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Körperwelten

Von

Warst Du eigentlch schon einmal in der Totenausstellung bei Prof. Gunter von Hagens? Und wie hat es Dir gefallen?

Ich hatte nicht nur Gelegenheit, die Ausstellung Körperwelten zu besuchen, sondern ich habe lange zuvor schon einmal das Institut für Plastination besichtigen können.

Vom Verfahren, das Herr von Hagens entwickelt hat, bin ich fasziniert.
Die dadurch zu erzielenden Präparate sind gut wie nie zuvor.
Was ich allerdings von den Ausstellungen halten soll, bei denen Menschen in teilweise aberwitzigen Posen gezeigt werden, weiß ich nicht; dazu habe ich ein sehr ambivalentes Verhältnis.

Peter Wilhelm 28. Mai 2012


16 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Dieser Beitrag wird viele Kommentare auslösen. Ich war vier mal drin. Nie unter dreieinhalb Stunden. Ich habe sehr lange bei einzelnen Exponaten verweilt und sehr viel gelernt. Beim Schachspieler, den ich für übrigens für eine sehr würdige Darstellung halte, habe ich die ganz genau die Hände und die Verläufe der Nervenbahnen auch am Rücken studiert. Verläufe von Blutgefäßen, Aneurismen (Gefäßwandbrüche) und viele andere Dinge wurden mir so trotz lebenslanger Schulungen erst richtig begreiflich. Mein Liebling ist der Schachspieler, gefolgt von dem Mann der seine Haut zu Markte trägt (historisches Vorbild, mittelalterl. Kupferstich), hier sind die Muskeln das Thema für mich gewesen.Den Reiter auf dem präparierten Pferd fand ich sehr beeindruckend. Auch die Schwangere betrachtete ich mit Respekt und lies mir von ihr meine Fragen beantworten. Während der „Ersatzteilmensch“ für mich im Grenzbereich war, da er schon fast zu viel Fachliches auf engstem Raum vereint, half er mir, meinen Patienten so manche Frage, manche Unklarheit aufzuklären. Doch bei Exponaten, bei denen es zu künstlerisch
    wurde, und eine zu starke Verfremdung stattfand wie z.B. bei dem zerfledderten, rennenden Boten, da ging ich gleich weiter und dachte nur: „Das hätts jetzt nicht gebraucht, nein, gwiss nicht“! Alles, was er in den einen Objekten positiv herüber brachte, macht er hier in diesen wieder kaputt. Da ist ihm der Gaul durchgegangen.

  2. Über die dargestellten Posen kann man sich streiten, aber eindeutig zweifelhaft ist wohl die Herkunft einiger Präperate.

  3. Was sollte an dieser Ausstellung makaber sein? Alles, was man zu sehen bekommt, ist wie ein Mensch von Natur aus erschaffen ist.
    Der eine läßt sich beerdigen, der andere plastinieren. Egal, nach Austritt der Seele ist die „Wohnung“ Körper sowieso überflüssig. Probleme haben immer nur die Angehörigen, nicht aber die Betroffenen…
    Ich selbst fand die Ausstellung (damals in München) sehr interessant!

  4. @undertaker: wollte schonmal jemand nach dem ableben und vor der Bestattung plastiniert werden oder jemanden plastinieren lassen?

    Hast Du eine Ahnung, ob das rechtlich möglich wäre und wie teuer (also teuer, wirklich teuer, extrem teuer) das wäre?

    Wenn ich mich nicht täusche, werden Totgeburten doch erst seit einiger Zeit (auf Wunsch?) bestattet und wurden sonst wie anderer „OP-Abfall“ auch -öhm- behandelt. Mir kommt es selber hoch seltsam und makaber vor, aber in solchen Fällen wäre wohl theoretisch ein plastinieren und mit nach Hause nehmen denkbar – oder verrät mir jemand meine(n) Denkfehler?

  5. @Torsten: Wir haben schon sehr häufig Verstorbene zum Institut für Plastination nach Heidelberg geliefert, auch wenn das immer mit hohen Kosten verbunden ist, weil ja die weite Überführung auch zu Buche schlägt. Was das Institut in Rechnung stellt, weiß ich nicht. In diesem Bereich hat sich ja seitdem kein Sterbegeld mehr gezahlt wird, einiges verändert.
    Die Körper verbleiben dann aber beim Institut, sind also dem Institut übereignet. Eine Rückgabe an die Familie, um sich z.B. den plastinierten Opa in die Ecke zu stellen, ist nicht möglich.
    Überhaupt ist das was Herr von Hagens macht, nach seiner Darstellung wissenschaftliche Arbeit. Die Körper dienen also wissenschaftlichen Zwecken. Hier setzt auch die Kritik vieler Gegner seiner Ausstellungen an, die bezweifeln, ob manche dieser Exponate tatsächlich noch wissenschaftliche Lehr- und Schauobjekte sind oder ob sie Showobjekte sind.
    Jedwede Verwendung von Verstorbenen etwa zu nichtwissenschaftlichen Zwecken wäre eine Störung der Totenruhe.

    Was die Früh- und Totgeburten anbetrifft, so wurden und werden die tatsächlich mit dem Klinikmüll entsorgt. Das Mindestgewicht, um bestattet werden zu können, lag bei 800 gr AFAIK. Tatsächlich ist es aber so, daß wir sehr häufig erwachsene Verstorbene in der Klinik abholen und am Fußende ein kleines in Stoff gewickeltes Bündel vorfinden. Wir bestatten diese, vom Klinikpersonal so mitgegebenen Frühchen dann mit. Heute können diese aber unter bestimmten Bedingungen auf Wunsch der Eltern auch beigesetzt werden.

  6. > Eine Rückgabe an die Familie, um sich z.B. den plastinierten Opa in die Ecke zu stellen, ist nicht möglich.

    Ich bin mir sicher, dass das möglich sein wird, bevor der Mensch den Mars betritt. Ok, nicht @home, aber in einer Gruft.

    Gesetze/Verordnungen ändern sich mit Zeitverzögerung. Sie dienen ja (im Idealfall) den Menschen und nicht umgekehrt.

  7. Laut von Hagens ist ein Körper, nachdem er plastiniert ist kein Leichnam mehr, sondern umgewandelt in einen Gegenstand aus Kunststoff. Nur die exacte Form des Präparats erinnert halt an seine tatsächliche Herkunft. Wenn ich diese Plastinate mit denen, z.B. in der Feldprosektur der SanAkademie der Bundeswehr vergleiche, so können diese Originale in Spiritus niemals den Plastinaten das Wasser reichen. Diese perfekten Darstellungen von Weichteilen waren zu früheren Zeiten nie möglich und so kam es, dass viele Fachbesucher Erkenntnisse gewonnen haben, die ihnen seither verborgen geblieben wären.

  8. @keiner: Dein Wort in Lumumbas Ohr! Wenn das so schnell geht, wie die Freigabe von Urnen, um sie daheim auf den Kaminsims zu stellen, dann wird das vor 2233 nichts.

    @MacKaber: Es ist absolut faszinierend, wie detailliert die Präparatoren das hinbekommen. Der wissenschaftliche Nutzen ist unbestreitbar und unzweifelhaft.

  9. > Dein Wort in Lumumbas Ohr!

    Da würde ich jetzt aber gerne wissen, wie Du darauf kommst.
    Also Lumumba (& Belgisch-Kongo).
    In der Tagesschau hiess es damals, das dessen undertaker allesamt erschossen wurden, um das Grab unbekannt zu halten.

  10. Kleiner Hinweis zu den Ausstellungen:
    a) Wer diese besucht, muß bereit und fähig sein, seine ethischen Einstellungen zu hinterfragen und damit auch klarkommen.
    b) es ist interessant, das Verhalten der anderen Leute bei der Ausstellung zu beobachten.

    Das Einzige, was mich an einer Plastination stören würde: 20 oder 30 Jahre später, wenn die Modeerscheinung abgeebbt ist, in irgendeinem Magazin Staubfänger spielen zu dürfen.

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