Wie zieht man einen Verstorbenen an? So geht es.

In einem der Frage-Antwort-Portale im Internet fragt ein Leser bzw. eine Leserin, wie man eine Leiche anzieht. Er/Sie möchte das auf Wunsch des bald sterbenden Großvaters selbst machen. Diesbezüglich hat der alte Mann genaue Wünsche geäußert. Der Leser stellt auch die Fragen, mit welchem Kleidungsstück man anfängt und ob die Leichenstarre ein Problem sei.

Die Antworten, die dort gegeben werden, sind wenig zielführend.

„Gib das doch einem Bestatter, einfach Klamotten vorbeibringen, der macht das.“

„Wegen der Leichenstarre: Einfach ein paar Tage abwarten, dann geht die wieder weg.“

Beide Antworten helfen dem Fragesteller ja nix.

Denn er will ja nicht, daß das ein Bestatter macht, sondern mag es selbst erledigen. Und die Leichenstarre wird ein gewisses Problem darstellen, denn der Betroffene wird kaum ein paar Tage abwarten können. Für die Aufbewahrung von Verstorbenen daheim gibt es nämlich ein enges gesetzliches Zeitfenster.
Hierfür stehen 36 Stunden zur Verfügung, dann muß der Verstorbene in eine Leichenhalle auf einem Friedhof. Die Verlängerung dieser Frist muß beim Gesundheitsamt beantragt werden.

So zieht man einen Verstorbenen an:

Wir gehen mal davon aus, daß der Verstorbene unbekleidet ist. Sollte er noch Sachen tragen, die zuerst weg sollen, kann man versuchen, diese abzustreifen bzw. über den Kopf zu ziehen. Bringt das Schwierigkeiten mit sich, empfiehlt sich der Einsatz einer Schere. Mit der wird die Kleidung an den entsprechenden Stellen aufgeschnitten, sodaß sie leicht entfernt werden kann.

Unterhose

Man beginnt dann mit der Kleidung, die dem Körper am nächsten ist, der Unterwäsche.
Die Unterhose wird erst über den einen, dann über den anderen Fuß gestreift. Dann zieht man sie nach oben. Dort wo der Tote mit dem Po aufliegt, ist hier die schwierigste Stelle. Wenn man die Hose aber vorne so weit wie möglich nach oben zieht, bekommt sie schon etwas Zug. Nun greift man links und rechts hinten an den Bund der Unterhose und zieht sie unter dem Verstorbenen vorsichtig ganz nach oben bis sie sitzt.

Unterhemd

Ein Unterhemd ist etwas schwieriger anzuziehen. Am einfachsten geht es mit einem Trägerunterhemd.

unterhemd

Hemden mit Trägern sind einfacher anzuziehen

Aber egal, welches Unterhemd Sie verwenden, es geht folgendermaßen:
Legen Sie das Hemd mit der Vorderseite nach unten und dem unteren Rand nach oben auf den Unterleib des Verstorbenen.
Dann schieben Sie es nach oben und führen beide Arme durch die Ärmelöffnungen. Schieben Sie das Hemd nun bis unter die Achselhöhlen. Das wird nun sehr gekrempelt sein. Die Halsöffnung liegt nun vorne auf der Brust unterhalb des Kinns.
Nun kommt der etwas schwierige Teil.
Die Halsöffnung muß nun über den Kopf des Verstorbenen gezogen werden.

Danach können Sie das Hemd dann ordnungsgemäß nach unten glattziehen. Das geht vorne wieder besser als hinten, wo der Verstorbene aufliegt. Haben Sie einen Helfer, geht dieses Manöver etwas leichter, wenn eine zweite Person der Verstorbenen an Kopf und Schultern etwas anhebt.
Unterhemd in die Unterhose stecken, fertig.

Sonderfall BH:

Bei Frauen soll oft ein Büstenhalter angezogen werden. Das geht zunächst ähnlich wie beim Hemd, die Arme müssen ja durch die Trägeröffnungen.
Beginnen Sie also zunächst damit, daß Sie den BH mit den Körbchenwölbungen nach unten auf den Bauch der Verstorbenen legen. Dann die Arme durch die Trägeröffnungen führen und den BH nach oben bringen. Dabei wird er dann richtig herum gedreht. Das Schließen des Verschlusses geht auch wieder am besten, wenn eine zweite Person Kopf und Oberkörper leicht anhebt. Ansonsten muß man halt unter dem Rücken der Verstorbenen arbeiten. Da die Verschlüsse oft hakelig und winzig sind, kann eine Sicherheitsnadel hilfreich sein.

Ist es schwierig, kann man auch mit zwei Sicherheitsnadeln arbeiten. Dann wird der BH vorne zwischen den Körbchen durchgeschnitten. Der hintere Verschluß wird mit einem Tacker oder einer Sicherheitsnadel vor dem Ankleiden fest zugemacht. Dann kann man den BH komplett unter der Verstorbenen hindurchziehen und später vorne mit der zweiten Sicherheitsnadel verschließen.

Strümpfe

Einem verstorbenen Menschen Socken anzuziehen, ist nicht schwer. Einfach überstülpen, über die Fersen ziehen und glattziehen.
Etwas anders sieht es bei langen Damenstrümpfen aus. Es empfiehlt sich nicht, Strumpfhosen zu verwenden. Diese müßten ja oben erneut unter dem Po hindurch ganz nach oben gezogen werden.
Ist das der Fall, dann machen Sie das eben.
Sie tun sich aber viel leichter, wenn Sie nur lange Strümpfe nehmen und die so weit wie möglich hochziehen. Mit etwas Geschick kann man eine Damenstrumpfhose auch so weit wie benötigt abschneiden.

Damenkleid

Hier gibt es zwei Methoden, die schöne und komplizierte und die weniger schöne und unkompliziertere Methode.

Beginnen wir mit der schönen und komplizierteren Variante.
Fangen Sie wieder so an, daß das Kleidungsstück etwas zusammengerafft wird und mit der Vorderseite nach unten und der Halsöffnung in Richtung Fußende auf den Verstorbenen gelegt wird.
Greifen Sie nun mit einer Ihrer Hände von der Manschettenseite des Kleidungsstücks aus, also von der Öffnung aus, wo die Hände des Verstorbenen herauskommen sollen, eine der Hände des Toten.
Geben Sie dem Verstorbenen quasi durch den Ärmel die Hand. Ziehen Sie nun die Hand durch den Ärmel. Schieben Sie dabei mit der anderen Hand das Kleidungsstück etwas weiter hoch.
Verfahren Sie auf der anderen Seite genau so.
Dann können Sie das Kleidungsstück ganz nach oben schieben.
Nun kommt wieder der Kopf an die Reihe ziehen Sie die Halsöffnung des Kleidungsstücks über den Kopf. Wieder gilt, daß das mit einem Helfer einfacher geht.
Danach kann das Kleid nach unten gezogen werden, was vorne wieder leichter geht als hinten, wo der Tote aufliegt.

die einfachere Variante

lesen Sie weiter unten bei „Aufschneiden“.

Hemden

Bei einem Hemd verfahren Sie bitte genauso, wie beim Damenkleid.
Machen Sie sich keine Gedanken, wenn das alles ein ziemliches Gewurschtel ist, das können Sie alles dann wieder glatt ziehen.

Hosen

Einem Leichnam eine Hose anzuziehen, ist nicht sehr schwer. Die Vorgehensweise ist nicht viel anders, als bei einem Lebenden.
Unter Umständen geht das alles viel einfacher, wenn Sie die Hose hinten am Bund 10 cm senkrecht einschneiden. Dann haben Sie etwas mehr Luft und können die Hose vorne besser schließen.
Haben Sie die Hose nach oben gezogen stecken Sie das Hemd hinein und verschließen Sie sie. Einen Gürtel haben Sie schon vorher eingezogen und schließen ihn jetzt.
Auf Hosenträger können Sie verzichten.

Anzugjacken, Sakkos und Jacketts

Mit der Anzugjacke funktioniert es genauso, wie mit dem Damenkleid und einem Hemd.
Meist stellt sich aber das Problem, daß der Verstorbene jetzt schon Kleidung darunter an hat. Alles wird enger und schwieriger.
Deshalb verwenden viele hier die Schneidemethode, die ich weiter unten beschreibe.

Kleidung aufschneiden

Es gibt viele Gründe, weshalb die oben beschriebenen Methoden zu umständlich oder fast unmöglich sind.
Dann kann man sich gut damit helfen, daß man die Kleidung aufschneidet.

Bedenken Sie, daß man später nur die Vorderseite der Kleidungsstücke sehen wird. Die gesamte untere Körperhälfte ist zudem von der Decke der Sargausstattung bedeckt.

Bei Anzügen, Hemden und Kleidern macht man das so:

Der Schnitt wird hinten senkrecht von unten nach oben geführt. Der Kragen wird hinten NICHT durchgeschnitten.
Das Kleidungsstück kann nun, wie oben beschrieben, angezogen werden. Jetzt muß aber nur noch das kurze nicht durchgeschnittene Kragenstück über den Kopf gezogen werden. Es muß nichts unter dem Verstorbenen hindurch nach unten glatt gezogen werden.
Die Kleidungsstücke haben durch den Schnitt Ähnlichkeit mit den Flügelhemden aus dem Krankenhaus. Sie müssen die Seiten nur noch glatt streichen und Überständiges seitlich unter den Verstorbenen stopfen.

Schuhe / Accessoires

In unserem Kulturkreis verbindet man mit dem Verstorbenen einen schlafenden Ausdruck.
Da man beim Schlafen für gewöhnlich keine Schuhe trägt, werden die Toten meistens barfuß oder mit Strümpfen beerdigt.
Wenn Sie aber Schuhe verwenden wollen, so öffnen Sie die Schnürung weit, verwenden Sie die größten Schuhe, die sie finden können und benutzen Sie einen Schuhlöffel.

Da Verstorbene geschlossene Augen haben, verwendet man üblicherweise keine Brille.
Diese kann aber natürlich aufgesetzt werden, wenn Sie das wünschen.

Abschluß

Nachdem Sie alle obigen Schritte bewältigt haben, geht es ans Glattziehen und Perfektionieren.
Hier mal kräftig und ruckartig gezogen, dort mal glattgestrichen und lieber ein paar Mal mehr probiert und kontrolliert, dann sitzt alles wie angegossen.
Auch ein zu großer Anzug paßt, wenn man Überflüssiges schön stramm unter den Verstorbenen stopft.
Ein zu enger Anzug wird passend, wenn Sie ihn hinten, wie oben beschrieben, aufschneiden.

Diese Arbeit ist nicht leicht. Daher kann man es sich auch einfacher machen, indem man beispielsweise auf Büstenhalter und Unterwäsche verzichtet.
Viele Verstorbene haben auch unten herum gar nichts am. Nur ein Handtuch liegt über dem Schambereich, ansonsten sind sie unten unter der Decke bis auf die Strümpfe nackt.
Das ist nicht schlimm, das sieht ja keiner, die Decke verbirgt das.

Am allereinfachsten ist es, wenn nur ein Pyjama oder ein Nachthemd angezogen werden muß.
Sie können aber auch zum Bestatter gehen und sich dort einen Talar, ein Totenhemd holen. Da gibt es eine riesige Auswahl, sogar solche, die aussehen, als trüge der Verstorbene einen Anzug.
Diese Hemden sind sehr leicht anzuziehen. Der Bestatter erklärt Ihnen auch, wie Sie das machen möchten.

Das Ankleiden eines Verstorbenen können Sie NACH der ärztlichen Untersuchung vornehmen. Es kann zu Hause geschehen, aber auch im Bestattungshaus. Sagen Sie dem Bestatter, daß Sie den Verstorbenen selbst anziehen möchten.

Diese Aufgabe ist nicht einfach. Man muß einerseits die Tricks und Kniffe kennen, andererseits aber stellt einen die emotionale Hürde vor gewisse Schwierigkeiten.
Lassen Sie sich Zeit, sprechen Sie ruhig mit dem Verstorbenen. Spielen Sie vielleicht eine Musik ab, die die Atmosphäre etwas weniger kalt macht.

Alles in allem kann ich es nur empfehlen solche letzten Dienste am Verstorbenen selbst vorzunehmen oder wenigstens dabei mitzuhelfen.

PDF erzeugen
  • 6. März 2017 - 13 Kommentare - Lesezeit ca.: 8 Minuten - Kategorie: Frag den Bestatter

Dir gefällt das? Schenke mir 1 Sekunde und unterstütze mich auf Patreon

Veröffentlicht von

Hier erzählt und informiert der Schriftsteller Peter Wilhelm. Der Sachverständige ist Chefredakteur von "Bestatter heute". Der Satiriker veröffentlicht Satiren und
Produkttests. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor finden Sie u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

peter wilhelm autorenlesung

Peter Wilhelm
Peter Wilhelm6. März 2017

13 Kommentare von 138189.

  1. Ich hoffe ja, dass ich vor meinem Freund „ins Licht hinübergehe“,so nenne ich das, wenn ich sterbe, klingt hübscher, oder?
    Sollte mein Freund vor mir sterben, müsste ich das mit seinen Kindern besprechen, wie das sein soll, so mit letzter Kleidung usw.Er legt ja keinen Wert auf den „ewigen“ Sarg (man weiß ungefähr, wann diese „Ewigkeit“ vorbei sein dürfte..), zieht Urne vor.
    Aber, wie auch immer, dieser Blog ist super! Ich habe das Thema um „wie zieht man einen Toten oder eine Tote an“ nur mal überflogen, um kein Kopfkino zu bekommen. Da ich weder beim Tod meines Vaters, noch beim Tod meiner Mutti anwesend war, weiß also nicht, was sie danach an hatten..

    • @mesie: Da kommen wir dann aber zu einem besonderen Punkt. In Krematorien sind meist keine Privatkleidungsstücke zugelassen. Das hängt mit den empfindlichen Filteranlagen zusammen, die durch verbrennende Kunstfasern verstopfen können. Außerdem erzeugen diese Fasern giftige Abgase.

      Deshalb schreiben die meisten Krematorien Totenbekleidung komplett aus Naturfasern vor. Die beim Bestatter erhältlichen Totenhemden erfüllen diese Anforderung.

      Das bedeutet, daß die Angehörigen entweder Kleidung aus Naturfasern bringen müssen, oder ein Totenhemd nehmen müssen. Eine dritte Möglichkeit besteht darin, den Verstorbenen in seiner eigenen Kleidung aufzubahren und zum Krematorium zu bringen und ihn dort aus- bzw. umzukleiden.

  2. Wir haben Grossmutti auch selber eingekleidet (auf ihren Wunsch hin, den wir aber gern erfüllten. Der Bestatter war dabei und hielt sich im Hintergrund, ausser wir baten ihn um Hilfe/Unterstützung). Mit der Brille vor den geschlossenen Augen hatten wir aber etwas Mühe. Das sah für uns irgendwie zu seltsam aus. Aber die Brille gehörte so sehr zu ihr, wir wollten sie nicht gänzlich weglassen. Wir haben die zusammengeklappte Brille dann mit einem Bügel durch ein Knopfloch der Bluse gesteckt, wie man das vielleicht für ein Nickerchen machen würde, wenn man die Brille nirgens gut hinlegen kann/will.

    • @Doxli: Ja, das ist genau der Punkt. Ohne Brille sehen manche Menschen vollkommen fremd aus. Das gilt umso mehr, wenn man diesen Menschen noch nie ohne Brille gesehen hat, geschweige denn mit geschlossenen Augen.

      Aber eine Brille aufsetzen und dann geschlossene Augen haben? Das geht ja auch irgendwie nicht.

      Die optimalste Lösung wird wohl irgendwann mal Heino bekommen. Geschlossene Augen sieht man hinter einer Sonnenbrille nicht…

  3. Also, Unterhose verstehe ich ja noch (Kulturkreis, Scham und so) aber für was braucht ein Verstorbener ein Unterhemd unter den Klamotten?

    Da nicht zu erwarten ist, dass ein Verstorbener wieder aufwacht, aufsteht und Party macht, ist das Ankleiden doch eher auf „Show“ angelegt, so dass es auf das visuelle Ergebnis ankommt (und wieviel sieht man da überhaupt von der anzuziehenden Kleidung? zumal wenn noch eine Decke darüber kommt) und nicht darauf, ob korrekt angekleidet so wie zu Lebzeiten, mit Socken und Unterhemd.

    Oder bin ich da zu pragmatisch?

    • @Christina: Rein pragmatisch gesehen könnte man von einem Hemd nur das Vorderteil mit dem Kragen zurechtschneiden und dann eine Jacke drüberziehen. Ansonsten könnte der Verstorbene nackt sein und keiner würde es sehen.

      Ja, und so wird es ja auch gemacht, wenn ein Verstorbener ein gekauftes Totenhemd anbekommt.

      Nun ist es aber vielen Angehörigen ein Bedürfnis, daß ihr Verstorbener komplett angekleidet wird. Einige möchten das als letzten Liebesdienst auch selbst übernehmen.
      Wenn es aber nun heißt „komplett“, dann macht ein guter Bestatter das auch komplett.
      Das liest sich oben im Artikel alles umständlicher und komplizierter als es ist. Für geübte Bestatter ist das Anziehen von Unterwäsche bei einem Verstorbenen eine Sekundensache. Das macht deutlich gesagt den Braten nicht fett.

      Ziel eines jeden Bestatters sollte es sein, dem Verstorbenen eine letzte Ehre zu erweisen. Ich habe mir immer die Frage gestellt und deren Antwort vor Augen gehalten: „Wie würde ich wollen, daß ein Bestatter meine Mutter oder meinen Vater behandelt?“

      • @Peter Wilhelm:

        Naja, bei Eltern / nahen Verwandten würde ich wollen, dass die „ordentlich“ im Sarg liegen. [Als mein Vater starb, hatte meine Mutter – ohne Rücksprache mit mir – eine schnellen Kremierung in Auftrag gegeben, und aufgrund langjährliger Lektüre des Bestatterweblogs hatte ich es in Erwägung gezogen, jemanden zum Bestatter zu schicken, bitten den Sarg aufzumachen, um zu schauen, wie er drin liegt, ob alles ok ist. Ich selbst hätte das damals nicht gekonnt. Habe dann aber doch davon Abstand genommen.]

        Jetzt gerade habe ich darüber nachgedacht, wie ich es finde, wenn ich dereinst mit „Show-Klamotten“, aber nacktem Hintern im Sarg liege … naja, solang keiner die Decke lupft …

        Andererseits (wie gesagt, jahrelange Lektüre hier) – dürfte ja eh davon auszugehen sein, dass bei Kremierungen eh ein Großteil den Weg ins Feuer mit nacktem Hintern bzw ohne Klamotten antreten. (Das hab ich doch richtig verstanden, oder?)

        PS: [off topic] wir waren unlängst bei einem Vortrag / Show von Mark Benecke. Dank Bestatterweblog wußte ich ja, dass an ein und demselben Verstorbenen sowohl Fäulnis als auch Austrocknung auftreten kann … und jetzt hab ich auch noch den visuellen Eindruck.

        Und wenn ich mir dann noch an die anderen Fotos denke … (um wieder aufs Thema zu kommen) – ich glaub, ein nackter Hintern ist nicht das Schlimmste, was einem Verstorbenen passiert, sofern er erdbestattet wird.

    • @Christina:
      Das „warum“ könnte ich Dir nicht beantworten, aber nach dem Tod meines Vaters haben meine Mutter und ich ganz selbstverständlich auch (neue) Unterwäsche samt neuem Hemd und der restlichen Kleidung beim Bestatter abgegeben.

      • @Melancholia: Wenn dieses Thema angesprochen wird und sich die Familie für eigene Kleidung entscheidet, bringen 99% der Leute komplette Sachen inkl. Unterwäsche. Nur die wenigsten allerdings bringen Schuhe mit oder fragen, ob sie welche bringen sollen.

        Anders ist das in Italien, da wird kaum jemand ohne neue schöne Schuhe bestattet. Das wiederum führt dazu, daß der Pietätwarengroßhandel extra für diesen Zweck sehr gut aussehende, aber keineswegs haltbare Schuhe aus lackierter Pappe anbietet.
        Es gibt auch Anzüge, extra für Verstorbene, die sind aus dünnstem Material gefertigt und etwa so liederlich verarbeitet, wie billige Karnevalskostüme.
        Es zählt halt wirklich nur der Schein.

  4. Erst einmal vielen Dank für den sehr interessanten Beitrag.

    Das Kleidung auch teilweise aufgeschnitten wird war mir bewusst.
    Allerdings muss ich sagen, dass ich den Gedanken schrecklich finde, dass die Kleidung eines mir lieben Menschens aufgeschnitten wird. Natürlich ist es dem Verstorbenen egal, wenn die Hinterbliebenen noch mal die Möglichkeit bekommen am offenen Sarg Abschied zu nehmen sehen sie das auch nicht. Also eigentlich ist es „egal“.
    Ich finde nur den Gedanken dahinter, dass die Kleidung die man für seinen lieben Verstorbenen liebevoll ausgesucht hat (Kleidung die der Verstorbene vielleicht sehr gerne hatte oder neue Kleidung die der Verstorbene nie tragen konnte) dann aufgeschnitten wird irgendwie falsch. Es löst in mir ein unangenehmes Gefühl aus.
    Wie gesagt, ich kann es nachvollziehen aber es ist etwas was mir unangenehm aufstößt.
    Aber vielleicht sehe ich das auch einfach zu eng..

    • @Klakki: Nunja… „Würdevoll bestatten“, das ist die Aufgabe des Bestatters. Ich schrieb oben schon, dass es eine sehr gute Methode ist, sich als BEstatter vor Augen zu halten, wie man selbst einmal behandelt werden möchte, oder wie man möchte, dass mit seinen eigenen Verwandten umgegangen wird. Wenn man das als Maßstab anlegt, ist man auf dem richtigen Weg.

      Unter Berücksichtigung dieser Sichtweise ist es also geboten, auf Wunsch der Angehörigen den Verstorbenen komplett zu bekleiden und die Kleidung auch nicht zu zerschneiden.

      Als ich meinen Betrieb noch recht neu hatte, haben meine Männer die Kleidung aufgeschnitten. Sie kamen alle von anderen Bestattern und hatten es dort nicht anders kennengelernt. Es ist dies die Methode, die am wenigsten schwierig ist und die auch ein Mann alleine bewältigen kann.

      Mir hat das nicht gefallen. Daß einem Verletzten die blutigen Kleider vom Leib geschnitten werden, weil man sie sonst nur unter Schmerzen ausziehen könnte, sehe ich ein.
      Aber wenn es darum geht, einen Verstorbenen anzukleiden, ist es zu bevorzugen, das mit intakter Kleidung zu tun.

      Nun ist es aber so, daß nicht alle Verstorbene -aus welchen Gründen jetzt auch immer- sehr gut bewegt werden können. Hier spielt die Leichenstarre auch eine Rolle, wenn auch nicht die entscheidende.
      Da ist dann die vereinfachte Methode manchmal die bessere.

      Man darf auch nicht vergessen, daß es sich nicht um Schaufensterpuppen handelt, die sich mancher vorstellt. Bei Deko-Puppen kann man die Arme abmachen…

      Außerdem wird dem Verstorbenen im Zuge einer Einbalsamierung oder auch der normalen hygienischen Versorgung mehr „zugemutet“, als es ein aufgetrenntes Sakko bedeuten würde.

      • @Peter Wilhelm: Vielen Dank für die ausführliche Antwort!
        An die Leichenstarre hatte ich jetzt gar nicht gedacht muss ich gestehen. Aber natürlich, das ist wieder sehr einleuchtend das es dann manchmal einfach nicht anders geht.

        Ich hatte es damals in meinem Schulpraktikum erlebt, dass den Verstorbenen die Kleidung aufgeschnitten wird und fand das damals schon sehr unangenehm. Wie Du (ich bin mal so frei und dutze :P ) ja schriebst, es geht ja darum den Verstorbenen würdevoll zu bestatten.
        Natürlich, wenn es auf Grund von Leichenstarre oder sonstigem nicht anders geht (daran habe ich wie gesagt jetzt nicht gedacht), dann wird versucht im Rahmen der Möglichkeiten eine würdevolle Bestattung und eine würdevolle Herrichtung durchzuführen.

        • @Klakki: Aber selbstverständlich kannst Du mich duzen. Das ist seit jeher hier im Bestatterweblog so üblich. Ich sieze nur, wenn mich jemand in einer Anfrage oder einem Kommentar siezt.

          Nochmals zum achtsamen Bestatten:
          Ein kleineres Unternehmen hat sicherlich mehr Möglichkeiten, individuelle Wünsche und Belange zu berücksichtigen. Wenn man weiß, daß eines der großen Unternehmen der Branche in seiner Hauptniederlassung in Berlin Platz für um die 200 Verstorbene hat, dann kann man sich denken, daß dort anders gearbeitet wird.
          Das soll nicht heißen, daß dort schlechter gearbeitet wird.
          Aber wenn sich beispielsweise ein kleines christlich ausgerichtetes Institut hinstellt und für jeden Verstorbenen ein Gebet spricht, nur um mal ein Beispiel zu nennen, müßte ein so großes Institut einen eigenen Vorbeter einstellen.
          Irgendwo ist das ja alles auch eine Frage des Geldes und des Zeitaufwandes.

          Und die Leichenstarre. Die löst sich auch wieder und ein geübter Bestatter kann sie auch durch Massieren der Muskeln und Weichbiegen der Gelenke wieder lösen. Allerdings ist und bleibt das ein verstorbener Mensch, der auch nicht im Geringsten bei Ankleiden mithilft. Und trotz gelöster Leichenstarre bleiben die Gliedmaßen immer noch etwas steif.

          Ja, und wie muß man sich Leichenstarre vorstellen? Ich erkläre das angehenden Bestatter gerne anhand eines gerade aufgetauten Tiefkühlhähnchens. Wenn man das anfaßt, hat man eine gute Vorstellung davon, wie sich in etwa auch ein Verstorbener anfühlt. Und wenn man da mal die Beine des Hähnchens bewegen möchte, merkt man, wie steif die sind. Hat man aber den Hauptmuskel des Beines ein paar Mal gedrückt und dabei die Gelenke vorsichtig bewegt, löst sich diese Steifheit.

Schreibe einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Bitte beachte die Nutzungsbedingungen des Bestatterweblogs!

Du bist ein Troll? Fein! Dir kann geholfen werden. Klicke hier!

Dein Kommentar ist nicht erschienen? Dann klicke bitte hier für weitere Informationen!

Diese Smileys kannst Du nutzen, und das bedeuten die Zeichen oben in der Textbox.