Zufrieden

Es ist Nadines zweiter Tag und ich bin angenehm überrascht. Keine weiße Schminke, nur schwarze Haare und viel Kosmetik um die Augen, schwarze Kleidung. Passt.

Gestern hatte sie Schnuppertag bei Frau Büser, das hat ganz ordentlich geklappt. Alle gestellten Aufgaben verstanden und beharrlich innerhalb der erwarteten Zeit erledigt. Weil’s der erste Tag war, durfte sie um drei Uhr gehen. (Für Klugscheißer: 15 Uhr)
Heute hatte sie Erfahrungstag mit Sandy im technischen Bereich bei den Verstorbenen. Aus verständlichen Gründen sprechen wir da nicht von Schnuppertag, ist ja klar.

Das hatte schon ein anderes Kaliber und nachdem Nadine das erste Mal eine Leiche gesehen hatte, wollte sie tapfer durchhalten, aber Sandy hat gesehen, daß das Mädchen doch etwas zu blass um die Nase wurde. Kurze Pause, Kaffee, dann ein tiefer Blick in meine braunen Augen und einmal tief durchgeatmet. „Geht schon“, sagte Nadine, „ich komm‘ da schon klar mit, bloß die war so häßlich.“

Sandy nickt, schmunzelt in einer Mischung aus Hilflosigkeit und Überlegenheit und erklärt mir, daß die Verstorbene wirklich sehr alt und unansehnlich war, sie muß aber schon zu Lebzeiten nicht gerade eine Schönheit gewesen sein und der Tod hat sie offenbar nicht verschönert.

Aber das gehört nun eben mal zum Beruf des Bestatters dazu. Die nächste Aufgabe lag Nadine mehr, sie hat mit Sandy zusammen Särge „gekloppt“. Anbohren, Griffe und Deckelschrauben montieren, ausschlagen, polstern usw.

Nach allem was ich von den Mitarbeitern höre, schlägt sich die Neue wacker.
Das könnte was werden.

Fehler durch Lektorin Anya bereinigt.

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  • Veröffentlicht am: 19. August 2008
  • 14 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

14 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Sobitte! Nicht alle Klischees bewahrheiten sich zwangsläufig. Es kann ja nicht jede(r) Antonia sein …

  2. Nadine,
    wir lieben dich jetzt schon und wenn Tom dich schon „liebt“, dann hat das auch schon viel zu bedeuten.
    Na gut, wenn man an Antonia (und viele andere, die unter diesem Synonym genannt wurden) zurückdenkt, ist jeder ein Gewinn, der ohne Schmalzbrot in der Hand und/oder Puderzucker um den Mund in das Geschäft kommt.
    TOM, wir wollen mehr von Nadine wissen!!! Wie wäre es denn mal mit einem Foto wie bei Sandy (schlafende Schönheit unter dem Schreibtisch)??!!??!! :-)

  3. Das freut mich. Von Herzen. Ich drück die Daumen.

  4. Wie, Bestatter legen bei der Innenausstattung ihrer Erdmöbel selbst Hand an? Ich hatte mir immer eingebildet, die würden fertig angeliefert.

  5. @Bombur:
    Und wenn einer es lieber innen rosa statt weiss haben mag? Dann müsst man alles rausreissen und wegschmeissen ;-)

  6. ich hätt gedacht, dass Toni oder Manni die Sargklopper wären.

  7. Nu, is doch klar, Nadine wird Sandys Nachfolgerin, wenn sie etliche Blogeinträge später mit einer bisexuellen Bodybuilderin nach Boston auswandert… ;-)

  8. Ich hätte jetzt auch gedacht, das die Särge schon fertig angeliefert werden. Das ist ja ein wirklich sehr vielfältiger und umfangreicher Beruf….hätte ich nie gedacht.

    @Nadine, halte durch, kleine Lady, wird schon werden. ;-)

  9. Da ich von Natur aus ein bösartiger Mensch bin, muss ich einfach die hier vorherrschende Euphorie ein wenig dämpfen….. ;)

    Klingt mir alles nach einer dieser typischen Ich-wiege-alle-erstmal-in-Sicherheit-und dann-kommt-das-dicke-Ende-Geschichten a lá Undertaker…..

    Wenn hier keine Damen mitlesen würden, würde ich glatt meinen A…. drauf verwetten….

  10. @Deichgraf: Du tendierst in Richtung Soapopera?
    Da das hier erst der Anfang ist, sind alle Wege noch offen. Z.B. wenn alle gerade abwesend sind, und sie das Haus hütet, zieht sie einen Megaauftrag an Land. Ein andermal vergeigt sie etwas. Ihr Freundeskreis holt sie zum Feierabend öfters ab, und jene sitzen dann vor dem Laden und warten. Vielleicht schaut auch öfters mal die Mama unter irgendeinem Vorwand herein, weil sie sehen will ob es der Tochter gut geht und nervt. Dann vielleicht noch ein Schuß Liebe und Herzschmerz. Vielleicht weil ihr Freund/in gebracht wird und sie davon völlig überrascht wird. Vielleicht verliebt sie sich noch in Sandy……..
    Man sieht, es ist noch alles offen – ganz offen.

  11. @ Mac Kaber: Irgendwie blieb ich beim Lesen des Wortes Soapopera mit dem Auge wie an einem Nagel hängen und bekomme seitdem „Sopa-Popra“ nicht mehr aus dem Kopf. Danke dafür ;-)

  12. Hey das freut mich! Bin ja schonmal gespannt was noch für Geschichten so kommen. Neben Toni „Backpfeife“ und Antonia „ich hab Hunger“ doch mal was brauchbares :-)

    Eventuell hast du ja echt Glück und eine neue Mitarbeiterin wird geboren.

    Apropos Antonia :-)
    Sie erinnert mich irgendwie immer an Kung Fu Panda *lach*

    „don’t tell monkey“
    [img]http://img.timeinc.net/time/daily/2008/0805/kung_fu_panda_0515.jpg[/img]
    (Antonia nur am Fressen)

    sonst Tom:
    [img]http://bp2.blogger.com/_UBXVlM70j-I/SCn2jm7529I/AAAAAAAAAJg/SyC-SQRYSmA/s320/kung+fu+panda.jpg[/img]

    (die Bilder sind copy. natürlich vom Urheber )

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