und nachschauen ob es noch gepflegt genug war und in der nähe dieses Grabes war ein frisches kleines Grab ausgehoben,der Totengräber kam mit seiner Schubkarre angeschoben auf der ein winzig kleiner weißer Sarg stand,ihm folgten ein Mann und eine Frau die kaum mit ihm Schritt halten konnten.Am Grab angekommen nahm der Totengräber den Sarg und versenkte ihn im Grab,dann nahm er die Schaufel und grub es zu,ein Paar mal damit draufgehauen auf den kleinen Erdhügel,Schaufel und Karre geschnappt und weg war er,die Eltern hat er die ganze Zeit ignoriert.Damals fand ich das Verhalten Normal,heutzutage würde ich ihm vermutlich die Leviten lesen

  5. Vor gut zwei Jahren ist mein Enkelkind sechs Wochen zu früh, und aufgrund von üblen Umständen tot geboren worden. Die Notärztin hat den Kleinen reanimiert, und aufgrund der medizinischen Möglchkeiten war diese Reanimierung „erfolgreich“- der Junge hing an der Beatmungsmaschine, an diversen Monitoren und an einer Infusion mit einem Glukosetropf. Die Maschinen abzustellen war nicht möglich, weil seine Mutter nach der Geburt mit einem Multiorganversagen im Koma lag- und niemand ihr die Möglichkeit der Abschiednahme vorenthalten wollte, falls sie wieder wach würde. Die Aussichten waren von Beginn an schlecht, da aufgrund der Vorschädigung nur Stammhirnreflexe nachweisbar waren, aber keine höheren Hirnfunktionen. Nachdem die Mutter wieder aus dem Koma erwacht war, musste sie lernen, was der Vater und der Rest der Familie schon länger wussten und verarbeiten konnten: Dass nämlich dieses Kind zwar zu atmen und zu leben schien, aber eben nur schien.
    Sie hat einige Tage gebraucht, um auch ihre Einwilligung geben zu können, damit die Geräte abgeschaltet werden konnten. Insgesamt war diese Zeit wirklich grauenhaft, und ich möchte so etwas nie wieder erleben. Eigentlich hat man nur darauf gewartet, dass der Kleine sterben kann, und auch Taufe und jeder Besuch im Krankenhaus galten nur einem toten Baby.
    Der Bestatter, der dann schlussendlich den Kleinen beigesetzt hat, war so fantastisch kreativ und zugewandt (mit sehr viel Verständnis für die Tatsache, dass die junge Familie extrem knapp bei Kasse war), dass er sozusagen als „Familienbestatter“ auch die Beerdigung meines Vaters vor vier Wochen übernehmen konnte. Der Gang zu ihm und die Auswahl dieses speziellen Instituts waren auch die Folge vom jahrelangen Lesen des Bestatterweblogs. Gerade in solchen vollkommen losgelösten Zeiten ist die richtige Wahl eines Bestatters das einzige, was die seelische Gesundheit noch oberhalb der Grasnarbe hielt. Vielen Dank dafür. Und mein tiefempfundenes Mitgefühl für dich, Stefanie.

  6. Ich wünsche euch wirklich, dass es doch noch klappt und kann mir nicht ausmalen, wie das für mich wäre. Mein kleines zu verlieren… Das allerbeste für eure Zukunft und hoffentlich die Stärke, damit klarzukommen.

  7. Vielen Dank für den Artikel.
    Ich war selbst vor einigen Jahren in dieser Situation. Ich habe innerhalb eines Jahres 2 Kinder verloren. Einmal in der 5. einmal in der 12. Woche. Das man die kleinen Föten beerdigen könnte hätte ich nie gedacht. Für mich war diese Situation so unwirklich dadurch. An einem Tag war mein Baby da am nächsten nicht mehr und all seine und unsere Zukunft war ebenfalls einfach verschwunden.
    Aber heute, im Abstand mehrerer Jahre, bin ich froh darüber dass es kein Grab gibt.

  8. Ich bin mir sicher das man als nicht Betroffener dazu den Mund halten sollte, aber wider besseren Wissens schreibe ich nun diese Zeilen.
    Also wer unsanfte und schroffen Worten nicht offen gegenüber steht, einfach nicht weiter lesen, das sind nur meine Gedanken als Außenstehender ignoranter Idiot (oder als was ihr solch jemanden bezeichnen wollt)

    Ich kann dieses ganze Sternenkinder und Regenbogenbrücken geschwurbel nicht ab. Es ist nicht böse gemeint, den Verlust und Schmerz kann ich erahnen, aber dieses drumherum verstehe ich nicht. Das ist die Natur, leben entsteht aus dem nichts… irgendwie wird einem Geschöpf der Lebensfunke eingehaucht/weitergegeben, andere sterben und der Funke erlischt. Ich bin natürlich auch traurig wenn jemand stirbt, denke viel an diejenigen die ich kannte, aber mir liegt es fern damit mein Leben zu füllen und mich über Jahre/Jahrzehnte damit zu konfrontieren… im Moment als nicht Betroffener sage ich mir, (sollte sowas geschehen): das es einfach nicht hat sollen sein, das etwas nicht stimmte, die Natur beschloss das etwas nicht in Ordnung ist, und der Geist der sonst woher gekommen ist, sonst wo hin geht, bezeichnet es meinetwegen als Gott und Himmel. Aber so spielt das Leben und unser Schicksal eben mit uns. Heute viel weniger als früher, viele Kleinigkeiten stellen heute ja keine ernsten Probleme mehr dar, darum sollten wir froh sein. Aber wir sind eben nicht allmächtig, daran sollten wir auch weiterhin denken. Und ich halte nichts davon mich der Trauer komplett auszuliefern… Ich weine für mich, mit mir nahe stehenden, ich Hader mit dem Schicksal/Gott/meinem Leben… (bezeichnet es wie es euch gefällt, hab nur eine diffuse Vorstellung für mich).
    Aber sich, die Familie, mit einem Grab, einem Namen, einem gerahmten Bild im Wohnzimmer, auf Jahre/Jahrzehnte zu belasten, das verstehe ich nicht. Die Natur hat die menschliche Erinnerung nicht umsonst so geschaffen das wir uns viel besser an die schönen Dinge erinnern. Aber da finde ich auch die Selbsthilfegruppen kontraproduktiv die das alles fördern. Ich trauer auch nicht mein Leben lang mit Bildern, Trauerstätten und Zeremonien weil mich das Schicksal mit braunen Haaren, einem Bauch und solchen Eltern gestraft hat. So spielt das Leben, entweder man spielt mit, oder man gibt auf. Und manchmal bedeutet mitspielen halt der Realität in die Augen zu schauen und festzustellen das WIR weder leben erschaffen, noch wider der Natur am Leben halten können (mal von primitiven Körperfunktionen abgesehen).
    Und jetzt kriech ich zurück in mein Loch und halte den Mund und wünsche euch trotz meiner harschen Worte alles Gute für die Zukunft und das ihr an dieser mit härtesten Prüfung nicht zerbrecht, wenn ihr das schafft, dann ist der Weg den ihr gewählt habt,und das Gerede von Idioten wie mir, auch irgendwie egal…

  9. Schön, Stefanie, dass Du uns hier an diesem verletzlichsten Augenblick Deines Lebens teilhaben lässt. Das gleiche gilt natürlich auch für alle Kommentatoren, die sich hier öffnen.

    Uns ist das erste Kind auch in der 12. Schwangerschaftswoche gestorben und das ausgerechnet an einem Ostermontag. Ich bin ein wirklich gläubiger Mensch, ebenso meine Frau.
    Unser Kind wurde im Krankenhaus per Eingriff auf die Welt gebracht. Ich musste meiner Frau dazu zur Einleitung ein Scheidenzäpfchen einführen und fühlte mich dabei wie der Henker meines Kindes, obgleich es doch schon längst tot war. Das bißchen Holz des Sarges erwarb ich im Vorfeld bei einem lokalen Holzhändler. Ein Freund von uns bastelte mit viel Geschick den kleinen Sarg. Von der Mutter gab es symbolisch zum Schutz auf den Weg eine kleine geschnitzte Madonnenfigur mit. Von mir gab es den St. Josef mit. Mit einer kleinen Zeremonie habe ich unser Kind bestattet. Ich ging damals tief in die Trauer, kam dadurch aber auch wieder gut hinaus. Meine Frau hat sich der Trauer um unser erstes Kind noch nie gestellt. Das ist bis heute ihr wunder Punkt.
    Inzwischen ist unser zweites Kind drei Jahre alt. Während seiner Schwangerschaft schwang die Angst einer erneuten Fehlgeburt immer mit, was sich Gott sei Dank nicht bewahrheitete.

    Nun bin ich ja selber Bestatter und hatte mit dem Thema Kindsbestattung zuvor keine Probleme. Ist man aber selbst betroffen, so bekommt man ein anderes Gefühl dazu.

    @Werter Irgendwer: Ich wünsche Dir niemals in die Situation zu kommen, wie wir anderen hier. Sollte es doch einmal der Fall sein, so garantiere ich Dir, wird Deine Sicht auf diese Dinge eine ganz andere sein. Wenn Du nun schon Deine Meinung hier vom Stapel lässt, solltest Du dann nicht auch den Mut haben, zu sagen, wer Du bist?!
    Und nein, ich widerspreche Deiner Meinungsäußerung gänzlich mit aller gebotenen Schärfe!

    • @Der Boandlkramer: Viel Glück und alles Gute, nach diesem schlimmen Erlebnis! Und auch allen Anderen, die so einen Schicksalsschlag hinnehmen müssen, wünsche ich viel Kraft!!

    • Wer ich bin? Was spielt das in dem Zusammenhang für eine Rolle, was möchtest du hören? Einen Namen, Anschrift, Lebenslauf? :) Spass beiseite, ich schreibe selten und nutze dazu halt das Synonym „Irgendwer“… da ich noch nicht gesehen habe das dies auch jemand anders tut, habe ich eine Registrierung bisher für nicht Nötig erachtet.
      Aber nun BTT… Ich weiß nicht was du meinst zwischen den Zeilen gelesen zu haben… Also es sollte klar sein das man sowas niemanden wünscht, und das tue auch ich nicht. Des Weiteren habe ich schon selbst angemerkt das man als Aussenstehender sicherlich anders denkt bzw. sich besser nicht dazu äussern sollte (dünnes Eis und man tritt leicht jemanden zu nahe). Mag sein das meine Ansicht sich dann ändert wenn ich selbst betroffen bin… habe ja auch nur geschrieben das ich dieses „Sternenkinder“ und „Regenbogenbrücken“ Zeugs und was dazu gehört nicht leiden mag (finde es in der Tat eher kontraproduktiv)… und das ich mich nicht gerne mit schlimmen Ereignissen drangsaliere, schon gar nicht über Jahre… ich achte immer drauf bewusst nach vorne zu blicken. Aber ich vage nicht zu widersprechen das ich in der Situation selber mich jahrelang in meiner Trauer suhle und Sternenkinder+Regenbogenbrücken Prophet werde ;) das wird sich eben erst dann zeigen… im Moment mag ich es weder, noch verstehe ich es. Aber jeder muss seinen weg finden… der eine mag sich gerne trösten lassen, der andere will alleine sein… der eine baut sich seinen Schrein, der andere entsorgt bald alles Belastende… die einen gehen zum trauern auf den Friedhof, der andere trauert wo es ihm passt… manche müssen zum glauben in die Kirche, andere glauben einfach so… so verschieden sind halt die Menschen.
      Und meine vielleicht provokante Meinung schreibe ich ja auch nur weil ich die Konfrontation mit anderen Ansichten mag… jeder muss seinen eigenen Weg finden. Und letztlich ist jeder Weg der einen nicht zerbrechen lässt der richtige. Frage mich aber grad wo du mir da widersprichst… du selbst hast nicht geschrieben das du dich mit Erinnerungen umgibst, in Selbsthilfegruppen das immer wieder umwälzt… Ich habe nichts davon gesagt das man nicht trauern soll… ich trauer auch auf meine Weise, ich glaube auch durchaus an Gott, auf eine sehr puristische Weise vielleicht (ich habe dabei eher wenig Berührungspunkte mit der Kirche)… Aber vielleicht macht grad dieser Glaube es mir leicht etwas hinzunehmen und nach vorne zu blicken. Deine Art der Bewältigung kann ich nachvollziehen, du hast für dich damit abgeschlossen und deinen Frieden scheinbar wiedergefunden, deine Frau kann ich auch verstehen… verdrängen ist auch eine Möglichkeit, mache ich auch immer wieder mal (meist nur auf Zeit, bis ich den Abstand und die Kraft habe ein Problem zu bewältigen), auch wenn ich es nicht empfehlen kann. Aber sich mit gerahmten Ultraschallbild, Grab, Einträgen im Familienstammbuch, anderen Betroffenen auf längere Zeit zu belasten, das ist für mich eben was Anderes…

    • @Der Boandlkramer:

      Hallo,

      ich muss jetzt antworten: Heutzutage bekommen einige Frauen dank empfindlichen Frühtests, Ultraschalluntersuchungen in der 4. SWS usw. sehr früh von den Schwangerschaften mit. Nur kann ich es nicht verstehen, wenn ein Abgang im ersten Trimester erfolgt, von Regenbogenkindern, Sternenkindern oder Schmetterlingskindern zu sprechen. Ja, Fehlgeburten sind belastend, aber Abgänge in den ersten 12 Wochen ewig über Jahre zu betrauern, kann nicht gesund sein. Einen Sarg für einen Embryo, welcher die Größe eines Gummibärchens hat? Einen Eintrag ins Geburtenregister? Ich kann das nur nachvollziehen, wenn die Schwangerschaft weiter fortgeschritten ist, wenn die Zeit reif ist Pläne zu schmieden, wenn die Zeit reif ist Babysachen zu kaufen, aber doch nicht in der Frühst- und Frühschwangerschaft.
      Ich hatte eine Fehlgeburt in der 14. Woche, ja, traurig, aber es ist passiert. So weit ich weiß, wurde der Fötus zusammen mit anderen Fehlgeburten vom Krankenhaus in einer Sammelbestattung beigesetzt. Natürlich war ich traurig, aber ich brauchte keine Regenbögen und Schmetterlinge und Sterne, um mich einfach zu verabschieden. Im Gegenteil, ich habe es akzeptiert und nach vorne geschaut.

      LG
      Carmen

      • @Carmen: Werte Carmen und Irgendwer, da gebe ich Euch ganz klar insofern Recht, dass es generell ungesund ist ewig zu trauern. Eine solche Trauersituation ist unnormal. Aber darum trauern in der ersten frischen Situation, wenn man sich schon so auf das Kind gefreut hat, sich Namen ausgedacht und diskutiert hat, erste Einkäufe dafür tätigte etc., das ist schon wichtig. Natürlich sollte man nicht in der Trauer feststecken.

        @Josef: Danke für Dein Mitgefühl.

  10. Mir geht es wie Carmen: Ich verstehe diese starke, zelebrierte Trauer nur zum Teil, wenn es um Abgänge in den ersten Wochen der Schwangerschaft geht. Und bei mir ist es nicht nur eine „Außenmeinung“: Ich habe selbst zwei Schwangerschaften nicht glücklich zu Ende gebracht, beide Male war sie schon sehr früh wieder zu Ende, einmal hätte es mich selbst fast das Leben gekostet. Dass sich diese Kinder nicht entwickeln und nicht auf die Welt kommen konnten, ist wahnsinnig traurig, keine Frage. Auch diese kurzen Schwangerschaften sind nicht unbedeutend. Aber eine Eintragung ins Geburtenregister und ein Grabstein, das befremdet mich bei einer so frühen Schwangerschaft schon ein wenig. Naja: Jeder geht anders mit Verlusten und Trauer um und es ist sicher gut, dass heute auch der Tod von ungeborenen Kindern ernst genommen wird und als Trauerfall behandelt werden kann. Ob man sich bei einer so intensiven Trauer mit all dem äußerlichen Pipapo allerdings einen Gefallen tut, bezweifle ich. Für mich wäre es nichts. Ich habe für die beiden Kinder, die so kurz bei mir zu Besuch waren, eine Blume gepflanzt, und schnell wieder nach vorne geschaut.

    • Liebe Birgit,
      ich sehe das wie du. Aber ob ich es vielleicht anders fühlen würde wenn ich nicht 2 gesunde Kinder hätte, weiß ich nicht. Da fällt das nach vorne schauen etwas leichter. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich in der Schwangerschaft nach den Fehlgeburten jeden Gynäkologen und Gyn-Ambulanz 9 Monate lang in den Wahnsinn getrieben habe.

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