Wichtig

Wenn ich Dein Weblog so lese, dann scheint es, als sei der Bestatter die wichtigste Person bei der Organisation eines Sterbefalls. Ich bin Prädikantin und mein Pfarrer sagt, das sei Quatsch, der Pfarrer sei die wichtigste Person.

Ich bin immer froh, wenn das so ist. Auch wenn wir heute in einer sehr kirchenfernen Welt leben, so glauben doch die meisten Menschen an Gott, in irgendeiner Form, auf ihre oft sehr eigene Weise. Da kann die Unterstützung und der Zuspruch eines Geistlichen eine ganz wichtige und wertvolle Hilfe bei der Bewältigung der Trauer darstellen.

Damit das funktionieren und in Gang kommen kann, ist aber auf jeden Fall die Bereitschaft auf beiden Seiten notwendig, sich aufeinander einzulassen.

Leider habe ich immer wieder die Erfahrung machen müssen, daß entweder die angebotene Hilfe des Pfarrers abgelehnt wurde oder aber dieser keine Lust oder keine Zeit hatte, sich ausführlich um die Familie zu kümmern.

Wenn der Pfarrer sich entsprechend einbringt, kann er leicht der „Herr des Verfahrens“ oder volkstümlicher ausgedrückt „der Chef im Ring“ werden. Er bestimmt nicht nur den Zeitpunkt der Trauerfeier, sondern auch den Ablauf und die Gestaltung.
So gesehen, kann ein engagierter Priester tatsächlich zur wichtigsten Figur im Geschehen werden. Dagegen ist aus meiner Sicht auch überhaupt nichts einzuwenden, nein, ich würde sogar sagen, daß das wünschenswert ist.

Leider sieht die Realität aber in den weitaus meisten Fällen anders aus. Ganz gleich aus welchen Gründen, der Bestatter ist heutzutage derjenige, der die einzigen seelsorgerischen Gespräche mit der Familie führen kann. Entweder haben die Familien keinerlei Bezug zur Kirche oder diese kann, auch wieder aus welchen Gründen auch immer, diesen Dienst nicht leisten.

Letztlich ist der Bestatter aber nur der Eventmanager des Todes und der Trauer. Die Arbeit leisten viele Beteiligte, vom Gärtner über den Friedhofsverwalter bis hin zum Totengräber und den Sargträgern. Diese bis zu 20 beteiligten Personen und Zulieferer zu koordinieren, ist letztlich die Aufgabe des Bestatters. Dadurch wird er zur zentralen Figur, die den organisatorischen Ablauf bestimmt.

Es besteht dabei aber keine Konkurrenz zwischen den Beteiligten, man muß nur miteinander reden.

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  • Veröffentlicht am: 25. Mai 2008
  • 15 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

15 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Ich habe schon Geistliche erlebt, die sich persönlich zu den Verstorbenen äußern konnten- weil sie sie kannten. Und ich habe die Gattung erlebt, die (*obwohl* sie die Verstorbenen kannten) beharrlich den Namen falsch ausgesprochen haben, die Liturgie irgendwie halbbeteiligt runtergebetet haben (und diesen Ausdruck gibts bestimmt nicht von ungefähr) und insgesamt den Eindruck von Unaufmerksamkeit und Dienst nach Vorschrift vermittelt haben. Die letzte Sorte bleibt auf jeden Fall im Gedächtnis.
    Schade um den Einsatz der anderen Art.

  2. In meinem Leben gibt es keine Götter oder sonst irgendwelche lustigen Männer mit weißen Rauschebärten, folglich auch keinen Priester auf meiner Beerdigung. Was dann wohl den Bestatter sehr wohl zur wichtigsten Person macht.

  3. Es ist genau die geschilderte Haltung, die an der Kompetenz des äußernden Pfarrers deutlich zweifeln lässt. Dass die „Präkantin“ (was auch immer das ist) das unreflektiert in die Welt weiterträgt, ist auch nicht unbedingt ein Kompetenzindikator.

  4. Hier fallen mir gleich zwei Dinge auf:

    1) Tom legt den Schluss nahe, dass dieser Pfarrer das eventuell so sieht, weil er vielleicht eben sehr engagiert ist und es dementsprechend dessen Erfahrungen widerspiegelt.
    Warum man deswegen an der Kompetenz des Pfarrers zweifeln muss, ist mir nicht ganz klar.

    2) Die „Präkantin“ ist eine „Prädikantin“. Und dass Ihre Kompetenz angezweifelt wird, weil sie einfach nur eine Frage an Tom richtet, finde ich bemerkenswert.

    Wer bist eigentlich Du, dass Du die Fragestellerin kritisierst?

  5. @e9325827 Sie müssen einen anderen Text als ich gelesen haben. Ich erkenne in dem Beitrag keinen Vorwurf des Kompetenzmagels, sondern lediglich eine Sachverhaltsdarstellung aus anderer, keineswegs herabwürdigender Sichtweise.

    Wer bringt denn mehr Leute unter die Erde? Der konfessionsgebundene Pfarrer, der sich nur um seine Schäfchen kümmert, oder ein Bestatter, der alle Sorten unter die Erde bringt? Ich denke in Sachen Bestattung ergibt sich da ein deutliches Kompetenzgefälle zugunsten des Bestatters.

    Vielleicht haben Sie aber generell ein Problem damit, dass es anderer Sichtweisen als die der Funktionäre einer Kirche gibt? Lassen Sie sich in diesem Fall gesagt sein, dass schon recht viele Leute die Ansichten von Hilfspredigern, ‚zeihung Prädikanten, Popen, Prälaten und Päbsten nicht unbedingt teilen mögen.

  6. @Neuling: e93258 hat sich leider nicht „@Ausgetretene“ gewandt, aber eindeutig sie gemeint.

  7. @Neuling Nun, der Prädikantin wurde „unreflektiertes in die Welt hinaustragen“ unterstellt. Und das geht schon um einiges über die „Sachverhaltsdarstellung“ vorbei oder hinaus. Zahlenmässig bringt sicher der Bestatter mehr Leute unter die Erde, was in der Natur seines Berufes liegt, aber daraus auf ein „Kompetenzgefälle“ zu schließen, da scheint mir doch der polemische Gaul etwas durchzugehen. Beide haben unterschiedliche Funktionen bei einer Bestattung, und für alle Beteiligten ist es am Besten, wenn jeder seine Kompetenz optimal einbringen kann. Und wenn es um die Verschiedenheit der Toten geht, da wird sich das nicht viel nehmen, weil ein Pfarrer eben die Verschiedenheit des Menschseins, also das ganze Spektrum vorfindet.

  8. „Organisation eines Sterbefalls“ – *grübel* kann man einen Sterbefall überhaupt „organisieren“ ?? – *Schublade auf, Lehrer wieder rein, Schublade zu*.

    Der Pfarrer ist immer dann eine wichtige Person für die Angehörigen eines/einer Verstorbenen, falls er auch zu dessen/deren Lebzeiten schon ein Ansprechpartner war. Dann wird diese Familie sicher zuerst ihn anrufen, um Rat fragen, vielleicht noch vor dem Arzt. Ein verantwortungsvoller Pfarrer wird auch „organisieren“, wird aber ansonsten seelischer Beistand sein, kann jedoch unmöglich den Bestatter ersetzen. Das sind doch zunächst zwei ganz verschiedenen Aufgabengebiete, die sich erst dann überschneiden, wenn der Pfarrer aus irgendeinem Grund nicht „im Boot“ ist. Dann ist es schön, wenn der Bestatter ein Mensch ist, der auch Seelsorge leisten kann und nicht nur Geschäftsmann und „Eventmanager“ ist.

    Ich erinnere mich, hier im Blog von einer guten Zusammenarbeit zwischen Bestatter und Pfarrer gelesen zu haben. Das Problem der Schreiberin kann ich nicht sehen. Die Frage nach der Beteiligung des Pfarrers wird der Bestatter ganz bestimmt stellen, das habe ich selber so erlebt. Und er wird auch, falls das noch nicht geschehen ist, einen Gesprächstermin für die Angehörigen organisieren.

    Über den Grad der „Wichtigkeit“ des Pfarrers bei der „Organisation des Sterbefalls“ entscheiden letztendlich immer die Angehörigen und das hoffentlich im Sinne des/der Verstorbenen.

  9. Weil ich vermutlich nicht der einzige bin, der es nicht wußte:

    „Der evangelische Prädikant (lat. praedicare = predigen) wird auch als Hilfsprediger, Predigthelfer und Ältestenprediger bezeichnet. Prädikanten sind Absolventen einer spezielleren theologischen Unterrichtung. Sie fertigen eigene Predigten selbstständig an und dürfen innerhalb der evangelisch-landeskirchlichen Gemeinden frei verkündigen. Ihr Dienst ist prinzipiell ehrenamtlicher Natur.“ (Aus Wikipedia: Prädikant)

  10. Es kommt darauf an, ob der Pfarrer den Verstorbenen kannte, oder ob er nur Fördermitglied war, dessen Mitgliedsbeitrag monatlich vom Gehalt weggepfändet wird. Dann kann er ihn nicht kennen. Damit wird die Trauerfeier zur Dienstleistung, die dem ehemaligen Mitglied zusteht. Die Mitgliedschaft ist nötig, dass er die Mindestvoraussetzungen erfüllt um überhaupt in den Himmel kommen zu können. So ist es für mich durchaus verständlich, dass er die Beerdigung herunterleiert.
    Vielleicht ist aber die Witwe eine fleissige Kirchgängerin, und der Pfarrer macht das für sie und ihre Kinder netter.

  11. ich muss sagen, auf allen Begräbnissen, auf denen ich war und die von einem Pfarrer geleitet wurden, wurde alles wunderschön gemacht, auch wenn die verstorbenen den PFarrern nicht gut bekannt waren. Dei Pfarrer haben sich mit den Angehörigen zsuammengesetzt, sich die Lebensgeschichte angehört und selbst bei einer Selbstmörderin hat der (katholische) Pfarrer eine wunderschöne Rede gehalten… Ich denke nicht dass man das verallgemeinern kann…

  12. Nun, sagen wirs mal so:
    Bei der Beerdigung mein Oma war ich kurz davor, dass ich den Pfarrer während (!) der Beerdigung auf die Seite ziehe und ein paar Takte rede – nur meine Frau hat mich da noch zurückgehalten.

    Ich mag gar nicht alle Fauxpas aufführen, welche er sich geleistet hat, das ist nicht gut für meinen Blutdruck…

    Meine Eltern habens zum Glück gar nicht so mitbekommen, die waren zu fertig…

    Aber wenn ich mir vorstelle, dass so einer als Seelsorger bezeichnet wird, dann kommt mir das kalte Grausen…

  13. Hallo…
    ————-

    Ich bin Pfarrer und lese hier seit ein paar Wochen zunehmend begeistert mit… Und nun habe ich das Gefühl, doch mal was sagen zu müssen: Wer bei der Beerdigung die Nummer eins ist und „das Sagen“ hat, ist doch eine völlig überflüssige Frage.

    Bestatter, Friedhofsmitarbeiter, Organist und Pfarrer sind bei der Trauerfeier und allem, was damit zusammen hängt, ein Team. Sie müssen zusammenarbeiten, damit es gut geht, und wenn es nicht gut geht, kann einer dem anderen zur Seite stehen und ein bisschen helfen, dann kann man oft kleine Pannen überspielen, ohne das es jemand merkt. „Service-Mentalität“ ist zwar im Zusammenhang mit Trauerfeiern ein ungewöhnliches Stichwort, aber weder Seelsorge noch ein Geschäft wie das eines Bestatters funktioniert ohne ein gewisses Gefühl für Würde und Stil und ohne die Liebe zu den Menschen, mit denen man zu tun hat. (Beides finde ich hier auf der Webseite in sehr angenehmer Weise verwirklicht.)

    Wenn aber einer der Mitwirkenden sich als großen Zampano sieht und dazu noch die falsche Einstellung hat, dann gehts eben wirklich schief, und das fällt dann auf alle zurück.

    Ich bin seit achtzehn Jahren jede Woche mehrmals auf dem Friedhof und habe schon schlimme Sachen erlebt…
    – Friedhofsarbeiter, die aus Geiz nicht einmal die Kerzen in der Kirche anzünden wollten
    – Bestatter, die die Urne mit der Schubkarre in die Kirche gefahren haben, vor versammelter Familie
    – Organisten, die mitten in der Feier laut mit dem Handy telefoniert haben
    – und leider auch ein Pfarrer, der sich vor der Trauerfeier erstmal die Taxirechnung vom Vater eines verstorbenen Mädchens bezahlen liess und sagte: „Ich sag kein Wort in der Kirche, solange das nicht erledigt ist…“

  14. @Neuling:
    Sorry, mein Fehler. Wie Schwetzer und Noga dankenswerter Weise richtig gestellt haben, habe ich mich an „Ausgetretene“ gewandt und leider die entsprechende Bemerkung vergessen.

  15. Die meisten Priester sind selbstgefällig, arrogant und haben vom wirklichen Leben keine Ahnung!
    Ich habe fünfundzwanzig Jahre mit diesen Leuten zu tun gehabt, wirklich sympathische sind die große Ausnahme!
    Lg Josef

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