Wir sind entsetzt und enttäuscht

Ich hatte Dir die schrecklichen Erlebnisse geschrieben, die wir anlässlich der Bestattung unseres Vaters erleben mussten. Die Rechnung hatten wir Dir eingescannt und zugesandt. Jetzt schreibst Du, das sei alles völlig normal und die Rechnung sei einwandfrei. Das finden wir nicht, wir sind sehr enttäuscht.

Ich habe mir wirklich viel Mühe gegeben, Eure lange Mail sorgfältig zu lesen und habe auch ausführlich und in allen Einzelheiten dazu Stellung genommen. Die von Euch geschilderten „Unglaublichkeiten“, die Euch „bis ins Mark erschüttert“ haben, sind ganz normale Kleinigkeiten, die überall passieren, ja fast schon zum normalen Ablauf gehören und einen erwachsenen Menschn normalerweise in keinster Weise aufregen sollten. Vor allem sehe ich darin keinen Grund, die Rechnung des Bestatters, so wie Ihr es vorhabt, nicht zu bezahlen.

Ihr habt geschrieben, daß Euch der Sarg in der Trauerhalle dunkler vorkam, als im hell beleuchteten Ausstellungsraum des Bestatters. So what? So ist das eben, wenn man sich was bei Festbeleuchtung raussucht und es dann im Kerzenschimmer erneut anschaut. Auch die Aussage: „Darauf hätte uns ein guter Bestatter aufmerksam machen müssen“, halte ich für fehl am Platze, denn sowas weiß man.

Der zweite Punkt war der mit den Totengräbern. Ihr schreibt: „Die ganze Beerdigung war für uns eine Farce, nichts wert und der Tag war uns total verdorben, weil auf dem Weg zum Grab an einer weit entfernten Stelle drei Totengräber in grüner Arbeitskleidung einen Grabstein auf einen kleinen LKW verluden. Die haben dann zwar mit der Arbeit aufgehört bis mein Vater beigesetzt war, aber wir waren entsetzt darüber.“
Ja hallo? Geht’s noch? So einen Friedhof zu erhalten und in Betrieb zu halten erfordert mannigfaltige Arbeiten und mehr als die Arbeit während einer Beerdigung ruhen zu lassen, kann man kaum tun. Außerdem verladen nicht ‚Totengräber‘ Grabsteine auf LKW, sondern vermutlich waren das Mitarbeiter eines Steinmetzbetriebes.

Ihr regt Euch besonders darüber auf, daß der Bestatter ein Abzocker und Wucherer ist:
„Beim ersten Gespräch rechnete der Bestatter exakt 1.921 Euro aus. Als wir dann die Rechnung bekamen schlugen wir die Hände über dem Kopf zusammen. Unglaublich was sich diese Abzockerfirma da erlaubt hat. Sie haben uns ganze 300 Euro mehr in Rechnung gestellt.“
Ich habe das Angebot und die Rechnung, von Euch eingescannt, vorliegen: Der Bestatter ist nur um 86 Euro von seinem ursprünglichen Angebot abgewichen. Das ist in Anbetracht der Unwägbarkeiten und der Endsumme durchaus als minimal zu bezeichnen. Die restlichen 216 Euro Mehrkosten sind doch dadurch entstanden, daß Ihr noch Kränze und Blumenschmuck nachgeordert habt.

Auch Eure Beschwerde, „die Leichenwagenfahrer hätten so böse geguckt, daß es den Angehörigen einen bleibenden Schrecken gemacht“ hätte, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Die haben vermutlich ernst geguckt, so wie es der Situation angemessen ist. Wären sie etwas freundlicher gewesen, hättet Ihr Euch doch beklagt, daß die sich über Euch lustig gemacht und nicht genügend Würde an den Tag gelegt hätten.

Auch: „Der Bestatter hat aber gesagt…“ und „das ist jetzt bei der Rechnung aber anders“…
Ich sehe hier das von Euch übersandte Angebot. Das hat man Euch direkt im Anschluß an die Beratung mitgegeben, da steht exakt, was Ihr für welchen Preis bekommt. Ich weiß genau, wie das ist: Da erklärt man dreimal deutlich einen Sachverhalt und irgend so ein Klugscheißer babbelt ständig dazwischen, weiß alles besser und läßt sich nicht belehren. Trotz intensiver Bemühungen geht der mit genau der falschen Ansicht, mit der er gekommen ist nach Hause und behauptet hinterher, so habe der Bestatter ihm das gesagt und seine Schwester/Schwägerin/Tante sei Zeugin.

Wie gesagt: Ich schaue mir übersandte Rechnungen und Schilderungen ausführlich an und da lese ich manchmal Dinge, die haarsträubend sind. Aber in Eurem Fall: Was wollt Ihr eigentlich?
Die Rechnung kürzen? Gar nicht bezahlen? Vergesst es!

Fehler durch Lektorin Anya bereinigt.

Download PDF PDF erzeugen
  • Veröffentlicht am: 31. Mai 2008
  • 23 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

23 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Ganz besonders beleidigend ist ja, dass an dem Tag der Beerdigung Fernsehprogramm lief. Und das auf ALLEN Sendern! Nicht nur das, es soll sogar Leute gegeben haben, die ganz normal zur Arbeit gingen, wobei der Bahn- und Flugverkehr auch weitergeführt wurde, als sei nichts passiert. Und wie wir im Nachhinein erfuhren, hat sich sogar die Erde weitergedreht – einfach so! Ohne auch nur eine einzige Schweigeminute einzulegen.

    Also wirklich, wir sind sehr enttäuscht.

  2. Das „…wir sind sehr enttäuscht“ ist an Dreistigkeit ja wohl kaum zu überbieten, nachdem du dir derart viel Arbeit für diese Nölköppe gemacht hast.

  3. kann ich was von dem Kopf-Tisch-Schaum haben?
    Wie unverschämt ist das eigentlich? Sind wahrscheinlich genau dieselben, die sich hier bei Deinen Geschichten über Zahlungsunwillige amüsieren und sich über die Dreistigkeit der Zeitgenossen auslassen, und jetzt macht man genau dasselbe? Gehts noch?

  4. Das waren deutliche Worte Tom, ich hoffe das der Emailschreiber sich diese zu Herzen nimmt.

    Zu den Arbeiten auf dem Friedhof. Wärend meines Abiturs habe ich in einer Friedhofsgärtnerei gejobbt. Zu den Pflanzzeiten waren wir den ganzen Tag auf den beiden Friedhöfen in der Nähe. Natürlich haben wir auch nicht weitergearbeitet wenn eine Beerdigung in Sichtnähe war. Aber was erwarten diese Leute? Das man geht und am nächsten Tag wiederkommt? Das man nur noch schwarze Arbeitskeidung auf dem Friedhof tragen darf?
    Anscheinend sind diese Personen total Weltfremd, oder sie gehören zu der Sorte Menschen die sich auch in einem Restaurant das teuerste Essen bestellen, das ratzeputz wegfuttern und hinterher nicht zahlen wollen weil es verzalzen war….

    By the way – wer zahlt mir meine Kopf-Aufschlag-Delle in der Tischplatte? ;)

  5. Mir stellt sich im Moment die Frage, ob Familie jemals vor hatte, die Bestattung zu bezahlen. Ich erkenne keine Gründe, sondern nur Ausreden!

  6. Häää, erst bittet man Tom um eine Meinung, Tom macht sich die Mühe und beschäftigt sich damit. Dann wird gemosert, weil man nicht der gleichen Meinung ist? Der Undertaker ist in einer no-win Situation, entweder wird er angemotzt, oder die Leute rennen mit einem Ausdruck von Tom gleich zu ihrem Bestatter und wollen mit Hinweis auf den Experten nichts zahlen.

  7. Also wenn mal an meiner Beerdigung der Leichenwagen durch die Stadt faehrt und da stehen irgendwo Bauarbeiter an einer Strasse durch die der Wagen faehrt, erwarte ich, dass der Bestatter die komplette Bestattung kostenlos macht _und_ zusaetzlich an alle Angehoerigen Schmerzensgeld zahlt. Und wehe, es regnet! Dann zahlt er fuer den Rest seines Lebens! Ausserdem haette er sagen muessen, dass ich, wenn ich tot bin, anders aussehe als zu Lebzeiten! Und wenn er mir einen Kostenvoranschlag macht, erwarte ich, dass er aufgrund seiner Erfahrung weiss, wenn meine Angehoerigen spaeter noch zusaetzlich Sachen ordern! Ich bin sehr enttaeuscht!

  8. Die E-Mail-Schreiber erscheinen mir einfach als miese Preisdrücker. Schreckliche Erlebnisse? Dass ich nicht lache.

    Ich habe auch den Eindruck, sie wollten nie bezahlen. Das sieht für mich danach aus, als ob sie schon bei der Beerdigung nach Gründen ausschau gehalten haben nicht zu bezahlen. Da sie auf der Beerdigung nichts gefunden haben, haben sie gehofft, dass Tom einen Mitbewerber in die Pfanne haut.

    [quote]Da erklärt man dreimal deutlich einen Sachverhalt und irgendsoein Klugscheißer babbelt ständig dazwischen, weiß alles besser und läßt sich nicht belehren. Trotz intensiver Bemühungen geht der mit genau der falschen Ansicht, mit der er gekommen ist nach Hause und behauptet hinterher, so habe der Bestatter ihm das gesagt und seine Schwester/Schwägerin/Tante sei Zeugin.[/quote]Ich nenne das das Pippi-Langstrumpf Syndrom. Dieses „wenn ich die Augen zumache und mir das ganz fest wünsche, dann ist das so“ Verhalten. Finger in die Ohren stecken und „Lalala“ singen. Frei nach Pippi Langstrumpf:

    [i]Zwei mal drei macht vier
    Wi di wi di wir machen uns die Welt,
    Wi di di wi di wie sie uns gefällt.
    [/i]

  9. Wieso eigentlich war dieses Blog während der Beerdigung nicht offline?
    Pietätloser Sauhaufen, das!

  10. So langsam verstehe ich, warum die Bestatterin bei der Beerdigung meiner Mutter extrem nervös wurde, als der Organist nicht auftauchte. (Was mich übrigens überhaupt nicht gestört hat — ich hatte sowieso Musik erst dann geordert, als mir nahegelegt wurde, daß es ja nun ohne nicht gehe. Ich fand es eh schöner ohne.)
    OK, da er nicht da war, habe ich auch nicht vor, ihn zu bezahlen, aber bitteschön, ich käme nie auf die Idee, da jetzt dem Bestatter wegen an den Karren zu fahren oder dem irgend etwas nicht zu bezahlen.

    Dito die Tatsache, daß es nunmal das Ende der Tulpensaison war, und orange nicht mehr aufzutreiben waren, und es rote und gelbe Tulpen stattdessen gab. Auch wenn meine Mutter rote Tulpen nicht sonderlich mochte, das wußte erstens die Bestatterin nicht, und zweitens, nun, es gab halt keine orangen mehr.

    Nachzahlen mußte ich auch — so ist das halt, wenn die Verstorbene zwar alles vorher gezahlt hat, aber eigentlich keine Trauerfeier wollte, und wir trotzdem eine gemacht haben. Kostet halt dann auch.

    Das alles finde ich nicht unglaublich, nicht haarsträubend, ich bin nicht entsetzt, nicht schockiert, nicht traumatisiert. Vermutlich macht mich das pietätslos oder so …

  11. Ich denke,Menschen die sich vor der Rechnung einer Beerdigung drücken wollen oder da noch verhandeln,haben den Menschen den sie unter die Erde gebracht haben nicht geliebt…

  12. Das ist ja schon fast wieder lustig.

    Die Arbeiter machen halt ihren Job auf dem Friedhof, auch wenn für die Angehörigen ein Trauerfall schlimm ist, so geht doch das Leben für alle weiter. Es ist doch schön, das die Arbeiter ihre Arbeit aussetzten um der Trauergruppe und dem Toten Respekt zu zollen.

  13. Komisch was manche Leute noch alles auf einer Beeredigung mitbekommen… Als mein Pa beerdigt wurde, habe ich außer einem Sarg und einer langen Reihe Menschen nichts gesehen… *jetzt nachdenklich sei*

  14. @Ivi t.B.: Damit sprichst du mir genau aus der Seele. Bei der Beisetzung meiner Mutter hätte ein rosa Elefant neben dem Grab stehen können und ich hätte es nicht gesehen…Mein Vater hat vom Krankenhaus aus die Beerdigung organisiert, ohne zu wissen, ob er überhaupt rechtzeitig entlassen werden würde. Der Bestatter hat meine Mutter so lange es ihm nur irgend möglich war, aufbewahrt und uns den wirklich allerletzten möglichen Termin gegeben. Ich weiss zwar, dass unser Vater meinem Bruder und mir ausführlich im Krankenhaus erzählt hat, was er sich vom Bestatter gewünscht hat, und der hat uns das auch noch mal später in seiner Filliale gesagt, aber ich konnte mich an dem Tag an nichts mehr erinnern. Die Beerdigung war schön, mein Vater war zufrieden, also, was wirds wohl gepasst haben. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass er den rosa Elefanten bemerkt hätte…

    Gruss
    S.

  15. Entweder der IQ solcher Leute ist niedriger als die Raumtemperatur in einer ungeheizten Lagerhalle in Island im Winter, oder es handelt sich einfach um Abzocker, die die Rechnung kräftig senken wollen.

  16. Auf die Idee, dass hier nur jemand nörgeln und provozieren will kommt Ihr nicht? Mir erscheint das eher wie ein Fall von Bloggerspam.. oder so.. :-)

  17. hmm, einer der Männer der meinen Opa abgeholt hat, der hatte da ein blaues Auge…bekomme ich jetzt Geld zurück? ;-) *gg* ich glaub das ja gar nicht woran man sich so alles hochziehen kann….ich hätte da gar kein Kopf für gehabt.

  18. Wenn ich mir einen Anwalt für etwas leiste, was ich verbockt habe, dann ist er dazu da, mich herauszupauken wofür bezahle ich ihn denn?
    Wenn der eigene Anwalt zum zweiten Staatsanwalt wird.
    Und wenn ich dem Undertaker schreibe, und eine Rechnung prüfen lasse, dann hat gefälligst ein Preisnachlass nicht unter 20% herauszuspringen. Und wenn nicht, dann ist das der Beweis dafür,dass auch bei Euch keine Krähe der anderen ein Auge aushackt und Ihr alle unter einer Decke steckt. So!

  19. Du hattest ja schon öfters von Kunden à la „Sie wollen uns doch nur übers Ohr hauen. Mein Mann hat studiert, der wirds Ihnen schon zeigen!“ berichtet. Ich befürchte, das Blog lässt eine ganz neue Problemkundenkategorie sprießen, die „Ich weiß besser wie das zu laufen hat, ich lese beim Undertaker“-Kunden.

  20. Bei uns wollten mache Kunden den zum Teil sehr teuren Totenschein nicht bezahlen, weil sie es unverschämt fanden. Wir haben dann beschlossen, nicht mehr in Vorlage zu gehen, sondern haben dem Arzt die Adresse der Angehörigen gegeben, sollen sie die Rechnung dort hin schicken!
    Dasselbe beim Gärtner: Rosen zu rot, allgemeines nicht gefallen und so weiter, leider mussten wir auch da sagen: Bitte bestellen sie die Blumen selbst! Anders kann man sich gegen Berufsnörgler und Preisdrücker nicht mehr wehren!!
    Liebe Grüße!

Schreibe einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Bitte beachte die Nutzungsbedingungen des Bestatterweblogs!

Du bist ein Troll? Fein! Dir kann geholfen werden. Klicke hier!

Dein Kommentar ist nicht erschienen? Dann klicke bitte hier für weitere Informationen!

Diese Smileys kannst Du nutzen, und das bedeuten die Zeichen oben in der Textbox.