Wie würdest Du es machen, wenn Dein Partner stirbt?

sperrmuell

Gestern habe ich die seit langem geplante Serie „Lodernde Flammen“ online gestellt.
Aufgrund der Tatsache, daß mittlerweile die Hälfte der Bestatterweblog-Leserinnen und -leser mit dem Smartphone surft, habe ich die Geschichte in 12 kleine Happen aufgeteilt.

In der Geschichte ging es darum, wie unterschiedlich Menschen mit dem Andenken an ihren verstorbenen Partner umgehen.
Ich kann sie alle verstehen.

Wie stehst Du dazu?

Ich verstehe diejenigen, die sagen, daß alles was sie an den Partner und den schmerzlichen Verlust erinnert, weg muß. Am besten alles verschenken, verkaufen, wegwerfen oder zumindest auf den Dachboden packen.
Natürlich verstehe ich aber auch die, die nicht loslassen wollen. Jetzt ist schon der geliebte Mensch weg, da will man doch wenigstens das was an ihn erinnert in Fülle um sich haben.
Ja, und ich verstehe auch ein bißchen die Frau, die von der Fülle der Erinnerungsstücke erschlagen wurde und ohne den Partner nicht mehr leben wollte.

Ich kann Euch sagen, wie ich es machen würde:
Tja, ich würde ausmisten. Ganz viele Sachen, vermutlich vor allem Kleider, Kosmetik und so Frauenzeugs würde ich wegtun. Bilder, Bücher, Erinnerungsstücke und solche Dinge würde ich wahrscheinlich behalten.

Aber was ist mit Dir?

Wie würdest Du das machen? Schreib mir das doch mal in die Kommentare.
Was würdest Du machen, wenn Dein Partner stirbt? Wenn Du keinen Partner hast, nimm bitte einmal an, Du hättest einen.

Und was soll mal mit Deinen Sachen geschehen?

Ich habe immer wieder ein Problem mit dieser Vorstellung:

Das was eben noch ein liebgewordenes Erinnerungsstück war, das was eben noch funktionierende und teuer angeschaffte Wohnungseinrichtung war, das was Menschen eben noch liebten, brauchten und gebrauchten; alles das wird mit einem Schlag zu Sperrmüll.

Ist das der richtige Weg?

Oder sollten die ganz persönlichen Erinnerungsstücke lieber einer Art „Sachen-Krematorium“ zugeführt werden?

Was sind Deine Ideen dazu?

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Peter Wilhelm2. März 2017

31 Kommentare von 138938.

  1. Bin ich der Einzige, der die Geschichte nicht lesen kann, weil er immer wieder auf der Homepage landet? Weder die Links noch direkt eigegebens (eratene) URL funktionieren.

    Firefox unter Linux

  2. Was würde ich machen? Genau diese Frage geistert mir seit „lodernde Flammen“ durch den Kopf.
    Erst einmal müsste ich mich bald aufraffen, weitermachen. Dann würde ich bei den persönlichen Gegenständen wohl lange mit mir hadern (was muss bleiben, was kann getrost weg). Einen Teil der Kleidung würde ich entsorgen, die Zeitschriften auch, das Hobbymaterial würde ich aufteilen in „muss definitiv bleiben“ und „kann getrost weg“. Fotos, ganz persönliche Dinge… das käm zum Großteil in eine große Kiste und diese würde beschriftet irgendwo sicher verstaut werden.

    Nein, ich würde mich nicht komplett von allem trennen. Für mich wäre dieses „verbannen“ der falsche Weg, denn wegschieben bedeutet nur das es mich irgendwann mit einem Schlag wieder einholt. Grad in meiner Situation, ich müsste Rede und Antwort stehen unserem Nachwuchs gegenüber.

    Ich würde mich nicht in der Trauer auflösen und dann einen endgültigen Schritt gehen… Denn ich habe die Verantwortung weiter zu tragen für unseren Nachwuchs.

    Ein Gedenkzimmer käme für mich auch nicht in Frage… Aber eine Wand oder in jedem Zimmer etwas, das wäre okay für mich.

    Jeder macht es so wie derjenige es für richtig erachtet. So wie es ihm/ ihr aktuell gut tut. Der eine klammert sich an eine Art Schrein, der nächste schiebt die Trauer und alles weit weg von sich. Der eine stürzt sich in neue Aufgaben, der andere gibt sich selbst auf. Ein „Falsch“ gibts meines Erachtens nur im Erleben eines Außenstehenden. Dieser Außenstehende mag es als „falsch“ sehen wie der Betroffene mit seiner Situation umgeht, doch ist es nicht zwangsläufig falsch.
    Eine themenverwandte Frage kam vor kurzem zwischen mir und einer Verwandten auf. Ihre Meinung: „Wie kann man nur das Kinderzimmer wie einen heiligen Schrein behandeln, es muss doch weitergehen, alle Erinnerung muss weg“ (sinngemäß). Meine Meinung: „Du bist nicht sie, du denkst/ fühlst/ handelst anders. Sie wird schon so handeln wie sie es für sich als richtig empfindet und sie braucht möglicherweise noch eine ungewisse Zeit um sich lösen zu können“

  3. Nun, was würde ich tun? Ich glaube ich würde „ausmisten“ ( Entschuldigt bitte die Wortwahl aber das teifft es wohl am ehesten) und ein oder zwei Gegestände mit persönlichem Bezug behalten. Sei es ein Schmuckstück, ein Bild oder irgendetwas in dieser Richtung….

  4. Persönlich würde ich wahrscheinlich so damit umgehen, wie es Andy beschreibt.
    Ich verstehe allerdings auch, wie jeder seinen eigenen Umgang mit der Trauer benötigt. Mein Schwiegervater hat nach dem Tod seiner Frau jahrelang garnichts im Haus verändert. An Weihnachten wollte er genau so dekorieren, wie sie es immer getan hatte. Er hat sich (und uns) verrückt gemacht, um auch das kleinste Detail korrekt zu haben. Als er dann versehentlich eine Dekoration zerbrach, die seine Frau vor 40 Jahre gebastelt hatte, ist er weinend zusammengebrochen.

  5. Hallo

    Also ich würde, genau wie Sie, den goldenen Mittelweg wählen.
    Ich würde seine Kleider zum Roten Kreuz o.ä geben, die persönlichen Dinge, wie Sammlungen oder so, behalten bzw. an Kinder, Verwandte und gute Freunde vererben…
    Bei meinen Sachen wäre es mir egal was damit passiert, ich krieg ja eh nix mehr mit ;) Die Familienerbstücke, wie z.b der Ring von Urgroßmutter wüsste ich allerdings gerne in den Händen meiner Tochter.
    Mein Mann ist manchmal bei Wohnungsräumungen dabei, und das ein oder andere landet dann auch mal bei uns-Möbel, Haushaltsgeräte, Sammlerstücke etc. Ich bin immer wieder auf’s neue erstaunt und sprachlos wie wenig der Verwandtschaft solch persönlicher Besitz eigentlich wert ist, und wie kalt manche Menschen sind. Es wird in den Häusern nach verstecktem Geld oder wertvollem Schmuck gesucht, Grossvaters Armeeabzeichen oder das Hochzeitsfoto kommt aber in den Müll-den alten Kram braucht do eh keiner mehr! Heutzutage sind die meisten Menschen einfach nur zu materialistisch und oberflächlich um genügend Ehrfurcht vor dem vom Verstorbenen einst geliebten persönlichen Dingen zu haben… also die meisten. Es gibt ja auch noch Menschen die Andenken an den/die Verstorbenen in ehren halten… Am schlimmsten finde ich die,die nicht mal durchs Haus gehen, die die vor der Wohnungstür laut verkünden: ‚Alles kommt weg, ist nichts wertvolles dabei, der Fernseher hat bestimmt schon 5 Jahre und sonst ist auch nix zu holen!!!‘ Traurig sowas!

    • @Gilson Tania:
      Respekt gegenüber dem Verstorbenen sollte nicht fehlen und wie Geier nur nach Wertvollem plündern, finde ich auch nicht hübsch. Objekte selber brauchen und verdienen in meinen Augen allerdings keine besonderes Ehrfurcht. Ich würde irgend ein altes Armeeabzeichen oder Hochzeitsfoto vom Opa jedenfalls auch wegwerfen, wenn ich persönlich nichts damit verbinde, egal wie wichtig es dem Verstorbenen war. Der Mann ist tot, ihn wirds nicht interessieren, ob die Objekte beim wem anderem verstauben oder nicht.

      • @Alec:
        Die Ehrfurcht meine ich auch nicht gegenüber dem Objekt, sondern der damit verbundenen Erinnerung, der Wichtigkeit, dem Andenken… Das Hochzeitsfoto von Omi und Opa gehört ja in den Familienschatz ;) Es sind deine Wurzeln-sowas gehört einfach nicht in den Müll, finde ich…Man muss natürlich auch keinen Schrein dafür errichten ;) oder es ins Wohnzimmer hängen, aber behalten würd ich’s schon…

  6. Ich bin jemand, der über so etwas immer mal wieder nachdenkt. Habe im Moment zwar keine Partnerin aber zwei Kinder.

    Oft verhält man sich ja, wenn der Fall eintritt, dann doch anders, als so wie man es vorher dachte.

    Ich glaube ich würde bei dem Tod eines Partners, bzw. Kindes, 1-2 Jahre ein Art von Gedenkraum oder -ecke haben. Ich bin jemand, der hängt dann den gemeinsamen Zeiten hinterher und lebt seine Trauer in Gedanken aus.
    Irgendwann ist es dann aber aus damit und ich denke, ich hab dann irgendwo einen Ordner, Kiste öde ähnliches wo noch Erinnerungsstücke drin sind und die man bei Bedarf sich wehmütig anschauen kann. Aber das Leben ist dann viel zu schön, um ewig zu trauern.

  7. Ich würde es so ähnlich wie Peter Wilhelm und wie die Rockige machen.

    Kleidung und Kosmetik oder Dinge aus gemeinsamen Hobbys weggeben oder entsorgen. Schmuckstücke würde ich wohl zwei oder drei Exemplare behalten, die für mich eine besondere Verbindung zu meiner Partnerin haben (hatten). Ein wirtschaftlicher Wert spielt dabei keine große Rolle.
    Bei den Fotos würde ich, in meinen Augen, die schönsten behalten. Briefe wahrscheinlich alle. Ich würde alles in einen schönen Karton geben, um es ab und an zu betrachten und in Erinnerungen zu schwelgen.
    Im Haus selbst würde ich kaum etwas ändern, eventuell ein paar Kleinigkeiten. ;-)

    Ich würde versuchen nach vorn zu schauen und weiter am allgemeinen Leben teilnehmen.
    Für schlimme Stunden oder Tage bei Trübsal, wären Kinder und gute Freunde da.

    Vorstellen tue ich es mir so, ob es dann so werden würde wenn der Fall eintritt, (was man ja nie hofft) weiß ich nicht.

    Besonders gefallen mir aber der letzten beiden Absätze der Rockigen.
    Da bin ich der gleichen Meinung.
    Und es gibt eigentlich nichts hinzuzufügen.
    Es sind eben Menschen. Und Menschen sind so verschieden und eigen wie Blumen und Gräser auf einer großen Wiese. Hier zeigt sich dann wie tolerant und voreingenommen wir gegenüber unseren Mitmenschen sind.

  8. Ich sag nur: Weg ist weg. Ich würde alles entsorgen. Bis auf den letzten Krümel. Alles was mich dann noch erinnern könnte, wäre eine Belastung.

    Das klingt radikal, aber so habe ich das in meinem Leben immer gemacht.
    Ich habe z.b. schon verschiedene Hobbys gehabt. Wenn es mal mit einem zu Ende ging, weil das Interesse nachgelassen hat, dann habe ich alles was damit zu tun hatte konsequent entsorgt.

    Simplify your live!

  9. Wenn mal ein langjähriger Partner oder Partnerin von mir sterben würde, dann würde ich es vermutlich halten, wie bei meinen Ex-Beziehungen an die ich positive Erinnerungen behalten wollte. Von den meisten habe ich ein oder zwei Objekte, die ich auch im Alltag brauche. Sie haben ihren Nutzen, und gleichzeitig erinnern mich auch immer mal wieder auf eine schöne Weise an die Person, mit der ich den Gegenstand verbinde, auch wenn sich unsere Pfade nicht mehr kreuzen.

    Bei einer langjährigen intensiven Beziehung, die durch den Tod der anderen Person beedent wird, würde ich mich wohl auch von den meisten Dingen trennen, die für mich keinen grossen Nutzen haben (Kleidungsstücke die mir eh nicht passen oder stilistisch zusagen z.b.) aber nicht Sachen nur deshalb wegwerfen, weil sie mich erinnern könnten, obwohl ich sie gut brauchen kann.
    Und sicher würde ich darauf achten, dass mir bei aller Pragmatik ein, zwei Stücke bleiben, die ich zwischendurch in die Hand nehmen kann, um anfangs vielleicht darüber zu weinen und hoffentlich irgendwann mit einem leisen Lächeln an die Zeit mit diesem Menschen erinnert zu werden.

    • @Alec:
      >> Und sicher würde ich darauf achten, dass mir
      >> bei aller Pragmatik ein, zwei Stücke bleiben,
      >> die ich zwischendurch in die Hand nehmen kann,
      >> um anfangs vielleicht darüber zu weinen und
      >> hoffentlich irgendwann mit einem leisen Lächeln
      >> an die Zeit mit diesem Menschen erinnert zu werden.

      Puhh, ja genau so iseh ich das auch

  10. 1 Erinnerungstück behalten. Den Rest Spenden und Entsorgen.

  11. Ich habe kurz nach dem Tod meiner lieben alten Freundin Rosi einen Aufruf gesehen, angeklebt an eine Telefonzelle:“Wohnungsauflösung“, da stand dann drauf, was alles weg könnte.
    Ich war aus verständlichen Gründen weder in der Lage, in diese Wohnung noch einmal zu gehen, noch wollte ich etwas von den Gegenständen kaufen. Rosi hatte ich manchmal mit meiner Mutter verglichen, die das gleiche Alter gehabt hätte, wenn sie nicht mit 60 gestorben wäre.
    Ich hätte einst zu gern etwas gehabt aus dem Haushalt meiner lieben Großeltern, leider kam man da nicht heran, weil der Onkel – Bruder meiner Mutter – alles, aber auch alles bekam.Und wenn ich „etwas“ meinte,dann wären das keine Diamanten oder Ringe, Buch oder eine Vase, das wäre i.O.gewesen.
    Meine eigenen Gegenstände: Bücher,Bilder, da überlege ich noch genauer, was ich damit mache.Meine andere Freundin bekam schon die Erlaubnis, all meine Pflanzen übernehmen zu dürfen, mein Sohn ist ja „scharf“ auf einen Kaktus, den kann er bekommen.
    Möglicherweise würde ich so viel wie möglich aus meiner Wohnung raus haben wollen, evtl.meinem Sohn helfen, im Falle er eine eigene Wohnung hätte: irgendwelche Gegenstände benötigt doch jeder!
    Fotos: die behalte ich, alle.

  12. Partner habe ich außer durch Trennung noch nicht verloren, aber durch den Tod beide Eltern und das vor meinem 30. bzw. 40. Lebensjahr. Behalten habe ich: Fotos und persönliche Gegenstände, die ich selbst im Alltag nutze wie die Tabaksdose & das alte Klappmesser meines Vaters. Es sind durch die Nutzung keine toten Objekte, sondern sehr lebendige Erinnerungsstücke.

    Noch ein Zitat der Essayistin Joan Didion, leider liegt mir nur die englische Ausgabe ihres Buchs „Blue Nights“:

    „I continue opening boxes.
    I find more faded and cracked photographs than I want ever again to see.
    I find more engraved invitations to the weddings of people who are no longer married.
    I find many mass cards from the funerals of people whose faces I can no longer remember.
    In theory these mementos serve to bring back the moment.
    In fact they serve only to make clear how inadequately I appreciated the moment when it was here.
    […]“

    In theory these mementos serve to bring back the moment.

    In fact they serve only to make clear how inadequately I appreciated the moment when it was here.

  13. Puh… wie würde ich das halten… das ist eine sehr interessante Frage. Ich bin jemand, der selbst irgendwelche Busfahrscheine aufhebt, wenn ich weiß, dass die von Ausflügen mit geliebten Personen kommen. Keine Ahnung, ob ich im Stande wäre, irgendwas wegzugeben, wenn mein Mann stirbt.

    Zum Thema „Erinnerungsstücke“ kann ich aber auch noch eine andere Geschichte erzählen.
    Der Onkel meines Mannes ist Witwer. Seine Frau ist gestorben, kurz bevor ich meinen Mann kennen gelernt hatte. Zur Hochzeit habe ich eine Kette von seiner verstorbenen Frau bekommen. (Die wiederum deren verstorbener Mann für sie angefertigt hat, der war Juwelier.) Ich war von diesem Geschenk sehr bewegt.

  14. keine leichte Frage…
    die Einrichtung in unserem Haus würde ich behalten. allgemein gibt es für mich nur sehr wenige Dinge mit sentimentalem Wert, alles andere hat für mich nicht explizit etwas mit einer spezifischen Person zu tun.
    nicht benötigtes würde ich früher oder später ausmisten, allerdings mit dem Hintergrund es nicht zu brauchen und nicht wegen der Erinnerung.

    bei meinen Eltern gäbe es auch jeweils einen Gegenstand, den ich gerne hätte (die Kaffeetasse meiner Mutter und entweder ein spezieller Pulli meines Vaters oder sein Radiowecker – beides über 30 Jahre alt :D).

    beim darüber nachdenken ist mir allerdings aufgefallen, dass es mir bei meinen Kindern schwerer fallen würde. es gäbe mehr was ich behalten wollen würde, könnte es aber vermutlich erstmal nicht um mich haben – da würde ich wohl ebenfalls eine Schatzkiste füllen, die erstmal verstaut würde bis ich damit umgehen kann…

    was mit meinen Sachen passiert ist mir herzlich egal (geht mir übrigens auch mit meinen sterblichen Überresten so), brauchen werde ich davon schließlich nichts mehr.

  15. Sie trank gerne Bier, eine Flasche von ihr bleibt hier.

  16. Ich bin leider in der Position, daß die Realität vor ein paar Jahren die Gedanken dazu eingeholt haben. Ich mußte sehr viel ausmisten, da ich aus dem großen Haus aus- und in eine kleinere Wohnung einziehen mußte. Es war rückwirkend betrachtet für mich recht gut, daß ich aktiv werden mußte. Nicht, weil ich in jedem Stück meinen Mann gesehen habe, sondern weil es geholfen hat sich nicht völlig in der Trauer zu verlieren. Das meiste davon waren für mich Gegenstände, die ich ohne große Not hergeben konnte. Ich muß zugeben, daß mir das bei den Sachen meiner Großeltern, zwischen denen ich aufgewachsen bin, wesentlich schwerer fiel. In meiner neuen Wohnung hatte ich Anfangs auch noch ganz persönliche Dinge und Bilder stehen, aber je weniger die Trauer wurde desto mehr Sachen habe ich auch an andere Menschen weitergegeben. Das wenigste wurde einfach weggeworfen, das meiste ging als Spenden an die Caritas oder ähnliche Orgas. Als ich dann wieder einen Partner hatte, habe ich auch die restlichen Bilder in Kisten geräumt. Ich habe die Fotoalben zwar alle aufgehoben, da mein Sohn irgendwann mal sehen soll, wer sein Vater war. Aber ich persönlich fand es meinem neuen Partner gegenüber irgendwie unfair, überall meinen verstorbenen Mann sehen zu müssen.

  17. Ich bin ein sehr pragmatischer Mensch. Beim Partner kann ich das nur hypothetisch sagen, aber ich denke, ich würde die gemeinsame Wohnung belassen wie sie ist, Möbel etc. brauche ich ja weiterhin und z.B. Bilder an den Wänden die uns gemeinsam gefallen haben gefallen mir alleine ja auch noch. Aber alles was für mich nicht „nutzbar“ ist würde ich nach und nach entsorgen. Also Kleidung zum roten Kreuz, eventuelle Sachen eines nicht gemeinsamen Hobbys wegwerfen oder verschenken, Sachen aus dem Bad entsorgen, sowas halt. Eventuell Sachen, die mir zu sehr weh tun erstmal außer Sichtweite tun, aber nicht entsorgen.

    Bei meiner Oma und meinen Eltern war ich wohl das, was weiter oben als kalt, ehrfurchtlos und materialistisch bezeichnt wird. Kann ich gut mit leben.

    Bei meiner Oma ist jeder mal durch die Wohnung und hat sich ein, zwei Erinnerungsstücke genommen. Nicht materiell-wertvolles, bei mir war es z.B. ein Kinderstuhl, auf dem schon mein Onkel als Kleinkind gesessen hatte und 30 Jahre später dann auch ich, heute sitzt auf dem inzwischen 70 Jahre alten Stühlchen in einer Ecke meiner Wohnung ein dicker Teddy, der auch schon 50 Jahre alt ist. Danach hatten wir im Ortsblättchen eine Anzeige „Wohnungsauflösung am… von..bis“ und haben dann zugesehen, wie fremde Leute die Wohnung leergeräumt haben. War ein gutes Gefühl, weil so ja jedes Stück noch irgendeinen Sinn hatte.
    Bei meinen Eltern habe ich tatsächlich einige wenige Erinnerungsstücke behalten und auch die Verwandtschaft nochmal eingeladen, sich was auszusuchen. Teile von Wert (= Schmuck) habe ich mitgenommen und – böseböse – verkauft.
    Dann habe die Wohnung einem „Profi“ übergeben, der an einem Tag alles rausgeschmissen hat. Dabei zuzusehen tat sehr weh, aber was soll ich damit? Und vor allem – wohin damit? Ich hatte eh nur vier Tage Zeit, die Wohnung aufzulösen, die Hälfte davon ging rum mit dem Sortieren der Papiere. Kleidung hab ich selbst noch komplett ans rote Kreuz gegeben, der Rest ging vermutlich tatsächlich auf den Wertstoffhof. Auch z.B. Bilder von meinen Großeltern mütterlicherseits, die ich nie gekannt habe, wurden dabei tatsächlich entsorgt, das sind für mich fremde Menschen gewesen, da brauche ich keine Bilder. Nationalsozialistische Devotionalien zu verwahren ist mir gar nicht erst in den Sinn gekommen, dass mein Opa mal das eiserne Kreuz erhalten hat ist wahrhaftig kein Teil meiner Familiengeschichte auf den ich stolz bin, im Gegenteil.
    Geblieben sind mir insgesamt vier Umzugskisten mit Sachen, von denen ich mich nicht so recht trennen konnte. Die Kisten stehen seit anderthalb Jahren ungeöffnet auf dem Dachboden, so wichtig kann der Inhalt wohl nicht sein, ich weiß gar nicht so recht was drin ist. Dass ich die noch nicht entsorgt habe ist einzig Faulheit, auf dem Dachboden ist es so fein aus-den-Augen-aus-dem-Sinn.
    Einerseits fand ich es sehr traurig, wie wenig letzten Endes von 75 Lebens- und 43 Ehejahren übrig geblieben ist. Andererseits – die Menschen die mir was bedeutet haben, egal ob Freunde oder Familie, die habe ich in meinem Herzen, dafür brauche ich nichts in der Hand zu halten.

  18. Ich gehe zwar davon aus, dass meine Frau mich überlebt, aber im anderen Fall würde ich wahrscheinlich so daran gehen wie die meisten es hier beschreiben: Ein paar Erinnerungsstücke behalten, das meiste weggeben. Für Kleidung und Schuhe hätte ich ja eh keine Verwendung, und Schmuck trage ich auch nicht. Ein Museum käme nicht in Frage, aber alles radikal wegwerden auch nicht.
    Andersherum wird meine Frau ihre liebe Not haben, meine ganzen Bücher loszuwerden. Die digitalen Hinterlassenschaften sind ja schnell entsorgt… Allerdings habe ich einige alte Familienfotos (teils um die 100 Jahre alt), und betreibe Familienforschung. Das sollte schon noch jemand kriegen. Dabei fällt mir ein, dass ich einen Stammbaum mit Fotos machen wollte…

  19. Theorie und Praxis…
    Die meisten hier beschreiben ihr Vorgehen eigentlich so, wie man es „ohne Not“ und vor allem ohne Trauer sicher auch täte: ein paar Erinnerungsstücke behält man, „das Nutzlose“ entsorgt man, und woran andere noch etwas finden könnte, das gibt man weg. Ein harter Weg, insbesondere unter Zeitdruck, aber m.E. vernünftig, vernünftiger als ein „Schrein“ oder die „absolute Nihilierung“.

    So haben wir es bei meiner Oma damals getan, wobei ich mich mit dem Entsorgen schon immer schwer tat und immer versuchte, die Dinge weiterzugeben an solche, die es haben und gebrauchen möchten.
    Aber wer will schon gebrauchte Bettwäsche? Selbst die Sozialkaufhäuser winkten vielfach ab…
    Ein paar Bilder von ihr hängen jetzt hier und bei meiner Mutter an der Wand, und die „paar Erinnerungsstücke“ waren am Ende 5-6 Klappkisten voll, die meine Mutter erst nach einem halben Jahr wirklich „durcharbeiten“ konnte.

    Sollte ich meine Frau überleben, werde ich zumindest versuchen, es auch so zu handhaben. Kleidung, Kosmetika etc., nicht von Wert, sowas kann einfach weg. Schmuck? Ohnehin kaum vorhanden, und vllt. hat mein Sohn bis dahin eine Frau, die man damit beglücken kann.
    Ansonsten – warum sollte ich ihre Figuren in der Vitrine entsorgen, ich finde sie weder häßlich noch sind sie so wertvoll, daß ich sie „gewinnbringend“ verkaufen könnte (wenn ich es bräuchte). Das Haus gehört bis dahin hoffentlich uns (mir), so daß ich nicht ausziehen muß und in dem Sinne alles behalten könnte.

    Meine „größte Sorge“ für den umgekehrten Fall gilt eigentlich nur meiner Würfelsammlung. Als meine Frau mal sagte „wenn du mal tot bist, kommt das sowieso alles auf den Müll bis auf 2-3 schöne oder wertvolle“ hat mir einen großen Stich ins Herz versetzt… Es geht nicht um einen Schuhkarton voll, sondern ca. 12.000 Stück. Das kauft wohl keiner „mal eben“ so weg, und das einzeln zu verkaufen ist viel zu aufwendig, doch ich hoffe, daß sie meiner Bitte nachkommt, und die Würfel eher verschenkt oder „unterwertig“ verkauft an jemanden, der sich darüber freut; ich hoffe, ich habe auch dann noch Kontakt zu anderen Sammlern, die ihr dann sicher helfen.
    Der Rest? Entweder „wertvoll“ oder eben wirklich „Müll“ – so traurig wie das ist, aber mit dem letzten Atemzug verpuffen auch viele Erinnerungen…

    • @Henning: Würfelsammlung? So normale sechsseitige, oder eher sowas: https://de.wikipedia.org/wiki/Dungeons_%26_Dragons#/media/File:Dice_in_DnD_session.jpg

  20. In unserer Familie wurde so etwas immer sehr pragmatisch gehandhabt,alles wurde einfach Verteilt so das dem Hinterbliebenen als Erinnerung nur noch die Bilder blieben.Meine Patentante hatte nach dem Ableben meines Patenonkels,ihres Mannes ,seine Bekleidung dem Roten Kreuz übergeben und sich vom Mobiliar komplett getrennt.Letzteres konnte ich aber auch gut verstehen,er war noch einer von der Sorte ist noch gut,kann man noch behalten,aber Schlafzimmermöbel aus den 1950er Jahren sind im Jahre 2000 einfach nur noch hässlich und sperrig.Wenn ich abtrete gibt es abgesehen von Bekleidung eigentlich auch nur noch meine Bücher die sich irgend ein Flohmarkthändler schnappen darf,der Nachwuchs hat schon erklärt kein Interesse an ihnen zu haben und meine Frau sagte das sie froh sein wird diese Staubfänger los zu sein.

  21. Es wäre vermutlich eine Mischung aus weggeben und aufheben. Die guten Klamotten kämen in die Kleiderspende – wir haben eine Partnergemeinde in Litauen, da schicken wir gern was hin. Schwer täte ich mir mit der ganzen Technik-Sammlung. Da mag ich nicht drüber nachdenken. Da würde ich wohl im Freundes-, Familien- und Vereinskreis fragen und alles andere an was sich mein Herz dann nicht aus Sentimentatilät hängt fachgerecht entsorgen.
    Bücher, Bilder und Co. würden bleiben, da hängt ja unser beider Herz dran. Und da spätestens mit dem Ableben das Haus abbezahlt ist … bleiben natürlich auch die Möbel.

    Wir entrümpeln gerade die Keller vom Schwiegerpapa, der aus dem Haus in eine kleine Wohnung umgezogen ist. Also er lebt noch. Und wir Kinder- und Schwiegerkinder hatten durchaus einiges zu Lachen und reichlich Spaß dabei, aber auch durchaus Kopfschütteln, was man so alles aufheben kann … Letztlich stellten wir fest, dass es gut ist, dass wir das jetzt zu Lebzeiten gemacht haben. Wir hätten weniger gelacht, wenn es anders gewesen wäre. Und wir hatten den Vorteil, die Frage stellen zu können: „Papa, sag mal was ist das?“. Ich hab trotzdem Bauchweh beim Gedanken, dass wir irgendwann ja noch mal räumen müssen bei ihm. Hoffentlich erst in ganz ganz vielen Jahren.

  22. Ich würde behalten was ich brauchen kann, der Rest könnte weg. Meinen Partner würde ich so beerdigen, wie es in unserer sehr ländlichen Gegend üblich ist.
    Beim darüber Nachdenken jetzt, ist mir aufgefallen, dass ich keine Erinnerungsstücke brauche. In meiner Wohnung stehen/hängen keine Bilder. Weder von meinen verstorbenen Eltern, noch von meinen Kindern, auch kein Hochzeitsfoto. Ich trage auch keine Bilder im Geldbeutel mit mir herum. Ich brauche das einfach nicht, die Erinnerungen leben in mir. Als meine Mutter starb, habe ich mir aus ihrer Wohnung einzig einen kleinen Schemel mitgenommen, weil ich ihn gut brauchen konnte. Meine Schwester hat den Schmuck und das Auto behalten, dafür auch alles orgnisatorische erledigt. Die Fotoalben sind auch bei meiner Schwester, da wollten wir mal zusammensitzen und schauen wer was bekommt (es sind ja hauptsächlich Bilder von uns als Kinder). Das ist inzwischen schon 10 Jahre her. Ich vermisse nichts. Ich brauche auch kein Grab. Mein Vater lebte zuletzt in Afrika, ist da gestorben, wurde auf seinen Wunsch im Meer versenkt. Für mich kein Problem. Das Grab meiner Mutter ist 300 km entfernt. Ich war nach der Beerdigung nur ein Mal dort, ich brauche das nicht, kann auch so an sie denken.
    Ich arbeite in der häuslichen Krankenpflege und bekomme hier natürlich sehr nah mit, wie Angehörige mit dem Tod eines lieben Menschen umgehen. Wenn es alte Leute sind, eher pragmatisch, man ändert nichts. Meistens schläft der überlebende Partner bis zu seinem eigenen Tod in seinem Bett, neben dem leeren Bett des Partners, auch wenn der Platz knapp ist, auch wenn er immer um das leere Bett herumlaufen muss. Man ist es so gewohnt, will keine „Umstände“. Zuletzt gibt es für die Kinder meist viel zu entrümpeln. Ich kenne alte Frauen, die (zu grosse) Socken und auch Unterhosen ihres jeweils verstorbenen Ehemannes tragen. „Ist ja schade zum wegwerfen, kann man gut brauchen“. Und die Unterhose des Ehemannes ist ein bisschen länger, dadurch auch wärmer…
    Ich kenne auch eine Frau, die die Kleider ihres Vaters nicht weggeben wollte. Sie öffne gerne seinen Kleiderschrank, stecke den Kopf zwischen die Anzüge und Hemden, das rieche immer so gut nach Papa… Auch von „Gedenkzimmern“ für verstorbene Kinder habe ich schon gehört. Aber eigentlich kommt es mir so vor, als ob man hier, auf dem Lande, in den Bergen, eine etwas natürlichere Beziehung zum Tod hat.
    Wie man mit mir verfährt, wenn ich mal tot sein sollte, ist mir inzwischen egal. Ich hatte immer ziemlich genaue Vorstellungen, aber jetzt bin ich der Meinung dass es in erster Linie für meine Kinder stimmen soll.

  23. Ich halte nichts von Schreinen o.ä., für mich zählt nur, was ich „im Herzen“ habe und Menschen, die mir wertvoll sind, begleiten mich immer und überall.
    Aber, das ist meine persönliche Auffassung!

  24. Ich bin grade in der Situation, meine Mutter ist vor einer Woche gestorben.
    Die hatte sehr viel schöne und auch nützliche Dinge, über die ich mich jetzt soweit mir das möglich ist freue. Dafür werde ich dann lieber eigene, alte Sachen wegwerfen.
    Ich werde auch eine kleine „Gedenkstätte“ für sie hier bei mir einrichten. Kein riesiger Traueraltar. Nur eine Kerze, die ich anzünden kann wenn mir danach ist und ein Bild von ihr daneben.
    Alte Familienfotos würde ich niemals entsorgen. Die werden beschriftet und sortiert und irgendwann mal meinen Kindern vermacht. Vorher werde ich sie mir sicher noch oft anschauen.
    Ich finde unsere Familiengeschichte und die alten Bilder wahnsinnig interessant. Wer da anders denkt sollte vllt. in Betracht ziehen, daß sich Kinder oder Enkel einmal so wie ich dafür interessieren könnten. Alles andere kann ja weg, aber so ein Schuhkarton mit Bildern braucht doch wirklich nicht viel Platz.

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